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Der wichtigste Teil an einem Kaninchen sind seine Ohren: Daran zerrt es der Zauberkünstler aus dem Zylinderhut. Damen wissen ebenfalls Kaninchen zu schätzen: Solange die Batterie frisch ist, flattern ihre Öhrchen heftig an einem Körperteil herum, das man in der Öffentlichkeit besser unter Kleidung verdeckt hält.

Doch nun hat eine japanische Firma ein ganz besonders Kaninchen aus dem Hut gezogen: Es ist so klein, dass man es mit einer Maus verwechseln könnte, und gerade dieser Mäusecharakter soll wohl ein Hauptvorteil des Mini-Kaninchens sein - zudem verweist der Hersteller auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Schnauze, der Ohren und des Schwanzes - und es sucht ganz dringend eine Höhle zum überwintern.

Batterien vom AA-Typ liefert der Hersteller mit - sie sind in einem getrennten Gehäuse untergebracht, sodass sie die Bewegungsfreiheit des mausigen Kaninchens nicht behindern.

Wer immer es geschenkt bekommt, wird „ach wie süß" sagen - und wenn die Geliebte dann für eine halbe Stunde verschwindet, weiß der Schenkende, dass seine Wahl vorzüglich war.

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Es gibt noch bei weitem trostlosere Gegenden in Berlin als ausgerechnet Tempelhof – schon nach zwei Tagen ist der Besucher davon überzeugt, wenn er nicht gerade auf Sightseeingtour im Nachtleben der City ist.

Wer weiß, wie der Flughafen Tempelhof heute aussieht, der erwartet auch von der Umgebung nichts: City-Flughafen ja, doch in Wahrheit ähnelt das Ganze eher einem Provinzbahnhof. Wer dort nicht bleiben will, versucht, in den angrenzenden Lokalen einen freundlichen Platz zu finden, doch er wird enttäuscht: in den wenigen Lokalen (es sollen sechs an der Zahl sein) herrscht gähnende Leere. Doch da ist ein Café: ein Wiener Kaffeehaus sozusagen, das einen wundersamen, aber anheimelnden Eindruck macht.

Ein älterer Herr steht auf, wohl der Wirt, fragt, was es sein dürfe. Ich blicke auf den unwienerischen Kuchen, der geradeswegs aus der Konditorei nebenan zu kommen scheint: Essbar, möglicherweise, aber wienerisch keinesfalls. Ich bestelle einen Kaffee, werde gefragt, welchen Kaffee, und denke: doch wienerisch, bestelle eine Melange, woraufhin der Wirt merkwürdig guckt: einen Melange? Woher kennen Sie eine Melange, mein Herr? Nun, aus Wien, entgegne ich, und aus Ungarn, selbstverständlich.

Ich sehe: der Herr ist kein Wiener, kein Österreicher, kein Deutscher, kein Berliner: Bulgare sei er, ein Freund der Künste, Pianist, nun ja, Sammler auch. Redet von Liszt, von Wiener Musik, die eben nur Wiener beherrschen, und von schwarzer Musik, die eben nur Schwarze beherrschen … „oder haben Sie schon einmal einen schwarzen Geiger im Symphonieorchester gesehen?“. Eine Antwort wollte er nicht.

Auf Flohmärkten, so sagte er, kauft er, was hier zu sehen sei: Die Bilder von schönen Frauen zum Beispiel: „Die schönsten Frauen der Welt“, und natürlich ist Sissy auch darunter, nebst mehreren Geweihen von jagdbarem Wild.

Ob ich seine Ikonen gesehen hätte? Er sammle alle Heiligen, freilich vor allem die seiner Kirche, der orthodoxen. „Wissen Sie, wir bezahlen keinen Papst“, sagt er, und dann: „Warum müssen wir Christen in drei Gruppen zerspalten sein?“, doch schnell wechselt er das Thema: „Ein König, ein guter König, das wäre das beste für das Volk“ – einer, der Rosen pflanzen ließe.

Ich verlasse das Lokal, nachdem ich die Zeitung zum dritten Mal gelesen hatte, um die Wartezeit zu verkürzen und betrete wieder die Abfertigungshalle, die einer Bahnhofshalle gleicht: Vielleicht sollte ich ein Lokal eröffnen, in dem Sissy und andere schöne Frauen nebst Geweihen von jagdbarem Wild hängen: jeden Freitag wäre dann eine Gesprächsrunde über die Schönheit der Frauen, die Jagd generell und die Möglichkeit, sich dabei ein Geweih einzuhandeln. Vielleicht auch eher über etwas Anderes.

 

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