anstoss

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Können Sie hier lesen - und sich wahlweise totlachen oder schwarz ärgern.

Manchmal denke ich, dass die alten Zeiten nie vergehen – und dann denke ich an Humpty Dumpty, nämlich an dies:

`When I use a word,' Humpty Dumpty said, in rather a scornful tone, `it means just what I choose it to mean -- neither more nor less.'
`The question is,' said Alice, `whether you can make words mean so many different things.'
`The question is,' said Humpty Dumpty, `which is to be master -- that's all.'
(From “Through the Looking Glass and what Alice found there”)


Nun haben die Humpty Dumptys in Deutschland also das Wort „Unterschicht“ neu erfunden – und beinahe die gesamte deutsche Presse plappert es munter nach. Kommunikation? Eventuell sogar kritische, intelligente Kommunikation? Offenbar sagen dazu selbst viele Journalisten „nein, danke“ – und plappern ihr Schulwissen von gestern aus Büchern von vorgestern aus.

Es ist wirklich ein Jammer mit dieser Plapperei - nur eines ist sicher: Man darf sich die Etiketten, die einem die Arroganzler aus den vorgeblichen Elitegruppen gerne aufpappen würden, gar nicht erst anheften lassen - und hat man sie bereits, so muss man sie abreißen. Nichts, aber auch gar nichts ist gefährlicher, als sich selbst als „Unterschicht" zu definieren. Wer glaubt, es zu sein, der ist es auch bald.

Was es politisch bedeuten könnte, beschreibe ich anderwärts – hier geht es mir um die Menschen, die als Unterschicht abgewertet wurden – von Wissenschaftlern. Es geht nicht wirklich um Unterschichten – es geht darum, den falschen Eliten auf die Finger zu klopfen – und ihnen damit die Chance, Etiketten wie „Unterschicht“ zu vergeben, endlich zu entreißen.

Sehen Sie, an Gewicht abzunehmen, ist ganz einfach: Sie essen sehr wenig, trinken viel Wasser und berücksichtigen noch drei oder vier Ratschläge ihres Arztes. Erfolg ist ganz einfach: Sie konzentrieren ihr Leben trichterförmig auf Ihre Karriere, treten durch ungewöhnliche Ideen und Leistungen hervor und berücksichtigen noch zwei oder drei Ratschläge eines erfahrenen Managers oder Personaltrainers. Die Umgestaltung des Lebens ist auch ganz einfach: Sie stellen fest, wo sie sind, schreiben auf, wo sie hinwollen und lernen ein paar Methoden, dort nicht den Wölfen zum Opfer zu fallen.

Sie können natürlich auch Schlankheitsmittel in der Apotheke kaufen, ein Erfolgsseminar für 3000 Euro (wenn es denn reicht) belegen oder ein Umgestaltungsprogramm für Ihr Leben mit einem Persönlichkeitsberater entwickeln, nachdem sie einige einschlägige Kurse in einer der derzeit populären Methoden besucht haben.

Warum das ausgerechnet ich Ihnen sage? Weil Sie, bevor Sie irgendeinen Kurs belegen oder irgendeinen Coach konsultieren eines wissen müssen: Sie müssen die Arbeit selber tun. Die Methode hilft ihnen ein bisschen - oder vielleicht auch nicht.

Am Ende wissen die meisten Menschen nicht, ob sie ihren Wandel mithilfe einer Methode, durch ganz andere Einflüsse oder trotz der Anwendung der Methode hatten. Fragen Sie doch mal Ihren Chef.

Sie ahnen es: Der Liebesfallenartikel war schon in Arbeit - und er kam auch ohne Ihre Mithilfe zustande. Allerdings finden Sie nicht, wie Sie vielleicht erwartet hatten, eine Bestandsaufnahme, sondern 10 Tipps, um gar nicht erst in Liebesfallen hinein zu geraten.

Bleibt, natürlich, die Frage, wie man wieder herauskommt. Haben Sie dazu Vorschläge? Ich bin gespannt.

Nun habe ich das Magazin „Changes“ doch extra wieder aufgefrischt, damit Sie einen Nutzen davon haben (ich habe kaum einen, es kostet mich vielmehr nichts als Geld) – und jetzt nutze ich es kaum noch. Oder doch? Sehen Sie, gerade arbeite ich an einem Artikel über „Liebesfallen“ – nun, sie haben Recht – es sind immer die labilen Charaktere unter uns, die in diese Fallen hineintappen. Aber: Was sind die Köder? Worin verbeißen sich Männer gerne und worin Frauen? Was machen Sie, wenn sie drin sind und nur noch zappeln können, weil der Weg hinaus versperrt ist?

Und: Sind Blinddates manchmal Köder, um sex- oder liebeshungrige Frauen und Männer einzufangen und dann kräftig abzuzocken? Was meinen Sie (wenn sie wollen, bitte gleich, bitte hier – oder aber per Email an meine Adresse).

 

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