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flat for sale

Vorausschicken möchte ich, dass ich zwei sehr detailliert beschriebene Wohnungen in der Zeitung hatte.

„Hat Ihre 1-Zimmer-Wohnung einen Balkon?“
„Nein, Sie hat keinen Balkon – es kostet zu viel Wohnfläche, in kleine Einzimmerwohnungen Balkons einzubauen, wissen Sie - aber Sie könnten die Wohnung natürlich umbauen.“
„Und sind die 45 qm die Nettowohnfläche?"
„Ja, die Nettowohnfläche, etwas unter 45 qm.“
„Und die Grundfläche?
„Die liegt bei 60 qm, wurde aber nicht vermessen“
„Dann hat sich die Sache schon erledigt.“

„Macht nichts, schönen Tag noch“.

(Einer von ca. 40 Anrufern)

„Hat Ihre 3-Zimmer-Wohnung-Wohnung einen Balkon?“
„Nein, eine Loggia - eine Art Wintergarten“
„Ach so, eine Loggia – dann hat sie also keinen Balkon?“
„Nein, aber bei einer Loggia haben Sie auch eine Art Balkon.“
„Ich denke, ihre Wohnung hat keinen Balkon?“
„Nein, sie hat eine Loggia – einen überdachten, verglasten Balkon“.
„Hat sie nun einen Balkon oder nicht?“
„Nein, sie hat keinen Balkon, sondern eine Loggia.“.
„Nein, dann habe ich kein Interesse“.

„Macht nichts, schönen Tag noch.“

(Ein anderer von ca. 40 Anrufern)

Bevor ich vergesse, Ihnen dies zu erzählen: Meine Wohnungen sind noch unverkauft. Inzwischen hatte ich bereits zwei wild entschlossene Kaufinteressenten – die Sache hatte aber beide Male den selben Haken: bei beiden ist inzwischen die Finanzierung geplatzt.

Interessant fand ich, dass beide mit mir bis zur Schmerzgrenze verhandelt haben – nur die Rechnung mit der Bank zu machen, das hatten sie offenbar vergessen.

Eine Wohnung sollte man bei Tag besichtigen, und so hatte ich denn vier Interessenten für meine 3-Zimmer-Wohnung an einem sonnigen Herbstnachmittag: Drei Damen wohl und ein Herr. Ich sage „wohl“, weil ich nur zwei der Damen wirklich gesehen habe und den Herrn gar nicht.

Beginnen wir mit der Dame, die ich nicht wirklich sah: Sie kurvte in einem Sportwagen im Hof des Nachbarn herum, fragte dort nach der Hausnummer und wurde beschieden, dass es sich um das Vorderhaus handele, nicht um das Hinterhaus. Daraufhin ein kurzer, abfälliger Blick auf das (ganz tadellose) Haus – und fort war sie.

Die zweite Dame war von der stillen Sorte. Sie habe, so sagte sie, einst einen Angestellten der Firma gekannt, die vor langer Zeit im Erdgeschoss ihre Residenz hatte. Wer immer sie war – sie war keine Interessentin, sondern hing wohl der einen oder anderen Erinnerung nach. Wohl etwas zu viel – jedenfalls erinnerte sie sich nicht mehr an das kleine, aber deutlich gekennzeichnete Knöpfchen, das die Haustür von innen ohne Schlüssel öffnet, die sich sonst überhaupt nicht öffnen lässt – irgend jemand hatte in dieser seiner Not auch durchaus schon einmal die Sicherheitsglasscheibe einzuschlagen versucht.

Die Dritte dann interessierte sich wirklich – etwas scheu und wohl noch nicht ganz überzeugt, ob sie denn überhaupt etwas kaufen wollte, und wenn ja, was es denn sein könnte. Immerhin war sie wenigstens interessiert – was man an den Fragen erkennen konnte. Doch echte Wohnungsinteressenten fragen zumeist mehr – zum Beispiel nach den Rücklagen und dem Zustand der Heizung (sie ist fast neu).

Wie ich bereits ankündigte, berichte ich stets zeitversetzt, um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden. Eines allerdings habe ich inzwischen auch festgestellt: Interessenten sollten bei wirklichem Kaufinteresse rechtzeitig mit ihrer Bank reden – bei fehlendem Eigenkapital sind Banken nicht so schrecklich großzügig bei der Vergabe von Geld.

 

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