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Heute habe ich also erfahren, dass es Neo-Konservative gibt. Nach den Neo-Liberalen nun also die zweite Gruppe, die den dümmlichen Zusatz bekommt: Fehlen noch Neo-Sozialdemokraten, Neo-Sozialisten, Neo-Kommunisten (das hat wenigstens im Osten Sinn), Neo-Nationalisten und vielleicht noch Neo-Christsoziale.

Zudem habe ich wieder einmal zur Kenntnis genommen, dass es proamerikanische, projüdische und proisraelitische Blogger im Netz gibt: Nun sind sie dran – sie dürfen nämlich diese Liste noch mit mehreren Dutzend Ländern ergänzen, für die man auch noch sein kann. Vielleicht Proweihnachtsinsulanisch? Proeuropäisch sind Blogger sowieso nicht: Sie zermatschen mit Schadenfreude so ziemlich alles, was EU heißt (genießen aber selbstverständlich gleichzeitig die EU-Vorteile).

Natürlich kann man auch kontra sein. Antiamerikanisch zu sein, ist ja für viele Blogger, wie es scheint, Blogdorfpflicht. Antijüdisch zu sein darf allerdings kein Blogger zugeben, da macht es sich schon besser, wenn man antideutsch ist, wie ein Teil der Blogs linker Extremisten. Anti-EU ist, wie schon erwähnt, sehr, sehr schick, während es verpönt ist, antischwedisch zu sein – dort sind doch die Mädchen so schön blond.

Irgendwann muss einmal jemand eine Antiblödheitsinitiative für Blogger gründen, denke ich. Aber da „anti“ immer so schlecht klingt, machen wir es vielleicht umgekehrt: Wie wäre es mit einer Prointelligenzinitiative? Aussichtslos, denn die meisten Blogger, die den Blödsinn mit „Neo“, „Anti“ und „Pro“ schreiben, haben einen Universitätsabschluss, halten sich also bereits für intelligent. Also lieber gar keine Initiative. Warten wir einfach, bis die Blogs dieser Leute verschwunden sind.
Daniel Kulla meinte am 26. Sep, 02:16:
Jetzt schon mitbekommen, daß es Neocons gibt? Gibt's dann bald die mit den Lesern geteilte Überraschung über die Existenz neuer EU-Mitglieder und so vieler anderer verwirrender Phänomene? Dann möchte ich mit meinem "Blödsinn linker Extremisten", den ich gar ohne Uni-Abschluß zustandebekomme, nicht weiter stören und verschwinde aus dieser einfachen und fast schon beneidenswert übersichtlichen Welt. 
sehpferd antwortete am 26. Sep, 06:56:
Eine Frage der Denkweise
"Neocon" ist ein Jargonausdruck für "Neokonservativ", ein Kunstwort wie "Neoliberal", "Neosozialistisch" oder meinetwegen auch "Retrosozialstisch".

In meinem Artikel ging es in erster Linie darum, diese neuen Kunstwörter auf das zu reduzieren, was sie sind: Worthülsen ohne wirkliche Bedeutung. 
Daniel Kulla meinte am 26. Sep, 14:18:
Das ist nicht alles dasselbe und die Begriffe sind mehr als nur Modewörter - diejenigen von dir aufgezählten Bezeichner, die wirklich Verwendung finden, sind aus einem zumeist nachvollziehbaren Distinktionsbedürfnis entstanden. So wollen antideutsche Komunisten zurecht weder mit den leninistischen Parteikommunisten noch mit liberalen Deutschland-Gegnern in einen Topg geworfen werden, da sie grundsätzlich andere Positionen vertreten.

Zu den Neocons: Wie so oft hilft die Wikipedia ein Stück weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Neocon

Nu ja. 
sehpferd antwortete am 26. Sep, 14:34:
Das nachvollziehbare Distinktionsbedürfnis ...
... drückt doch wohl schon aus, wie wenig Sie sich mit ihren Begriffen auf solidem Boden befinden. Ich kenne noch die Diskussion um Konservatve und Altkonservative, Liberale und Altliberale. Mit den Jahren wird halt das Gewöhnliche alt, und das Neue wird gewöhnlich. Dann müsste Ihre Fakultät die Alt-Altliberalen und die Neo-Neokonservativen erfinden. Wenn sie sich damit absolut lächerlich machen wollen - bitte schön

Lassen sie mich bitte noch dies sagen: Welche Etiketten sie auf Ihre ideologischen Schuhkartons kleben, ist mir völlig wurscht. Ich beurteile die Qualität von Schuhen danach, ob sie passen. 
Daniel Kulla antwortete am 27. Sep, 04:44:
Der Prozeß der Erkenntnis setzt sich immer weiter fort. Das muß sich irgendwie abbilden. Ich versteh das Problem nicht. Es gibt Empirische Kulturwissenschaft, weil die klassische Ethnologie völkische Tendenzen aufwies und kulturellen Rassismus förderte. Da nicht mit dem einfachen Ausscheiden der klassischen Ethnologen zu rechnen war, wurden neue Institute gegründet. 
sehpferd antwortete am 27. Sep, 07:11:
Wenn es denn um die Erkennnis geht ...
... dann besteht ja noch Hoffnung. 
Daniel Kulla antwortete am 27. Sep, 21:21:
Es darf gern auch darum gehen, daß die Welt weniger schrecklich ist. 
sehpferd antwortete am 27. Sep, 23:00:
Gerne ...
... aber Sie müssen nicht unbedingt eine Oper daraus machen. 
Daniel Kulla antwortete am 29. Sep, 11:53:
Äm, eine Oper? Komponieren Antideutsche Opern? Machen Neocons das? 
 

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