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Das wöchentliche Geblubber aus den Algen - fast immer sonntags - aber dieses Mal nicht

Sonntags soll aus den Algen blubbern – doch irgendwie gibt die Blubbermaschine nichts her: freilich schüttele ich häufig den Kopf – aber nützt es etwas? Da will mir ein Blogger kundtun, dass die heutige Schülergeneration die Erste wäre, die jemals von Konkursen, Arbeitslosigkeit, Überproduktion und Kaufzurückhaltung gehört hätte. Soll ich ihm ein Geschichtsbuch schenken? Eines, in dem das Ende der Ära jenes unsäglichen Kanzlers Ludwig Ehrhard beschrieben wird, der durch „Maßhalteappelle“ bekannt wurde? Nun, ich halte die meisten Linksblogs ohnehin für die Nachfolgeprodukte jener Agitation, die einst das SED-Regime in der DDR erfunden hat: Der Stil passt, die Verdrehung der Tatsachen auch und natürlich die erlernte Rhetorik, mit der anders Denkende immer in die Ecke neoliberaler Idioten gestellt werden, gerade so, als ob die verdammte Linke sich nicht vom Brot der gleichen Wirtschaftsordnung ernähren, würde wie ich.

Natürlich kann man auch den Kopf schütteln über die Kulturdiskussion: als ob die deutsche Kultur rein wäre wie die jungfräuliche Braut. Keine indogermanischen Einflüsse? Keine Römischen? Keine Französischen und Italienischen? Keine Slawischen? Keine Jüdischen? Alles irgendwann einmal ganz neu Stein auf Stein gesetzt, als das Christentum in die Volksseele eingepflanzt wurde?

Was glaubt dieses Volk eigentlich, woher es seine Kultur hat? Die Religion kommt von den Juden und Römern, der Geist von den Arabern und Griechen, die Freiheit und Gleichheit aus Frankreich und die Demokratie aus England. Zuzüglich der Kleinigkeiten: die deutschesten aller Deutschen, die Gebrüder Grimm, haben ihre Märchen in Frankreich zusammengestohlen, und selbst der deutsche Jugendstil hat seine Ursprünge in Japan.

Meinetwegen sind wir eine Kulturnation. Aber dann bitte eine, die allen Einflüssen gegenüber offen ist: Wer das Rotkäppchen importiert, muss auch dem Wolf die Grenzen öffnen. Tut man das nicht, kommt so etwas wie der Adenauer-Staat dabei heraus.

Hörte ich „deutsche Leitkultur“? Da antworte ich doch „deutsche Lachkultur“.
 

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