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Eric Kroll, einer der bekanntesten (und sicher einer der am meisten überschätzten) Erotik-Fotografen, versuchte, dem Redakteur von „Clean Sheets“ klar zu machen, was der Unterschied zwischen seiner Fotografie („New York Girls“) und der von John Willie ("Betty Page") ist.

Hier seine Antwort: “The obvious difference between John Willie's period and mine is Adobe Photoshop. He didn't have it.”. Na schön: Der Hauptunterschied zwischen den Restaurants der alten Zeit und denen der Neuzeit ist Maggis Würze. Das ist fast genau so intelligent.

Das ganze Interview dann hier. Ohne Würze.

Als ich das Wort heute Morgen zum ersten Mal las, schwamm es noch in der Wörtersuppe herum wie alle anderen auch: das Wort „kinderentwöhnt“. Erst als ich es hörte, gar noch aus dem Munde einer leibhaftigen Ministerin, ging mir ein Licht auf. „kinderfeindlich“ wird in Zukunft im Rahmen eines Wortverdrehungsprogramms in „kinderentwöhnt“ umgewandelt.

Fragt sich, was das soll. Diese Republik ist, insgesamt genommen, nicht sehr freundlich zu Kindern und keinesfalls „kinderentwöhnt“. Wer einmal ein kinderfreundliches Land sehen will, darf sich gerne in einem der skandinavischen Länder orientieren und dann vergleichen.

Was sagte nun die Ministerin? Dieses: „Wir sind zwar kein kinderfeindliches Land, aber ein kinderentwöhntes“. Neu daran ist neben dem neuen Ersatzwort vor allem, dass „wir“ ein „Land“ sind – bisher dachte ich immer noch, wir seien Bürger eines Landes.

Richtig sollte es so heißen: Unter den Bürgern dieses Landes gibt es zu viele, die Kindern unfreundlich gegenübertreten und ihre Belange nicht ernst genug nehmen. So wird ein Schuh draus und so kommen wir auch der Wahrheit einen Schritt näher.

Man benötigt ein kleines Päckchen, das die nötigen Zubehörteile enthält, vor allem aber eine Melone: Dann ist Viola fertig, von der gesagt wird, sie wolle niemals hinterher schmusen.

via blogywood

Irgendetwas ist passiert innerhalb der deutschen Bloggerei – und ich habe es nicht einmal am Rande mitbekommen. Mag sein, dass es so ist, weil Handys sind für mich Telefone sind und keine Soundmaschinen, mag aber auch sein, dass ich die einschlägigen Fernsehsender, die angeblich die Werbung der nervenden Klingeltöne verbreiten, nicht sehe. Die Rede ist von „Jamba“, einem Unternehmen, das Klingeltöne verkauft, von einem Blogger, der das Geschäftsgebaren dieses Unternehmens kritisiert hat und von der Verbreitung dieser Information über weitere Blogger.

Mag sein, dass ich als Empfänger solcher Nachrichten auch nicht in Frage komme – mit Klingeltönen beschäftigt sich offenbar vornehmlich die Jugend, ja, und selbst wenn ich alles doch gesehen oder gelesen hätte – die Sache wäre mir, mit Verlaub, zu trivial gewesen.

Das allerdings ist nicht das Ende der Geschichte, sondern erst der Anfang. Urheber der ganzen Erregung, ich sagte es schon, war also ein Blogger, der ein Weblog namens Spreeblick führt. Von ihm ging die Geschichte aus, und er steht heute wieder im Mittelpunkt: Sat 1, ein kommerzieller deutscher Fernsehsender, hatte die Sache innerhalb seiner Sendung „Planetopia“ nicht gerade zugunsten des Bloggers dargestellt. So etwas soll vorkommen. Na und?

Plötzlich jaulen sie, die Blogger, genau jetzt, wo es einen von ihnen getroffen hat. Die Presse mag Prominente, Politiker oder auch mal einen Tatverdächtigen zur Sau machen – das hat meine Damen und Herren Bloggerkollegen noch nie interessiert – es sei denn, sie hätten dazu noch Beifall geklatscht. Doch die Hintergründe solcher Berichte waren so gut wie allen stets schnurzpiepegal – abgesehen von vielleicht einem Dutzend deutscher Blogs, die ich zu kennen glaube. Damit ich nicht missverstanden werde: Klar muss man eine Berichterstattung bemängeln, die nicht den Tatsachen entspricht. Aber es gab schlimmere Presseausrutscher, und vor allem solche, die Menschen wirklich geschadet haben. Die Reaktionen der Blogger, wie wir sie heute vorfinden, sind zum großen Teil völlig überzogen. Merkwürdigerweise hauptsächlich bei den nicht direkt Betroffenen: der Schockwellenreiter reagierte gelassener.

Würden wir nachdenken, bevor wir schreiben, könnten wir Erkenntnisse gewinnen. Zum Beispiel, wie Pressearbeit funktioniert. Oder wir könnten erkennen, dass wir einen Teil der öffentlichen Kommunikation darstellen, und nicht zuletzt, dass wir deswegen auch für die Wirtschaft interessant sind. Bereits vor einigen Tagen erschien ein Artikel, der unserer Wirtschaft rät, sich mit Bloggern zu befassen: Wer etwas zu sagen hat, kann auch Gutes über Wirtschaftsunternehmen sagen.

Der Spiegel brachte die Sache schon vor Tagen auf den Punkt: Was immer passiert ist, es hat dem Spreeblick genützt: Er hat seine Stammleserschaft vervierfacht. Man möchte ergänzen, dass viele Ereignisse der letzten Wochen und Monate den Blick auf die Blogger gelenkt haben, und es hat uns allen genützt. Machen wir uns doch bitte zu nutzen, was jeder Werbemensch weiß: Es ist gut, wenn über uns geredet wird. Vorrangig spielt dabei gar keine Rolle, wie man über uns redet. Oder hören wir ruhig einmal hin, was das angegriffene Unternehmen „Jamba“ zu sagen hatte: „Das Ganze ist nicht zuletzt PR in eigener Sache für die Blogger-Community". Na also. Was wollen wir denn eigentlich noch? Den Pulitzerpreis?

Wer etwas über das deutsche Wesen erfahren will, insbesondere darüber, warum in diesem Lande so wenig zustande kommt (und anderwärts eben mehr), muss lesen, was eine deutsche Tageszeitung zur neuen Kopenhagener Oper schreibt. Nein, wirklich Negatives gab es nicht, außer ein paar vernachlässigbaren architektonischen Details, die man vielleicht auch anders hätte lösen können.

Aber die Unverschämtheit, seiner Stadt eine neue Oper zu schenken, dafür 335 Millionen Euro auf den Tisch zu legen und dann noch selbst bestimmen zu wollen, wie sie aussieht, die muss man natürlich breit auswalzen – und am Ende verurteilen: der Staat sei viel zu zahm und zahnlos, deshalb verlöre er die Fähigkeit, derartige Geschenke abzulehnen.

Die Rheinische Post will als erste deutsche Zeitung die „neue Schreibkultur der Blogger“ in eine Printmedium wandeln: Leser sollen für Leser schreiben. Einen Vorgeschmack kann man sich in der Online-Ausgabe holen.

Na bitte: alle sind sich wieder mal einig: Wir haben zu wenig Kinder, allesamt, und das soll sich ändern.

Ausnahmsweise trifft Frau Merkel diesmal den Nagel auf den Kopf: „Es muss ein klares gesellschaftliches Signal geben, dass insbesondere die Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, nicht benachteiligt werden“. Gut gesprochen. Fragt sich nur, warum dies in anderen Ländern problemlos möglich ist und in der Bundesrepublik nicht. Wenn ich es mir leicht mache, sage ich, dass die von der CDU geführten Regierungen vergangener Tage mit ihrem konservativen katholischen Hintergrund die Ursache waren. Aber ich mache es mir nicht ganz so leicht.

Könnte es sein, dass wir in Deutschland Frauen zu lange idealisiert haben als Maiden, Mütter und Musen? Gab es nie die Sprüche von Küche, Kinder, Kirche? Und lernen Mädchen in Deutschland nicht immer noch in Massen Berufe, die als „Jungmädchenberufe“ gelten, weil die jungen Frauen sie so schnell wie irgend möglich wieder aufgeben?

Letztlich bleibt die Frage: Wer sind eigentlich die Verursacher? Politik? Wirtschaft? Gesellschaft? Männer? Könnte man nicht wenigstens in Erwägung ziehen, dass auch Frauen einen Anteil daran haben, dass sich Familie und Beruf angeblich nicht miteinander vereinbaren lassen? Warum ist es den dann beispielsweise so genannten „allein Erziehenden“ möglich?

Nun ja, vorläufig hat auch Frau Merkel nichts als Sprüche parat, die sich in der Presse gut lesen, so wie dieser: „Wir müssen in Deutschland wieder ein Klima schaffen, aus dem die Familien wieder mehr Zukunftszuversicht schöpfen". Vielleicht hat sie Glück damit: es es wird ja bald Frühling. Oder hatte Frau Merkel mit „Klima“ etwas anders gemeint?

 

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