anstoss

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Eine Dame brachte mich auf das Schachspiel – und dabei fällt mir „Sechs“ ein. Sie wundern sich? Nummer Sechs natürlich. Die Episode mit dem Schachspiel:

„Im Ort wird ein real-schachspiel veranstaltet. Nummer Sechs wird zur lebenden spielfigur und trifft auf einen außergewöhnlichen schachspieler, der viel über psychologie weiß. Nummer Sechs und der turm-spieler planen, ein boot zu kapern. Währenddessen wird eine frau hypnotisch behandelt und auf Nummer Sechs angesetzt. Kann er sich auf den Turm verlassen?“

Immer die gleichen Fragen. Kann man sich auf den Turm verlassen? Wird einem die Dame nützen? Soll man einen Bauern opfern? Werden wir uns befreien können von diesem Schachbrett? Können wir Nummer Zwei bezwingen? Und wer ist Nummer eins?

Wenn Sie glauben, ich sei meschugge geworden, haben Sie niemals „Nummer Sechs“ gesehen, oder „The Prisoner“. Anyway: „Wir sehen uns ...“

No, just a joke brought to you by Volker Weber (VOWE)

Sie haben also noch Hoffnung?“

Ja – zum Beispiel, dass ich irgendwo schreiben könnte, wo ich wirklich gelesen würde - und nicht angeklickt.

Die Times-Redakteure bloggen unter anderem auch – würden Blogger behaupten. In Wahrheit nutzen sie die Form des Blogs für die täglichen Marginalien - das amüsiert Leser, die nicht ganz so tief in die Tinte getaucht werden wollen.

Damen können es sich besonders bequem machen: Sam Lyster (Sam ist nicht zwangsläufig ein Männername, meine Damen) schreibt nämlich dort fast täglich über das eigentliche Lustobjekt der Frauen: Schuhe.

Nicht wie hin. Oder auch hier hin.

„Deus Caritas Est“ soll die erste Enzyklika des neuen Papstes heißen, und die Gerüchteküche in Rom brodelt offensichtlich, denn der Papst schreibt Deutsch, dann wird ins Lateinische übersetzt, und von dort vielleicht wieder zurück ins Italienische und all die anderen Sprachen? Und was ist mit den päpstlichen „Harmonisierungsbemühungen“ zwischen dem Text des neuen Papstes und einer Übernahme des Textes des verstorbenen Papstes?

Der Vatikan sprich zwar nur von „Übersetzungsproblemen“, doch soviel wollen Insider wissen: Es gäbe längst "Spannungen“ zwischen zahlreichen Institutionen und Personen.

Am 25. Januar werden wir mehr wissen – dann soll das Resultat vorliegen

Bevor ich vergesse, Ihnen dies zu erzählen: Niemand zweifelt am Recycling, doch bitte: Wie kann man eigentlich alte Gummireifen verwenden?

Dies dachte sich jedenfalls John T. Unger, ein Künstler, der verschiedene Webseiten betreibt, und unter anderem eben auch ein Blog mit dem Namen „Burning Rubber Blog“, auf dem er seine „Badass Paddles“ anbietet.(Gucken sie nicht bei Leo wegen des Paddles, die Leute sind dort so was von brav).

Sehen Sie, da können sie endlich mal sehen, wie profiliert doch manche Ideen sind – und falls Sie weder zur Gruppe der Adepten der Flagellantenszenerie gehören noch Humor haben, suchen Sie besser eine andere Verwendung für Altreifen und folgen Sie den Links nicht.

Ich fand das Ganze zuerst bei Jane Duval.

Jean-Remy von Matt soll angeblich eine Email verfasst haben, indem er sich über die Reaktionen der Miesepeter auf die Kampagne „Du bist Deutschland“ befasst.

Neben neidischen Werbekollegen, die der Kampagne mit der branchenüblichen professionellen Häme bezukommen versuchen, und den (angeblich) intellektuellen Schreibern der Eliteblätter erwähnt er vor allem die Blogger. Nicht unbedingt höflich, aber leider wahr, bezeichnet er deutsche Blogs als die „Klowände des Internets“. Zwar unterschreibe ich nicht den elitär-süffisanten Satz „was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?“ aber ich muss den Nachsatz leider bestätigen: „die meisten Blogger sondern nur ab“.

Falls sie meine Meinung interessiert und sie diese nicht für Absonderung halten: Klowände sind nicht die Begrenzungen von Orten, an denen ich mich aufhalten möchte. Ich fühle mich nun einmal in Salons besser.

Ich las das Ganze bei Jens Scholz, der einen dieser unsäglichen Sätze abgesondert hat, den ich noch wiedergeben will: „… dass man sich als vermeintlich großherziger Schenker eventuell einen Gedanken machen sollte, wenn man stattdessen gefragt wird, ob man für den Haufen Kohle nicht was Sinnvolles hätte machen können?“

Klar – jeder weiß immer besser, was man alles hätte machen können – vor allem Blogger. Die wissen bekanntlich alles besser. Vielleicht könnten die Besserwisser dann ja auch mal die Frage von Herrn von Matt versuchen zu beantworten: also bitte. Ich warte auf kluge Antworten.

Ein deutsches Gericht, das Amtsgericht Berlin, hat die Reihe der eigenartigen Urteile deutscher Gerichte zum Internet um diese Variante bereichert: „Das Amtsgericht Berlin hat am 14.12.2005 eine einstweilige Verfügung gegen Wikimedia Foundation erlassen. Erwirkt haben die einstweilige Verfügung die Eltern eines toten Computerhackers aus Berlin.“

Ein Berliner Gericht hat also in dieser Republik die Macht, ein ganzes Lexikon vom Netz zu nehmen, nur weil die Person eines inzwischen verstorbenen Hackers geschützt werden soll? Die einzige Hoffnung: die Wikimedia Foundation hat ihren Sitz nicht in der Bundesrepublik Deutschland, und somit ist die Enzyklopädie weiterhin über die amerikanische Internet-Adresse zugänglich.

Eine juristische Würdigung des Vorgangs finden sie hier. Dass solche Urteile auch nachhaltige wirtschaftliche Folgen haben könnten und noch mehr deutsche IT-Unternehmen ihren Firmensitz ins Ausland verlegen könnten, sie nur nebenbei erwähnt.

Dieses Jahr wurde unter anderem auch zum Informatikjahr ausgerufen. Hennig Kargermann (SAP) stand der Wochenzeitschrift DIE ZEIT Rede und Antwort. Es ging auch darum, ob wir nicht schon zu viele Gedenkjahre hätten: Mozart, Freud, Neandertaler. Dies sollte auch Sie vielleicht nachdenklich stimmen: „Denn wenn wir Mozart oder den Neandertaler feiern, ist das eher rückwärts gewandt. In der Informationstechnik geht es um die Zukunft Deutschlands.“

Dem ist wenig hinzuzufügen. Mozart? Nun ja, das ist die Musik, wie man sie damals auffasste. Freud? Die Psychotherapie von damals, eingeschlossen in ein Weltbild von damals. Die Neandertaler? Die können wir getrost auch vergessen, weil sie in der Menschheitsgeschichte kaum eine große Rolle gespielt haben dürften.

Viele Menschen sind sich überhaupt nicht darüber klar, was Informatik bedeutet und wie tief sie in alle Bereiche unseres Lebens eingedrungen ist – und dies betrifft auch Bereiche der Kultur, des sozialen Lebens und der psychischen Gesundheit.

Aber unsere vorgeblichen Eliten ignorieren die Informatik – vielleicht aus guten Grund. Denn unter den Gesichtspunkten der durch die Informatik gewonnen Erkenntnisse würde manche Theorie in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus.

Dennoch – über Mozart lässt sich weitschweifig fabulieren, und über Freud erst recht, und die Kulturpäpste werden schon deswegen nichts über Informatik schreiben, weil sie ahnungslos sind.

Sie haben schon lange nichts mehr von mir über Sex, Eifersucht, Untreue und sonstige Sensationen gelesen? Nun, diese Geschichte erschien im Guardian vom 17. Januar und beginnt mit einem jungen Mann, der sich einen Graupapagaien ins Haus holt, der offenbar schnell das Sprechen lernte. Nur sagte er seit einiger Zeit so merkwürdige Dinge, wenn der Name „Gary“ im Fernsehen oder sonst wo fiel – und vor allem, wenn das Handy seiner Freundin Suzy klingelte.

Irgendwie kam dem jungen Mann dann auch merkwürdig vor, dass der Papagei gar merkwürdige Schmatzgeräusche mit dem Namen „Gary“ verband, die sich sehr nach Küssen anhörten – und als das Tierchen dann noch Suzys Stimme imitierte und gurrte „Gary, ich liebe dich“ – da wusste der junge Mann, was die Stunde geschlagen hatte.

Folgerichtig verschwand Suzy aus seinem Leben – aber Papagei Ziggy auch – denn obwohl er sich als treuer Freund erwiesen hatte, kann ihn der junge Mann nicht mehr ertragen – und dies, obwohl er der Presse sagte, dass er den Papageien weitaus mehr vermisse als Suzy. Indessen denkt Suzy über die Sache offenbar ganz anders. Der Presse sagte sie, ihr Freund habe mehr Zeit mit dem blöden Vogel verbracht als mit ihr.

Was lernen wir daraus? Untreue lohnt sich nicht, wenn der Papagei mithört, Treue lohnt sich nicht, wenn man ein Papagei ist und im Übrigen – wenn man sich als Mann schon zwei so unterschiedliche Haustiere wie Ziggy und Suzy hält, sollte man wenigstens darauf achten, dass sie sich miteinander vertragen.

Da ich mich gerade unter anderem auch mit Erfolgsstrategien beschäftige, ergibt sich natürlich die Frage, woher denn das Wissen darüber kommt – und siehe: Man munkelt, man raunt, man vermutet. Manche Autoren wollen wissen, dass es Geheimbünden des Mittelalters stammt, andere wollen erkannt haben, dass es in Logen von Mund zu Mund weitergegeben wurde.

Wenn Sie der Sache auf den Grund gehen, fallen Sie früher oder später über den Namen Dr. Gustav Großmann. Der 1893 geborene Bauernsohn wurde zunächst Lehrer, studierte dann aber unter anderem Nationalökonomie, blieb aber weiterhin mit der bäuerlichen Tradition verhaftet. Seine geniale Idee war, die damals aufkommenden Rationalisierungsmethoden in der Wirtschaft auch auf die Person anzuwenden, und so erschien am 1. April 1927 sein vielbeachtetes Werk „Sich selbst rationalisieren“, aus dem er später die „Methode Großmann“ entwickelte. Der heutigen Verwetungsrechte liegen nach Eigenangaben beim HeflRecht-Institut, dessen Gründer Manfred Helfrecht Großmann-Schüler war. Ein anderer Schüler, Josef Hirt, entwickelte auf der Basis von Großmanns Ideen in Zürich 1953 einen Fernkurs, der fortan als Hirt-Methode bekannt wurde.

Geheim ist das Wissen nicht. Alle persönlichen Erfolgsstrategien beruhen darauf, zunächst die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu erkennen, einen Plan zu entwerfen, wie sie verwertet werden können und sich dann ein Ziel zu setzen, das man erreichen will. Zur Unterstützung des Verlaufs und als zusätzliche Motivation werden Hilfsmittel benutzt – bei den genannten Methoden ist ein sehr typisches Merkmal ein Zeitplanungssystem.

Das Problem aller Erfolgstrainings: Die Methode muss zur Person passen, und sie muss genügend flexibel sein, um sehr unterschiedliche Erfolgsstrategien zu unterstützen. Die einst von den Trainern gehüteten Geheimnisse der Methoden sind heute so geheim auch nicht mehr: Inzwischen gibt es massenhaft Bücher zum Thema.

Ich erinnere mich an eine Zeit, an dem es „schick“ war, Probleme zu haben (man sagte damals noch nicht „cool“). Irgendwann in den 80ern kamen dann junge Schnösel und Schnöselinen auf die Idee, lauthals zu verkündeten, es gäbe keine Probleme, und wer sie habe, sei selber schuld.

Natürlich sind die Probleme nicht mehr geworden als sie „schick“ waren und nicht weniger, als es „uncool“ war, sie zu haben – sie blieben vielmehr immer annährend gleich. Menschen bekommen nun einmal in Probleme, weil sie für die Situation, in die geraten, keine Lösungen mehr haben.

Mittlerweile entstehen allerdings Schwierigkeiten dadurch, dass Menschen keine Probleme mehr “haben dürfen“ – sie mögen nämlich nicht mehr darüber reden, um nicht als „uncool“ zu gelten. Doch die Problemlösung beginnt mir der Beschreibung – wer seine Probleme nicht mehr beschreiben kann, kann sie auch nicht lösen. Wohin dieser negative Kreislauf führt? Zunächst zu einem als „eigenartig“ empfundenen verhalten, häufig aber auch zu Zorn oder Unmut der sie ausgrenzt, und manchmal gar zum Suizid.

Es ist an der Zeit wieder zuzugeben, dass es Probleme gibt – und selbstverständlich darf man sie auch haben. Die Gockel und Zicken, die verkünden, dass es „uncool“ ist, haben meist die größten Probleme – und schotten sich mit ihrer unqualifizierten Kritik an Leuten, die Probleme haben, einfach ab.

Der Mann mit der moorbadenden Frau nebst Schwein gibt offenbar auf: Sein letzter Beitrag heißt: „Ende“. Wer, um Himmels willen, zieht jetzt die Sexblogs durch den Kakao?

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Ihnen fast alle Kommunikationstrainer die Fragetechniken im Schlaf herunterbeten können – aber dass sie bei den Antworttechniken verdächtig lange zögern?

Ein Tipp aus meinem Werkzeugkästchen.

Eines meiner Themen ist seit langen Jahren die Kunst des Verstehens, aber auch die des verstanden Werdens. Immer, wenn ich einen Menschen sagen höre. „Oh, ich verstehe dich so gut“ schaudert es mich. Schön, es soll ein Trost sein, das kann ich akzeptieren. Nur schlecht, weil der Mensch, der es sagt, damit auch einfach die Flucht ergreifen kann: Verstanden hat er wahrscheinlich gar nichts, und möglicherweise hat er sich nicht einmal bemüht. Wenn wir Glück haben, hat er an einen ganz anderen, möglicherweise ähnlichen Vorgang gedacht, an den er sich entfernt erinnert.

Soweit, wenn wir noch von einem halbwegs normalen Umgang miteinander reden – und nicht vom Web, von Blogs, Chats und Foren. „Ich verstehe dich so gut“. Einmal geschrieben. Cut and paste. Etliche Male, immer neu, auf den Fall bezogen: hier ein Häufchen, dort ein Häufchen. Mag ja sein, dass es Sie beruhigt, wenn sie so etwas tun. Mag ja sein, dass jemand so bedürftig ist, sich sogar über den virtuellen Trost noch zu freuen.

Ich stimme inzwischen mit jenen überein, die das Web für völlig ungeeignet für tatsächliche Gefühle halten und so unterschreibe ich auch dies: Wenn sie mir wirklich etwas zu sagen haben, „erzählen Sie mir das bitte persönlich, nicht hier.“

Sie können sicher sein: Das gilt auch für mich. Ich verwurste das Gesagte nicht in meinem nächsten Artikel hier im Blog, sondern denke gemeinsam mit Ihnen über Ihr Leben nach – und manchmal auch über meines.

Nach Ansicht dieses Künstlers offenbar nicht. Keines der Familienmitglieder zeigt irgendwelche Anzeichen, zur Spezies der Blogger zu gehören. Das Kruzifix desselben Künstlers enthalte ich Ihnen vor – Selbstzensur. Schließlich will mich nicht mit Ihrer heiligen Kirche anlegen und eventuell noch wegen Blasphemie vor dem Kadi landen. Die Idee kam mir im Übrigen in Anlehnung an diesen Beitrag.

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Location: Helsinki, August 2002 © 2002-2006 by sehpferd

Zum Beispiel dazu, ob Blogger Christen sind. Oder Sozialisten. Oder Meschugge. Vielleicht sind sie einfach meschuggene christliche Sozialisten? In jedem Fall: Wenn Ihnen mal gar nichts einfällt, Sie aber viele Genossen/Kameraden/Schleimer oder was auch immer haben: Veröffentlichen sie so etwas. Steigert die Popularität. Amen.

Sinngemäß las ich neulich: Da haben die lieben Eltern so viel Zeit und Liebe investiert, um mich großzuziehen, und die Lehrer haben sich unendlich Mühe gegeben, mir eine anständige Ausbildung angedeihen zu lassen – und was bin ich geworden? Blogleser*.

* (sie könnten hier irgendeine Berufs- oder Interessenbezeichnung eigener Wahl einsetzen).

Der Dialog begann, indem mich jemand fragte: „Darf ich dir eine Frage stellen?“ Ich kann nicht umhin, auf solche Fragen zu antworten: „Das tust du doch gerade“, oder „du hast mir doch schon eine Frage gestellt“, doch die Dame (denn um eine solche handelte es sich, höflich ausgedrückt) wollte, dass ich ihre Frage mit „Ja“ beantwortete, was ich schließlich, verbunden mit einem Scherz, auch tat.

Sehen Sie - und nun erwies sich, dass die Frage keine Frage war, sondern ein Versuch, mich als Werkzeug für irgendetwas benutzen zu wollen: „Bist du der Meinung, dass Menschen mit zunehmendem Alter immer mehr zur Ironie neigen?“ Bei solchen Fragen liegt die Manipulation bekanntlich darin, dass meine wirkliche Meinung gar nicht gefragt war, sondern ich nur um die Bestätigung einer Meinung gebeten wurde, die ein anderer (meistens der Frager) vertritt. Die Antwort „Ja“ wäre verführerisch, doch erinnerte ich mich in Sekundenbruchteilen, dass ich während meiner Jugendjahre viel mehr mit Ironie, ja gar mit Satire oder Zynismus arbeitete als früher. Also antwortete ich, was ich an mir erleben kann und von mir weiß: „Ich meine, dass sich mit zunehmendem Alter die Sichtweise ändert und man manche Dinge nicht mehr so ernst nimmt wie in der Jugend“.

Sehen Sie, und nun tritt ein, was eigentlich ständig passiert, wenn man eine Manipulation abweist: Die Dame wies mich nämlich in scharfem Ton an, ich möge bitte auf ihre Frage beantworten – das, was ich geantwortet hätte, entspräche nicht ihrer Fragestellung. Auf meinen dezenten Hinweis, dass ihre Frage manipulativ gestellt worden sei, erwiderte sie, manche (also ich) würden halt überall Manipulationen vermuten.

Natürlich kann ich mit so etwas umgehen – aber können Sie es auch? Die Manipulation durch Fragen ist ein beliebtes Mittel, uns zu Aussagen zu veranlassen, die wir gar nicht treffen wollten, Meinungen in den Mund gelegt zu bekommen, die gar nicht unsere Meinungen sind und Produkte zu kaufen, die wir gar nicht brauchen können.

Es gibt schlimmere Fragen. Schulmäßig wird immer wieder verwendet: „Ist es wahr, dass Sie seit letzter Woche abstinent leben?“ oder „stimmt es, dass sie ihre Frau nicht mehr schlagen?“ oder „haben sie jetzt endlich begonnen, ihre abartigen Bedürfnisse zu erkennen?“

Der Volksmund meint, es gäbe keine dummen Fragen. Er hat Recht, soweit es sich um Informationsfragen handelt – aber unverschämte Fragen, die gibt es schon – und wer so fragt, dem gegenüber darf man auch schon einmal die Höflichkeit vergessen.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – (vorläufig) auch im neuen Jahr meist sonntags

Letzte Woche fand eine teils heftige Diskussion in manchen Blogs über ein Phänomen statt – es heißt angeblich „Web 2.0“ und es existiert nicht wirklich. Warum man dann darüber diskutieren muss, und dies gar noch vehement, wissen offenbar nur die Beteiligten, und für die anderen gilt: „Warnung! Zu intensive Beschäftigung mit dem World Wide Web kann zu erheblichen Realitätsverlusten führen“.

Überhaupt Realität: Wie real ist real, vor allem, wenn jemand in seinem Blog über sein Sexleben schwadroniert? Werden alle mono- hetero- und homosexuellen Erlebnisse geschildert oder nur diejenigen, bei denen man selbst gut ausgesehen hat? Werden die besseren Liebhaber ausgespart, weil man andere Bloggerinnen nicht begehrlich machen will? Oh, ich sehe ein: es ist hart, ein Sexblog zu führen. Wie gut, dass ich mir das erspart habe.

Freilich ist es auch hart, andere Blogs zu führen. Ein Herr Klum hat gerade einen Blogger abgemahnt, weil er den Namen seiner Tochter Heidi ohne ™ und ® geschrieben hat, weil der Name doch ein Markenname ist. – oder vielleicht hätte er ihn auch ohne ™ und ® gar nicht verwenden dürfen? Der Streit geht jedenfalls weiter und soweit zuletzt bekannt wurde, besteht der Herr Klum darauf, dass der „Werbeblogger“ Patrick Breitenbach die Gesetze nicht gut genug kennt - und will deshalb mal seine Anwälte auf die Sache ansetzen. Inzwischen wird Herr Klum in der deutschen Presse ob dieser Einlassungen kräftigst durch den Kakao gezogen.

Sehen sie, das sind die Momente, in denen Blogs an Bedeutung gewinnen: Wenn sie eigentlich gar nichts zu sagen hatten, sondern Dritte sich mit ihnen beschäftigen, was mich wieder auf den Knackpunkt zurückführt: Im Grunde sind alle deutschen und österreichischen Blogs ohne jegliche Bedeutung für die Meinungsbildung der Bevölkerung – und mir scheint, als würde die Bedeutung der Blogs noch weiter sinken, worauf es nur eine Antwort gibt: Weniger wären mehr.

Da auch ich nach einem Ausweg aus dem Blogdílemma suche, habe ich jetzt ein Fachblog gegründet: Changes. Es beschäftigt sich mit Kommunikation, Problemlösungen und Lebensstrategien. Ich sehe es als Teil meiner zukünftigen beruflichen und außerberuflichen Aktivitäten an und werde es als Unterstützung zu meiner in Kürze erscheinende neue Homepage nutzen, nachdem ich endlich die Verfügungsgewalt über „sehpferd.com“ zurückgewonnen habe,

Manchmal erstarre ich vor Ehrfurcht, was gebildete Menschen so alles wissen: „Mitteilen ist ein zutiefst sozialer Vorgang.“ (Wolfgang Schmidt).

Also, ohne diese Erklärung hätte ich zutiefst vermutet, dass es ein Brotmesser ist.

Private Sexblogs? Oh, darf ich sie bitten, vorsichtig damit umzugehen? Sehen Sie: Wenn Sie Hure oder Pornodarstellerin sind, dann nützt ein privates Sexblog ihrer Popularität, und dies gilt auch noch, wenn sie Schriftstellerin sind und erotische Romane ihr Metier sind – und für Männer gilt all das Gesagte natürlich auch – nur betreiben sie weniger private Sexblogs.

Die Frage, ob ein Blog Fiktion oder Realität ist, wird uns in der Webwelt wohl immer wieder beschäftigen. Die so genannte Blogosphäre verteidigt ebenso hartnäckig wie vergeblich ihren Anspruch auf Wahrhaftigkeit: Alles, was geschrieben steht, muss der reinen Seele entfleuchen.

So geraten viele Autorinnen und vereinzelte Autoren in Versuchung, ihre tatsächlich existierendes Sexleben in Blogs abzubilden und geraten in ein Dilemma: Haben sie gerade einen festen Partner, so wird er Teil der Öffentlichkeit – und nicht nur er. Auch alle Amouren zur Linken werden ja im Detail beschrieben, und auch sie kommen in die Öffentlichkeit – und sind selbstverständlich auch dem ständigen Partner zugänglich. So kommen die festen Partner in den zweifelhaften Genuss, Teilhaber der Seitensprünge ihrer Ehefrauen und Freundinnen zu werden – nicht eben eine angenehme Erfahrung für die meisten unter uns.

Ich denke, die meisten der Damen (und eben jener vereinzelten Herren) schämen sich nach einer Weile, so detailliert geschildert zu haben, wie sie sich der Penisse, Hände, Münder, Zungen und Dildos und gelegentlich anderer Gegenstände zur Lustverstärkung bedient haben. Den Dildos dürfte es zwar gleichgültig sein, doch hinter den Zungen und Penissen stehen Frauen und Männer mit tatsächlichen Liebesgeschichten, die möglicherweise anders wahrgenommen werden wollen als nur als Bettkarnickel.

Wer die Lustschilderungen aufgreift, für wahr nimmt und selbst Teil der Geschichten werden will und dabei an Wirklichkeitsverzerrungen leidet, schreibt möglicherweise Emails an die angegebene Kontaktadresse, und siehe: Dann werden insbesondere die Damen wieder zu Jungfrauen des Geistes, die sich empören. Sie hätten wissen müssen, dass sie, gleich, ob sie Fiktion oder Realität abbilden, Teil der Öffentlichkeit werden und männliche Motten anziehen. Es ist, mit Verlaub, das Risiko des Autors, missverstanden zu werden.

Private Sexblogs? Oh, ich bat sie zu Anfang, vorsichtig damit umzugehen. Vor allem aber: Warum wollen sie überhaupt die Realität beschreiben? Sexuelle Lüste sind im Kopf oft doppelt so schön wie in der Realität, in der die tatsächlich existierende Potenz, Orgasmusfähigkeit und Schmerzbereitschaft Grenzen setzt. Ihre Leserinnen und Leser werden voraussichtlich noch weitaus mehr Freude an der lustvollen, realitätsnahen Fantasie haben als an dem Eintrag, fünf Tage mit Grippe im Bett gelegen zu haben statt mit Max, Moritz, Julia oder Jette.

(gleichlautend in "Nachtfalter")

 

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