anstoss

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Es ist voraussichtlich mein letzter Herbst, in dem ich relativ beständig in Deutschland lebe – und da habe ich mich noch einmal in unsere Weinberge begeben – und für Sie alle ein Foto gemacht.

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photo: (c) 2005 by sehpferd, Lörrach, Germany

40 Tonnen Hundescheiße Werden nach Angaben der Stadtväter in Budapest täglich produziert. Jetzt versucht die Stadt, der Sache mit einer Werbekampagne zu begegnen. Die Pressemitteilung des Bürgermeisteramtes (zitiert nach der Budapester Zeitung):

„Etwa 400.000 Hunde leben in dieser Stadt, wobei nur die Hälfte von ihnen angemeldet ist. Sie produzieren täglich 40 Tonnen Kot, der nicht nur ein öffentliches Ärgernis, sondern auch ein gesundheitliches Risiko ist.“

Vor meiner Haustür in Budapest lässt man seine Hunde neuerdings in den Park am Szena Ter scheißen. Überraschenderweise überlebte das Gras bisher den massiven Angriff der Vierbeiner.

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Dass mit Blogs kein Geld zu verdienen ist, weiß ich und sie wissen es auch – weil wir alle unsere Blogs im Grunde sehr unprofessionell aufmachen, keine festen Zielgruppen haben und unsere Ideale aus Wolkenkuckucksheim hochhalten („authentische Meinungen echter Menschen“).

Da kommt die Botschaft aus den USA, dass ein gewisser Jason Calacanis 120 Blogger in 90 Blogs beschäftigt. Ja, sie lesen richtig, beschäftigt. Die Damen und Herren verdienen damit zwischen 200 und 3000 Dollar im Monat – und sie verdienen damit nach einem Pressebericht etwa ein Viertel, bis die Hälfte dessen, was Journalisten verdienen. Das Beispiel zeigt, wie weit hinter dem Mond wir in Deutschland sind – wenngleich natürlich feststeht, dass es mehr englisch sprechende Menschen auf der Welt gibt also solche, die Deutsch lesen können.


Auszug aus dem Orginaltext:

"Which led me to ask Nick Denton how much he earns from his blogs.

"We've never gotten into the numbers," he said. "We're a private company, and we prefer the focus to be on the stories (rather) than on the business model."

"Well, how much does he pay his bloggers? The amount floating around the internet is $2,500 a month per blogger plus traffic bonuses, courtesy of a talk Lockhart Steele, Gawker Media managing editor, gave at New York University last spring. "

Only the lonely know why I cry ... yes, you must have heard the song, probably sung "oh-ho-honly the lonely know the heartaches I’ve been through".

OK, so far love. But the website I'm linking to makes everyone cry – accept those who never wear socks.

via Jimmy

Wer nicht in der Bundesrepublik, nicht in der DDR und nicht im Deutschen Reich geboren wurde, wie ich, sondern in der amerikanischen Enklave der britischen Besatzungszone, wird es immer schwer haben, ganz Deutscher zu sein. Aber darum geht es nicht, sondern darum, jetzt endlich wieder zu beginnen

- Eigenverantwortung zu lernen oder wiederzugewinnen
- Gemeinschaftlich zu handeln für unser Land uns für Europa
- Die Belange der Stadt, des Landes und der Republik als „seine“ zu erkennen

Könnten wir nicht wenigstens dies als gemeinsame Grundlage anerkennen? Auch wenn ich hier, wie ich erwarte, von den Webextremisten verhöhnt werde: Auch ich bin Deutschland – aber ich bin darüber hinaus Europa, was noch bei weitem lohnender ist. Dennoch mache ich mit bei der Kampagne – „Du bist Deutschland“ – auch, wenn meine österreichischen, schweizer und andere deutschsprachige Leser davon natürlich recht wenig haben. Aber für sie bliebt ja noch, was ich sonst zu schreiben habe.

kampagne

Mit dem Logo soll auch eines ausgedrückt werden: Man muss den Blog-Ohnemichels deutliche Zeichen geben. Egoist zu sein und zu sagen "IHR - NICHT ICH" bedeutet auch, sich von der Gemeinschaft gelöst zu haben. Der Anspruch, zu sozialen Fragen Stellung zu beziehen, wird dadurch fragwürdig.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – fast immer sonntags

Da war also die Wahl – und zur Wahl selbst will ich gar nicht mehr sagen als diex: Ich war in Budapest, inmitten ungarischer und deutscher Bürger, als Kanzler Schröder zwei Mal ausfällig wurde: Einmal, vor der „Elefantenrunde“, fand er Worte gegen die Medien, die man besser vermeiden sollte – immerhin könnte es ja sein, dass man die Medien noch einmal braucht. Sodann, in der „Elefantenrunde“, wurde er auf eine unsägliche, arrogante Art ausfällig.

Meine lieben Leserinnen und Leser, wenn Herr Schröder dies über irgendeinen Sender gesagt hätte, der bestenfalls in deutschen Wohnstuben zu empfangen wäre, wäre das alles noch mit dem Mäntelchen der etwas überhitzten Liebe zu sich selbst zuzudecken gewesen. Aber wir haben andere Zeiten.

Heute nämlich können alle unsere Nachbarstaaten unsere ARD-Sender und das ZDF per Satellit empfangen – und in diesen Nachbarländern beherrschen sehr viel Menschen die deutsche Sprache in Wort und Schrift, sodass Herr Schröder (und jeder andere politisch aktive Mensch) dort sofort verstanden wird – und auch die Unflätigkeiten, die aus seinem Munde kamen. Sehen sie, da schämt man sich dann manchmal, ein Deutscher zu sein, wenn sich schon der Regierungschef nicht zu benehmen weiß.

Doch ich wollte Ihnen heute noch viel mehr dazu sagen: Im Internet sind vor einiger Zeit Wahlblogs entstanden. Nachdem die Wahl vorbei war, haben sich die Autoren so gut wie alle wieder zurückgezogen (es gibt dafür heftigere Ausdrücke). Politische Blogs? Ach so. Ja, das war mal während der Wahl. Jetzt ist Alltag. Da kann man wieder auf die Globalisierung schimpfen und auf den Neoliberalismus – das ist ja auch viel einfacher, als die Probleme mal mit den Händen anzupacken.

Dies nun wieder wirft viel Licht auf die Blogger, aber ein wenig Licht fällt dabei auch auf Deutschland: Politik ist jeden Tag man ist jeden Tag Deutscher und man kann jeden Tag auf seine Weise etwas für seine Stadt, sein Bundesland, die Republik oder unser Europa tun. Das ist, mit Verlaub, ihre Aufgabe, meine Damen und Herren Staatsbürger – und nicht ihre Tage vollzuknallen mit Wohlfühlterminen. Wobei ich gleich sagen will, dass ich nichts gegen das Wohlfühlen habe – aber alles zu seiner Zeit.

Wie so oft sonntags will ich sie noch einmal dazu anregen, mit mir zu kooperieren und mich in ihre gegenwärtigen Projekte einzubeziehen. Wir alle leisten am Meisten, wenn wir unsere besten Fähigkeiten zusammenwerfen – das gilt so gut wie überall, nur Blogger ignorieren dies nach wie vor. Es ist sehr schade, wie viel intellektuelles Potenzial dabei vor die Hunde geht.

In diesem Sinne könnten sie ja eigentlich noch mal nachdenken an diesem Wochenende.

 

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