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ihr texter im internet aus budapest
Nein, ich weiß nicht genau, wer in diesem Staat die Gutmenschenmoral hervorbringt – doch ich hege stets den Verdacht, dass es nicht der Fleischer, Schuhmacher oder Gemüsehändler ist, sondern jemand, der in Arbeit und Brot von Staat und Kirche steckt.

Jetzt haben sie es also den Bürger gezeigt, die Erzieherinnen und Erzieher und die Klinikangestellten. Haben sich mit Trillerpfeifen und Plakaten ausgestattet – da kann man mal endlich mal zeigen, wie wichtig man ist. Demonstrieren gegen das, was andere längst tun: Länger arbeiten. Statt 38,5 Wochenstunden sollen es wieder vierzig sein.

Die Gewerkschaft Verdi schickt ihre Speerspitzen an die Front, kämpft da, wo es den Bürger weh tut. Hofft, dass die Bürger sich in die Reihen der Staatsangestellten und Beamten einreihen werden. Doch so blöd sind die Bürger nicht. Sie wissen, dass nicht nur Erzieherinnen und Pflegepersonal gemeint sind sondern auch die Menschen, die in den Behörden mit Verwaltungsarbeiten beschäftigt sind – und sie wissen auch dies: Erzieherinnen und Pflegekräfte, die streiken, streiken auch gegen das Volk – nicht nur gegen den Staat.

Fragt sich nur, warum sich gerade die Erzieherinnen vor den Gewerkschaftswagen haben spannen lassen – und letztlich fragt sich damit, , welche Moral sie dabei an den Tag legen. Freilich kann man argumentieren: Sie zeigen damit auch den Kindern, wie man seine Recht wahrt und durchsetzt. Man kann aber genau so gut argumentieren, sie würden dem Staat die Möglichkeit entziehen, preiswerte und gute Kindergartenplätze aufzubauen. Argumente sind schnell gefunden – aber das ändert nichts an der Tatsache: Wenn der öffentliche Dienst so streikt, wie er es gerade tut, dann streikt die Gewerkschaft gegen die Bürger.
wvs meinte am 7. Feb, 23:10:
Wenn ....
die Gewerkschaft "Verdi" Erzieherinnen an die Front schickt, dann doch wohl deswegen, weil diese die Sympathie der Bevölkerung haben:
Wenig Verdienst - aber eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Daß sich im Hintergrund Legionen von Verwaltungsangestellten langweilen und den Hintern platt sitzen - und dabei Unsummen verschlingen - hat etwas mit Tradition in diesem Land zu tun:
Wenn ein Elternteil in der Verwaltung ist, müssen auch deren Kinder dort unterkommen - und die Angeheirateten gleich mit ("Kind, komm zu uns, da hast Du ein sicheres Auskommen").
Oft genug gelingt das, da man ja jemanden kennt, der jemanden kennt ....

Auf diese Weise werden Verwaltungstätigketen zu Erbhöfen - exclusiv - und das Verhalten "ducken, nicht mucken" wird so von Generation zu Generation weitergegeben!

Siehe dazu auch diesen Beitrag - der schon etwas älter, aber sicher noch relevant ist. Weiter habe ich zum Thema unter dem Titel "Fortschrittsbremse" einige Gedanken zusammengefaßt .... 
Jeffrey antwortete am 8. Feb, 19:13:
Naja, dass die Verwaltungsangestellten sicherlich mehr Arbeit vertragen können, dem stimme ich zu. Allerdings haben ErzieherInnen einen sehr anstrengenden Beruf. Da ich in einem Kinderheim Zivi gemacht hab, konnte ich das hautnah miterleben. Zuletzt hab ich erst einen Artikel darüber gelesen, dass (hessische) Lehrer eine 4-mal höhere Chance haben psychisch zu erkranken, als der deutsche Durchschnittsarbeiter.
Und Klinikangestellte haben einen vor allem körperlich harten Beruf. Wenn jede Krankenschwester eine 40-Stunden-Woche hätte, dann würden die sich aber freuen...die Realität sieht doch ganz anders aus, 24-Stundenschichten können da schonmal vorkommen. Also ich persönlich hätte ein bisschen Angst in ein Krankenhaus zu bekommen, wenn ich schwer krank bin und irgendwelche Ärzte an mir rumdoktorn, die schön über 20 Stunden wach sind.
Letztendlich sind doch die Krankenhausangestellten und die ErzieherInnen welche der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft.
Naja so einfach wie es sich anhört stellt sich der Zusammenhang Volk - Staat nicht dar. Würde man verlangen, dass Volk=Staat ist, müsste man auch verlangen, dass der Staat 100% Zustimmung hat, sprich das Volk 100%ig repräsentiert, was nicht der Fall ist. Abgesehen davon jammern doch alle über die Arbeitslosigkeit. Wir haben also zu wenig Arbeit! Der logische Schluss wäre die Arbeit auch auf den Rest zu verteilen. Rechnet man das aus, bekommt man raus, dass die Arbeitszeit pro Arbeiter verkürzt werden muss. 
sehpferd antwortete am 8. Feb, 20:15:
Zum Ausgangspunkt
Dazu gäbe es nun manches zu sagen, aber ich mag eigentlich nur zum Ausgangspunkt Stellung beziehen: Es gelingt also Verdi, die Leidgeprüften an die vorderste Front zu schicken – und dafür gibt es Gründe. Nur? Warum lassen sie sich schicken? Warum spielen sie diese Rolle? Warum machen sie, um es zu überspitzen, den Popanz für Verdi?

Im Übrigen: Vielleicht kommt bei Ihnen rechnerisch raus, dass die Arbeitslosigkeit sinkt, wenn die Arbeitszeit verkürzt wird. Nur: Wenn der Lohn pro Arbeitnehmer bei sinkender Arbeitszeit konstant bleibt, und dadurch mehr Stellen geschaffen werden (was zu bezweifeln ist, aber das nur nebenbei), dann steigen auch die Kosten – so weit es den Staat betrifft, also unser aller Kosten – über Steuern, Gebühren und was dergleichen mehr ist. 
Jeffrey antwortete am 8. Feb, 20:45:
Arbeitnehmer gehen ja nicht umsonst in Gewerkschaften - ist ja auch nicht umsonst da drin zu sein. Ich habe zwar dieses aktuelle Thema nicht besonders verfolgt, allerdings ist davon auszugehen, dass schon eine bestimmte Zustimmung auch für diese Aktion besteht. Außerdem glaub ich nicht, dass ein gutes Ergebnis für die eine Gruppe automatisch ein gutes Ergebnis für die andere Gruppe bedeutet - eher im Gegenteil, da so ja schon an einer Stelle Mehrkosten entstehen (kann man vielleicht sehn wie man will). Ver.di-intern steigt vielleicht die Messlatte aber das hat ja nix zu sagen...
Allerdings muss man bedenken, dass die entsprechenden Arbeitslosen im Moment ja auch Geld kosten, außerdem ist es bei diesen langfristig wahrscheinlich, dass sie depressiv werden (vgl. hier), also noch mehr Geld kosten. Außerdem haben kürzere Arbeitszeiten viele weitere Vorteile: Z.B. haben Eltern mehr Zeit für ihre Kinder (weniger Kosten für Kindertagesstätten). Oder vor allem stark belastete Arbeitnehmer sind gesünder, wenn sie weniger belastet werden (noch weniger Gesundheitskosten) und letztendlich sind alle zufriedener, weil sie weniger Arbeiten müssen. Die Zufriedenheit ist ja sogar rein wirtschaftlich gesehen ein wichtiger Faktor, vielen Wirtschaftsexperten zufolge ist ja grade die schlechte Stimmung ein Grund für den nichteintreffenden Aufschwung. 
sehpferd antwortete am 8. Feb, 21:16:
Ich will das Thema nicht ausweiten ...
... denn natürlich wünsche ich mir zufriedenere Menschen, die sich sehr um ihre Kinder kümmern. Aber ich bezweifele, dass 1,5 Wochenstunden darauf einen entscheidenden Einfluss haben. Das ist wirklich alles. 
Jeffrey antwortete am 9. Feb, 08:49:
Mir gehts auch mehr um das grundsätzliche Problem. Denn längst gibt es auch schon Betriebe, die eine 60 Stunden-Woche haben, aber auch welche, in denen die Leute nur halb so viel arbeiten. Und wenn einmal eine Richtung akzeptiert wird, wird sie auch gerne fortgesetzt. 
 

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