Seit die Stadt die Gegend um den Moskauer Platz herum zu verschönern sucht, haben auch wir ein keines Fleckchen Park bekommen – einen Ex-Penner-Park, der jetzt schön begrünt und damit für Touristen wieder attraktiv wurde. Durch irgendwelche Wunder ist er trotz erneutem Pennerbefall, Hundescheißinvasionen und Papierablagerungen immer noch grün.
Heute lagen die Herren Penner strahlenförmig um einen Baum in der Mitte des Grüns, das gestern geschoren wurde – und überließen den Touristen die neu erstellte Bankgruppe. Es ist eben Sommer. Da wird das Herz leichter.
Heute lagen die Herren Penner strahlenförmig um einen Baum in der Mitte des Grüns, das gestern geschoren wurde – und überließen den Touristen die neu erstellte Bankgruppe. Es ist eben Sommer. Da wird das Herz leichter.
sehpferd - am Donnerstag, 8. Juli 2004, 16:17 - Rubrik: reisen bildet
Budapest ist gegenwärtig voll von Touristen: Einzelne Reisende, Gruppen und natürlich Busse, aus denen dann die Menschen herausquellen und sich ein paar Fotos später wieder hineindrängen. Wer einmal in Helsinki am Sibelius-Denkmal war, weiß, was ich meine: Eine einsame Gegend, in die sich kaum jemand verirrt – außer eben jene Bustouristen. Doch die verirren sich nicht, sie werden angekarrt: Sie sehen nichts, sie hören nichts, und sie nützen niemandem. Außer Herrn Kodak, soweit es sich um Japaner handelt.
Aber ich bin nicht am Sibelius-Denkmal und schon gar nicht in Helsinki. Die Ladislauskirche hat es mir angetan: Straßenbahn Linie 6, dann die 28 am Chinesenmarkt vorbei. Eine Jugendstilkirche von Ödön Lechner, die an der Stelle, an der sie nun mal steht, kein Mensch vermuten würde. Vielleicht geht deswegen auch keiner hin. Vor allem kein Tourist. Nur ein paar Dame, die ihre unvermeidlichen Budapester Hunde zum Abkoten ausführten. Ob sie die Kirche jemals gesehen haben? Die Damen, nicht die Hunde.
Ladislauskirche, Budapest (c) 2004 by sehpferd
Aber ich bin nicht am Sibelius-Denkmal und schon gar nicht in Helsinki. Die Ladislauskirche hat es mir angetan: Straßenbahn Linie 6, dann die 28 am Chinesenmarkt vorbei. Eine Jugendstilkirche von Ödön Lechner, die an der Stelle, an der sie nun mal steht, kein Mensch vermuten würde. Vielleicht geht deswegen auch keiner hin. Vor allem kein Tourist. Nur ein paar Dame, die ihre unvermeidlichen Budapester Hunde zum Abkoten ausführten. Ob sie die Kirche jemals gesehen haben? Die Damen, nicht die Hunde.
Ladislauskirche, Budapest (c) 2004 by sehpferd
sehpferd - am Donnerstag, 8. Juli 2004, 16:15 - Rubrik: reisen bildet
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Tausende von jungen Frauen, durch und durch gestylt, was Kosmetik, Kleidung und sogar die Haltung betrifft. Das ist einfach typisch für diese Stadt.
Frage: Was machen eigentlich die Damen, die nicht so schön sind? „Sie machen sich schön“. Oh, ich hatte vergessen, dass sich viele deutsche Frauen einfach „gehen lassen“, doch hier „machen sie sich schön“. Müssen sie auch, denn die Konkurrenz ist groß.
Frage: Was machen eigentlich die Damen, die nicht so schön sind? „Sie machen sich schön“. Oh, ich hatte vergessen, dass sich viele deutsche Frauen einfach „gehen lassen“, doch hier „machen sie sich schön“. Müssen sie auch, denn die Konkurrenz ist groß.
sehpferd - am Donnerstag, 8. Juli 2004, 16:13 - Rubrik: reisen bildet
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Man hat den Elefanten ein Haus gebaut, so, wie kein anderes: Innen und außen die Pracht des Orients, so, wie sich die Bürger auf der Kippe des vorvorigen zum vorigen Jahrhundert eben den Orient vorstellten. Mag sein, dass die Elefanten lieber ganz anders wohnen wollten. Aber die Pracht des Hauses ist bis heute sichtbar – und immer noch wohnen dort Elefanten: Im Zoo zu Budapest.
Budapest, Zoo - Elefantenhaus (c) 2004 by sehpferd
Wer sich für Architektur interessiert: Das ehemalige "Gresham Palace" in Budapest ist jetzt prachtvoll renoviert worden. Ich konnte mich am Wochenende persönlich davon überzeugen. Meine Leser können es auch: In dem sie dort wohnen.
Gresham Place, Jetzt "Hotel Vier Jahreszeiten"
(c) 2004 by sehpferd
Budapest, Zoo - Elefantenhaus (c) 2004 by sehpferd
Wer sich für Architektur interessiert: Das ehemalige "Gresham Palace" in Budapest ist jetzt prachtvoll renoviert worden. Ich konnte mich am Wochenende persönlich davon überzeugen. Meine Leser können es auch: In dem sie dort wohnen.
Gresham Place, Jetzt "Hotel Vier Jahreszeiten"
(c) 2004 by sehpferd
sehpferd - am Dienstag, 6. Juli 2004, 19:37 - Rubrik: reisen bildet
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Das wöchentliche Geblubber aus den Algen
Sollte ich mich überhaupt aus den Algen äußern? Ich bin in meiner zweiten Heimat, es ist Sommer, ich habe Friede und Freude ohne Eierkuchen, aber mit großen Mengen frischer Früchte und ich könnte es mir ja nur gut gehen lassen.
Um mich herum sehe ich den Mut zur Zukunft: Das neue Europa entsteht vor meinen Augen: Aufbruch überall, wenngleich auch hier die Opposition der Regierung unterstellt, das Land bald in den Ruin zu treiben. Zu merken ist davon freilich nichts. Es wird gebaut, abgerissen, renoviert und verschönert, was das Zeug hält – und man gibt Geld aus: Auch sonntags: Schließlich hat man hier kein Ladenschlussgesetz
In meiner ersten Heimat streitet man sich derweil über „soziale“ Fragen, die eigentlich gar keine sind, will eine „linke“ Politik verwirklichen, die nach rückwärts gerichtet ist, macht einen Haufen Gedöns um Kopftücher und hält das Geld zusammen, so, als wolle man damit begraben werden: Und auch sonntags darf man nur tun, was Staat und Kirche recht ist: Einkaufen gehört nicht dazu.
Es ist Sommer. Ein ungarischer Nachrichtensender findet wichtig zu melden, dass sich die Athener Huren über die mögliche ausländische Konkurrenz beschweren. Sagte da jemand: Sommerloch? Wenn der Fußball vorbei ist, werden die sauren Gurken nur so vom Himmel fallen: Da ist die Gründung einer Partei links von der SPD noch gar nichts.
Sollte ich mich überhaupt aus den Algen äußern? Ich bin in meiner zweiten Heimat, es ist Sommer, ich habe Friede und Freude ohne Eierkuchen, aber mit großen Mengen frischer Früchte und ich könnte es mir ja nur gut gehen lassen.
Um mich herum sehe ich den Mut zur Zukunft: Das neue Europa entsteht vor meinen Augen: Aufbruch überall, wenngleich auch hier die Opposition der Regierung unterstellt, das Land bald in den Ruin zu treiben. Zu merken ist davon freilich nichts. Es wird gebaut, abgerissen, renoviert und verschönert, was das Zeug hält – und man gibt Geld aus: Auch sonntags: Schließlich hat man hier kein Ladenschlussgesetz
In meiner ersten Heimat streitet man sich derweil über „soziale“ Fragen, die eigentlich gar keine sind, will eine „linke“ Politik verwirklichen, die nach rückwärts gerichtet ist, macht einen Haufen Gedöns um Kopftücher und hält das Geld zusammen, so, als wolle man damit begraben werden: Und auch sonntags darf man nur tun, was Staat und Kirche recht ist: Einkaufen gehört nicht dazu.
Es ist Sommer. Ein ungarischer Nachrichtensender findet wichtig zu melden, dass sich die Athener Huren über die mögliche ausländische Konkurrenz beschweren. Sagte da jemand: Sommerloch? Wenn der Fußball vorbei ist, werden die sauren Gurken nur so vom Himmel fallen: Da ist die Gründung einer Partei links von der SPD noch gar nichts.
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Solange Deutschland eine funktionstüchtige Ökonomie hatte, die allen Menschen Segen brachte, war die Welt in Ordnung: rechts stand das konservative Lager aus Wirtschaftsklüngel, Biederbürgern und Kirchenvolk, links die Arbeiterschaft, die Intellektuellen und Gewerkschaftler. Dazwischen lugte ein bisschen Liberalität hervor, und rechts und links splitterten sich ein paar Parteien für die Unbelehrbaren ab. Bis schließlich Grün kam: Doch die Partei aus Hoffnung, Heil und Umweltschutz wandelte sich: Sie wurde zur Partei der innerlich konservativen, aber alternativ bemäntelten Familienbürger,
Derzeit bröckelt nicht nur die Parteienlandschaft, sondern auch die Gesellschaft: Darunter leidet vor allem die Ex-Arbeiterpartei: Sie muss, will sie die politische Verantwortung tragen, vor allem Reformen durchsetzen – für die Arbeit, und gegen die Gewerkschaften. Das ist schwer zu vermitteln, aber eine simple Tatsache: Voraussetzung für mehr Arbeitsplätze sind neben niedrigeren Steuern vor allem geringere Arbeitskosten und eine verlässliche Arbeitsqualität.
In dieser Situation ist es ein Hohn, wenn sich ein neues Bündnis „Arbeit und soziale Gerechtigkeit" gründet: Es führt, wenn überhaupt irgendwo hin, nur weiter in den Abgrund, denn Arbeit lässt sich nicht durch Gewerkschaftsmacht erzeugen. Dass auch eine Sprecherin von Attac im neuen Bündnis ist, spricht Bände: Luftbuchungen auf die Zukunft, das ist alles, was wir von diesem neuen Bündnis zu erwarten haben.
Mag ja sein, dass die Bundesbürger dumm genug sind, solche Gruppen die 5-Prozent-Hürde überspringen zu lassen, doch dann gehen beide Schiffe unter: Die SPD und das neue Bündnis. Die Siegerin, da braucht man kein Prophet zu sein, wird die CDU. So würde es einen billigen Sieg für die andere, ebenfalls durch und durch kränkelnde Partei geben. Armes Deutschland.
Derzeit bröckelt nicht nur die Parteienlandschaft, sondern auch die Gesellschaft: Darunter leidet vor allem die Ex-Arbeiterpartei: Sie muss, will sie die politische Verantwortung tragen, vor allem Reformen durchsetzen – für die Arbeit, und gegen die Gewerkschaften. Das ist schwer zu vermitteln, aber eine simple Tatsache: Voraussetzung für mehr Arbeitsplätze sind neben niedrigeren Steuern vor allem geringere Arbeitskosten und eine verlässliche Arbeitsqualität.
In dieser Situation ist es ein Hohn, wenn sich ein neues Bündnis „Arbeit und soziale Gerechtigkeit" gründet: Es führt, wenn überhaupt irgendwo hin, nur weiter in den Abgrund, denn Arbeit lässt sich nicht durch Gewerkschaftsmacht erzeugen. Dass auch eine Sprecherin von Attac im neuen Bündnis ist, spricht Bände: Luftbuchungen auf die Zukunft, das ist alles, was wir von diesem neuen Bündnis zu erwarten haben.
Mag ja sein, dass die Bundesbürger dumm genug sind, solche Gruppen die 5-Prozent-Hürde überspringen zu lassen, doch dann gehen beide Schiffe unter: Die SPD und das neue Bündnis. Die Siegerin, da braucht man kein Prophet zu sein, wird die CDU. So würde es einen billigen Sieg für die andere, ebenfalls durch und durch kränkelnde Partei geben. Armes Deutschland.
sehpferd - am Sonntag, 4. Juli 2004, 13:09 - Rubrik: einig fallerland
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Sommer – einfach Sommer. Auf den Markt gehen. Je ein Pfund Himbeeren und Johannisbeeren von einer älteren Marktfrau kaufen, sich wundern, dass sie englisch spricht. „680 please“, sehr preiswert für die Stadt, doch auf dem Lande würde man diesen Preis schon als entsetzlich hoch ansehen. Vorne, bei den teuren Ständen, trägt die auffälligste Marktfrau sonst vor allem einen Push-Up-BH, der sie, wie ich mittlerweile feststellen konnte, keinesfalls schöner, sondern älter macht. Doch in dieser Saison hat sie sich offenbar für sommerliche Blusen entschieden – und siehe: so sieht sie wesentlich jünger aus. Noch ein kurzer Gang durch den Millennium Park, den zu dieser Tageszeit noch kaum jemand besucht, ein paar Fotos von den merkwürdigen Pappfiguren, die ein paar Künstler hier hinterlassen haben.
Im Laufe des Tages werden sich hier, wie überall, die Liebespaare einfinden, und aufeinander sitzend schmachtende Blicke tauschen und von der Zukunft reden – einer wunderbaren Zukunft, was sonst?
Nein, ich bin gerade nicht in Deutschland. Dort redet kein Mensch mehr von einer schönen Zukunft, auch im Sommer nicht.
Im Laufe des Tages werden sich hier, wie überall, die Liebespaare einfinden, und aufeinander sitzend schmachtende Blicke tauschen und von der Zukunft reden – einer wunderbaren Zukunft, was sonst?
Nein, ich bin gerade nicht in Deutschland. Dort redet kein Mensch mehr von einer schönen Zukunft, auch im Sommer nicht.
sehpferd - am Samstag, 3. Juli 2004, 12:57 - Rubrik: zeit geschehen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Die dreißiger Jahre. Das „Dritte Reich“. Was wissen wir davon? Fast nichts. Alles, was wir wissen, ist das, was eine Clique arroganter Historiker glaubt, davon aufbewahren zu müssen: Wer weiß schon, wie ein Schüler, eine Hausfrau, ein Beamter damals dachte? Was sich abspielte in den Familien, die plötzlich allesamt in die Diktatur geschliddert waren?
Sprung. 1944, 1945, 1946: Wer hat jemals das Schicksal jener beschrieben, die in den Bombennächten in stickigen Bunkern aushielten, die ihre Häuser „ausgebombt“ wieder fanden, die im Winter 1946/1947 bei Minusgraden mit kleinen Kindern in ihren Wohnungen aushielten?
Noch ein Sprung. 1968. Recht gut dokumentiert ist nur, wie es Herrn Dutschke und den recht lauten Damen und Herren seiner Umgebung ging. Was aber erlebte das Volk? Wie reagierte es? Was geschah zu dieser Zeit, wenn sich andere junge Leute trafen? Wie dachten sie? Wie veränderte sich ihr Leben?
Weiter zum nächsten Sprung: Die Frauenemanzipation. Wenige, die aus Überzeugung mitgingen. Viele Verführte, falsch orientierte, die mit dieser Emanzipation noch mehr verloren als sie ohne die Bewegungen verloren hätten. Wo können wir über ihre Wege, Gedanken und Irrtümer noch nachlesen?
Die Geschichte zerrinnt unter den Händen der Historiker. Die Bunkergänger, die Beinaheerfrorenen, die in die falsche Richtung aufgebrochenen. Wer nimmt sie zur Kenntnis? Niemand. Nach und nach werden sie aussterben, und es wird zu spät sein. Wen das interessiert? Bestimmt keinen Historiker.
Uns Menschen freilich sollte es interessieren.
Sprung. 1944, 1945, 1946: Wer hat jemals das Schicksal jener beschrieben, die in den Bombennächten in stickigen Bunkern aushielten, die ihre Häuser „ausgebombt“ wieder fanden, die im Winter 1946/1947 bei Minusgraden mit kleinen Kindern in ihren Wohnungen aushielten?
Noch ein Sprung. 1968. Recht gut dokumentiert ist nur, wie es Herrn Dutschke und den recht lauten Damen und Herren seiner Umgebung ging. Was aber erlebte das Volk? Wie reagierte es? Was geschah zu dieser Zeit, wenn sich andere junge Leute trafen? Wie dachten sie? Wie veränderte sich ihr Leben?
Weiter zum nächsten Sprung: Die Frauenemanzipation. Wenige, die aus Überzeugung mitgingen. Viele Verführte, falsch orientierte, die mit dieser Emanzipation noch mehr verloren als sie ohne die Bewegungen verloren hätten. Wo können wir über ihre Wege, Gedanken und Irrtümer noch nachlesen?
Die Geschichte zerrinnt unter den Händen der Historiker. Die Bunkergänger, die Beinaheerfrorenen, die in die falsche Richtung aufgebrochenen. Wer nimmt sie zur Kenntnis? Niemand. Nach und nach werden sie aussterben, und es wird zu spät sein. Wen das interessiert? Bestimmt keinen Historiker.
Uns Menschen freilich sollte es interessieren.
sehpferd - am Dienstag, 29. Juni 2004, 16:47 - Rubrik: aufgegriffen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen

