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Deutschland ist um eine Erkenntnis reicher: Seine BMW-Fahrer tun es 2,2-mal pro Woche, die Fahrerinnen der gleichen Marke nur 1,9-mal. Als Mann sollte man deshalb etwas mehr auf die Fahrerinnen der Franzosen und Italiener unter den Autos suchen: Die tun es nämlich über zwei Mal pro Woche. Schlusslicht: Porschefahrerinnen. Sie kommen auf müde 1,2 Intimkontakte.

All diese unglaublich wichtigen Tatsachen geisterten dieser Tage durch die deutsche Presse, die an einem vorgezogenen Sauer-Gurke-Syndrom zu nagen scheint. Wie gut, dass Ticklefight mir noch zeigte, wie sich BMW-Liebhaberinnen angeblich am liebsten sehen (Bettfrequenz: 1,9), oder wie Männer, die etwas anderes fahren, sie am liebsten sehen.

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch attraktiv: Die Welt mal ganz anders gesehen – in diesem Fall vor allem durch eine Glasscheibe und von unten.

Wahrscheinlich haben viele Menschen „Shocking“ gesagt, als sie diese Fotos gesehen haben, über denen denn auch Shock steht. Wer zwei- oder dreimal hinguckt, findet dann aber auch noch heraus, dass sie nicht nur ganz schön schockierend, sondern eigentlich auch oft schockierend schön sind.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen

Diese Woche habe ich wenig Stoff vorgefunden, um die Art von Artikeln schreiben zu können, die sich so liebe: Humorvolle Nichtigkeiten von Menschen, die nicht einmal prominent sind, sondern nur etwas getan haben, was man von ihnen nicht erwartet hätte. Doch es gibt eben nicht jeden Tag eine Chinesin, die mit einem einzigen Aktfoto einen Sturm auf eine Webseite auslöst, ebenso wenig, wie es jeden Tag eine Nachrichtensprecherin gibt, die sich splitternackt auf der Bühne präsentiert – und auch keine Engländerin, die ihre Jungfräulichkeit versilbert.

Statt dessen kamen lauter Nachrichten, die mich stutzig machten: Dieser oder jene Blogger schreibt einfach viel weniger, dort gibt einer ganz auf, und am Ende fasst dann auch noch einer alles zusammen: Ja, es wird weniger.

Wir haben etwa 10.000 deutschsprachige Blogger, und sie alle buhlen um einen ganz kleinen Kreis von Lesern. Machen wir uns nichts vor: Artikel, die zehn Mal gelesen werden (oder beguckt, damit ich nicht wieder in eine Diskussion um Leser komme) zählen schon zu denen, die ein wenig populär sind. Diejenigen, deren Artikel einhundert Mal angeklickt werden, haben schon eine große Leserschaft, und wer gar 1000 oder mehr Zugriffe zählen kann, hat schon sehr, sehr viel Erfolg. Doch wir alle brauchen Leser. Niemand, es sei denn ein Hund, kläfft auf Dauer den Mond an.

Also müssen wir uns etwas einfallen lassen, und zwar etwas Gutes: Misanthropen interessieren nur andere Menschenverächter, und eigentlich sind sie zu nichts wirklich zu gebrauchen. Hier werden sie (wie überall) oft mit den Kritikern verwechselt: Ein Kritiker erkennt, dass eine Person etwas besser machen könnte und weist ihn darauf hin, ein Misanthrop sagt sich und anderen, das alles ohnehin zu nichts nütze ist.

Auch der Einfall, hier Seelenmüll abzuladen, ist nicht sehr originell: Wer wirklich Hilfe sucht, findet sie besser vor Ort im persönlichen Gespräch von Auge zu Auge. Wer bloggt und dabei ständig wieder über seinen Seelenzustand jammert, gerät in die Gefahr, dass sein Leid kultiviert wird – und trägt dabei auf Dauer Schäden davon.

Was also brauchen wir? Erstens, gute, interessante Geschichten vor allem, denn wenn sie gut erzählt sind, dann achten wir nicht mehr auf die nichtigen Anlässe, aus denen heraus sie entstanden sind. Zum Zweiten humorvolle Zeitzeugnisse, Dinge, die für das Heute wichtig sind, aber morgen noch Aufschluss darüber geben könne, was uns gerade in diesen Tagen bewegt hat. Nein, nicht denjenigen, der so etwas daheim vom Spiegel abliest, sonder denjenigen, der heute einem Bettler einen Euro schenkte. Das also brauchen wir, und das wird auch Leser bringen.

Was wird am Ende bleiben von denen, die jetzt bloggen? Drei Gruppen, denke ich: Zunächst die Geschichtenerzähler, ich erwähnte sie schon. Dann die Zeitzeugen, die über den Tag hinaus zu denken wissen. Dann diejenigen, die Nachrichten in die Welt bringen, die andere verschweigen: Noch immer werden Millionen von Menschen daran gehindert, frei und unzensiert zu sagen, was in ihrem Land geschieht. Schließlich bleiben die, die vorhandene Nachrichten sammeln, selbst wenn sie so überflüssig und nicht sagend sind, wie meine. Denn eines ist sicher: Blogs sind unglaublich interessante Archive des Zeitgeschehens – und das ist schließlich auch schon etwas.

Gena Lee Nolin ("Baywatch") ist einer jener Frauen, die es nicht lassen konnten, sich irgendwie irgendwann einmal bei der schönsten Sache der Welt filmen zu lassen: Deutlich sichtbar, der Kamera zugewandt, nackt und süß lächelnd. Doch nachdem dieses Video „irgendwie“ ins Internet gekommen ist, geht sie nun auf die Palme: dieselbe Prozedur wie Fräulein Hilton, wie wir vermuten. Wer mehr sehen will, sollte die Linkliste von Fleshbot beachten. Sie führt auch zu einigen Standfotos, auf denen die Darstellerin süß in die Kamera lächelt - und natürlich nicht nur das.

English:

Former Baywatch star Gena Lee Nolin doe not like a video where she can be seen making love with her ex-husband, so she wants to stop the film 'from ever seeing the light of day' as a Newspaper wrote.

Although she claims that the tape 'got out accidentally' some pre-releases published in the web showed clearly, that is what not taken without her knowledge.

More Information and a link-list can be found on Fleshbot.

Küsse können bald ein Fall für den Staatsanwalt werden, aber das werden sie nicht, weil es zwar ein Gesetz geben wird, das aber nicht angewendet wird, wenn ... (und nun müssen Sie leider den Artikel im Original weiterlesen).

Es geht um sexuelle Aktivitäten von Jugendlichen unter 16, und Küssen ist schließlich eine sexuelle Aktivität, nicht wahr? Ja, wenn es die falschen Leute mit den falschen Leuten tun. Küssen zum Beispiel. Oder Petting. Oder so.

Sie haben nun immer noch nichts begriffen? Oh, dann sollte ich Ihnen noch erzählen, dass sexuelle Aktivitäten unter dem Licht von Autoscheinwerfern, besser als „Dogging“ bekannt, immer noch kein Fall für Sherlock Holmes ist – knapp am Gesetzgeber vorbeigeschrammt, dass aber nun erstmals in der Geschichte des britischen Königreichs sexuelle Leichenschändung verfolgt wird.

Sie begreifen immer noch nichts? Macht nichts. Die BBC hat es auch nicht ganz begriffen. Niemand begreift es. Mehr, ich sagte es schon, bei der BBC.

Die Frage an den Reisenden ist immer die gleiche: „Woher kommst du?“, doch die Antwort wird in Zukunft mehr und mehr sein: „Aus Europa“, und dann kann man immer noch fragen, aus welchem Teil. Ich habe es zum ersten Mal vor drei Jahren in Südafrika praktiziert: Als Weißer ist es immer gut, wenn man dort betont, Europäer zu sein.

Und, bin ich es?

Natürlich. Als geborener Bremer gab und gibt es für mich nur eine Heimat: Bremen, und hinter der Stadt beginnt die Welt, die sich dem Bremer Bürger durch Handel und Wandel erschließt. Da ist einem der Holländer eben näher als der Schwabe, auch wenn der Autos bauen und Spätzle schaben kann und angeblich für deutsche Präzision und Tüchtigkeit steht. Mir indessen stehen die Engländer näher als die Schwarzwälder, denn Engländer sehen nicht nur ähnlich aus wie Bremer, sie tragen auch immer Regenschirme spazieren. Na ja, oder die Kopenhagener eben, mit denen verstehe ich mich sofort. Warum ich nicht die Dänen sage? Weil ich als Städter aufgewachsen bin und mich in der Stadt wohler fühle als auf dem Land.

Ich muss gestehen, dass ich nicht immer Europäer war. Doch nachdem mich meine Berufs- und Privatwege in so viele europäische Länder führten, dass von jedem sehr persönliche Erinnerungen hängen blieben, wurde ich Europäer, und bewege mich mittlerweile in Kopenhagen, Helsinki oder Budapest so sicher wie in Bremen oder Stuttgart.

Ich werde immer wieder gefragt, ob es mich nicht stört, dass in den fremden Städten, in denen ich mich gerne aufhalte, kein Deutsch gesprochen wird, oder sagen wir einmal, nicht immer und nicht überall. Dann antworte ich, dass auch an meinen gegenwärtigen Wohnort in Deutschland kaum Deutsch gesprochen wird, sondern irgendein Dialekt, der mich nichts angeht: alemannisch, zum Beispiel: Ich verstehe spätestens in der nächsten Dorfkneipe fast nichts mehr. Indessen hat dort, wo ich jetzt lebe, der Dialekt ein Gutes: Er wird wenigstens in drei Ländern in ähnlicher Weise gesprochen, sodass man sich hier jedenfalls grenzüberschreitend verständigen kann. Aber das ist erstens selten und zweitens nur auf die wenigen Leute beschränkt, die Alemannen, Schweizer oder Elsässer sind und dennoch kosmopolitisch.

Ansonsten ist es eine Pest mit dem Dialekt. Ich weiß, dass dieses Heiligtum der Volkstümlichkeit überall verteidigt wird, nicht nur in Deutschland: Selbst in London gibt es Dialekte, die kaum jemand versteht, nicht einmal Londoner. Doch wenn wir Europäer werden wollen, dann müssen wir auf die Welt sehen und nicht nur auf das Stückchen Erde, auf dem wir aufgewachsen sind: Zumindest mit anderen Deutschen muss wenigstens hochdeutsch, mit anderen Ausländern mindestens englisch gesprochen werden können.

„Das neue Etikett mit den fließenden Farbverläufen symbolisiert die Genusskomponente und Sinnlichkeit der Marke“. Die Rede ist von einem Likör. Von BAILEYS®.

Drei Wochen lang haben sich zwei finnische Journalisten im Auftrag des Helsingin Sanomat als Internet-Detektive versucht: sie wollten herausfinden, ob die Selbstzensur in moderierten finnischen Internet-Foren und Chats tatsächlich funktioniert.

Dabei wurde in Foren und Chats, die üblicherweise von Minderjährigen besucht werden, Geld für sexuelle Dienstleistungen offeriert. In den meisten Foren konnten die Anzeigen mehrere Tage, manchmal sogar für Wochen, stehen bleiben: Die Moderatoren der Foren rührten sich, wenn überhaupt, nur halbherzig. Erstaunlich: Bei einem Forum, das sich ausdrücklich an Erwachsende wendet, wurden die Anzeigen schneller eliminiert als in typischen Teenager-Foren.

Als problematisch erwiesen sich die Chatboxen: Auch hier wurden ähnliche unsittliche Pseudo-Angebote veröffentlicht, die bei einem Anbieter sogar aus dem „Log“ entfernt wurden – das galt aber immer nur für die „öffentliche“ Seite. Privatchats wurden nie moderiert, gleich, welchen Inhalts die Diskussion war.

Ein Resümee geben die beiden Journalistinnen Pauliina Grönholm and Riikka Talli nicht, doch wird aus dem Artikel deutlich, dass beide von den Betreibern großen Teils enttäuscht sind. Nachgefragt haben sie nicht, und so bliebt unklar, warum bei einem Betreiber sofort gelöscht wurde, bei einem anderen aber nicht, denn auch dies steht fest: es ist leichter, einen Sack voll Flöhe zu hüten als den Kindergarten eines großen Chats zu beaufsichtigen.

„Wir vereinigen nicht abstrakte Gebilde, wir bringen Menschen zusammen. Es gibt nichts Schöneres, als Menschen zusammenbringen zu können“.

Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker aus dieser Quelle.

Am Vorabend des Beitritts von 10 neuen Mitgliedern zur Europäischen Union werden viele Sonntagsreden gehalten werden. Unterstellen wir, dass sie gut gemeint sind, doch bleiben sie inhaltslos, wenn wir nicht dem Gedanken folgen, dass wir mit Europa vor allem Menschen und Kulturen vereinigen.

Erst, wenn Menschen wirklich zusammen kommen, wenn sie Handels-, Kultur- und nicht zuletzt auch Lebensbeziehungen miteinander eingehen, wird Europa zusammenwachsen. Wer da argumentiert, „Europa sei nichts als ein Hort der Wirtschaftsmacht“, der möge sich bitte vergegenwärtigen, dass auch der Handel von Menschen angestoßen und durchgeführt wird – und auch sie müssen sich erst verstehen lernen, bevor sie Handel miteinander treiben.

Die Kultur hat noch eine wichtige Schranke: Die Sprachenvielfalt, die am deutlichsten in der Literatur zu Tage tritt. Doch so wichtig Bücher auch sein mögen: die Literaten überschätzen sich nur allzu gerne. Wir haben Musik, Malerei, Architektur und vieles mehr, das nicht in Buchstaben, sondern universellen Zeichen steht.

Wer schreibt, wird sich überlegen müssen, ob er neben seiner Muttersprache auch in Englisch schreiben sollte: Schon heute kommen viele literarische Werke, die einen geringen Markwert haben, in Europa schon deswegen nicht an, weil nur wenige Europäer Deutsch sprechen. Ins Ungarische, Finnische oder Dänische wird noch lange nicht jedes Buch übersetzt: Zu wenige Leser, heißt es dann.

Literatur? Natürlich, sie wird weiterhin benötigt. Aber wir müssen sie auch verstehen. Nicht wir Deutschen oder wir Österreicher. Wir Europäer.

Der Zeitschriftenhändler, der stets geschlossen hat, wenn ich an seinem Laden vorbeigehe, hat seit einigen Tagen diese Zeitschrift in der Auslage – und noch ein paar andere ähnlichen Kalibers. Die politischen Verhältnisse sind inzwischen anders, doch öffentlich dargestelltes Liebesleid ist immer für ein paar Groschen gut. Wie man diese Art von Presse damals nannte? Soraya-Zeitungen. Was sonst?

soraya

(c) 2004 für die Fotografie: sehpferd

Die Alpenrepublik hat zwei private digitale Satellitensender, doch auf beiden wird hauptssächlich Langeweile und schlechte Qualität produziert: Der Voralberger Sender K-tv zeigt müde ältere Herren und „Gottesdienste in Urlaubsvideoqualität“, der Linzer Sender TV6 zeigt überwiegend Moderatoren, die auf einer Verkaufsveranstaltung für Heizdecken besser aufgehoben wären.

Doch Österreicher, es besteht Hoffnung: Da kommt ein neuer Zwergensender, der Musiksender gotv, der „Jahrhunderte jünger als ORF 2 und k-tv“ sein soll und „mehr Sex als TV6“ haben soll. Was derzeit nicht schwer zu erreichen ist.

Ach, ihr dachtet, ich hätte mir das ausgedacht? Weit gefehlt – es stand im „Standard“ – jedenfalls so ähnlich.

gotv

(c) für den screenshot: 2004 by sehpferd

Bevor ich vergesse, dies zu erwähnen:

gotv, Astra 1, 12962 Mhz, 22.000 MS/s 5/6 Horizontal, nur digital empfangbar

Manchmal ist es gar nicht so einfach, für eine Ebay-Auktion das richtige Bild zu finden. Doch wir alle glauben zu wissen: Sex sells, und also kann man Uhren am besten mit Brüsten verkaufen – mit was sonst? Die Uhr stand, als ich sie ansah, gerade bei 144 USD. Die Brüste gib es keinesfalls als Draufgabe, man bietet nur auf die Uhr. Wer die Sache sehen will, muss sich beeilen – die Auktion läuft nur noch knapp 20 Stunden.

Dem Kolumnisten der Nordwest-Zeitung, Marco Seng, ist gelungen, zu beweisen, dass in Deutschland „Neusprech“ offenbar Realität geworden ist: Anlässlich der Kopftuch-Diskussion und des in Niedersachsen dazu beschlossenen Gesetzes weist er darauf hin, dass „mögliche politische Symbole“ im Unterricht nichts zu suchen hätten. Man muss sich dies „mögliche“ einmal etwas längere Zeit durch den Kopf gehen lassen: Auch Palmenzweige, Tauben, Elefanten und Esel sind politische Symbole, und verdächte Anzeichen von Demokratie, Liberalismus und sozialer Gerechtigkeit auch.

 

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