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  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Das erste russische Erotik-Museum eröffnet dieser Tage in St. Petersburg, schreibt die Tageszeitung Nezavisimaya Gazeta. Berichtet wird es von einem russischen Blogger, der die Mosnews in englischer Sprache verfasst. (Gefördert von gazeta.ru).

Die Attraktion des Museums wird eine Nachbildung von Rasputins Penis sein: Man behauptet, er sei 30 Zentimeter lang gewesen. Erigiert, vermutlich.

Inzwischen hat auch die gute alte Prawda einen Artikel dazu.

Heute war wieder so ein Tag: fast überall, wo man anbloggte, konnte man neue Diskussionen um Blogs lesen. Sandra Wiegard machte bei der Gelegenheit schnell mal Werbung für ein Blog-Buch. Für sie hat es sich noch lange nicht ausgebloggt, nur hat sie Probleme mit dem Angeln: 10.000 Fische zur Auswahl (und wer weiß, wie viele noch kommen)? Da behält man kaum den Überblick. Von wem die Diskussion eigentlich ausging: Jimmiz Journal schein es gewesen zu sein. Der jedenfalls bloggte von der Frühjahrsflaute, und sehr viele bloggten ihm nach. Ach ja, das Buch: Kann man kaufen. Ich habe inzwischen ein anderes. Kann man auch kaufen. Nur: Was nützen diese Bücher, wenn den Bloggern langsam die Texte zwischen den Tasten durchrieseln?

Es scheint, dass es so wird, wie es schon immer war: Schreiben wollen heißt noch lange nicht schreiben können und schreiben können bedeutet bei weitem noch nicht, auch gelesen zu werden. Das war doch unser Ziel, oder nicht?

Tja, in den guten alten Zeiten, als die in Pornofilmen auftretenden Damen bisweilen noch wie Hausfrauen aussahen, die gerade das Strickzeug weggelegt hatten – da war Porno eben noch Porno, und geiferenden Männer guckten sich in verschwiegenen Hinterzimmern die Flackerbilder an.

Nun aber herrscht Aufruhr im schottischen Edinburgh: Dort soll nämlich eine Sammlung solcher Pornofilme gezeigt werden, zusammengeschnitten als die „Guten alten unanständigen Zeiten“. Und was dain alles so vorkommt: Zum Beispiel ein Gärtner, drei Nonnen und man höre – sogar richtiger Geschlechtsverkehr.

Nun, da geht die Volksseele hoch – Ausgang unklar. Die Behörden haben die höchstmögliche Jugendschutz-Auflage gemacht, aber verbieten will man die Sache bislang nicht, doch der Verband der „Schottischen Frauen gegen Pornografie“ ist schon auf dem Sprung: Da könnten Frauen ja nachts nicht mehr allein nach Hause gehen, wenn so etwas in die Kinos käme.

Sehpferd hat leider die „Good Old Naughty Days” irgendwie nicht mitgekriegt. Erst viel später, zu Kopenhagen, hat er die alten Sexfilme in einem kleinen, altmodisch eingerichteten Kinoraum im „erotischen Museum“ gesehen – als einziger Gast, übrigens. Und er hat sich dabei kringelig gelacht: Alle Filme liefen immer genau so lange, wie eine 17-cm-Platte spielte: warum auch immer. Mal dauerte die Musik länger, dann zeigte man auch im Film nichts mehr. Also, liebe Schotten: Euch entgeht etwas, wenn ihr nicht hingeht. Ist alles so ähnlich wie bei Laurel und Hardy, nur ohne Beinkleider.

Wicked Weasel kennen ja inzwischen viele: die Marke, die mit fast keinem Stoff fast alle Käufer(innen) anlockt. Nun, das Modell 457 (das mit dem Höschen, das fast nichts verdeckt) kostet nicht einmal 50 USD, doch die Konkurrenz schläft nicht – und bei ihr heißt ein vergleichbares Teilchen dann Vanish und ist schon für 42 USD zu haben – und soll angeblich „Made in the USA“ sein – wen immer so etwas interessierst. Jedenfalls sehen die Teilchen vom Weasel eleganter aus.

Nur gar nichts ist noch billiger – aber das zieht garantiert nicht so viele Blicke auf die Dame, die es trägt.

So wird der "Vanish"-Bikini präsentiert:

kein_weasel

Und so sieht ein Weasel Modell 457 aus aus:

weasel

Sehpferd liebt wohlschmeckendes Gebäck, und also las er heute mit Interesse einen Artikel im Lörracher Regionalteil der „Badischen Zeitung“ (Autorin: Ruth Helmling). Doch da stutzt er: „Wir haben ein Überangebot, auch durch die Teiglingsproduktion, die größten Teils aus den Ostblockländern kommt“, sagt da ein Herr Bäckermeister.

Aus den Ostblockländern? Guten Morgen, Herr Bäckermeister, wir haben Anno 2004, und der erste Mai steht vor der Tür. Fragt sich nur, ob ihm die „Badische Zeitung“ nicht einen dezenten Hinweis hätte geben können

Golden Girls für die Herren, und treuherzig guckende nackte Jungmänner für die Damen – man muss nicht unbedingt an politischem Protest interessiert sein, um „Naked Protesters“ anzusehen. Auch ein Blog, im Übrigen – aber keines wie jedes andere.

Ausnahmsweise bringe ich einmal ein wortwörtliches Zitat des Rundfunkjournalisten Al Franken, veröffentlicht in „advocat“:

“Basically, we’re just dealing with a group of people right now who think some things are good and some things are evil. Sex outside marriage is evil. Sloth is evil. Homosexuality is evil. Violence gets a pass because of gun issues, because if an evil person were to come into the house of a good person, they want to be able to shoot them.”

Die Diskussion um angebliche „unsittliche“ Inhalte bei Rundfunk und Fernsehen scheint die liberalen Kräfte in Amerika wieder geweckt zu haben. Doch werden sie sich gegen die geballten Anstrengungen der frömmelnden Horden durchsetzen können? Schon schreiben einzelne kritische Journalisten, man müsse den Anfängen wehren. Der Journalist Mike LaSalle stellte gar einen Zusammenhang mit dem berühmten Niemöller-Zitat her – was übertrieben sein mag. Doch übertrieben oder nicht, eines ist sicher: Unter dem Vorwand des Jugendschutzes wird in den USA ein massiver Angriff auf die Informationsfreiheit vorbereitet. Das alles hatten wir in Deutschland ja auch schon mal. Nein, nicht beim Gröfaz. Bei Adenauer. Die Aktion "Saubere Leinwand" lässt grüßen.

Wie schafft man es, dass einem die Männer auf die Brüste gucken? Kein Problem? Nun, wie jede Frau weiß, sorgt ein Kruzifix, das zwischen den Brüsten baumelt, noch für mehr Aufmerksamkeit – so große, dass jüngst sogar der Papst darüber wetterte, und er war nicht einmal der erste Prediger, der solches tat.

Wer nach noch mehr Möglichkeiten sucht, die Blicke der Männer auf die eigenen Brüste zu lenken, ohne dass diese zum ausschließlichen Gegenstand des Interesses verkommen, wird bei dieser jungen Künstlerin fündig: Die Teilchen werden jedenfalls für Gesprächsstoff sorgen.

Via ticklefight.

brusthingucker

foto (c) 2004 by lisa lebofky

Moblogs eignen sich offenbar ganz hervorragend, um irgendwo Brüste aufzupicken. Kameras sind ja allenthalben zur Hand, und manche Dame fühlt sich so geschmeichelt von den Mobloggern, dass sie ihre Brüste noch in ein besseres Licht setzen. Sollte sich jemand dort noch nicht satt sehen können, kann er hier noch einen Nachschlag holen.

Alles via ticklefight.

„Suppe-Essen kann sehr sinnlich sein, irgendwer sagte mir einmal, dass Suppen-Freunde die besseren Liebhaber seien“, schrieb unter dem Titel „Eine Ode an die Suppe“ Florian Holzer im „Standard“. Außerdem, so wusste der Autor, sei sie gut zu transportieren. Transportieren? Aha. Mir gleitet sie bei dem Versuch immer durch die Finger.

Der Begriff „Jugendstil“ hat einen Geburtsfehler: Er hat weder etwas mit Jugend noch mit Stil zu tun: Es handelte sich vielmehr um eine künstlerische und handwerkliche Erneuerungsbewegung, von der einzelne Beispiele in der Zeitschrift „Jugend“ zu sehen waren: Bekannt geworden sind aus dieser Zeit vor allem die Anzeigen für deutschen Sekt.

In Wien wurde der Stil der Sezessionsstil genannt – dies hat sich in Österreich und Ungarn bis heute erhalten. In Finnland hieß er „Nationalromantischer Stil“ und die Glasgowians nannten ihn schlicht „Glasgow Style“. Warum er trotz vieler „Stile“ kein Stil wurde? Weil er nicht einheitlich war. Da war einerseits der florale, verspielte und bisweilen sehr erotische Jugendstil, der in einer Flut von Jugendstilkitsch endete, während auf der anderen Seite trutzige Bauten standen, die eher an Burgen erinnerten: Man kann sie in Helsinki bewundern. Die Glasgower Schule um die „Glasgow Four“ gingen einen ganz anderen Weg: Sie kreuzten schlichteste Formen, etwa Quadrate, mit wenigen floralen Elementen.

Die Franzosen und Engländer nennen die neue, efrischende Tendenz „Art Nouveau“, die "neue" Kunst eben. Sie waren die einzigen die Recht behielten: Ein Stil war es nicht, und die Sozialromantik verschwand im finnischen Baustil genau so schnell wie die Kunst der Glasgowians aus Schottland. Das Gute freilich überstand den Wandel des Geschmacks: Möbel nach dem Vorbild der Jugendstilarchitekten werden noch Wiener und Glasgower Vorbildern noch heute hergestellt.

Bei Jimmiz fand ich einen interessanten Hinweis auf Currywürste und Ökonomie, doch weitaus interessanter ist Vorschlag Nummer zwei aus seiner Quelle: Dort wird empfohlen, im Rotlichtdistrikt zu essen, nicht in feinen Einkaufszentren. Dafür gäbe es konkrete ökonomische Gründe: In diesen Bezirken sei die Miete erheblich niedriger, so dass sich Emigranten und experimentelle Köche niederlassen würden.

Ich kann es, zumindest für Kopenhagen, nur bestätigen: Am besten zu Abend isst man im Rotlichtdistrikt an der Istegade. Die Warnungen einzelner Touristikunternehmen über die Istegade sind ausgemachter Unfug – schließlich liegen auch viele günstige und ganz vorzügliche Hotels in dieser Gegend, und auch dort kann man durchaus übernachten.

Jazzsängerinnen waren einst schwarz, schwermütig und drogenabhängig, und als das so war, sangen sie durchdringend und liebevoll von der Liebe und vom Schmerz, und Mama sagte, man solle das Katzengejaule doch bitte leiser stellen.

Dann kam die Musikindustrie und brauchte Produkte für den neuen Massenmarkt der gehobenen Popmusik, bei der Mama schon mal Tränen in die Augen steigen: Diana Krall, Sängerin, Pianistin und vor allem blond und gut aussehend, ist dabei am besten weggekommen: Sie ist ein Star, und jetzt hat sie eine neue CD: The Girl in the Other Room (erscheint am 27.04.2004).

Wie die israelitische Tageszeitung „Yediot Ahronot“ berichtete, wird dieser Tage in Tel Aviv das erste „sadomasochistische“ Restaurant Israels eröffnet. Wie verlautet, soll die Folter nicht vom Genuss der Speisen ausgehen, sondern soll eine lustvolle Beigabe traditioneller Erziehung zur Disziplin für interessierte Paare sein.

Die Geschäftsführerin soll ein schwarzes PVC-Kleid tragen und Gäste mit einem Peitschenknall begrüßen, und auch das Servierpersonal soll ähnlich gekleidet sein. Man wird abwarten, wie sich PVC-Kleidung bei echtem Servierpersonal bewährt: Sie gilt als sehr schweißtreibend.

Wer in den Genuss der Flagellation oder einer anderen „Restaurantstrafe“ kommen will, muss sich entweder schlecht benehmen oder über das Essen beschweren: Dann kann man sich darauf freuen, auf die Knie zu gehen und Peitschenhiebe zu kassieren – doch sicher ist diese Behandlung nicht: Eventuell muss man auch mit einem Aufenthalt in einem der für renitente Gäste vorgesehenen Käfige rechnen.

Der Erfolg einer Beschwerde, wie sie hilfsweise von einer südafrikanischen Zeitung formuliert wurde, scheint hingegen fragwürdig: „Ach bitte, Mistress, warum taten Sie mir keine Fliege in die Suppe?“

Via Google News (UK), via Doloresse

Ich weiß weder, warum die Dame auf dieser Webseite ein Teufelskostüm trägt, noch, warum sie immer so schräg im Bild steht – aber immerhin waren diese Bilder den Leuten von ticklefight einen Hinweis wert. Derselbe Webseitenbesitzer hat auch noch ein paar Frauen mit allerlei Waffen auf der Webseite – Feuerwaffen selbstverständlich.

Betriebssysteme sind vergänglich, aber Männer bleiben Männer. Jedenfalls scheint es so, als ob Pinguine auf dem Bildschirm nicht so sexy sind wie Pinguine auf nackter Frauenhaut.


Gut, wenn man mal seine Backlinks anguckt: Also, wenn ihr den links nicht öffnen könnt, hier und hier sind die Pinguine ebenfalls auf Frauenhaut zu sehen.

Die Suche nach „der sinnlichste“ bei Google liefert zunächst eine Überraschung. „Meinen Sie der Peinlichste“? Fragt Google zurück. Nein, meine ich nicht, und siehe, ich erfahre, dass „der sinnlichste ein Turm ist, der Mohrenturm, betrieben von der turmdersinne gGmbh Spittlertorgraben 45, 90429 Nürnberg. Es handelt sich (man höre) um ein „interaktives Hands-On-Museum“, und man prahlt mit „innovativen naturwissenschaftlich orientierten Konzept rund um das Thema Wahrnehmung“.

Das zweitsinnlichste ist dann der Tango, den wir hier einmal aus zwei Beiträgen zusammenfassen wollen, speziell natürlich der Tango Argentino, von dem wir dies erfahren: „Ende des letzten Jahrhunderts in den Slums von Buenos Aires entstanden, ist der Tango der sinnlichste und gleichzeitig der melancholischste aller Tänze.“. Nun, auf einer anderen Seite, die den Tango auch als „das Sinnlichste“ erkannt hat, lesen wir: „Der argentinische Tango ist eine Sammlung scheinbarer Widersprüche - etwas, das die Logiker auch "Paradoxien" nennen und für die ein Österreicher ein besonderes Faible hat“ – aha, ein Österreicher also.

Der sinnlichste Kuss ist natürlich eine Sache der Frauenzeitschriften – da können wir in Cosmopolitan nachlesen, und wer den sinnlichsten Kussmund hat, will BILD wissen. Freilich ist auch kaum intelligent, was in Cosmopolitan steht: „Der perfekte Kuss ist der sinnlichste Beweis, dass wir eine begehrenswerte Frau sind und er ist immer genauso leidenschaftlich und zart, wie wir es gerade brauchen“. Aha, „wir“ sind also eine begehrenswerte Frau. Interessante Perspektive.

Wenn man schon beim „Sinnlichsten“ ist, müssen natürlich irgendwann einmal die Sinne kommen Die Firma „Deep Tissue“ hat Dichter, die so etwas erfinden: „Der sinnlichste aller Sinne spielt in unserem täglichen Leben eine größere Rolle, als uns oft bewusst ist“. Klar, solche Sätze schreibe ich auch immer, wenn ich ein gutes Zeilenhonorar erschleichen will, aber der Satz sagt nicht aus, denn für „der sinnlichste aller Sinne“ kann ich auch „Toilettenpapier“ einsetzen. Geht mit dem gleichen Satz. Aus dem Zusammenhang der Webseite ergibt sich dann, dass der sinnlichste aller Sinne dort der Geruchssinn ist: das Thema heißt Aromamassage. Also ist Schnuppern das Viertsinnlichste.

Da aller guten Sinne fünf sind, nun hier also „der Sinnlichste“ zum Letzten: Der fünfte Eintrag steht freilich im Widerspruch zum vierten, denn nun ist der „sinnlichste aller Sinne“ der Tanzsinn, der hier als Bewegungssinn bezeichnet wird und sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen vereinen soll. Natürlich weiß ich nicht, wie Ballett schmeckt, und sitze auch nicht so nahe an der Bühne, dass ich weiß, wie es riecht.

Noch schnell ein Blick zu Amazon: da finde ich das Buch „Der sinnliche Draht zur geistigen Welt“ Das Kabel zum übersinnlichen wird von Linda Roethlisberger gelegt und hat einen denkbar schlechten Verkaufsrang.

Nun, ich suche weiter nach dem Sinnlichen, sei es nun, wie hier „der Sinnliche“, oder, wie zuvor geschrieben, „Die Sinnlichste“.

Als „Rache an der Schule“ bezeichnet Daniel Glattauer, Journalist beim „Standard“, die Sprache der „Ihmäls“.

Was rüberkommen muss, ist demnach nur noch die Messitsch, und die kann so sprachverludert sein, wie sie will, wen interessiert es schon?

Fragt sich nur, wie sich diese Jugend (und damit sind bei mir auch schon viele Menschen unter 30 gemeint) denn einmal ausdrücken will, wenn es darum geht „obwohl“ und „dennoch“ zu sagen.

Erinnert sich noch jemand an den armen Doktor Jekyll, der doch nur Gutes tun wollte und deshalb ein Elixier fand, dass das Gute vom Bösen trennen konnte? Das Buch faszinierte Millionen von Menschen, die sich bewusst waren, dass auch in ihrer Brust (ach) zwei Seelen hausten, und sie erkannte, dass der Seelenmix den Charakter ausmacht: Trennt, ihr Menschen, bitte nicht das Gute vom Bösen, ihr richtet nichts als Unheil an. So oder ähnlich lautet die Botschaft.

Irgendwann wurde ich anlässlich eines Besuchs in meiner Heimatstadt und meines Geburtstages, eingeladen, das Musical Jekyll and Hyde zu besuchen. Es ist lange her, doch an etwas erinnere ich mich genau: die Faszination der jungen Frauen, als sich Jekyll in Hyde verwandelte. (Es war eine beachtliche Leistung des Schauspielers und Sängers und brachte ihm viel Applaus). Offenbar fanden die Frauen den brutalen Mr. Hyde erotisch anziehender als den braven Dr. Jekyll. Etwas daraus hören kann man hier - ich habe mal die Wiener Aufnahme gewählt.

Warum ich all dies schreibe? Weil wieder jemand nach einer Droge lechzt, die „richtig“ und „falsch“ unterscheiden kann. Er wünscht sich, damit „die Lüge“ von „der Wahrheit“ sicher und klar zu unterscheiden. Na dann viel Erfolg.

Dass es unter der Gürtellinie Kriterien für die Liebe gibt, war mir ja geläufig, neu ist, dass sie nur dort bekannt gegeben werden.

Nur für Männer und nur über 185 cm, dafür aber hier.

Wie man auf erotische ("sexy") Art ein Musikinstrument spielt, ist das Motto des gegenwärtigen Amateurfotowettbewerbs auf nerve.com. Leider muss man Premium-Mitglied sein, um alle Inhalte sehen zu können, aber eines ist sicher: Das Preisgeld kann noch verdient werden, denn die gegenwärtig eingesandten Fotos sind überwiegend fotografischer Schund. Hat jemand eine Freundin, die Cello spielt? Sie wäre sicher ein geeignetes Motiv.

Dies Foto (Ausschnitt) ist beispielsweise gegenwärtig im Wettbewerb:
musikunterricht
© by nerve.com, Original von einem anonymen Einsender

Plakate sagen eine Menge aus – zum Beispiel eines, das in einer Werbekampagne für eine Jesusbewegung verwendet wird: Liebe zwischen Menschen, so will sie suggerieren, ist nichts wert, vor allem, wenn man eine junge Frau ist, und Männer sind ohnehin nur gesichtslose Gestalten. Vor allem aber muss man offenbar beim Umarmen den Zeigefinger gegen den Himmel strecken, um Schlimmeres zu verhindern. Den Zeigefinger? Offenbar wurde am Foto noch irgendwie herumgefrankensteint, um Daumen und Zeigefinger auszutauschen. Gelesen bei scratch, im twoday.net und im Original zu finden bei diesem Blogger.

Copyright des Werbeplakats: 2004 by jesuschrist.org.au. Verwendet wurde ein Ausschnitt.

jesusfingers

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen.

Mein Beitrag „mit Fassung tragen“ bestand eigentlich nur aus einem entscheidenden Satz: „Nicht die viel beschworene „Community“ mit ihren gegenseitigen Nettigkeiten trägt die Popularität eines Blogs, sondern die Gruppe der unermüdlichen Wortproduzenten, die etwas schreibt, das auch außerhalb von „twoday.net“ gelesen wird.“

Dieser Satz hatte seinerzeit einen völlig unverständlichen Wirbel ausgelöst, denn er ist, für sich genommen, einfach die ökonomische Wahrheit, der sich alle Betreiber von Blognestchen unterwerfen müssen: Viele, unterschiedliche Leser bringen viele Zugriffe, viele Zugriffe bringen viel Werbeeinnahmen – so einfach ist das.

Über diesen Artikel ist dann viel Blödsinn geschrieben worden, und ich würde doch allen empfehlen, die in Zukunft etwas über mich schreiben, mal die Bloggerbrille abzusetzen und sich eine Gleitsichtbrille zu kaufen – diese Investition könnte sich auch sonst im Leben lohnen.

Zu alledem wäre wohl noch dies zu Kommentaren zu sagen: Sie sollen ja erkennen lassen, welche Meinung der Leser zu den Artikeln vertritt. Mir fiel nun auf, dass oftmals Meinungen hinterlassen werden, die nicht den geringsten Bezug zum Artikel haben: Meist werden einfach irgendwelche Vorurteile wiederholt, die man glaubt, ständig verkünden zu müssen. In letzter Zeit bin ich dazu übergegangen, sie kommentarlos zu löschen.

Verkündet wurde auf twoday letzte Woche auch von einem Prediger des Glaubens von der eigenen Gnade, dass Lehrer, die über Kleidervorschriften nachdenken, pädagogisch Unfähig sind. Ich habe daraufhin sinngemäß geschrieben, dass sexuell aufreizende Kleidung nicht in den Unterricht gehört: Schule bereitet auf das Erwachsenenleben vor, und dazu gehört auch, sich angemessen zu kleiden. So etwas sollte eigentlich selbstverständlich sein. Als der Artikel komplett geschrieben, redigiert und veröffentlich war, fand ich aber einen anderen Artikel, der das Thema mit erfrischendem Witz behandelt: Er stammt von „Teacher“, einem schriftstellerisch begabten und humorvollen Lehrer, der Probleme mit Witz angeht: etwas, dass sich eigentlich immer empfiehlt. Die meisten Leser dieses Artikels hatten dann auch ein Lächeln auf den Lippen, und jemand wollte einen der dort geschriebenen Sätze zum Lebensmotto machen: „schaust du noch oder verwest du schon?“ . Nur der bereits erwähnte Prediger fand das alles gar nicht witzig – nun, dem scheint ohnehin der Humor abhanden gekommen zu sein. Doch vom Humor brauchen wir alle bekanntlich reichliche Dosierungen. Er ist sozusagen das Lebenselixier bloggender Existenzen, vor alle, um die Edeltrolle zu ertragen, also diejenigen, die eigentlich nichts zu sagen haben aber dennoch glauben, kommentieren zu müssen.

Überhaupt fällt mir auf, dass ernstlich gemeinte, diskussionswürdige, gut formulierte und mit Humor geschriebene Beiträge nach und nach verschwinden – wahrscheinlich haben die Autoren, die dies einst taten, inzwischen aufgegeben. Meine Beobachtung: je anspruchsvoller ein Artikel, umso weniger Kommentare. Möglich, dass es den Menschen einfach schwerer fällt, mehrere differenzierte Sätze innerhalb eines Artikel zu lesen als einen einzigen Satz, der plakativ in den Raum geworfen wird – und da sage ich abermals: Bitte die Bloggerbrille absetzen. In vielen Artikel steht mehr als ein Satz, und nicht jeder Autor schreibt den Kernsatz zuerst.

Das kann auch auf Beiträge zutreffen, die im ersten Moment vielleicht noch durchgeistigt klingen, dann aber irgendwie peinlich werden, so wie dieser Beitrag über Tränen der Freude, die uns Isenberg missgönnt: Denn dass wir (hoffentlich noch) Freudentränen weinen können, kommt nach seiner „Erkenntnis“ vom Verlust irgendeines „originären“ Gefühls, dass wir alle dem „Verlust der unbeschwerten gedankenlosen Selbstverständlichkeit“ verdanken. Nun ja, wenn die Selbstverständlichkeit schon gedankenlos ist, was soll dann erst mit Personen sein? Es scheint, als müsse man gar keine Texte fürs Kabarett mehr schreiben – die schreiben schon andere, ohne es zu wissen.

Was sonst noch vor der Woche übrig blieb? Die ständig an Nacktheit interessierten Surfer wollten unbedingt die unbekleidete Catherine Bosley sehen, jene Nachrichtensprecherin, die an einem Wet-T-Shirt-Wettbewerb teilgenommen hatte und am Ende splitternackt auf der Bühne stand. Der Wettbewerb wurde fotografiert und von einer Bühnenkamera gefilmt, was Frau Bosley als Journalistin hätte nachdenklich machen sollen. Sie hat sich aber offenbar nichts gedacht und wollte das recht am eignen Bild vor Gericht erstreiten. Dies misslang. In der Berufungsverhandlung ging Frau Bosley leer aus: Die Bilder dürfen veröffentlicht werden. Nun hat sie nicht nur keinen Job mehr, sondern wird auch noch von Hohn und Spott der Journalistenkollegen überhäuft.

Was die Woche sonst noch für mich tat? Sie gab mir Glück, Freude und Sonnenschein sowie eine weit bessere Zukunftsperspektive, als ich dies hätte erwarten dürfen. Den Menschen, die mich für „verbittert“ halten, kann ich leider nicht dienen. An jeder besseren Volkshochschule gibt es Kurse über Menschenkenntnis: Bitte dort einschreiben.

Den Vorwurf der Unsinnlichkeit ertrage ich mit Fassung – man kann schließlich nicht jeden Tag nur sinnlich sein, mal muss man auch sinnig sein und manchmal gar unsinnig.

Ich frage mich allerdings, zu welcher Kategorie der Orgasmusvortäuscher zählt. Zu den Sinn-Losen?

Kann man mit der Wegfahrsperre eines Automobils eine Affäre haben? Nun, man kann schon ... wenn sich die Wollust mit der Furcht, zu weit zu gehen, Zwiekämpfe liefern und man der Schmuddelblogger ist.

Zeitzeugen müssen Zeitzeugnisse schreiben, die über den Tag hinausgehen. Wer es auch nur einmal versucht hat, weiß, dass es gar nicht einfach ist. Blogger schreiben ja nun angeblich, was vom Tag übrig bleibt, also eigentlich über Umstände, die sie noch ein wenig bewahren wollen oder über deren Bedeutung für sich und andere sie sich noch nicht klar sind.

Das klassische Log (das Tagebuch) wurde still geführt – es diente als Dialogform mit sich selbst, von der bisweilen heilende Wirkungen ausgingen, wie auch als Ablage für überschwängliche Liebe oder tief greifenden Hass – und alles, was sonst noch in diese Kategorien fällt. Das Tagebuch hatte zwei Vorteile (ich schrieb schon einmal darüber), nämlich erstens, dass es niemand lesen konnte außer der Verfasserin oder dem Verfasser, und zum Zweiten, dass man diese oder dieser es nach einiger Zeit erneut lesen konnte, um die eigenen Gefühle niedergelegten Verhaltensweisen zu überprüfen. Jeder, der ein solches Tagebuch geführt (oder auch nur gesehen) hat, weiß, dass beide Möglichkeiten zwar nachdenklich machen können, aber eben oft auch zum Schmunzeln verleiten: Ach, so etwas war mir damals wichtig?

Das Blog pervertiert das Tagebuch. Da wird sehr viel sehr schnell und sehr unbedacht geschrieben. Da werden Gefühle auf den Markt geworfen, die noch gar nicht genügend gewachsen ist. Da wird gefühlsgeduselt, geschleimt und vergöttert wie auch niedergehasst, verachtet und in den Dreck getreten wird. Da wird keine Rücksicht auf den Nächsten genommen, der in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, und mit äußerster Vorliebe werden ganze Bevölkerungs- oder Berufsgruppen durch den Dreck gezogen, und letztendlich wird nicht einmal daran gedacht, sich selbst zu schützen: Das Privatleben wird Öffentlichkeit. Fehlt nur noch der bürgerliche Name dazu – doch der lässt sich gegebenenfalls auch herausfinden.

Natürlich gibt es Menschen, die ihren Blog allein deswegen schreiben, um eine Art privater Prominenz zu erreichen. Sie allerdings stellen nicht ihre wahre Person ins Netz, sondern nur denjenigen Teil, der ihnen Popularität bringt. Zwar sind die Londoner Hure Belle de Jour oder das Peep-Show-Girl dafür Extrembeispiele, doch gut geeignet, zu verdeutlichen, worum es geht: Auch Seelenstriptease kann unterhaltsam sein. Das liest sich bisweilen witzig, und wahrhaftig gibt es dagegen nichts zu sagen: Jeder darf seine private Schaubude eröffnen und sich dort präsentieren.

Hier und anderwärts wurde oft darüber diskutiert, was Blogs eigentlich sind, und um kluge Antworten ist man selten verlegen. Doch wenn wir der Frage nachgehen, ob Blogs Tagebücher sind, kommen wir sehr schnell zu einem überraschenden Ergebnis: Gemessen am alten Tagebuch sind Blogs ähnlichen Inhalts die Umkehrung dessen, was mit den meisten Tagebüchern beabsichtigt wurde: Aufzuschreiben, was vom Tage übrig blieb, um es später selber wieder lesen zu können und dabei zu hoffen, dass andere es erst dann entdecken, wenn man über die Zeit hinaus ist, sich wegen der darin enthaltenen Gedanken angreifbar zu machen.

© 2004 by sehpferd

 

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