anstoss

  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Gutren Morgen, liebe ZEIT, gute Morgen, Tom Schimmeck

Nein, nein, der Artikel passt in die ZEIT, er ist gut recherchiert und überhaupt ... alles in bester Butter. Nur tut die ZEIT so, als ob es etwas Neues wäre, worüber sie da schreibt. Die Tatsachen aber, auf denen der Artikel basiert, sind schon lange bekannt: Ein amerikanischer Präsident nimmt das obskure Jungfrauenprogramm der amerikanischen Baptistenkirche auf und erklärt es zum nationalen Aufklärungsprogramm an Schulen. Der Name des Präsidenten: George W. Bush.

Ja, liebe ZEIT: Man hätte diese ZEIT-Zeichen eher erkenne können, so, wie es etwa viele Blogger getan haben. Doch nun wird der Artikel verkauft, als sei alles ganz neu, ganz sensationell. Titel: „Der Krieg gegen Sex“. Untertitel: „US-Präsident George W. Bush will Aids und Teenager-Schwangerschaften mit einer Enthaltsamkeitskampagne bekämpfen“. Nein, nein, liebe ZEIT, nicht „will“ ... er tut es bereits, seit langem, und nichts kann ihn stoppen. Das geht sogar aus dem Artikel hervor.

Überschriften verkaufen sich immer gut, vor allem die großen. Jedenfalls titelte die „BILD“Zeitung heute „Sadomaso-Folter im deutschen TV“, und dass nun die „letzten Tabus“ fallen würden.

Passiert ist so gut wie gar nichts: Eine der Damen, die sich blödsinnigerweise in einem so genannten „Container“ eines Unterhaltungsproduzenten liegt, lässt sich die Brust piercen. Das hat natürlich mit Sadomaso gar nichts zu tun, verkauft aber die Zeitung besser. Im Text heißt es dann auch nur noch „es sind Szenen wie aus einem Sadomaso-Folterkeller. Ein junges Mädchen liegt auf einem harten Tisch, ihre Brüste sind nackt.“ Ach, tatsächlich, nackt? Wie sollte man sie denn sonst piercen? Etwa durch den BH hindurch?

Doppelmoralgetränkt wie BILD nun mal ist, zeigt man dann auch gleich ein deutliches Foto – und steckt den Zeigefinger in die Luft: der Jugendschutz, ach ja, der Jugendschutz. Das spricht der eine Jugendschützer von Folter, der andere von Selbstverstümmelung.

Tragen Bildredakteurinnen eigentlich keine Ohrringe? Ich meine nur, wegen der Folter und Selbstverstümmelung.

Via Bildblog.

Etwas habe ich meinen Leser bisher vorenthalten – meine Liebe zu alten erotischen Fotos. Ein polnischer Liebhaber hat jetzt eine Webseite gestaltet, die zwar noch im Aufbau ist, aber so schön, dass ich sie doch gleich einmal präsentieren muss.

polish

Was immer C7 ist – der Mann dahinter heißt Jeffrey McAlister und ist Fotograf. Sagt er wenigstens. Was er tut, ist hingegen so ungewöhnlich nicht: Damen halb nackt fotografieren, in Schwarz-Weiß mit Anspruch und mit Dornenkrone. Ob diese ihn schon aus der Masse der Webfotografen heraushebt? Immerhin, der Mann hat Talent – ein bisschen jedenfalls.

In den letzten Monaten ist eine merkwürdige Gruppe von Leuten der ultralinken und sozialistischen Szenerie entstanden, die mit dem Begriff „Neoliberal“ herumschmeißt wie mit faulen Eiern. Doch die meisten so genannten „Neo-Liberalen“ sind ganz einfach Liberale. Die Wirtschaft ist für sie ein Teil ihres liberalen Weltbildes, und er wird von den meisten liberalen Bürgern keinesfalls hervorgehoben.

Meine eigene Meinung hat sich in den letzten Jahren nur in einem Punkt gewandelt: Ich trete nach wie vor für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit im Rahmen der demokratischen Möglichkeiten ein. Nur mache ich mir mehr Gedanken über die Gerechtigkeit. Das muss erlaubt sein, auch für einen eher Altliberalen, der dennoch kein F.D.P-Anhänger ist. Das „Neo“ schenke ich jenen zurück, die gerne Schlagworte gebrauchen oder in den Kellern wissenschaftlicher Begrifflichkeit gefangen sind.

Sex in the city – ja, natürlich. Wie wir wissen, plaudern auch Frauen inzwischen ihre kleinen Intimitäten sehr gerne aus. Leben sie in der großen Stadt, so schenkt ihnen diese nicht nur intime Privatheit, sondern auch immer neue saftige Früchte, die fast von selbst in ihre Betten fallen - sagen sie jedenfalls.

Doch was macht man, wenn man in Kleinkleckersdorf lebt? Eine Bloggerin gibt darüber Auskunft: heftigen Sex mit Dildos und ab und an einmal ein Fleischgericht. Fazit: Schade, dass Dildos nicht küssen können. Oder so ähnlich.

Sechs Zoll ist schon eine ganze Menge, sieben gilt schon als sehr gewagt, aber acht Zoll ist genau das, auf das Frauen gerade noch stehen.

Wie bitte, ich werde anzüglich? Nein, es ist nicht, was der voreilige Leser denkt – es sind Schuhe, High Heels mit Plateausohlen, genau genommen, mit achtzölligen Absätzen. Zu sehen und zu kaufen gibt es sie jetzt bei einem neuen amerikanischen Online-Versender

Calvin Klein macht bekanntlich Jeans, und dafür muss man schließlich Werbung machen – am besten so sexy wie irgend möglich. Die neueste Variante: Eine halb nackte, offenbar verschwitzt aussehende Frau zieht einem halb nackten Mann die Jeans aus und leckt ihm dabei gleichzeitig die Hinterbacken. Gelesen habe ich das Ganze bei den Leuten von Fleshbot, die es wiederum von Bloggern haben (mit großem Foto). Wer die Calvin-Klein-Jeanswerbung über die Jahre sucht, wird hier fündig.

Was ein Catwalk ist, weiß jeder, der mal in die Modebranche hereingeguckt hat, aber was bitte, ist ein vertikaler Catwalk? Das weiß Jochen Schweizer, der Inhaber der gleichnamigen Werbeagentur.

Original-Ton (und ohne Korrektur):

„In einer eigens entwickelten Coreographie tanzen zu House- und Trancemusic bis zu 20 Models die Fassade der Esprit-Shops nach unten. Allein in München sorgt dieser spektakuläre Event über Print und TV für eine Medialeistung von 1,5 Millionen Kontakten.“


Na also, dann eben vertikal. Ich kann nicht umhin zu sagen, dass ich Models in der Senkrechten und den Catwalk in der Waagerechten erregender finde als irgendwelche abgeseilten Damen, die an Fassaden entlangschlittern müssen.

Aber wie der Herr Schweizer schon sagte: Eine „Medialeistung von 1,5 Millionen Kontakten“ muss wohl etwas Zauberhaftes sein.

Das Beichtblog ist noch nicht geworden, was es einmal werden sollte – eine anonyme Seelenablage für sexuelle Beichten mit voyeuristischem Anspruch.

Statt dessen schlägt man sich mit falschen „echten“ Kurzgeschichten, unerwünschter Lotteriewerbung und irgendwelchen Bellos herum – was immer das sein mag.

Tja, liebe Leute, eine öffentliche, unmoderierte erotische Webseite geht offenbar nicht. Schon gar nicht als Blog, weil dort die großen Krähen überall auf den Telegrafenstangen sitzen, um zu sehen, wo man noch jemandem ein Auge aushacken kann.

Was macht man gegen die Einzelhandelflaute? Zum Beispiel jemanden finden der sich auszieht – mindestens oben herum. So jedenfalls geschehen in Berlin, wo zwischen weißer und brauner Ware zwei schwarzhaarige junge Frauen ihre nackten, gleichwohl züchtig bemalten Brüste vorstreckten.

Die Kunden sollen sich als schüchtern erwiesen haben, wie die BZ schreibt – und wer eigentlich eher gerade eine neue Kaffeemaschine braucht, nimmt die Brüste bestenfalls als Beigabe. Dennoch: Der Berliner Händler will es wieder tun. Immerhin brachte ihn die Aktion kostenlos in die Zeitung.

Selbst bezahlte Schulbücher waren schon immer durchaus sinnvoll: man kann sie nach belieben mit Anmerkungen versehen und vor allem später behalten.

Das deutsche Bundesland Niedersachsen stellt den Schülern die Lernmittel nun nicht mehr kostenfrei zur Verfügung – das ist, auch aus meiner Sicht, bedauerlich. Doch wer seine Schulbücher nicht mit Anmerkungen versieht, so wie es in früheren Zeiten war, kann sie am Ende des Schuljahres wieder verkaufen - und so wird in die Familienkassen eben doch kein so großes Loch gerissen.

Wobei ich noch erwähnen möchte: Deutsche Eltern können eigentlich froh sein, kein Schulgeld zahlen zu müssen. Im wirklich armen Südafrika ist die Zahlung von Schulgeld ganz normal, und siehe: Plötzlich fühlen sich die Eltern auch mitverantwortlich für die Schulen ihrer Kommune.

Nein, nein: Kein Modell für uns. Aber ein Hinweis darauf, wie soziale Leistungen in der Bundesrepublik Deutschland ganz selbstverständlich von jedem Bürger in Anspruch genommen werden.

Etwas bringt mich zum Lachen: Der Glaube deutscher und österreichischer Akademiker, sie würden die Welt alleine deshalb erklären können, weil sie in ferner Zeit einmal ein Fach studiert haben, das ihnen ein kleines Fenster zur Erkenntnis geöffnet hat.

Der Rest von uns, der mit dergleichen Fenstern nicht gesegnet wurde, muss wohl mit dem gesamten Universum vorlieb nehmen – wir, die wir nichts verstehen, erfreuen und dann eben an seinem Anblick.

Das Letzte zum lustvollen olympischen Beachvolleyball hat der norwegische Fernsehsender TV2 zusammengestellt. Wer noch einmal in Verzückung beim Anblick der Volleyballerinnen verfallen will, wird hier fündig.

Nach den Jungfrauenschwüren nun die „Sex-mit-Wählern“-Schwüre. Auf einer neuen Webseite können Amerikanerinnen und Amerikaner schwören, dass sie mit einem Wähler Sex haben werden, sich aber einem Nicht-Wähler konsequent verweigern werden.

Der Schwur kann in drei Abstufungen geleistet werden. Heldinnen und Helden des amerikanischen Volkes wird diese Version Nahe gelegt:

American Hero:
I pledge to have sex with a voter on election night and withhold sex from non-voters for the next four years
.


Bevor sich jemand echauffiert: Es ist selbstverständlich nicht ernst gemeint, aber wenn Sex für Wähler ausgelobt worden wäre, wer weiß, wie die Wahl im Saarland am Wochenende ausgegangen wäre.

voter

(c) 2004 by votergasm.org

Wer seine Kinder zu edlen Rittern und keuschen Burgfräuleins erziehen will, sollte darauf achten, sie niemals mit dem gefährlichen Massenkommunikationsmittel „Fernsehen“ in Kontakt zu bringen.

Diesen Schluss könnte man aus einer Studie ziehen, die angeblich zutage gefördert hat, dass ein „klarer“ Zusammenhang zwischen „einschlägigem“ Fernsehkonsum und sexuellen Aktivitäten Jugendlicher vorliegt. Dabei sollen schon „TV-Gespräche über Sex“ die Initialzündung zum frevelhaften sexuellen Handeln geben – dies wusste jedenfalls der Schweizer Sonntags-Blick unter Berufung auf eine amerikanische Studie.

Fragt sich freilich noch, welche Auswirkungen die allgegenwärtige Verdummung in Fernsehserien, die wir seit Jahren erleben müssen, auf die Jugend forschender Soziologen hatte.

Die ungarische Designerin Dóra Konsánszky war dieser Tage mit einer besonderen Ausstellung im Budapester historischen Museum zu sehen: Zwölf Korsagen für alle Liebes- und Lebenslagen waren ausgestellt, und eine ergänzende Fotoausstellung zeigte, wie diese „strukturelle Unterwäsche“ dann aussieht, wenn sie von einer schönen Frau getragen wird.

korsagen

(C) 2004 by sehpferd

Mehr Fotos befinden sich auf meiner Webseite.

Die Spatzen pfiffen es längst von den Dächern: in der Wirtschaft ist das Bessere des Guten Feind. Denn während der so genannte Fachhandel ständig das Trauerlied der Käuferzurückhaltung singt, boomt der Handel im Internet: für 5,3 Milliarden Euro sollen deutsche Verbraucher dort im ersten Halbjahr 2004 eingekauft haben.

Man erinnere sich: Der gemeinsame Kampf von Ladenbesitzern und Gewerkschaften gegen längere Öffnungszeiten im Einzelhandel klingt noch in den Ohren nach, der Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten ist so gut wie aussichtslos an Gewerkschaften und Kirchen verloren. Was tut der Kunde also? Er kauft dort, wo er zu jeder Tages- und Nachtzeit hingehen kann: Im Internet – und dieser Trend wird noch zunehmen.

Wer rechtzeitig auf diesen Zug aufgesprungen ist, verdient mit – wer es verpasste, hat nun das Nachsehen. Das tatsächliche Verhalten der Verbraucher hat sowohl Ökonomen wie auch Ideologen längst überholt: Markt ist dort, wo Verkäufer und Käufer zusammenkommen, und zwar an 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche, und nicht dort, wo vereinzelte Waren in den Regalen gammeln und auf Käufer warten.

 

Add to Technorati FavoritesMy Popularity (by popuri.us)

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma