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Im Grund können Sie alles vergessen, was in den Blogbücher steht, denn eigentlich müssen sie nur eine Frau sein, oder sagen wir mal besser: glaubhaft eine Frau dastellen können. So, und nun passen Sie mal auf: Sie müssen erstens geheimnisvoll sein. Eigentlich sind sie ja längst viel zu bekannt, um hier ein Blog zu führen, aber ... nun ja. Zweitens müssen sie einen schönen Körper haben. Wenn sie den nicht haben, entweder weil es nun mal so ist oder weil sei keine wirkliche Frau sind, dann besorgen sie sich so an die 300 Bilder von jungen Frauen mit Dessous und auch ohne. Das reicht für’s Erste. Müssen immer mal eins einstreuen. Sagen, dass es noch bessere gibt für Jungs, die liebe Emails schreiben oder ein kleines Geschenk bei Amazon kaufen – am besten natürlich ein großes Geschenk bei Amazon und ein kurzes Email.

Ihr Selbstverständnis? Alle Frauen sind Zicken, nur sie nicht. Sie holen sich auch die besten Männer ins Bett – manchmal auch Frauen, man braucht ja Abwechslung. Nun müssen sie entweder aufklärerisch wirken oder literarisch: Im ersten Fall verteidigen sie das Recht der Frauen, so viele Männer zu verheizen, wie es ihnen Spaß macht und argumentieren sei immer damit, dass sie ja nur zeigen wollen, was Frau wirklich fühlt und wirklich denkt und wie geil Frau sein kann, wenn sie sich traut. Schon mal gelesen? Na klar. Bloglegenden.

Literarisch macht es sich so besser: Sie gehen mal mit ihrem Mann, mal mit ihrem Liebhaber, mal mit ihrer Freundin, mal mit diesem oder jenem Dildo und mal mit dem netten Paar ins Bett, was sie beim letzten Urlaub auf Teneriffa kennen gelernt haben. Sparen sie nie an Details: Beschreiben sie minutiös, in welche Winkel ihre Körpers seine Zunge gedrungen ist, wie lange sid dort verblieben ist und welche Empfindungen sie dabei hatten. Daraus können sie gut und gerne eine DIN-A-Vier-Seite machen. Streuen sie ein paar von den unscharfen Fotos ein. Die Schuljungen werden nach ihrem Artikel lechzen und vielleicht schenkt ihnen einer nur deshalb ein neues Geschenk von ihrer Amazon-Liste.

Halten sie Ihre Leser heiß und füttern sie ab und an ihre Leserinnen mit ein bisschen Schweiß von Schwester zu Schwester – denken sie immer daran: Je plastischer sie schildern, wie ihr Liebhaber an ihren Brüsten saugte, umso mehr können sich die Leserinnen und Leser vorstellen, wie es war: Die Leser saugen dann selber und die Leserinnen glauben, dass an ihren Brüsten gesaugt würde.

Ach ja: Glauben Sie nicht alles, was hier steht. Es funktioniert im Prinzip. Aber eben nur im Prinzip.

Haben Sie schon mal daran gedacht, eine Dame mit den Augen auszuziehen, die gerade ihren Weg streift, vom Bäckermädchen bis zur Sparkassendirektorin? Wenn nicht, interessierst sie dies sicher auch nicht.

Sprechblasen eines Diagonaldenkers – fast immer montags

Es hat lange gedauert – zu lange. Drei wertvolle Wochen haben sie verzockt, die Berliner Personalrangler, und es ist nicht auszuschließen, dass sie noch einmal ins Zerfeln kommen, wenn es ans Eingemachte geht.

Doch immerhin hat die politische Vernunft nun wenigstens bei CDSU, CSU und SPD gesiegt, währen die FDP erstmal beleidigte Leberwurst spielt: Warum kann die Westerwellen-Partei eigentlich nicht Frau Merkel als Kanzlerin wählen? Sie hat doch bereits vor der Wahl Sondierungsgespräche mit der Kanzlerin in spe geführt, oder irre ich mich?

Eines wird schon jetzt deutlich: Durch die Große Koalition werden die Grünen belanglos – jedenfalls, wenn sie noch lange in der Schmollecke verharren. In dieser Legislaturperiode wird sich zeigen, ob sie ein Wahlverein um Joschka Fischer waren, oder ob sie tatsächlich noch politisches Potenzial haben – und ich prophezeie mal, dass ihnen dies schwer fallen wird.

Das Parteispektrum wird neu gemischt werden – wir werden es erleben. Vor allem wird interessant sein, ob und wie sich die grünen Abgeordneten gegenüber der PDS verhalten. Wird man in ihr das brave linke Schwesterchen sehen oder aber die böse Stiefschwester, die nicht als Unheil im Schilde führt? Wir werden es erleben. Mal sehen, ob die gesamte Konstellation wirklich vier Jahre hält, denn dies scheint mir sicher zu sein: Die Solidarität der CDU/CSU wird nur bis kurz nach der Kanzlerinnenwahl dauern. Sobald Frau Merkel Kanzlerin ist, wird an ihrem Stuhl gesägt werden.

Beinahe hätte ich dies heute übersehen: Natürlich muss das Bett ab und an so wackeln, dass es die ganze Stadt bemerkt. Aber dann sollte noch etwas zwischen euch sein.

Via Champagnerblog

Ich bin seit Tagen schwer beeindruckt von Sophie – völlig unabhängig davon, ob die Geschichte wahr oder nur erfunden ist. Eigentlich ist die Sache zu schade für ein Blog: Sie sollte Kurzgeschichten schreiben, die Sophie – und sich bald einen Verleger suchen. Dann bleibt wenigstens in bisschen mehr hängen als der Verruf, in den man wegen solcher Geschichten geraten kann.

Vielleicht sollte ich Ihnen dies gar nicht erzählen – aber wenn Sie ohnehin Nerve-Miglied sind, empfiehlt sich jetzt mal ein Besuch bei „The Daily Siege“ - und dabei sehen Sie sich am Besten die „Untitled Gyno Studies“ an. Nein, sie bekommen nicht denselben Einblick wie ein Frauenarzt. Aber irgendwie werden sie bestimmt an Miesmuscheln erinnert.

Seit dem letzten Monat gibt es übrigens wieder die köstlichen Muscheln (die für den Gaumen). Achten Sie darauf, möglichst frische aus Frankreich zu kaufen.

Die Toronto SUN gehört normalerweise nicht zu meinen Lieblingszeitungen, aber sie fand immerhin ein Dutzend Gründe, Schokolade dem Sex vorzuziehen. Ein wesentlicher Vorteil läge zum Beispiel darin, dass Schokolade keine Schwangerschaften verursachen würde – aber auch dies Argument ist sehr sinnreich: Man kann Schokolade in der Öffentlichkeit essen.

Wenn ich morgen eine junge Dame Schokolade essen sehe, denke ich bestimmt an diesen Satz – und frage mich, ob sie es deswegen tut.

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, warum ich nur noch so selten „World Sex News“ zitiere. Ich kann es Ihnen verraten: Weil die Meldungen sich ständig wiederholen: Früher Sex ist pfui, jungen Leuten muss auf die Finger geklopft werden, wenn sie zu früh Sex haben, man muss sie von schlechten Einflüssen fern halten und das Gespräch mit ihnen suchen. Neueste Zitat: „Parents need to be in their kids' faces, ... "they need to give ongoing messages that we're watching you; we know what's going on in your life.“

Also, irgendwie war selbst mein Leben in den 60er Jahren nicht so, dass die Eltern jeden Schritt kontrollieren wollten – und es ging sie schon gar nichts an, was in jenem Teil des Lebens vorging, den ich lernte, als mein Privatleben zu bezeichnen.

Ich erinnere mich recht deutlich, einmal in ein Gespräch mit einem dieser Fürsorger verwickelt gewesen zu sein, als ich ungefähr 17 war – er war so nett, mich heimzufahren, dachte ich – aber eigentlich wollte er mich wohl vor dem Übel der Welt retten. Er fragte mich, warum ich mich mit all diesen Leuten umgab: Journalisten, Geschäftsleute, Künstler und auch ein paar schräge Vögel. Ich sagte, „weil sie ein interessantes Leben führen“. Dann, nach einer Pause, sagte er: „Könnten Sie nicht mich fragen, wie man ein interessantes Leben führt?“ Ich weiß noch heute wie gestern, was ich ihm antwortete: „Sie glauben doch selber nicht, dass das ein interessantes Leben ist, das Sie da führen“. Er bat mich daraufhin, aus seinem Auto auszusteigen. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – meist sonntags

Meist geht es mir so: Ich schreibe, hoffe gelesen zu werden und das war es dann. Hin und wieder werfe ich einen Blick auf jene, die sich selbst die „Blogosphere“ nennen, und gestatte mir, die Sache nicht ganz erst zu nehmen – es war ja schon viel die Rede davon, dass die so genannten „Top 100“-Blogger nur deswegen die Top 100 sind, weil sie sich alle umarmen. Irgendwie wird mir mulmig, wenn ich den Spreeblick auf Platz zwei sehe und den Schockwellenreiter auf Platz neun – das also ist die Blogosphere?

Nicht meine Blogosphere, ja überhaupt nicht meine Welt. Ich werde angeschrieben, doch bitte bei so einer Umfrage über Blogs mitzumachen, und fühle mich überhaupt nicht angesprochen. Nur, weil ich hier schreibe, soll ich ein Blogger oder Blogleser sein? Ich habe meinen Feedreader, und in dem befinden sich auch ein paar Blogs, unterhaltsame überwiegend. Etwas anderes erwarte ich schon gar nicht mehr. Bin ich ein Blogleser, nur weil ich in meinem Feedreader Blogs habe? Eher nicht.

Wenn ich noch etwas für Deutschland und Europa erreichen will, wenigstens ein ganz Kleines bisschen, dann muss ich dies anderwärts tun – die Blogosphere ist mir viel zu negativ, destruktiv und selbstherrlich.

Aber was bleibt dann? Die kleinen Meldungen, die in den Redaktionen immer haarscharf am Papierkorb vorbeiwandern? Nein, das ist mir zu wenig. Ich bleibe Zeitzeuge, schreibe, was ich beobachten kann, setze es in Relationen, die kaum ein anderer Autor wagt, und bin glücklich, wenn es mir gelingt. Leser? Na ja - ich hoffe, dass es noch einige gibt, zum Beispiel solche, die dies hier gelesen haben. Mit ihnen solidarsiere ich mich gerne.

Da ich mit wenig zufrieden bin, kann ich auch über das Wetter heute glücklich sein – ich werde wohl bald in die Weinberge entschwinden. Sie hatten etwas anderes erwartet, nicht wahr? Sehen Sie, nichts ist so beständig wie der Wandel – und wenn Sie etwas Gutes für sich tun wollen, dann genießen sie diesen schönen Oktobertag.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.

Falls die eine gute Nachricht ist: Das neue Lechzen nimmt langsam Form an: gepflegte und zumeist provozierende Beiträge zu Beziehungen, Liebe, Lust und Leidenschaft von Sehpferd. Das Thema derzeit: Verführungen.

Mutter Natur lässt sich einfach nicht austricksen

Jahrzehntelang galten Männer als die Verführer, Frauen als die Verführten: Der starke Sexualtrieb des Mannes, so dachte man, würde ihn dazu veranlassen, nach naiven Frauen zu suchen, die seinen Verführungskünsten letztendlich nicht mehr standhalten können: Schließlich geben sie sich an ihn hin und vergeben dabei ihren guten Ruf: Dies war so in den Hirnen festgefahren, dass man nicht einmal daran dachte, dass es auch anders sein könnte, und siehe: Die moderne Kommunikationswissenschaft kommt zu einem anderen Schluss: Frauen verführen, bevor es die Männer überhaupt merken - sie machen letztendlich nur noch den ersten Schritt zur Bettkante.

Der Wiener Forscher Karl Grammer ist Kommunikationsexperte - und sein Forschungsgebiet sind Paare. Was er herausgefunden hat, überrascht zunächst, und erscheint dann, im neuen Licht betrachtet, wieder selbstverständlich: Frauen verführen Männer in den ersten Minuten ihrer Begegnung ohne sich dessen bewusst zu sein. Biologisch sinnvoll ist die Sache ohnehin, denn die Frau weiß, wann sie Empfängnisbereit ist, und sie trägt gleichzeitig das Restrisiko der Schwangerschaft.

Die wichtigsten Signale, die Frauen aussenden, haben etwas mit Fruchtbarkeit und erotischer Bereitschaft zu tun: Klare Augen, sinnliche Lippen und volle Brüste tragen wesentlich dazu bei. Das bereutet aber noch keinesfalls, dass Frauen ihren Körper zu Markte tragen, denn wenn ein Mann sich dieser Körpervorzüge bewusst wird, ist es um ihn schon geschehen und Begegnung ist bereits dabei, Fortschritte zu machen: Wenn emotionale, soziale oder geistige Fragen eine Rolle zu spielen beginnen, hat die Lustverlockung bereits funktioniert - die Partner beginnen, spielerisch über eine Beziehung nachzudenken

Im Grunde ist eine biologische Selbstverständlichkeit, dass die Frau verführt: Wie alle Säugetierweibchen, sendet sie Signale sexueller Bereitschaft an ihre Umgebung aus. Allerdings sind die Kulturnormen hier fest zementiert: Was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. Die Einwände kommen denn auch von zwei Seiten: Von traditionell orientierten männlichen Chauvies, die glauben, ihnen würde etwas aus der Hand genommen, und von emotional bewegten Frauen, die glauben, hier sollte ihnen irgendeine Verantwortung für Übergriffe zugeschoben werden. Dies ist jedoch nicht der Fall: Übergriffe sind Regelverletzungen und keine naturgebebenen Verhaltensweisen.

Dieser Artikel erscheint auch bei "lechzen.de" und "nachtfalter". Er wird hier (gekürzt) vorarb veröffentlicht. Ich lade sie ein, zu kommentieren.

Bevor ich vergesse, ihnen so etwas zu erzählen: Diese Webseite hat keinen Preis gewonnen und der Wissenschaftler, der das denkwürdige Experiment wagte, bekam nicht einmal den Nobelpreis: Es geht darum, wie viele Kondome man über einen männlichen Penis ziehen kann – oder sagen wir besser: Könnte, wenn er denn nicht männlich, sondern künstlich wäre: Nun, es sind 625. Die Autoren legen Wert auf den Hinweis, dass man das Experiment nicht an einem lebenden Penis (also an einem solchen, der am Mann dranhängt) wiederholen sollte.

Ich empfehle ebenfalls, das Objekt nicht zu zersägen: Einen Dildos insbesondere dann nicht, wenn Batterien drin sind und einen Naturpenis ohnehin nicht – selbst dann nicht, wenn es von wissenschaftlichem Interesse sein könnte.

Via: Gabriele Kuhn

Zitat:

"Finally, and most importantly, based on our findings, we must issue a strong warning against any attempt to duplicate this experiment using an actual penis belonging to a living male subject. The results of our experiment indicate that putting a large number of condoms on an actual male sex organ would most likely result in severe penile injury. First, the pressure exerted by the condoms would result in constriction of circulation in the penis and probable tissue damage. Second, if left unsupported, the weight of the condoms would pull the penis and scrotum downward and could possibly result in injury to the penile shaft or base of the organ and groin. Again, we repeat, do not attempt this experiment with an actual penis -- severe injury may result."

Ja, ich weiß, meine Leserinnen – sie beherrschen diese Kunst. Aber ich suche eigentlich nicht nach lebenden Verführeinnen, sondern nach solchen, die längst unter der Erde liegen – von der Bibel über die alten Kulturen und das Mittelalter bis etwa zu den 20er Jahren des vorvergangenen Jahrhunderts.

Schreiben Sie an sehpferd at sehpferd dot de, wenn sie eine Verführerin aus dieser Zeit kennen – es darf auch eine berühmte Romafigur sein.

Zum Beispiel:

Verursacherin: Lots Töchter
Verführter: Lot (biblisch, AT)
Einsatz: Alkohol
Ziel: Kinder
Erfolg: Kinder
Nebenwirkungen: Weiterbestehen des Volkes

Was kann ich eigentlich besser als die Anderen? Diese Frage bewegt mich bei der Blogkritik dann doch hin und wieder. Fest steht: ich kann schreiben. Das können andere allerdings auch, und sie können es wesentlich luftiger. Ich erblasse doch immer, wenn ich das Fräulein Modeste lese – und sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir ist dann völlig gleichgültig, welche Meinung sie dabei vertritt.

Mir fehlt sehr oft, woran es allen Bloggern mangelt – der Zugang zu den Originalquellen. Was ich wirklich tun kann, ist den Zeitgeist zu erschnüffeln, den ich zwischen den Ritzen der Meldungen entdecke – Zungenschläge hier, verdeckte Hinweise dort. Wenn ich will, kann ich darüber schreiben. Ich will nicht immer.

Meine Stärke liegt darin, eine Sache in ein völlig anderes Licht zu rücken. Meine Rose ist nie eine Rose die eine Rose, ist, die eine Rose ist. Meine Rose ist Blüte, Stängel, Blatt und Dorn. Sie ist Liebe und Schmerz, Hochmut und Unterwerfung.

Was mache ich damit in einer Welt, die nicht einmal wahrnimmt, wenn sich die Farbe des Lichts gegen Abend ändert? Die nicht das gelbliche Licht der Wohnungen und Spelunken wahrnimmt? Der gute und schlechte Orte nicht am Geruch unterscheiden kann? Der nicht bemerkt, was jemand sagt, wie er es sagt und was der Nutzen für ihn ist? Der in Rollen verstrickt ist und nicht einmal bemerkt, wie schlecht er sie spielt?

Wissen Sie, was ich in dieser Welt der blassen Wahrnehmungen mache? Ich setze mich still auf den Stuhl ganz hinten in der Ecke – sehen Sie, den da – ja, der da hinten, auf dem man selbst kaum wahrgenommen wird. Er steht ein bisschen schief vor einem einzelnen Tischchen. Dort sitze ich und beobachte das, was passiert – und wenn gar nichts passiert, dann schreibe ich einen Artikel wie diesen, und hoffe, dass ihn jemand lesen wird.

Für alle Freunde der deutschen Sprache und solche, die einmal wissen wollen, was man vor 120 Jahren so gewusst, gemutmaßt und gedacht hat: Meyers Konversations-Lexikon von 1888 ist nun komplett vorhanden – digital und für jeden Menschen zugänglich.

So sehr ich die Initiative „Ich bin Deutschland“ unterstütze, so wenig Freude bereitet mir die Befragung „Wie ich Blogge“.

Eine solche Befragung wäre nützlich, wenn die Blogger in Deutschland, Österreich und der Schweiz inzwischen eine Bedeutung gewonnen hätten, die tatsächlich weit in die öffentliche Medienlandschaft hineinreicht. Dies ist aber nicht der Fall, wie vermutlich jeder von uns anhand seiner Zugriffsstatistiken bestätigen wird.

Wichtiger als Befragungen sind jetzt Initiativen – und „Wie ich Blogge“ ist keine Initiative. Ich bezweifele daher den Wert der Befragung und glaube, dass sie in erster Linie dem Ruhm der Wissenschaftler nützt, die sie durchführen. Ich kann aber darauf verzichten, zu ihren Karrieren einen Beitrag zu leisten.

Die Befragung, so wage ich vorauszusagen, wird keinem der Blogger oder Blog-Leser auch nur im Ansatz einen Vorteil bringen. Erstaunlich, dass sogar die Webseite der Betreiber den Nutzen ignoriert – vermutlich ist dies reine Fahrlässigkeit – es könnte aber auch sein, dass man sich über die Ziele einfach nicht klar ist und schließlich könnte es Absicht sein, damit die Ziele im Verborgenen bleiben.

Ob es nun so oder anders ist - klipp und klar: Nein zu „Wie ich Blogge“ – Ultimativ.

Die Welt-Kolumne „Echolot“ wäre ihrer Zeit weit voraus gewesen – wenn wir den 16. August 2002 schreiben würden. Doch offenbar merken Welt-Redakteure nicht, dass sich auch Blog-Beiträge eindeutig am Datum identifizieren lassen – und das korrekte verlinken muss die WELT wohl auch noch lernen. Das einzige, was richtig ist: Selten etwas Dümmeres gelesen als dieser spätpubertäre Erguss:

Unerkannt kommen wir aus der Dunkelheit, niemand weiß, wann und wo einer oder eine von uns das nächste Mal zuschlägt. Wir posten unsere Texte und verschwinden wieder in den Tiefen des Webs. Wir sind Guerilla-Publizisten. Wir sind Blogger ... Wir fliegen unterhalb des Radars der Verlage und der Meinungsindustrie.“ Ja, ja, das wäret ihr gerne, verehrte Kolleginnen und Kollegen – aber was ihr wirklich seid, wisst ihr ja selbst am besten: Nachplapperer von Nachplapperern, die Nachplapperer nachplappern. Ja, ich weiß, Sie sind die Ausnahme – sie bieten Originalität. Fall Sie das tun, sind sie garantiert nicht unter den Top 100 der deutschen Bloggerei - denn dort landen nur die, die sich ständig gegenseitig in den Armen liegen.

Die als Antwort gedachte Satire von Titanic (auch hier erwies sich die Welt beim verlinken als denkunfähig) ist ebenfalls ein WELT-Flop: Sie datiert vom Februar 2005.

Also, liebe WELT: Wenn ihr mal witzig sein wollt, könnt ihr ruhig etwas aktueller sein.

Bevor ich es vergesse, dies zu erzählen: Die Linkspresse unterstützt gerade Linksblogs, wenn sie zufälligerweise gleicher Meinung ist. In der Frankfurter Rundschau lesen wir jedenfalls, dass Michael Ridder gerade das Blog von Johnny Häusler unterstützt. Der würde, „in Bloggerkreisen kultisch verehrt“. Offenbar weil er „die Stirn besessen (habe) , in seinem Weblog spreeblick.com drei Gegenmotive (zu „Du bist Deutschland“) zu veröffentlichen“.

Ach, wie mutig, Herr Häusler – jedenfalls, wenn sie dies auf Kuba getan hätten. Hier allerdings ist die Bundesrepublik Deutschland, wie sie inzwischen bemerkt haben dürften – und da ist es nicht mutig, ein paar Witzchen zu machen. Wobei ich ihnen diese durchaus gönne, immerhin schaffen sie es mit ihren Blödeleien sogar in die Frankfurter Rundschau, was kräftig Zugriffe einbringt - und auf die kommt es Ihnen doch alleine an - oder irre ich mich?

 

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