anstoss

  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Irgendwie bin ich restlos missverstanden worden. Blogs? Sex? Profession? Oh, ich versuche es zu erklären. Sehen Sie, eine Dame, hat ein Blog, da schreibt sie zum Beispiel, was Jesus mit Hoden zu tun hat. Na, lesen können Sie es selbst.

Fall Sie sich fragen, wie der Schmuck, der zwischen den Brüsten der Dame hängt, an die Hoden eines Herrn anschlägt – nun, dazu bedarf es lediglich der Vorstellungskraft. Schon etwas mehr Fantasie benötigen Sie, glaube ich jedenfalls, wie dies beim Tarot-Kartenlegen passiert sein soll. Vielleicht hat der Herr Ihr doch noch USD 300 geschenkt?

Falls Sie mich wirklich häufiger lesen wollen (es könnte ja sein) brauchen Sie mich nicht zu abonnieren, sondern nur einen wirklich kleinen und feinen RSS-reader, der sich problemlos anwenden lässt, meine RSS-Kennung und los geht es.

Wenn Sie es schon wussten – Entschuldigung. Ansonsten. Nicht wie hin - runterladen - und dann abonnieren. Changes hier, sehpferd hier.

Bevor ich vergesse, Ihnen dies zu erzählen:

Anläßlich des Mozartjahres 2006 gibt es von Calgon eine streng limitierte Mozart Art-Box, die vom Salzburger Künstler Günther Edlinger exclusiv für Calgon entworfen wurde“

Sehen Sie – so habe ich mir das vorgestellt. Mozart, frisch entkalkt.

Ach CALGON – bevor ich dies nun wieder vergesse: Ich habe das „Anläßlich“ mal stehen lassen. Vielleicht sollten Sie dennoch mal auf neue deutsche Rechtschreibung umstellen – wäre kein Schaden.

Es ist keine Nachricht, die unsere Welt unbedingt braucht, aber ich habe mein Blog „Nachtfalter“ heute abgeschlossen. Ja, richtig gehört. Ich verabschiede mich vom erotischen Bloggen – vor allem, weil dort die von mir gewünschte „Salonatmosphäre“ nicht herzustellen ist. Möglicherweise sollten wir das erotische Bloggen ohnehin den Damen überlassen – die haben – je nach Einstellung und Profession – wenigstens ab und an einen Vorteil davon.

Die deutschen Blogger erleben gerade etwas, das ihnen nicht gefallen dürfte: Sie bekommen den Wind von vorn. Erst war es Jean-Remy von Matt, der sie wütend als Klowandschreiber bezeichnete und jetzt ist es die Süddeutsche Zeitung, die erstmals öffentlich das Wort „Geschwafel“ im Zusammenhang mit Blogs benutzte.

Wer allerdings genau hinschaut, sieht schnell, dass gar nicht „die Blogs“ gemeint sind, sondern eine Gruppe, die offenbar von einem religionsähnlichen Sendungsbewusstsein besessen ist – freilich nicht nur in Deutschland, sondern rund um den Globus.

Gleich, ob man nun religionsähnliche Bewegungen akzeptiert oder ablehnt – gemessen werden die Blogs nach wie vor an ihren Inhalten. Der Weihrauch, den einige Blogs verbreiten, verfliegt schnell, vor allem eben, wenn der Wind von vorne weht.

Die Damen auf dem Bild sind im Alter deutlich über 30, und offenbar interessiert sie brennend eine Frage: „Mein Vater und ich - Auseinandersetzung mit der Vaterbeziehung“. Nachdem ich mir noch den Kopf zerbrochen habe, welche klägliche Organisation wohl diesmal wieder den Vater-Tochter-Konflikt hochjubelt, macht mich ein Blick ins Internet klug: „Der Glaube an Jesus Christus verbindet die Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden“.

Aha. Mehr wollte ich eigentlich nicht wissen, außer dass die Referentin im Pensionsalter offenbar ein neues Thema gefunden hat. Bisher sprach sie auf Frühstücks-Treffen immer über Mütter und Töchter.

Damit gar nicht erst Mißverständnisse auftauchen: Ich habe keine Tochter. Aber ich frage mich doch, ob es mit über 30 nicht langsam Zeit wird, erwachsen zu werden.

fruehs

Ich habe schon lange nichts mehr über Blogs geschrieben, weil mich das Thema langweilt. Jetzt bin ich wieder darauf gestoßen worden, weil ich nach wie vor VOWE lese, schon wegen der Beiträge von Cem Basman aka Jim. Über dieses Blog fand ich dann einen Beitrag von Alex Rühle mit dem Titel: „Ritter der Schwafelrunde“. Gemeint sind Blogger, wer sonst, und zwar namentlich solche Blogger, die glauben, sie wären schon was, nur weil sie auf den großen Haufen scheißen.

Wörtlich klingt es vornehmer:

„Aber der narzisstische Glaube vieler Blogger, schon im Moment ihrer Blogeröffnung eine kritische politische Gegenöffentlichkeit zu sein, die implizite Behauptung, das Medium selbst sei Garant für bestechend unabhängige Qualität und ritterliches Tun, kann ermüden.“

Kann? Nun ja. Blogs, die nichts als Meinungen verbreiten, ermüden ohnehin.

Zuerst gefunden bei VOWE.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – meist sonntags

Nachdem ich eines meiner Hautthemen, die „menschliche Kommunikation“ nach sieben Jahren intensiver Beschäftigung vierzehn Jahre auf Eis gelegt hatte, um es jetzt wieder aufzunehmen, stelle ich fest, wie wenig sich in der Zwischenzeit auf diesem Gebiet getan hat. Die Situation damals gleicht dem Zustand heute wie ein Ei dem anderen: Das notwendige Erfahrungswissen wird von Hand zu Hand weitergegeben, die einzige verlässliche und genau beschreibbare Grundlage stammt nach wie vor aus der Nachrichtentechnik, die Psychologie benutzt weiterein ein fast undurchschaubares Märchen mit dem Namen „Watzlawick und die Sieben Zwergen“, wobei offenbar jeder seine eigenen Zwerge einbringt – aber der große Wurf in der Psychologie fehlt.

Mag sein, sie sind an einem solchen Thema gar nicht interessiert. Die meisten Deutschen verbinden mit dem Namen des gebürtigen Österreichers Paul Watzlawick ja ohnehin nur seine Populärliteratur – uns selbst bei vielen Psychologiestudenten habe ich den Eindruck, sie hätten die Watzlawickschen Axiome irgendwo abgeschrieben, ohne sein Hauptwerk, „Menschliche Kommunikation“ jemals zu lesen.

Vielleicht bemerken Sie an meinen Worten, dass ich mitten in der Arbeit an neuen Konzeptionen stecke. Ich erinnere mich dunkel, einst den „Schnauzer Sokrates“ als Spürhund durch die Welt der Kommunikation erfunden zu haben – das war ganz am Anfang meiner Arbeit, und es ist wohl schon dreißig Jahre her, aber ich merke, dass so ein Spürhund wieder her muss, der eine klare und eindeutige Fährte erschnüffelt und nicht gleich an jeden Baum pinkelt.

Nichts Neues auf der Welt? Ja, Verkomplizierungen. Der an sich sehr geschätzte Friedemann Schulz von Thun klebt an seine Gesichter noch zwei Extraohren dran. Vier Kommunikationsebenen sollen gleichzeitig beherrscht und möglicherweise noch selbst beobachtet werden. Das kann ich vielleicht noch theoretisch nachvollziehen – praktisch aber nicht – ich bin wahrscheinlich nicht multitaskingfähig genug. Indessen ist überhaupt nicht wichtig, was ich darüber denke – wichtig ist, ob es an der Basis vermittelbar ist – und selbst, falls es vermittelbar sein sollte – ob es die Menschen dann anwenden können, wenn sie es wirklich dringend benötigen.

Sonst noch etwas Neues? Ja, sie wissen schon. Die neueste Therapie, selbstverständlich auch auf Kommunikation anwendbar – das erhöht ihren Marktwert. Nur: Damit kann man einen Mann meines Alters nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Ich diskutiere seit den 70er Jahren darüber. Die Methoden kommen und gehen. Erst sollte ich mein Selbst in den Tiefen finden, dann sollte ich den Verstand verlieren, um zu Sinnen zu kommen, dann sollte mir Mystik Einsicht schenken und heute soll ich mein Verhalten re-programmieren. Sehen Sie, ich habe es mir geschenkt, habe statt eines Selbst eine Persönlichkeit und ein halbwegs zutreffendes Weltbild. Meinen Verstand habe ich gottlob nicht an der Betroffenheitsgarderobe abgegeben, die Mystik an den magischen Zirkel zurückverwiesen und mein Verhalten moderat angepasst, wenn es die Situation erforderte: Ansonsten bin ich nichts als ich, und das ist auch das Einzige, was ich sein will.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute einen schönen Sonntag.

Die Schwierigkeit bei der Metakommunikation besteht darin, dass einer der Beteiligten über eine neue Kommunikationsebene verhandeln muss. Das ist oftmals schwierig und dann aussichtslos, wenn der andere nicht zustimmt. Lewis Caroll (der im Leben ja nicht nur Kinderbuchautor, sondern vor allem Mathematiker war) hat dies besonders treffend in „Alice hinter den Spiegeln" beschrieben.

Englisch:

"Do you know Languages? What's the French for fiddle-de-dee ?"
"Fiddle-de-dee's not English," Alice replied gravely.
"Who said it was?" said the Red Queen.
Alice thought she saw a way out of the difficulty this time. "If you'll tell me what language "fiddle-de-dee' is, I'll tell you the French for it!" she exclaimed triumphantly.
But the Red Queen drew herself up rather stiffly, and said, "Queens never make bargains."


Deutsch:

»Kannst du Sprachen? Was heißt Larifari auf französisch?«
»Larifari ist doch gar nicht deutsch«, erwiderte Alice ernsthaft.
»Sagt ja auch keiner«, versetzte die Schwarze Königin.
Diesmal erschien es Alice, als hätte sie einen Ausweg gefunden. »Wenn Ihr mir sagt, welche Sprache 'Larifari' ist, dann sag ich Euch auch, was es auf französisch heißt!«, rief sie siegesbewußt.
Aber die Schwarze Königin richtete sich nur ziemlich steif auf und sagte: »Königinnen (ver-) handeln nicht«


(Übersetzung von Christian Enzensberger, Insel Verlag)

Mehr dazu hier.

Falls Sie sich Gedanken darüber machen, ob sie sich verändern sollten, dann fragen Sie sich vielleicht: Ist die Methode, die mir die angeboten wird, „wissenschaftlich völlig abgesichert“? Ich muss Sie enttäuschen: Sie ist es nicht – und zwar gleichgültig, für welche Methode sie sich entscheiden.

Hier können Sie mehr darüber lesen.

Als ich mich einst sehr intensiv mit Man Ray beschäftigte, fragte mich eine Kunstliebhaberin, ob ich mich denn für den Dadaismus interessieren würde. Ich antwortete der etwas perplexen Dame, mich interessiere Lichtbildnerei, und wie sie die Dinge nennen würde, sei mir letztlich piepschnurzegal.

Jetzt, da ich mich erneut mit Paul Watzlawick beschäftige, glauben manche Leute, ich interessierte mich für den „radikalen“ Konstruktivismus – und ich muss ihnen wieder entgegen. Nein, ich interessiere mich nur für menschliche Veränderungen, und sie können die Dinge weiterhin nennen, wie sie wollen.

Irgendwie erschrecke ich, wenn ich auf das Erscheinungsdatum meines mehr als zerlesenen Exemplars sehe: "Menschliche Kommunikation", zuerst erschienen in New York, Anno 1967. Tatsächlich – das Buch muss vor etwa 40 Jahren geschrieben worden sein. Ein Buch, das nie ernstlich angezweifelt wurde, und das dennoch ständig auf Kritik stieß – zumeist bei jenen, die keine neuen Erkenntnisse hatten. Seien wir mal ehrlich: wo bleiben sie eigentlich, die Forschungsergebnisse über die menschliche Kommunikation? Zusammengefasst, verständlich, in Buchform? Wo steht sie eigentlich, die neue, umfassende, bahnbrechende Theorie mit praktischen Anwendungsbeispielen, dort draußen, im ganz normalen Alltag?

Wenn ich mich dies so frage, dann erinnere ich mich an ein Gespräch mit einer Studienrätin – es ist nicht ganz vier Jahre her. Sie wollte mir imponieren, indem sie von en Unterschieden der „verbalen“ und „nonverbalen Kommunikation“ sprach. Ich entgegnete, so, wie ich es gelernt hatte, mit „analog“ und „digital“ und erntete Empörung.

Zugegeben, die Wortwahl ist nicht alles, aber es erwies sich: Sie hatte nie von diesem Buch gehört und behauptet mit Nachdruck, so etwas wie „analoge“ und „digitale“ Kommunikation existiere nicht. Bei soviel Ignoranz, denke ich, brauchen wir noch lange keine neuen Theorien – wir müssen vermutlich erst einmal die Lehren von vorgestern gegen die von gestern eintauschen.

Nachdem ich mich heute lange und ausführlich mit der Psychologie beschäftigt habe, bleibt mir eine Frage zur Nacht: Warum beschäftigen sich so viele Autoren damit, wie wir „von etwas weg“ kommen, statt sich damit zu beschäftigen, wie wir „zu etwas hin“ kommen? Was ist denn attraktiver? „Störungen in der Kommunikation zu beseitigen“ oder „durch Kommunikation das Leben zu verändern“?

Das Erste kling mir so, als würd der Rohrreinigungsdienst kommen -das Zweite so, als stünde der Frühling vor der Tür.

Um wissenschaftlich interessierten Lesern und Praktikern die Gelegenheit zu geben, Sinn und Unsinn der Kommunikationstheorien zu diskutieren, habe ich eine neue Kategorie in „Changes“ eingerichtet. Sie heißt „Im Fokus“ und wird hauptsächlich Artikel beinhalten, die sich mit den Vordenkern der Kommunikationstheorien beschäftigen.

Die Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick steht dabei oft auf dem Prüfstand. Ist sie heute eigentlich noch aktuell? Wird sie richtig interpretiert? Was bleibt an der Theorie unklar, was muss bezweifelt werden, wie kann sie ergänzt werden?

Sie sind eingeladen, mitzudiskutieren.

Budapest, Dienstag, 31. Januar 2006

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Teilnehmer: Eine Dame, jung, übermäßig geschminkt, von Kiew kommend, ein älterer Herr, zwischen Budapest und Deutschland pendelnd.

D: Wann werden wir landen?

H: in 10 Minuten.

D: Werde ich es bis 19:15 in die Ankunftshalle schaffen?

H: ja, wenn Sie sich etwas beeilen.

D: (Nervös) Wissen Sie, ich werde abgeholt – genau um 19:15

H: (Belustigt) nun ja, ich fahre Bahn – da bleibt immer etwas Zeit.

D: Wissen Sie, das, geht heute wirklich nicht – ich muss unbedingt um 19:15 am Treffpunkt sein.

Es ist nicht so, dass ich mich absichtlich unverständlich ausdrücke, aber es ist auch nicht so, dass ich keinen Gefallen an gerunzelten Augenbrauen hätte“.

Oh, ich erinnere mich, als hier noch die Platzhirsche und gleichwertige Damen herumschwadronierten und jeden Neuankömmling in den Schuhkarton verpackten, der ihnen gerade am befremdlichsten zu sein schien.

Mittlerweile sind sie denn selber in den nämlichen Schuhkartons abgelegt, und auf den meisten dürfte stehen: „Neu besohlen lohnt nicht mehr“. Doch aus nostalgischen Gründen bewahrt man den Schuhkarton auf und holt dann und wann einmal die groben Bergschuhe hervor, mit denen man in den Hintern unliebsamer Schreiberlinge traktierte, oder die Highheels, mit denen man den Mitbloggern sinnlich lächelnd auf die Handflächen trat.

 

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