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Seit Eduard Berliner einst die sich drehende Scheibe erfand, in deren Tiefe die Wellen der Musik eingraviert waren, verband sich der Begriff „Musik“ Musik fast automatisch mit dem der „Scheibe“. „Tonscheiben“ nannten Spötter sie in den 50er Jahren. Recht lange Zeit sah es so aus, als ob das Tonband den Scheiben Konkurrenz machen sollte – erst 19 cm pro Sekunde, dann handlichere 9,5, schließlich technisch dank Dolby und Ferroband verbesserte 4,75. Inzwischen scheint die Tonbandtechnik den Studios vorbehalten zu sein – und selbst die liebäugeln heute bereits mit der Digitaltechnologie.

Doch die Scheibe hat überlebt – sie dreht sich als Magnetscheibe im Computer und seinen Abkömmlingen, und als CD oder DVD auf einer Fülle unterschiedlicher Geräte.

Weil sich aber eine CD dreht wie eine Schallplatte, diskutiert ein kleines Häufchen von unermüdlichen weiterhin darüber, welche Antriebsart und Aufhängung für einen CD-Spieler wohl die beste sei, und wehe, jemand würde dann „Voodoo“ sagen. Freilich muss man sehr lange sehr viele Leute einladen, bis „bewiesen“ wurde, dass „Hörproben unabhängiger Experten“ das eine (manchmal auch das andere, meist das teurere) Antriebssystem für hörbar halten: „ein erheblich transparenteres Klangbild mit fein abgestuften Höhen“ heißt es dann – oder so ähnlich. Zwar sind der dichterischen Freiheit kaum Grenzen gesetzt, doch scheitert die Erfindung neuer Superlative oft an sprachlichen und geschmacklichen Grenzen. Bei Redakteuren, die darüber hinausgehen, „musizieren“ dann bereits die Kabel.

Das alles hat ungefähr den Wert der Hohlwelttheorie: Die Erde ist innen hohl, und wir leben auf der Innenseite. Der Beweis ist bereits erbracht: Die Schuhsohlen laufen sich immer nach der Erdform ab: Spitzen und Abätze müssen zuerst erneuert werden.

Ein schönes Wochenende.

 

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