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Viele Hoteliers haben ihre Häuser in den letzten Jahren dort hin gebaut, wo die Gewerbesteuer niedrig, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel katastrophal und die Umgebung abscheulich ist. Der Gast, der angeblich sowieso mit dem Auto kommt, hat es hingenommen: irgendwo an öden Stadträndern, inmitten von Super- und Baumärkten, steht ein Betonklotz, der meist schon äußerlich so wirkt, als hätte man mit Gästen nie gerechnet. Würde nicht oben ein klagvoller Name prangen, könnte es auch ein Pflegeheim sein.

Wie jedem Reisenden bekannt, kann man in einem Hotel schlafen, gelegentlich etwas trinken, ab und an wahrhaftig leidlich speisen. Wer einen Salat mit etwas Lachs oder Huhn will, zahlt für sehr wenig sehr viel: jüngst in Hamburg waren es in einem Vorstadthotel etwa 13 Euro, plus Wasser und Wein selten unter 20, wobei in Deutschland Wasser immer auf der Rechnung steht – in Frankreich steht es hingegen auf dem Tisch.

Gut, wenn es Variationen gibt: bei einem Vorspeisenbuffet, zum Beispiel. Da gab es nichts zu meckern, außer diesem: Das Brot schmeckt pappig, aber das war auch beim Frühstück nicht anders: Eine wohlschmeckende Auswahl von Brot und Brötchen sollte schon vorhanden sein.

Über die Vielfalt eines „Frühstücksbüffets“ schon viel geschrieben wurde, hier die Hauptmängel: Kein Fisch, keine fettreduzierte Wurst, auch kein solcher Käse, nicht mal ein derartiger Joghurt. In vielen Hotels kommt erst gar kein Fruchtsalat auf den Tisch, in anderen kommt er aus der Dose: Daumen nach unten. Immer noch fehlen in sehr vielen Hotels warme Frühstücke: Es muss nicht immer „Ham and Eggs“ sein, auch warme Tomaten, Bohnen oder Fische wären gut.

Also, liebe Hoteliers: Wer nicht wenigstens drei Sorten Fisch zum Frühstück anbietet, ist kein gutes Hotel, sondern ein Sparhotel. Immerhin wird das Frühstück je nach Hotel mit 8 bis 20 Euro kalkuliert: dafür darf sich der Küchenchef etwas mehr einfallen lassen als fünf Sorten fette Wurst.

Was mir sonst auffiel: die meisten Hoteliers sind Beutelschneider, wenn es um die Mini-Bar-Preise geht. Freilich muss der Hotelier auch die Raben ertragen, die regelmäßig Minibars ausräubern und nichts bezahlen, nur gibt es dagegen wirksame Mittel: Man muss die Verluste nicht unbedingt auf andere Gäste umverteilen. Jüngster Einfall vieler Hotelbetreiber: Eine Flasche wohlfeilen Sprudel hinstellen: 4 Euro oder noch mehr. Das hat mit einem „reellen“ Preis nichts mehr zu tun, sondern mit der Goldgrubenmentalität der Betreiber: Wo man weit und breit abends kein Sprudelwasser bekommt, ist das Hotel eben die einzige Quelle.

Nur etwas ist besser geworden: Deutsche Hotels bieten jetzt tatsächlich elektrischen Strom an: man muss nicht mehr unter das Bett kriechen, um die einzig verfügbare Steckdose zu finden, sondern findet auch eine über dem Schreibtisch: Da haben die Hoteliers endlich mal etwas gelernt.

Die „Prolos“ dürfen sich freuen: Das von der Firma „Endemol“ ausgerichtete Medienspektakel „Big Brother V“ soll nach Pressevorankündigungen vor allem erotischer werden: Bewerber werden neuerdings nach der „sexuellen Orientierung“, gefragt – und nach der Bereitschaft, nackt im Haus des Großen Bruders herumzulaufen.

Doch das ist nicht das eigentlich empörende: Der „Druck“ auf die Bewohner soll nun „verstärkt“ werden. Was immer in der dreisten Presseankündigung des Anbieters „Battles“ sind, sie werden jetzt um „Challenges“ erweitert – um Herausforderungen also. Dass es sich dabei kaum um geistige Herausforderungen handeln dürfte, sondern darum, in möglichst peinlichen Situationen gefilmt zu werden, deutet die Pressemitteilung ebenfalls an: man will die „psychischen und physischen Grenzen“ der Teilnehmer testen.

Ob wir ein paar Brüder und Schwestern in die Kamera kotzen sehen werden? Wir wissen es nicht. Aber eines wissen wir jetzt schon: Der Boulevardpresse wird der Stoff nicht ausgehen.

http://dwdl.de/article/1069760241/

Pressemitteilungen sind ja so schön, weil man den Geist nicht anstrengen muss und einfach abschreiben kann, was ins Haus flattert. Nun mag der Teufel wissen, wie Kompetent das „Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten“ in gesellschaftspolitischen Fragen ist, aber klar ist eines: Frauen gehen in Frauenhäuser, weil sie von ihren Ehemännern bedroht werden. Das ist so beklagenswert wie richtig und eine Meldung wert, und auch wohl dies: Es gehen immer mehr Frauen dort hin. Das ist teuer: 400 Millionen Schweizer Franken pro Jahr, und also wäre es wohl an der Zeit, erstens nach Alternativen zu Frauenhäusern und zweitens nach Lösungen des Problems zu suchen.

So weit ist nichts einzuwenden gegen die Berichterstattung der Basler Zeitung, wenngleich es sicher nicht geschadet hätte, auch einmal die Hintergründe zu beleuchten statt brav ab zuschreiben.

Doch in einem Nebensatz offenbart sich, wie Irrungen und Wirrungen schnell Verbreitung finden: „. Frauen sehen sich auch zunehmend wieder mit sexistischer Werbung konfrontiert“ steht da einfach so herum, als hätte dies etwas mit dem Elende der geschlagenen Frauen und der Kostenentwicklung der Frauenhäuser zu tun.

Ab diesem Satz, und insbesondere im Anhang des Artikels wird dann nämlich die Not der Frauen durch die billige Propaganda nationalkonservativer Kreise wieder abgewertet: Die leidige „String-Tanga-Kampagne“ von Sloggi kommt wieder ins Gespräch: Nun klar, „Sloggiy“ ist keine Schweizer Firma, sondern eine deutsche, da kann man ja gerne einmal wieder lauthals aufschreien.

Auch nicht unbedingt schweizerisch ist die „Gwand“-Modenschau, die nun bald in Luzern stattfindet: Es handelt sich dabei um eine sehr kreative Modeschau junger deutscher Designer. Doch was die kreativen Frauen, die diese Mode entwerfen, auch an Pluspunkten in die Kulturlandschaft einbringen, den Damen von „Terre des Femmes“ ist es zuviel: Sie wollen die Werbung für „Les plaisirs demodes“ verbieten lassen, weil dort angeblich eine „nackte“ Frau zu sehen sei, die außer einem „kaum sichtbaren“ Bikinihöschen nur mit einer Henkersmaske bekleidet ist: Dass eine Modeschau vom Bekleiden der Nackten handelt, kommt den konservativen Schweizerinnen dabei nicht in den Sinn.

Was sind diese Frauen nun? Feministisch? Oder vielleicht eher nationalistisch? Oder übertrieben Calvinistisch? In jedem Fall verderben sie den Menschen die Freunde am Leben, an der Kunst und an der Kultur. Wenn das alles ist, was Feminismus leisten kann, sollten die Feministinnen lieber Klöster gründen als Parolen in die Welt zu setzen – oder sich um die Frauen in den Frauenhäusern kümmern – möglichst persönlich, damit sie sich ein Bild machen können, wo sich der Einsatz am Nächsten lohnt.

Nein, dies ist kein Artikel über den Heiligen Abend, es hat genau genommen gar nichts damit zu tun, aber einer hat es nun mal gesagt: Das „Heilig-Abend-Gefühl“ stellt sich bei Mister "Simon" nämlich immer dann ein, wenn er „es“ mit seiner Freundin im Auto treibt – bei eingeschalteter Innenbeleuchtung, und auf öffentlichen Parkplätzen: „Dogging“ sagen die Engländer dazu, eigentlich unübersetzbar, und so mag es besser sein, dass komplizierte deutsche Wort„Parkplatzsex“ dafür zu gebrauchen..

Nun, wie die GQ-Kolumnistin Bibbi Lynch berichtet, geht die Sache nicht nur 1:1, denn eigentlich stellen sich die ganz tollen Gefühle erst ein, wenn sich ein Dritter beteiligt – und da wird die Sache dann wohl vollends kribbelig: „Man braucht dazu eine Frau, die Sex wirklich mag“, sagt „Simon“ – und er ergänzt noch, dass die besondere Attraktion an der Sache sei, wenn man die Autofenster dann herunterkurbelt: Ja, dort warten immer ein paar Herren, die zunächst nur zusehen, aber insgeheim auf eine Einladung ins Wageninnere warten – und die bekommen sie auch gelegentlich. Da „Simon“ auch gerne prahlt, zählt er mal kurz nach und berichtet dann stolz, seine Freundin habe gestern Nacht mit drei verschiedenen Männern Intimverkehr gehabt, und sieben Mal habe sie noch Lutschstangen genossen. (Im Original drückt sich Simon etwas drastischer aus).

Was seine Freundin zu all dem meinte, ist nicht überliefert, doch sollte man Teile des GQ-Artikels nicht lesen, wenn man vorher gut gespeist hat – und sehr gesund, dies nur nebenbei, ist die Sache aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht.

Aus: GQ, Printversion, englisch, Dezember 2003

Jetzt bin ich als hier, in der Stadt von Nitribitt und Goethe (Damen immer zuerst): Ja, ich bin in Frankfurt.

Wahrscheinlich ist Frankfurt so deutsch wie sein Würstchen, und möglicherweise leben die wurschtigsten aller Deutschen just hier, oder vielleicht sind alle dank Nitribitt und Goethe inzwischen so deutsch, dass es deutscher einfach nicht mehr geht.

Persönliche Kälte? Weltmeisterlich. Deutscher Trief- und Trübsinn? Unübertroffen. Stadtplanung? Schwerlich zu verschlechtern. Wenn mal einer lacht, ist er entweder betrunken oder Ausländer. Das Trinkgeld, auf das der inländische Taxifahrer keinerlei Anspruch erheben könnte, weil er ohnehin sauer ist, dass die Fahrt so kurz ist und dies auch deutlich zeigt, wird hingenommen als gehörte es zu den größten Selbstverständlichkeiten. Seine Augen sagen: „hoffentlich ist diese blöde Sau bald wieder aus meiner Taxe raus, die sich hier von mir hat fahren lassen, auf dich Kurzstreckenarsch kann ich auch noch verzichten“. Dabei ist es gleich, ob man das Trinkgeld auf den nächsten Euro aufrundet, oder gar auf 20 Prozent – kein Danke, kein Türaufhalten, kein freundliches Wort – einfach: Gar nichts.

Frankfurt eben. Die Stadt täte gut daran, ihr Geld nicht in Imagebroschüren anzulegen, sondern etwas zu tun, was andere Städte auch mussten: Eine Freundlichkeitskampagne starten: „Wir sind freundliche Frankfurter“ oder so.

Bliebe zu erwähnen, dass ich nicht nur Deutsche in Frankfurt traf: die waren fröhlich, hatten Humor und einer zeigte mir Stolz das neue Mercedes-Taxi: „Mach ich mit meinem Bruder gemeinsam – uns geht es sehr gut“. Ich muss lange nachdenken, bevor ich von einem Taxifahrer hörte, es ginge ihm gut. Muss wohl in Kopenhagen gewesen sein. Dort sind Taxifahrer entweder Ausländer wie fast überall oder sehr alte Dänen.

Nun, ich verlasse die Steinwüste in ein paar Tagen, in deren Ghettovorstadt mein Hotel steht – eigentlich eine Zumutung, Hotels zwischen irgendwelche Super- und Baumärkte zu bauen. Aber das gibt es nicht nur in Frankfurt. Ach ja: im Hotel versucht man nett zu sein. Man merkt deutlich an den Gesichtern des Hotelpersonals, wie schwer es ihnen fällt, und meint hinter die Stirn sehen zu können: „was willst Du eigentlich von mir, du lästiger Gast, morgen kommt doch sowieso wieder ein neuer“. Nun ja, vielleicht sollte man in Frankfurt bereits das Bemühen anerkennen.

Jetzt wissen wir endlich, wer Jenny ist – das heißt, eigentlich wissen wir es nicht: Mal ist sie eine „Moderatorin“ bei einem Berliner Lokalsender, mal einfach ein Busenmädchen und dann eine Dame, die sich nächtens – wohl bei demselben Sender – nur mit einem Slip bekleidet auf der Couch räkelt und „heftig“ mit den anrufenden Jungs flirtet. Meine jedenfalls in Deutschland „Bild“.

Doch nun muss die arme Jenny entweder noch heftiger flirten oder ihr Abitur woanders machen: die christliche Schule, auf der sie tagsüber gelernt hat, mochte ihr nächtliches Tun nicht und warf sie kurzerhand raus: Christenschule halt, dem Herrgott persönlich verpflichtet. Oder doch eher dem Bischof?

Die Direktorin soll mit den Schultern gezuckt haben, aber wie auch immer: Nun wissen wir, wer Jenny ist. Dank BILD. Oder besser: Dank Ananova. Denn ohne letztere wäre ich nie auf die BILD als Quelle gekommen.

Männer, aufgepasst: Forschung + Wissen + Nackte Brüste ergibt Matador. So jedenfalls soll ein neues Männermagazin der Bauer-Verlagsgruppe heißen, und die Falle soll offenkundig bei Playboy-Lesern zuschnappen: Bei denen also, denen der Playboy zu viel Lebensart hat, „Mens Health“ zu viel Gesundheit und GQ zu viel Produkte für den Geldadel.

Ob das „Forschen und Wissen“ wesentlich über Beziehungen, Geschlechtsverkehr und Frauenkörper hinausgehen wird, können wir bald am Kiosk erleben – allerdings selten, denn das Magazin wird nach vorläufigen Presseberichten nur zweimonatlich erscheinen. Wozu letzteres gut sein soll, weiß der Geier. Oder der Bauer-Verlag.

Gelesen bei: Pressetetext.ch

Wenn Deutsche als überwiegend leidlich gebildete, aber dennoch dreiste Hohlköpfe gelten, dann ist das Zweite Deutsche Fernsehen ihre Bildungsanstalt. Da verlautet aus dem Sender doch tatsächlich, dass „Martin Luther den Sprung vom sechsten auf den zweiten Platz geschafft“ habe. Wo? Nun, bei den „größten Deutschen“ natürlich“. Was das ist? Eine Unterhaltungschau übelster Machart, bei der als Gipfel der Geschmacklosigkeit demnächst Widerstandskämpfer gegen Komponisten antreten: So will man den größten Deutschen ermitteln.

Und die Anstalt, aus der solcher Unfug verbreitet wird? Die lobsabbert sich von oben bis unten voll, allen voran der Herr Programmdirektor: Der meint, nun könnten wir doch mal wieder sehen, „welche Faszination euch heute noch vom Thema Kultur ausgeht“. Klar, lieber Herr Dr. Bellot, nur dass es eben keine Kultur ist, was das ZDF da verbricht, sondern eine „systematische Spekulation der Fernsehsender auf die Dummheit des Zuschauers“, meine nicht ich – meinte Jens Jessen in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“.

Besser hat es schon ZDF-Kulturchef Hillrichs ausgedrückt: Er nennt die Marmeladenshow, in die alles hinein durfte, was man an Kultur gerochen hat, ein „Gesellschaftsspiel“. Damit zeigt er nachdrücklich, was diese Gesellschaft noch Wert ist: Ein Kindergarten, der Gesellschaft spielt und dabei mit Kulturmarmelade kleckert, so viel, dass die Kleidung verspritzt, und so billig, dass man nicht auf ein Löffelchen achten muss.

Zum Abschluss tritt ein gewisser „Johann Sebastian Bach“ gegen die „Geschwister Scholl“ an. Niemand beim ZDF schämt sich dafür, so etwas zu senden, im Gegenteil. Hoffentlich nehmen wenigstens noch ein paar Leute wahr, dass das Ganze nicht mit Kultur, sondern etwas mit schlechtem Geschmack zu tun hat. Aber vielleicht auch nicht mehr: Wenn 2,6 Millionen Deutsche die Sendung sehen, wie das ZDF behauptet, heißt das, dass 2.600.000 Deutschen die Kultur bereits entglitten ist. Sie sind bereits auf der niedrigsten menschlichen Entwicklungsstufe angekommen: Der des Fernsehkonsumenten.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ führt jelejentlich eine Sonderseite, die von der RheinMainMedia gesponsert, jerade so aussieht, als käme sie aus der Redaktion der FAS. Weihnachten? Dachten sich deren Redakteure, da jibt’s nur eins: Joethe, so nach dem Motto „Joethe jeht imma“.

Also muss der jeheime Rat Johann Wolfgang Freiherr von Joethe mal wieder herreichen, um Weihnachten an den Mann zu bringen: „Der Geheimrat unterm Tannebaum“, dichtete dar anonyme Autor, und schrieb vor allem, dass der Jeheimrat viel fraß und soff und selten dort war, wo ihn Frauchen erwartete: Nicht einmal zu Weihnachten. Jroßmutter musste stimmungshalber aushelfen, wo Joethen fehlte: Konfekt, seidene Strümpfe und Spitzen brachten Mädchenherzen zum verzücken, während Joethe-Sohn Justl Lust auf Zinnsoldaten hatte, die es auch jab.

Was es nicht jab: so ein schlichte nette Jiullotine, mit der die Franzosen denen die Köpfe abjemacht haben, die darunter lajen. Zwar verlangte Joethen von seiner Mutter, sie möge doch mal Ausschau halten, ob es nicht so was jebe, doch die sagte einfach: jibt es nicht. Punkt.

Was wir aber seither wissen: Nach mannigfacher Zeitzeugenquelle erfuhr RheinMainMedia, dass „der Alte viel sprach und nicht wenig trank“, und an anderer Stelle und im Zeugnis eines anderen Chronisten fraß er zum Dessert schweizerischen oder englischen Käse, wozu er „fleißig trank“, und letztlich will ihn ein weiterer Zeuge des Morgens jesehen haben, wie er sich wieder den Ranzen vollschug: Eine Riesenportion Napfkuchen war es, und verzehrt wurde sie zu Wein.

Was lernen wir draus? Nichts. Hoffentlich. Außer, dass Sehpferd einen Deutschlehrer hatte, oder besser in diesem Fall: jehabt hatte, für den es janz normal war, „Joethe“ zu sajen.

Speisen sind lecker? Nein. Sie schmecken vorzüglich, sie munden köstlich , sie duften herrlich. Man genießt sie, lechzt vielleicht danach oder leckt sich möglicherweise die Finger. Aber „lecker“ sind sie nicht, es sei denn, man wäre ein Kindergartenkind: Dort gehört so ein Dummwort hin. Die Menschen freilich, die es in den Mund nehmen, sind nicht einmal ungebildet. Je gedehnter das „e“ in „lecker“ in die Ohren fällt, umso mehr kann man auf Universitätsbildung schließen, und wenn eine oder einer gar noch zur guten Gesellschaft gehört, dann ist alles nicht nur einfach „lecker“, sonder gar „läkher“. Nie gehört? Nun, es sind die gleichen Leute, die nicht „in Sorge sind“, sondern sich „Sohrgen“ machen. Der lange Vokal zeugte schon immer von Verlogenheit.

Fragt sich, warum ich das schreibe. Ich lebe ohnehin in einem Paralleluniversum, indem man sich keine „Sohrgen“ macht, einem anderen nicht vorschwärmt, wie „läkher“ etwas ist und in dem eine „nätte“ Person ein Mensch ohne Eigenschaften ist.

Danke, liebe ZEIT, und vor allem Danke, liebe Heike Faller. Von jener wissen wir nämlich, dass Frauen „um die dreißig“ in einem „schwierigen Alter“ sind. Eigentlich nicht neu, könnte die Spötter-Seele sagen, wenn sie ihre chauvinistische Färbung bekommt, schließlich sind Frauen nach Männeransicht immer in einem schwierigen Alter, weil es nicht ums Alter geht, sondern um die Rolle, aus der fast alle Frauen in zwischen gefallen sind, aber nun – bleiben wir doch mal ernsthaft.

Etwas dümmlich bliebt die Frage freilich auch noch, wenn man sie ernst nimmt: Warum „die Sache“ mit der Beziehung ausgerechnet für eine Frau mit 30 „fürs Erste“ erledigt sein soll, kling nicht recht plausibel. Wie denn überhaupt der ganze Artikel der lieben Frau Faller wahrscheinlich nur deswegen unter „LEBEN“ in der Zeit erschienen ist, weil ja etwas über Frauen drinstehen muss. Das, was dann drin steht, liest sich stark vereinfacht so: Verlieben ist irgendwie mit 30 ziemlich schwer, weil keiner zur Haustür reinkommt und sagt „Quark, ich bin ein verzauberter Prinz, küss mich“, und weil andererseits eine so genannte „Vernunftbeziehung“ nicht erstrebenswert ist. Alles, was es zwischen dem großen Knall beim Forschwerfen gegen Wände und der „Vernunftverbindung“ gibt, kommt in dem ZEIT-Artikel gar nicht vor: Eine fantasielose Autorin eben, die das, was sie in der ZEIT schreiben dufte, lieber ihrem Tagebuch anvertraut hätte. Dort gehört diese Art von Lamento, das sich liest wie von einer geschwätzigen Sekretärin geschrieben, nämlich hin.

Was kommt bei Männer an? Nun, vor allem eines nicht: lamentieren. Eine aufmerksame, lebendige und zukunftsträchtige Frau findet in jedem Lebensalter einen passenden Partner, während Frustmiezen besser hinter dem Ofen bleiben, bevor sie in der Männerwelt Unheil anrichten. So bleibt vom ZEIT-Artikel der schale Geschmack zurück, mal wieder eine Deutschstunde bekommen zu haben: „warum soll ich eigentlich etwas unternehmen, alles ist ja doch vergeblich“. Schließlich erfahren wir am Ende dann doch noch etwas, das wir vorher allerdings auch schon wussten: Wenn Körper, Geist und Seele ausdrücken, dass man einen Liebhaber, der es länger als 14 Tage aushält, gleich zum Vater machen will, dann bekommt man natürlich keinen Mann. Und das ist auch gut so.

QUELLE: Die ZEIT, Ausgabe Nr. 48, 20. November 2003

Moralisten überall: nach der R&R Sängerin Beyoncé Knowles hat nun auch die Sängerin Kylie Minogue verstanden, dass sich Empörung ganz gut verkauft: Egal, was man auf der Bühne trägt oder auszieht: Ihr Sex sei ja so harmlos, sie schnurre nur wie eine Katze. Die anderen aber, die sind ja so böse: Die Popkultur, so die Sängerin, würde nämlich „pornografisiert“ – was immer das ist – dies jedenfalls wusste die fr.
Zwar wird die Popkultur zunehmend erotischer, aber die Werbung wird es auch – und Pornografie wird gesellschaftsfähig, wie nicht nur Hollywood eindringlich unter Beweis stellt. In Deutschland freilich nicht: Dort ist, wir hörten es gerade, ohne Not wieder einer ernste Diskussion über „Jugendschutz“ entfacht worden.

Was glauben sie, passiert gerade, wenn sich „Tittenkonsumenten die geölten Brüste“ um die Ohren baumeln lassen? Na? Nahkampfangriff in einem Rotlicht-Stripschuppen? Weit gefehlt. Es handelt sich lediglich um Musikvideos der weiblichen Pop-Stars, in denen „Bikini-Girls“ gleich dutzendweise auftreten, um den nämlichen Vorgang auszuführen.

Sehpferd entnahm diese goldigen Zitate dem Feuilleton der „Frankfurter Rundschau“.

Nun wissen wir, womit Gott einverstanden ist – Stöhnen und Räkeln ja – Zungenküsse (jedenfalls unter Frauen) nein. Sagte jedenfalls die angebliche Königin des R&B, Beyoncé Knowles. Egal, was man macht oder nicht macht, verurteilt oder nicht verurteilt: Der Name steht mal wieder in der Presse. Und da soll er ja auch hin.

Das las Sehpferd hier:

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen

Heute Stuttgart, morgen Basel, dann Mönchengladbach, Düsseldorf, Budapest, Frankfurt. Wie soll ich da noch aus den Algen blubbern? Eigentlich gar nicht mehr. Doch brav versuche ich noch, die Woche zusammenzufassen: Am Abend schnell ein paar Sehpferd-Artikel geschrieben, dann irgendwann verschickt, ein wenig gelesen, nachgedacht, Artikel über Weihnachten gesammelt. Menschen kennen gelernt, ja, jene auf der Straße, denen ich sonst nie begegne, Warenhäuser besucht, italienische Lokale, in Hotels gehaust.

Mitten durch das Leben, an so vielen Schicksalen vorbei, hier einen Hauch davon erhascht, dort einen verständnisvollen Gesprächspartner gefunden, hier einen Rate gegeben, dort Mitgefühl gezeigt, schließlich wieder abgereist.

Ja, und eigentlich schon wieder unterwegs.

Unter den zehn wichtigsten Dingen von insgesamt 100, die Männer unbedingt benötigen, steht auf Nummer1 ein – Stuhl. Der wurde von Giorgio Guridi für Kundalini entworfen und sieht auch ohne die passende Dame gut aus, mit der ihn das englische GQ abbildete. Natürlich kommt die Sache teuer, so etwa 825 englische Pfund, will GQ wissen und schreckt damit natürlich jene, deren Haushaltskasse gerade auf die Auswirkungen deutscher Sozialreformen eingestellt ist.

Was man unbedingt am Handgelenk tragen muss, kommt auch nicht billig: Tag Heuers Microtimer nämlich, der auf Platz vier gesetzt wurde. Der sieht so gut aus, dass er sogar ohne Damenhintergrund auskommt – aber für viele ist er eben nur eine teure Uhr. Wirklich preiswert ist dagegen die Nummer 2: Ein Museumsbesuch: Roy Lichtenstein in der Hayward Galerie – ja, den könnte man sich ja mal leisten.

Main Favorit wäre allerdings die Nummer elf: 10 Jahre Fotografie, aber nicht irgendwo, sondern im Vibe Magazin: Sehr sexy, mit Fotos von Rob Kenner und George Pitts, Verlegt von Abrahams, laut GQ-Angaben 27,50 GBP.

Dieser Tage fiel mir ein, dass bald Weihnachten ist – nicht so sehr, weil ich durch ein paar Warenhäuser zu viel gegangen bin, in denen die Dekoration ja nichts anderes mehr aussagt, sondern weil ich gefragt wurde: „was könnte man den einem Mann schenken, der ... nun ja, und dann folgte seine Liebhaberei.

Ziemlich viel später habe ich mir überlegt, was man einem Mann schenken könnte, der gerne und viel schreibt – dabei habe ich durchaus an mich gedacht. Doch nachdem ich den Gedanken ein wenig hin- und herbewegt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, es lieber bleiben zu lassen – am Ende käme noch jemand auf die Idee, mir einen Füllfederhalter zu schenken. Mag ja sein, dass ich zu viel GQ lese, oder zu viel in der Welt herum fliege, denn dort wird einem vor allem eines vermittelt: Ohne Füllfederhalter geht es nicht - und er darf allerhöchstens von einer der drei Topmarken sein, nun am besten der mit dem M, und davon natürlich das Spitzenerzeugnis. Was sonst?

Nur, dass ich für Füllfederhalter nicht die geringste Verwendung habe. Das einzige, was ich im letzten Jahrzehnt handschriftlich verfasst habe, ist mein letzter Wille. Und jenen, die dies lesen, ist wohl ziemlich gleichgültig, ob ich es mit einem Luxusfüllfederhalter oder mit einem Werbekugelschreiber verfasst habe.

Bleibt dennoch die Frage – was schenkt man einem Autor? Hörte ich etwa die Antwort „Bücher“ mit dem süffisanten Nachsatz „damit du etwas zum Abschreiben hast?

 

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