Freunde, die neue Zeit ist gekommen: Bis ein Roboter mit Gefühlen und möglicherweise auch erotischen Begierden geschaffen wird, vergehen nur noch wenige Monate.
Nein, es ist nicht ein Extrakt aus einem Science-Fiction Roman, sondern die Absicht von Professor Kim Jong-Hwan, der innerhalb der nächsten drei Monate einem Roboter ein neues Softwareprodukt einspritzen möchte: künstliche Chromosome, die es dem Roboter ermöglichen. Gefühle zu erleben. Angeblich basiert die Software auf den gleichen Grundlagen wie die menschliche DNS, wenngleich sie eine andere Form hat.
Der Professor ist zuversichtlich, denn er meint, dass diese Roboter mit ihren eigenen Gefühlen auch eine eigene Persönlichkeit erhalten würden – eine Nette, selbstverständlich.
Sie denken nun vielleicht, dies alles stand in einem dieser Magazine, die uns dauernd einflüstern wollen, die Außerirdischen seien bereits unter uns – nein, weit gefehlt – es stand im Guardian.
Nein, es ist nicht ein Extrakt aus einem Science-Fiction Roman, sondern die Absicht von Professor Kim Jong-Hwan, der innerhalb der nächsten drei Monate einem Roboter ein neues Softwareprodukt einspritzen möchte: künstliche Chromosome, die es dem Roboter ermöglichen. Gefühle zu erleben. Angeblich basiert die Software auf den gleichen Grundlagen wie die menschliche DNS, wenngleich sie eine andere Form hat.
Der Professor ist zuversichtlich, denn er meint, dass diese Roboter mit ihren eigenen Gefühlen auch eine eigene Persönlichkeit erhalten würden – eine Nette, selbstverständlich.
Sie denken nun vielleicht, dies alles stand in einem dieser Magazine, die uns dauernd einflüstern wollen, die Außerirdischen seien bereits unter uns – nein, weit gefehlt – es stand im Guardian.
sehpferd - am Donnerstag, 3. Februar 2005, 21:53 - Rubrik: zeit geschehen
„Um kommunikationsfähig zu sein reicht es nicht, frei sprechen zu können und das sensible Miteinanderreden zu beherrschen. Ein weiter wesentlicher Punkt ist die Beherrschung der rhetorischen Kompetenz. Dies bedeutet Strategien anwenden zu können, die ein überzeugendes Argumentieren und Vortragen gewährleisten.“
Wer die deutsche Sprache beherrscht, wird selbst ausmachen können, wie oberflächlich hier an den Grundlagen der Kommunikation vorbeigeredet wird - von der unsäglichen Sprache einmal ganz abgesehen.
Wer es nicht bemerkt: „Das sensible Miteinanderreden“ existiert nicht, und man kann es auch nicht beherrschen. Man kann sich aber bemühen, auf seinen Partner einzugehen. Unterschied kapiert? Wahrscheinlich nicht, wenn man Student der Pädagogik ist. Man könnte den ganzen Satz auseinander pflücken und den Schreiber entlarven. Aber: Erstens ist es spät, und zweitens wirklich nicht sehr lohnend. Ich verteile mal eine Blogzitrone für Sprachschlamperei.
Wer die deutsche Sprache beherrscht, wird selbst ausmachen können, wie oberflächlich hier an den Grundlagen der Kommunikation vorbeigeredet wird - von der unsäglichen Sprache einmal ganz abgesehen.
Wer es nicht bemerkt: „Das sensible Miteinanderreden“ existiert nicht, und man kann es auch nicht beherrschen. Man kann sich aber bemühen, auf seinen Partner einzugehen. Unterschied kapiert? Wahrscheinlich nicht, wenn man Student der Pädagogik ist. Man könnte den ganzen Satz auseinander pflücken und den Schreiber entlarven. Aber: Erstens ist es spät, und zweitens wirklich nicht sehr lohnend. Ich verteile mal eine Blogzitrone für Sprachschlamperei.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 23:17 - Rubrik: aufgegriffen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Tja, lieber Jens Blankennagel und liebes Berlinonline, Alice ist nun mal Alice, und sie ist Teil einer Werbekampagne für einen Internetanbieter – das kann ja nun nicht so schwer gewesen sein, dies zu recherchieren.
Die Dame, die „Alice“ Gestalt gabt, heißt Vanessa Hessler, ist ein Model aus Rom und Tochter einer italienischen Mutter. Genau wie der Auftraggeber der Werbekampagne übrigens, der auch eine italienische Mutter hat, die Telecom Italia.
Warum Herr Blankennagel die Dame nicht mehr sehen mag, ist mir unerklärlich, denn sie ist höchst ansehnlich, und über die groß angelegte Kampagne, die dazu führen soll, Kunden zum Internet-Anbieter HanseNet zu locken, informiert man sich am besten hier.
„Alice – sie werden sie lieben“ heißt die Kampagne, und sie ist, wenn sie mich fragen, einfach toll gemacht.
Die Dame, die „Alice“ Gestalt gabt, heißt Vanessa Hessler, ist ein Model aus Rom und Tochter einer italienischen Mutter. Genau wie der Auftraggeber der Werbekampagne übrigens, der auch eine italienische Mutter hat, die Telecom Italia.
Warum Herr Blankennagel die Dame nicht mehr sehen mag, ist mir unerklärlich, denn sie ist höchst ansehnlich, und über die groß angelegte Kampagne, die dazu führen soll, Kunden zum Internet-Anbieter HanseNet zu locken, informiert man sich am besten hier.
„Alice – sie werden sie lieben“ heißt die Kampagne, und sie ist, wenn sie mich fragen, einfach toll gemacht.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 21:38 - Rubrik: wirtschaft im blick
Die Hamburger Morgenpost titelte „Professor Porno“, setzte diese reißerische Überschrift aber vorsichtshalber in Anführungszeichen, denn zu berichten gab es nur, dass der Hamburger Soziologe Manfred Schneider an der Hamburger Universität ein Seminar über "Ästhetik des erotischen und pornografischen Films" hält.
Es wurde Zeit für derartige Seminare. Pornografische Filme sind Zeitzeugnisse – jeder, der einmal einen solchen Film vergangener Jahrzehnte gesehen hat, wird mir zustimmen, denn sowohl die Darstellungsweise wie auch die Schönheitsideale haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt – vom Blick durchs Schlüsseloch in plüschige Schlafzimmer bis hin zu den mit wirklichen Handlungsabläufen angereicherten französischen Sexfilmen der heutigen Zeit.
Freilich werden die ewig Prüden nun aufschreien – aber da gibt es nichts zu schreien. Sex gehört zum Leben wie Arbeit, Essen und Trinken – und die Lust ist ebenso die heftigste Triebkraft unserer Emotionen. Also gehört Sex in ein Medium, das an Emotionen rührt – so oder so.
Es wurde Zeit für derartige Seminare. Pornografische Filme sind Zeitzeugnisse – jeder, der einmal einen solchen Film vergangener Jahrzehnte gesehen hat, wird mir zustimmen, denn sowohl die Darstellungsweise wie auch die Schönheitsideale haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt – vom Blick durchs Schlüsseloch in plüschige Schlafzimmer bis hin zu den mit wirklichen Handlungsabläufen angereicherten französischen Sexfilmen der heutigen Zeit.
Freilich werden die ewig Prüden nun aufschreien – aber da gibt es nichts zu schreien. Sex gehört zum Leben wie Arbeit, Essen und Trinken – und die Lust ist ebenso die heftigste Triebkraft unserer Emotionen. Also gehört Sex in ein Medium, das an Emotionen rührt – so oder so.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 21:07 - Rubrik: kult und kultur
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Liebe Leserinnen und Leser,
sie werden schon bemerkt haben: Es gibt mehr Seiten an Sehpferd, als sie nach meinen ersten Beiträgen hier geahnt hatten – und sicher auch viel mehr, als manchen meiner Mitmenschen lieb ist. Wenn sie mich aufmerksam lesen, werden sie auch wahrgenommen haben, dass auf diesen Seiten nur noch selten von schnöder Nacktheit die Rede ist.
Meinen bisherigen Leser zugewandet sage ich, dass ich weiterhin sinnliche Themen aufgreifen werden – die menschliche Schönheit, insbesondere die Schönheit der Frau, ist mir immer wieder einen Beitrag wert.
Meinen neuen Leser verkünde ich gerne, dass sie auf dieser Seite in Zukunft mehr über Kultur, Medien, Wirtschaft, Gesellschaft und Innenpolitik lesen können. Da ich grundsätzlich einen Anstoß aus dem Netz brauche, um überhaupt etwas aufzugreifen, wird es sich immer um etwas bereits Bekanntes handeln – aber das Licht, das hier auf die Sache fällt, wird deutlicher gebündelt sein und nicht die üblichen Farben der deutschen Presse widerspiegeln.
Zu meinen neuen Aufgaben zähle ich auch, das Verhältnis von Journalisten zu Bloggern (und natürlich umgekehrt) zu beobachten und kritisch zu kommentieren. Die Zeit dafür ist reif. Sowohl das Inhaltsverzeichnis wie auch die Links werden umgebaut – aber erst nach und nach.
Doch eines wird schon heute geändert: Aus Sehpferds sinnlichen Seiten werden Sehpferds sinnige Seiten. Ab sofort.
Ich danke Ihnen, dass sie bis hierher gelesen haben.
Ihr Sehpferd
sie werden schon bemerkt haben: Es gibt mehr Seiten an Sehpferd, als sie nach meinen ersten Beiträgen hier geahnt hatten – und sicher auch viel mehr, als manchen meiner Mitmenschen lieb ist. Wenn sie mich aufmerksam lesen, werden sie auch wahrgenommen haben, dass auf diesen Seiten nur noch selten von schnöder Nacktheit die Rede ist.
Meinen bisherigen Leser zugewandet sage ich, dass ich weiterhin sinnliche Themen aufgreifen werden – die menschliche Schönheit, insbesondere die Schönheit der Frau, ist mir immer wieder einen Beitrag wert.
Meinen neuen Leser verkünde ich gerne, dass sie auf dieser Seite in Zukunft mehr über Kultur, Medien, Wirtschaft, Gesellschaft und Innenpolitik lesen können. Da ich grundsätzlich einen Anstoß aus dem Netz brauche, um überhaupt etwas aufzugreifen, wird es sich immer um etwas bereits Bekanntes handeln – aber das Licht, das hier auf die Sache fällt, wird deutlicher gebündelt sein und nicht die üblichen Farben der deutschen Presse widerspiegeln.
Zu meinen neuen Aufgaben zähle ich auch, das Verhältnis von Journalisten zu Bloggern (und natürlich umgekehrt) zu beobachten und kritisch zu kommentieren. Die Zeit dafür ist reif. Sowohl das Inhaltsverzeichnis wie auch die Links werden umgebaut – aber erst nach und nach.
Doch eines wird schon heute geändert: Aus Sehpferds sinnlichen Seiten werden Sehpferds sinnige Seiten. Ab sofort.
Ich danke Ihnen, dass sie bis hierher gelesen haben.
Ihr Sehpferd
In einem Beitrag des Fernsehsenders CBS werden jetzt „Sexabhängige“ dargestellt. Das ist so vernünftig oder unvernünftig wie Berichte über Alkoholiker, aber natürlich wesentlich spektakulärer, vor allem wenn das Web damit abermals verteufelt werden kann.
Freilich: Der Zugang zur Pornografie im Internet ist überall gegeben, wo es Computer gibt, und sicherlich, die sozialen Schranken, pornografische Bilder im Internet anzusehen, sind nicht so groß, wie der Gang in das örtliche Bordell. Hier wird auch keinesfalls bestritten, dass Menschen seit der Internetepoche mehr Zugang zur Pornografie haben als zuvor. Aber dass diese Menschen erst durch das Internet so geworden sind, wie sie jetzt sind, kling wenig glaubwürdig: Nein, der brave Mann wäre natürlich niemals in einen Pornoshop gegangen – aber im Internet, dort würde er sich sicher fühlen.
Man tut den Menschen, die an einer Sucht leiden, keinen Gefallen, wenn man sie als „verleitete“ Zeitgenossen einstuft. Süchte beruhen auf biochemischen Fehlreaktionen, die durch körperfremde oder körpereigene Stoffe ausgelöst werden können. Dabei ist es im Prinzip völlig egal, ob jemand fresssüchtig, alkoholabhängig oder sexabhängig ist – das Prinzip ist stets gleich, und der suchterregende Stoff steht immer und überall zur Verfügung. Mit dem Internet hat das Ganze recht wenig zu tun – eher schon mit Journalisten wie auch Therapeuten, die sich mit so etwas wichtig tun.
Hier gelesen.
Freilich: Der Zugang zur Pornografie im Internet ist überall gegeben, wo es Computer gibt, und sicherlich, die sozialen Schranken, pornografische Bilder im Internet anzusehen, sind nicht so groß, wie der Gang in das örtliche Bordell. Hier wird auch keinesfalls bestritten, dass Menschen seit der Internetepoche mehr Zugang zur Pornografie haben als zuvor. Aber dass diese Menschen erst durch das Internet so geworden sind, wie sie jetzt sind, kling wenig glaubwürdig: Nein, der brave Mann wäre natürlich niemals in einen Pornoshop gegangen – aber im Internet, dort würde er sich sicher fühlen.
Man tut den Menschen, die an einer Sucht leiden, keinen Gefallen, wenn man sie als „verleitete“ Zeitgenossen einstuft. Süchte beruhen auf biochemischen Fehlreaktionen, die durch körperfremde oder körpereigene Stoffe ausgelöst werden können. Dabei ist es im Prinzip völlig egal, ob jemand fresssüchtig, alkoholabhängig oder sexabhängig ist – das Prinzip ist stets gleich, und der suchterregende Stoff steht immer und überall zur Verfügung. Mit dem Internet hat das Ganze recht wenig zu tun – eher schon mit Journalisten wie auch Therapeuten, die sich mit so etwas wichtig tun.
Hier gelesen.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 19:20 - Rubrik: wundersames
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
„Volker Kauder ist ein Name, den man sich unbedingt merken sollte, weil man ihn sonst sofort vergessen würde oder sogar vergessen möchte“, schrieb Hans Zippert vor einigen Tagen in der „WELT“. Auch gegen die Ausdrucksweise hatte der bissige Kolumnist einiges auszusetzen: Kauderwelsch eben.
Neuestes Kauderwelsch-Elaborat: „ Der Tu-Nix-Kanzler ist längst zu einer Belastung für Deutschland und die Menschen hier geworden! (Original-CDU-Pressemitteilung, inklusiv des unsäglichen Ausrufezeichens). Die Pressemitteilung ist insgesamt in diesem Stil verfasst – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die ersten Ergüsse des neuen Mannes keine Ausrutscher waren. Vielmehr werden wir in Zukunft wohl mit dergleichen leben müssen, solange die CDU an Herrn Kauder noch festhält – und das wird sie müssen: Zweimal hintereinander kann man die Person auf diesem wichtigen Posten wohl nicht tauschen.
Neuestes Kauderwelsch-Elaborat: „ Der Tu-Nix-Kanzler ist längst zu einer Belastung für Deutschland und die Menschen hier geworden! (Original-CDU-Pressemitteilung, inklusiv des unsäglichen Ausrufezeichens). Die Pressemitteilung ist insgesamt in diesem Stil verfasst – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die ersten Ergüsse des neuen Mannes keine Ausrutscher waren. Vielmehr werden wir in Zukunft wohl mit dergleichen leben müssen, solange die CDU an Herrn Kauder noch festhält – und das wird sie müssen: Zweimal hintereinander kann man die Person auf diesem wichtigen Posten wohl nicht tauschen.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 18:40 - Rubrik: deutschland im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Nachdem ich endlich einmal Zeit gefunden habe, den Klingelton-Artikel im „Spreeblick“ in Gänze zu lesen, kann ich nicht anders als dies zu sagen: zwar gibt es in dem Artikel einige Passagen, die zum Nachdenken anregen, aber der gesamte Artikel ist im Grunde unerträglich: Die Bimmel-Kids werden aus der Verantwortung entlassen, die Bimmel-Verkäufer verantwortlich gemacht.
Zunächst muss man sich wohl fragen, was wir von einer Jugend halten sollen, die bereits für Klingeltöne Geld bezahlt, nur, um anderen jungen Leuten zu imponieren. Natürlich trägt die Werbung einen Anteil daran bei, aber es ist Aufgabe der Eltern und Erzieher, junge Leute gegen solche Einflüsse zu immunisieren und mit dem eigenen Geld sorgfältig umzugehen. Wer nicht sorgsam mit einer Handykarte umzugehen lernt, lernt auch nicht, später sorgsam mit einem Kontokorrentkonto umzugehen.
Der im „Spreeblick“ erschienen Artikel sagt darüber kein Wort. Eigenverantwortung scheint ein Fremdwort für Jugendliche geworden zu sein – die Schuld an allem tragen immer die anderen, und die Blogger-Szenerie bestärkt unsere Jugend darin auch noch.
Stattdessen erweist sich der Autor als ausgesprochener Feind von Unternehmensgründungen, was sich in dem angeblich humorigen „Maussendungs-Text“ dann so liest:
„Ihr wundert euch vielleicht, warum die das dürfen. Und bestimmt seid ihr euch sicher, dass die guten Politiker, die wir haben, das nicht so toll finden, was der Marc, der Oliver und der Alexander mit eurem Geld machen. Aber das stimmt nicht. Die Politiker finden das ganz toll, weil das nämlich schick ist, wenn schlaue Jungs ganz viel Geld verdienen. Und weil die Politiker damit zeigen können, dass es ganz toll ist, wenn man eine eigene Firma gründet, statt einfach nur für andere zu arbeiten“.
Was, um alles in der Welt, ist falsch daran, eine eigene Firma zu gründen und mit ihr Erfolg zu haben? Im Nachhinein, so scheint mir, ist die Kritik am Spreeblick berechtigter als die Kritik des Spreeblicks.
Derjenige Teil der "Spreeblick"-Kritik, der berechtigt war, ist inzwischen bei der Regierung angekommen. Eine Änderung der „ telekommunikationsrechtlicher Vorschriften“ wurde in Aussicht gestellt. Der Text aus Heise Online lautet: „dem Abschluss eines Abos etwa für Handy-Logos sollen die Anbieter ihren Kunden per SMS die Vertragsbedingungen mitteilen müssen. Diese muss der Verbraucher bestätigen, bevor der Vertrag in Kraft tritt“. Eine weitere Quelle findet sich hier.
Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Verträge per SMS müssen genau behandelt werden wie andere Verträge auch, die Bedingungen müssen klar beschreiben sein und von beiden Parteien verstanden werden. Inzwischen sind auch ein Urteil in einem Verfahren um die Bezahlung von Premium-SMS-Inhalte gesprochen worden, das ebenfalls bedeutsam sein könnte.
Nur: Ob es solche Gesetze nun gibt oder nicht, befreit den Verbraucher nicht davor, verantwortlich zu handeln: bei den Klingelton-Kids ist davon nichts zu bemerken. Wenn sich etwas ändern muss, dann die Erziehung.
Zunächst muss man sich wohl fragen, was wir von einer Jugend halten sollen, die bereits für Klingeltöne Geld bezahlt, nur, um anderen jungen Leuten zu imponieren. Natürlich trägt die Werbung einen Anteil daran bei, aber es ist Aufgabe der Eltern und Erzieher, junge Leute gegen solche Einflüsse zu immunisieren und mit dem eigenen Geld sorgfältig umzugehen. Wer nicht sorgsam mit einer Handykarte umzugehen lernt, lernt auch nicht, später sorgsam mit einem Kontokorrentkonto umzugehen.
Der im „Spreeblick“ erschienen Artikel sagt darüber kein Wort. Eigenverantwortung scheint ein Fremdwort für Jugendliche geworden zu sein – die Schuld an allem tragen immer die anderen, und die Blogger-Szenerie bestärkt unsere Jugend darin auch noch.
Stattdessen erweist sich der Autor als ausgesprochener Feind von Unternehmensgründungen, was sich in dem angeblich humorigen „Maussendungs-Text“ dann so liest:
„Ihr wundert euch vielleicht, warum die das dürfen. Und bestimmt seid ihr euch sicher, dass die guten Politiker, die wir haben, das nicht so toll finden, was der Marc, der Oliver und der Alexander mit eurem Geld machen. Aber das stimmt nicht. Die Politiker finden das ganz toll, weil das nämlich schick ist, wenn schlaue Jungs ganz viel Geld verdienen. Und weil die Politiker damit zeigen können, dass es ganz toll ist, wenn man eine eigene Firma gründet, statt einfach nur für andere zu arbeiten“.
Was, um alles in der Welt, ist falsch daran, eine eigene Firma zu gründen und mit ihr Erfolg zu haben? Im Nachhinein, so scheint mir, ist die Kritik am Spreeblick berechtigter als die Kritik des Spreeblicks.
Derjenige Teil der "Spreeblick"-Kritik, der berechtigt war, ist inzwischen bei der Regierung angekommen. Eine Änderung der „ telekommunikationsrechtlicher Vorschriften“ wurde in Aussicht gestellt. Der Text aus Heise Online lautet: „dem Abschluss eines Abos etwa für Handy-Logos sollen die Anbieter ihren Kunden per SMS die Vertragsbedingungen mitteilen müssen. Diese muss der Verbraucher bestätigen, bevor der Vertrag in Kraft tritt“. Eine weitere Quelle findet sich hier.
Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Verträge per SMS müssen genau behandelt werden wie andere Verträge auch, die Bedingungen müssen klar beschreiben sein und von beiden Parteien verstanden werden. Inzwischen sind auch ein Urteil in einem Verfahren um die Bezahlung von Premium-SMS-Inhalte gesprochen worden, das ebenfalls bedeutsam sein könnte.
Nur: Ob es solche Gesetze nun gibt oder nicht, befreit den Verbraucher nicht davor, verantwortlich zu handeln: bei den Klingelton-Kids ist davon nichts zu bemerken. Wenn sich etwas ändern muss, dann die Erziehung.
sehpferd - am Mittwoch, 2. Februar 2005, 12:18 - Rubrik: zeit geschehen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Manchmal möchte man Blogs ja wirklich an die Wand klatschen – allerdings kann ich mir die Idee nicht patentieren lassen, denn ein Schweizer Künstler hat sie bereits umgesetzt. Die Ausstellung ist noch im Web zu sehen, und real noch bis zum 4. Februar in der „plattform 11 gallery“, Körnerstrasse 11, CH- 8004 Zürich.
Via ... ach eigentlich kam der Hinweis von überall.
Via ... ach eigentlich kam der Hinweis von überall.
sehpferd - am Dienstag, 1. Februar 2005, 20:44 - Rubrik: kult und kultur
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Die Fotografin Elena Dorfman stellt gegenwärtig in der Edwynn Houk Gallery, New York City, aus. Unter dem Titel „Still Lovers“ bringt sie verschiedene Interieurs, in denen sich zwar manchmal auch Menschen, aber stets Sexpuppen befinden – keine Aufblasbaren, versteht sich. Die stillen Damen treten auch keinesfalls als Sexobjekte auf, sondern als Hausgenossen, zum Beispiel wenn der Herr und sein Püppchen gemeinsam fernsehen.
Via: Fleshbot
"Rebecca" das Foto in guter Qualität hier.
Via: Fleshbot
"Rebecca" das Foto in guter Qualität hier.
sehpferd - am Dienstag, 1. Februar 2005, 20:27 - Rubrik: fotografie im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Mag ja sein, dass Herr Bill Gates uns auf der Webseite von MSN persönlich angrinsen muss, um seine Suchmaschine zu vermarkten. Nur ist eine Suchmaschine nur so gut, wie sie relevante Ergebnisse zeigt. Ich habe sie heute einmal versuchsweise für eine Recherche eingesetzt, und kann nur dies sagen: Für Journalisten ist sie weitaus uninteressanter als das Konkurrenzprodukt von Google, weil sie erstens weniger Ergebnisse liefert und zweitens zu weitaus weniger verwertbaren Informationen führt.
Ich bleibe bei Google. Meine Leser tun es offenbar auch. Anfragen über MSN und Yahoo kommen nur sehr, sehr selten vor.
Ich bleibe bei Google. Meine Leser tun es offenbar auch. Anfragen über MSN und Yahoo kommen nur sehr, sehr selten vor.
sehpferd - am Dienstag, 1. Februar 2005, 20:07 - Rubrik: aufgegriffen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Gegenwärtig macht ein ausgesprochen tendenziöser und missverständlicher Artikel aus dem „Daily Telegraph“ die Runde. Dessen Berlin-Korrespondentin Clare Chapman versuchte darin den Eindruck zu erwecken, arbeitslose deutsche Frauen müssten mit einer Beschäftigung als Prostituierte rechnen. Kronzeugin ist dabei eine (im Artikel falsch geschriebene) Hamburger Rechtsanwältin. Da er inzwischen leider auch ungeprüft von deutschen Bloggern, beispielsweise hier, verbreitet wird, gilt es, einmal nach der Quelle zu suchen.
Fündig wird man in der Tat bei der TAZ. Deren Redakteur Kai von Appen hörte von einem Fall, in dem eine deutsche Langzeitarbeitslose angeblich in ein Bordell vermittelt worden ist. Nachdem sie sich ebenfalls nur dem Hörensagen nach geweigert haben soll, dort zu arbeiten, soll ihr die Unterstützung gekürzt worden sein. Sicher ist nur so viel: Es könnte diesen Fall gegeben haben. Der „Telegraph“ will wissen, dass es sich um eine 25-jährige IT-Fachkraft handelte. Ob diese Frau sich ihren in Aussicht genommenen Arbeitsplatz überhaupt angesehen hatte, weiß kein Mensch – jedenfalls will sie bereits bei einem Telefongespräch bemerkt haben, dass ihr neuer Arbeitgeber ein Bordellbetrieb sei.
Bis hier ist das Ganze eine Geschichte, die ebenso gut erfunden sein könnte. Wäre sie wahr, hätte sicherlich ein kurzes Gespräch mit dem Leiter der örtlichen Arbeitsagentur gereicht, um den Fall zu bereinigen.
Doch wie kam der Fall in die Presse?
Offenbar hat die hamburgische feministische Szene einen besonders guten Draht zur TAZ, die am 18. Dezember letzten Jahres den meistzitierten Artikel veröffentlichte. In ihm fällt auch erstmals der Name der Hamburger Rechtsanwältin, die dies gesagt haben soll:
„Seit 2002 ist der Beruf der Prostituierten legalisiert. Die Tätigkeit der Sexarbeiterin ist damit ein Job wie jeder andere. Also bestünde für die Agentur für Arbeit kein Grund, nach der neuen Hartz IV-Gesetzgebung nicht in den Bereich "sexueller Dienstleistungen" zu vermitteln. "Der Beruf gilt gesetzlich nicht mehr als sittenwidrig". Doch sie beließ es nicht bei der sachlichen Aufklärung, sonder fügte provokativ hinzu "warum soll dann von einer erwachsenen Frau nicht verlangt werden, ihr Einkommen durch kommerzielles Vögeln zu erzielen".
Die TAZ allerdings berichtete seriös und ließ auch die Gegenseite zu Wort kommen: Knut Börnsen, der Sprecher der Hamburger Arbeitsagentur, verwies darauf, dass (mindestens in Hamburg) nicht an Bordelle vermittelt werde, schließlich gäbe es ja noch Sitte und Anstand.
Was war es alles? Ein Sturm im Wasserglas, nicht mehr. Man mag sich fragen stellen. Zum Beispiel, warum eine IT-Fachkraft nach einer Langzeitarbeitslosigkeit mit 25 Jahren gar keinen Job findet. Oder warum der Sachbearbeiter bei der betroffenen Arbeitsagentur nicht sensibler reagiert hat. Oder warum die TAZ in diesem Fall ohne Kenntnis nennenswerter Fakten einen aufgebauschten Hintergrundbericht erstellen musste. Schließlich muss auch zu denken gebe, warum der "Telegraph" am 30. Januar diese Jahres einen Artikel als sensationellen Deutschland-Bericht veröffentlichte, der bereits am 18. Dezember letzten Jahres in der TAZ stand.
Nun allerdings ist der Bericht in der Welt – und man kann selbstverständlich all das noch härter im Boulevard-Stil ausschlachten – ich habe keinen Zweifel, dass dies irgendwelche Redakteure auf der Welt tun werden. Und die Blogger? Schweigen wir lieber darüber. Ich habe gerade bei Blogywood über diese Sache gelesen – unkommentiert, aber mit der aberwitzigen Überschrift „Arbeite als Hure oder du verlierst das Arbeitslosengeld“. Der Artikel verweist allerdings auf die Webseite des umstrittenen Holocaust-Leugners David Irving – und das muss nun wirklich nicht sein.
Fündig wird man in der Tat bei der TAZ. Deren Redakteur Kai von Appen hörte von einem Fall, in dem eine deutsche Langzeitarbeitslose angeblich in ein Bordell vermittelt worden ist. Nachdem sie sich ebenfalls nur dem Hörensagen nach geweigert haben soll, dort zu arbeiten, soll ihr die Unterstützung gekürzt worden sein. Sicher ist nur so viel: Es könnte diesen Fall gegeben haben. Der „Telegraph“ will wissen, dass es sich um eine 25-jährige IT-Fachkraft handelte. Ob diese Frau sich ihren in Aussicht genommenen Arbeitsplatz überhaupt angesehen hatte, weiß kein Mensch – jedenfalls will sie bereits bei einem Telefongespräch bemerkt haben, dass ihr neuer Arbeitgeber ein Bordellbetrieb sei.
Bis hier ist das Ganze eine Geschichte, die ebenso gut erfunden sein könnte. Wäre sie wahr, hätte sicherlich ein kurzes Gespräch mit dem Leiter der örtlichen Arbeitsagentur gereicht, um den Fall zu bereinigen.
Doch wie kam der Fall in die Presse?
Offenbar hat die hamburgische feministische Szene einen besonders guten Draht zur TAZ, die am 18. Dezember letzten Jahres den meistzitierten Artikel veröffentlichte. In ihm fällt auch erstmals der Name der Hamburger Rechtsanwältin, die dies gesagt haben soll:
„Seit 2002 ist der Beruf der Prostituierten legalisiert. Die Tätigkeit der Sexarbeiterin ist damit ein Job wie jeder andere. Also bestünde für die Agentur für Arbeit kein Grund, nach der neuen Hartz IV-Gesetzgebung nicht in den Bereich "sexueller Dienstleistungen" zu vermitteln. "Der Beruf gilt gesetzlich nicht mehr als sittenwidrig". Doch sie beließ es nicht bei der sachlichen Aufklärung, sonder fügte provokativ hinzu "warum soll dann von einer erwachsenen Frau nicht verlangt werden, ihr Einkommen durch kommerzielles Vögeln zu erzielen".
Die TAZ allerdings berichtete seriös und ließ auch die Gegenseite zu Wort kommen: Knut Börnsen, der Sprecher der Hamburger Arbeitsagentur, verwies darauf, dass (mindestens in Hamburg) nicht an Bordelle vermittelt werde, schließlich gäbe es ja noch Sitte und Anstand.
Was war es alles? Ein Sturm im Wasserglas, nicht mehr. Man mag sich fragen stellen. Zum Beispiel, warum eine IT-Fachkraft nach einer Langzeitarbeitslosigkeit mit 25 Jahren gar keinen Job findet. Oder warum der Sachbearbeiter bei der betroffenen Arbeitsagentur nicht sensibler reagiert hat. Oder warum die TAZ in diesem Fall ohne Kenntnis nennenswerter Fakten einen aufgebauschten Hintergrundbericht erstellen musste. Schließlich muss auch zu denken gebe, warum der "Telegraph" am 30. Januar diese Jahres einen Artikel als sensationellen Deutschland-Bericht veröffentlichte, der bereits am 18. Dezember letzten Jahres in der TAZ stand.
Nun allerdings ist der Bericht in der Welt – und man kann selbstverständlich all das noch härter im Boulevard-Stil ausschlachten – ich habe keinen Zweifel, dass dies irgendwelche Redakteure auf der Welt tun werden. Und die Blogger? Schweigen wir lieber darüber. Ich habe gerade bei Blogywood über diese Sache gelesen – unkommentiert, aber mit der aberwitzigen Überschrift „Arbeite als Hure oder du verlierst das Arbeitslosengeld“. Der Artikel verweist allerdings auf die Webseite des umstrittenen Holocaust-Leugners David Irving – und das muss nun wirklich nicht sein.
sehpferd - am Dienstag, 1. Februar 2005, 19:44 - Rubrik: deutschland im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Der in Österreich erscheinende „Standard“ schreibt unter dem Titel „Blog Attack!“ über das Internet und den modernen Journalismus.
Dabei wird eine interessante journalistische Zukunftsperspektive für Blogger entworfen: „(sie) … werden sich bis zu einem gewissen Grad professionalisieren, einige werden dann von traditionellen Medien gekauft werden“.
Doch der Standard meint, dass sich auch Journalisten verstärkt den Blogs zuwenden würden: „Die traditionellen Medien werden vermehrt Inhalte der Blogger aufgreifen, nachrecherchieren, widerlegen oder bestätigen, jedenfalls veredeln“.
Ich kann meinen bloggenden Kollegen nur empfehlen, rechtzeitig auf die richtigen Pferde zu setzen – und die laufen in Richtung Professionalität und Wirtschaftlichkeit. Was wir heute in den deutschsprachigen Ländern tun, kann bestenfalls als eine Übung für die Zukunft des Bloggens angesehen werden. Ich nehme mich dabei keinesfalls aus.
Dabei wird eine interessante journalistische Zukunftsperspektive für Blogger entworfen: „(sie) … werden sich bis zu einem gewissen Grad professionalisieren, einige werden dann von traditionellen Medien gekauft werden“.
Doch der Standard meint, dass sich auch Journalisten verstärkt den Blogs zuwenden würden: „Die traditionellen Medien werden vermehrt Inhalte der Blogger aufgreifen, nachrecherchieren, widerlegen oder bestätigen, jedenfalls veredeln“.
Ich kann meinen bloggenden Kollegen nur empfehlen, rechtzeitig auf die richtigen Pferde zu setzen – und die laufen in Richtung Professionalität und Wirtschaftlichkeit. Was wir heute in den deutschsprachigen Ländern tun, kann bestenfalls als eine Übung für die Zukunft des Bloggens angesehen werden. Ich nehme mich dabei keinesfalls aus.
sehpferd - am Dienstag, 1. Februar 2005, 10:39 - Rubrik: blog nachrichten
Im Grunde ist es doch egal, ob man sich mit Restaurants oder Hardware beschäftigt: In so genannte „Tests“ gehen immer auch persönliche Vorlieben ein. Ich erinnere mich noch genau an die Hardwaretests der großen Graukisten: Leider war beim Kauf durch den Endkunden etwas völlig anderes drin als das, was der Tester gesehen hatte. Nicht die Schuld des Testers? Schon, wenn man sich die Testgeräte blauäugig an die Redaktionsadresse schicken lässt.
Dieser Tage musste, wie der Kurier berichtete, die Beneluxausgabe des französischen Guide Michelin vom Markt genommen werden: Man hatte ein Restaurant bewertet, die es zum Zeitpunkt der Drucklegung noch gar nicht gab. Künstlerpech? Offenbar nicht nur – dann hätte man nicht das ganze Buch zurücknehmen müssen.
Das betroffene Restaurant, das „Ostend Queen“ ist im Übrigen hoch zufrieden: Nicht die Erwähnung im Guide Michelin machte es berühmt, sondern die gegenwärtige Kontroverse. Was mal wieder meine Meinung bestätigt: schlecht oder gut – Hauptsache, jemand schreibt über etwas.
Dieser Tage musste, wie der Kurier berichtete, die Beneluxausgabe des französischen Guide Michelin vom Markt genommen werden: Man hatte ein Restaurant bewertet, die es zum Zeitpunkt der Drucklegung noch gar nicht gab. Künstlerpech? Offenbar nicht nur – dann hätte man nicht das ganze Buch zurücknehmen müssen.
Das betroffene Restaurant, das „Ostend Queen“ ist im Übrigen hoch zufrieden: Nicht die Erwähnung im Guide Michelin machte es berühmt, sondern die gegenwärtige Kontroverse. Was mal wieder meine Meinung bestätigt: schlecht oder gut – Hauptsache, jemand schreibt über etwas.
sehpferd - am Montag, 31. Januar 2005, 23:55 - Rubrik: aufgegriffen
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Wichtig ist nicht das Blog – wichtig bin ich. Vielleicht sollte ich mir das einmal hinter den Spiegel stecken, bevor ich mich das nächste Mal mit Kritikern auseinander setze.
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Studiengebühren werden kommen, früher oder später auch in den Ländern, die von der SPD geführt werden. Es wird Deutschland weder reicher noch ärmer an Akademikern machen, vielleicht aber dafür sorgen, dass junge Leute ihr Studium ernster nehmen: ein Studium ist in erster Linie für den Broterwerb im akademischen Beruf gedacht - und der sollte so schnell wie möglich aufgenommen werden.
Wenn die Kindergartengebühren dafür wegfielen, wären die Studiengebühren leichter zu ertragen: Es gibt keinen Grund, warum der Kindergarten Geld kosten soll, während neben der Hauptschule auch alle weiterführenden Schulen frei sind.
Von einer guten Ausbildung der Jüngsten im Kindergarten werden wir alle einmal profitieren – ob dies auch für die massenhafte Ausbildung auf Gymnasien und für gewisse Studiengänge gilt, darf bezweifelt werden.
Wenn die Kindergartengebühren dafür wegfielen, wären die Studiengebühren leichter zu ertragen: Es gibt keinen Grund, warum der Kindergarten Geld kosten soll, während neben der Hauptschule auch alle weiterführenden Schulen frei sind.
Von einer guten Ausbildung der Jüngsten im Kindergarten werden wir alle einmal profitieren – ob dies auch für die massenhafte Ausbildung auf Gymnasien und für gewisse Studiengänge gilt, darf bezweifelt werden.
sehpferd - am Montag, 31. Januar 2005, 20:26 - Rubrik: deutschland im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Inzwischen wissen wir: Die Erfolglosen beißen in irgendwelche Finger, die Erfolgreichen lassen sich von ihnen den Weg weisen. Neuestes Beispiel: Die „Netzkritik“ greift Google News an und argumentiert, man böte dort nur „Neues vom Gleichen“.
Jeder Nutzer von Google News weiß natürlich, dass dies nicht zutrifft: Die vielfältigen ähnlichen Meldungen kommen zwar durch Presseagenturen zustande, doch kann sich, wer will, auch an Kommentaren bedienen. Angegriffen wird von der „Netzkritik“ vor allem die Google Frontpage, die letztlich ein Zusammenschnitt der Tagesnachrichten nach relevanten Erwähnungen darstellt – da gewinnen natürlich die Agenturen, und dann (aber auch nur dann) nervt, dass man immer die gleichen Sätze liest.
Freilich sucht sich Google auf diese Weise nur die Schlagzeilen aus – die kleinen Webzines und Blogs sind, in der Tat, „schwache Sender“.
Indessen steht es ja jeder deutschen Universität und auch jedem anderen, der über die nötigen Kenntnisse verfügt, absolut frei, eine Absaugmaschine für Newsblogs einzurichten – ich würde es begrüßen. Es könnte allerdings sein, dass Google selbst früher auf die Idee käme. Bei der Geschwindigkeit, mit der in Deutschland Innovationen umgesetzt werden, ist dies sehr viel wahrscheinlicher, und im Übrigen komme ich gerne noch mal auf den Anfang zurück: Es ist eben wesentlich einfacher, jemandem in den Finger zu beißen als den Weg zu erkennen, den er zeigt.
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Jeder Nutzer von Google News weiß natürlich, dass dies nicht zutrifft: Die vielfältigen ähnlichen Meldungen kommen zwar durch Presseagenturen zustande, doch kann sich, wer will, auch an Kommentaren bedienen. Angegriffen wird von der „Netzkritik“ vor allem die Google Frontpage, die letztlich ein Zusammenschnitt der Tagesnachrichten nach relevanten Erwähnungen darstellt – da gewinnen natürlich die Agenturen, und dann (aber auch nur dann) nervt, dass man immer die gleichen Sätze liest.
Freilich sucht sich Google auf diese Weise nur die Schlagzeilen aus – die kleinen Webzines und Blogs sind, in der Tat, „schwache Sender“.
Indessen steht es ja jeder deutschen Universität und auch jedem anderen, der über die nötigen Kenntnisse verfügt, absolut frei, eine Absaugmaschine für Newsblogs einzurichten – ich würde es begrüßen. Es könnte allerdings sein, dass Google selbst früher auf die Idee käme. Bei der Geschwindigkeit, mit der in Deutschland Innovationen umgesetzt werden, ist dies sehr viel wahrscheinlicher, und im Übrigen komme ich gerne noch mal auf den Anfang zurück: Es ist eben wesentlich einfacher, jemandem in den Finger zu beißen als den Weg zu erkennen, den er zeigt.
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sehpferd - am Montag, 31. Januar 2005, 20:07
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Wer begreifen will, warum Deutschland auf der Stelle tritt, muss in die Provinz gehen: Hier versucht sich der einheimische Handel gegen die böse Konkurrenz von außerhalb durch „Märkte Konzepte“ zu wehren. In der Praxis bedeutet dies, dass der Anbieter auf der grünen Wiese sich vertraglich verpflichten muss, bestimmte Waren gar nicht erst anzubieten.
Zum Beispiel kein Katzenfutter – das ist nämlich innenstadtrelevant. Und vor allem hat es auch der Metzger im Dorf, pardon: im Stadtteil – wenn er denn geöffnet hat.
Wenn nicht, muss die Katze Mäuse fangen oder einen Joghurttag einlegen.
Zum Beispiel kein Katzenfutter – das ist nämlich innenstadtrelevant. Und vor allem hat es auch der Metzger im Dorf, pardon: im Stadtteil – wenn er denn geöffnet hat.
Wenn nicht, muss die Katze Mäuse fangen oder einen Joghurttag einlegen.
sehpferd - am Montag, 31. Januar 2005, 19:53 - Rubrik: deutschland im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Den Bericht des "Französischen Modeinstituts" nahm Telegraph-Kolumnist Kevin Myers zum Anlass, über das Verhältnis der Britinnen zur Unterwäsche zu schreiben: sie nämlich geben europaweit am meisten Geld dafür aus – 72 GBP pro Nase.
Warum tun sie das? Wegen der Männer? Der Kolumnist verneint – Männer, so schreibt er, würden ohnehin nicht darauf sehen, wie schön ein Höschen ist – sie wollten das, was sich darunter befindet.
Nun glaube ich nicht, dass Engländerinnen die Liebe nur dort vollziehen, wo es stockdunkel ist – und wo immer ein wenig Licht scheint, nehmen Männer sehr wohl wahr, wie Frauen ihre Höschen tragen und ob die Brüste in zarten Schalen wogen.
Vor allem aber bemerken Frauen durchaus, dass die Männer ihre Dessous wahrnehmen – und so ist sehr unwahrscheinlich, dass Höschen nur dann zu etwas gut sind, wenn sie entlag der Beine in Richtung der Füße gestreift werden.
Warum tun sie das? Wegen der Männer? Der Kolumnist verneint – Männer, so schreibt er, würden ohnehin nicht darauf sehen, wie schön ein Höschen ist – sie wollten das, was sich darunter befindet.
Nun glaube ich nicht, dass Engländerinnen die Liebe nur dort vollziehen, wo es stockdunkel ist – und wo immer ein wenig Licht scheint, nehmen Männer sehr wohl wahr, wie Frauen ihre Höschen tragen und ob die Brüste in zarten Schalen wogen.
Vor allem aber bemerken Frauen durchaus, dass die Männer ihre Dessous wahrnehmen – und so ist sehr unwahrscheinlich, dass Höschen nur dann zu etwas gut sind, wenn sie entlag der Beine in Richtung der Füße gestreift werden.
sehpferd - am Montag, 31. Januar 2005, 18:49 - Rubrik: wundersames
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Bereits der erste Schluck kann einen ganz schönen Affen nach sich ziehen. Wer noch keinen hat, bekommt ihn viellicht schon, wenn er ansieht, wie das Video geladen wird.
Via Blogywwod
Via Blogywwod
sehpferd - am Sonntag, 30. Januar 2005, 20:44 - Rubrik: papierkorb nachrichten
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Wer glaubt, dieser Spruch ist von mir, der täuscht sich: Er ist von Bischof Küng. Wörtlich: „Sie haben die Neigung, immer auf die Kirche eine drauf zu hauen“. Gerichtet war es Helmut Schüller .
Die österreichische katholische Presseagentur schreibt es so, als habe man einem Widersacher mal richtig gezeigt, wo die Macht ist: „Dann kam es zu einer ungewöhnlichen öffentlichen Kopfwäsche für Helmut Schüller“.
Für Nicht-Österreicher: Helmut Schüller ist der Ombudsmann für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien. Kein weiterer Kommentar – der Beitrag des Kath.net spricht wieder einmal für sich selbst.
Die österreichische katholische Presseagentur schreibt es so, als habe man einem Widersacher mal richtig gezeigt, wo die Macht ist: „Dann kam es zu einer ungewöhnlichen öffentlichen Kopfwäsche für Helmut Schüller“.
Für Nicht-Österreicher: Helmut Schüller ist der Ombudsmann für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien. Kein weiterer Kommentar – der Beitrag des Kath.net spricht wieder einmal für sich selbst.
sehpferd - am Sonntag, 30. Januar 2005, 16:58 - Rubrik: religion im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Das wöchentliche geblubber aus den Algen (fast) immer sonntags
Wenn Blogs etwas mit Jouranlismus zu tun haben, wie es os oft behauptet wird, dann müssten sie eigentlich alls Sparten abdecken: Örtliche Geschnisse, Innenpoltik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Kunst und Kultur, Reisen, Genuss und Unterhaltung – oh, beinahe hätte ich Sport vergessen.
Tun wir es? Nun. Wie ich erkenne, werden nun ein paar Hände gehoben: Ja, dieser oder jener schreibt über sein Heimatdorf, seinen Landkreis oder seine Stadt. Wieder ein anderer sagt gelegentlich seine Meinung zur Innenpolitik, so, dass man sie auch später noch vertreten kann. An die eigene Außenpolik wagt man sich nicht, statt dessen versucht man es gerne mit der US-amerikanischen. Europapolitik wird, wenn überhaupt erwähnt, in Misskredit gezogen.
Wirtschaftspolitik? Ach du liebes Lieschen. Die ist nicht Sache der Blogger, nicht wahr? Es sei denn, man berichtet negativ: Entlassungen und Fehlschläge kommen immer gut, und die linken Tröten blasen natürlich stets hinaus, dass der Kommunismus eigentlich die bessere Wirtschafts- und Lebensform ist. Doch ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Wirtschaft? Ich sage ihnen, warum es keine gibt: Weil Blogger zumeist nichts von Wirtschaft verstehen oder sich bereits im Himmel der Wirtschaftsgelehrten befinden – beides ist unproduktiv für die Berichterstattung.
Ja, ich könnte in diesem Stil weiterschreiben, die wenigen positiven Beispiele aufführen und die vielen, vielen Negativen. Doch genau das will ich nicht, sondern dies: endlich (ja, isch schreibe es zum x-ten Male), ja wirklich endlich, zu Synergien zu kommen, damit nicht jede Tippbewegung im Webuniversum von vornherein verpufft.
Nein, liebe Mitblogger, es ist nicht damit getan, sich von Google-Berichten feiern zu lassen, dass man am deutschen Bloggerhimmel eine populäre Schwalbe gesehen hat – wir brauchen einen Sommer. Also: schließt die Sektkorken wieder, es ist noch viel zu früh zum Feiern.
Feiern können wir erst, wenn sich Blogs zusammenschließen: nicht zu Kommunen – das hat etwas von Kindergarten – sondern zu Interessengemeinschaften mit dem Ziel, Blogzeitungen von allgemeinem Interesse herauszugeben - meinetwegen auch für andere Interessen - Hauptsache, wir finden Leser. Wer meint, die Leute von Wikipedia wären schon dran, ist schief gewickelt: das große Online-Lexikon haben die professionellen Verlage verschlafen, weil sie zu elitär waren, doch die Verbreiter von Nachrichten schlafen keiensfalls: sie werkeln schon überall daran, bestehende Blogs anzuzapfen.
Meinetwegen, liebe Blogger, könnt ihr den Dornröschenschlaf fortsetzen und damit zur Belanglosigkeit verkommen. Dann werden eben morgen ein paar neu geschaffene Nachrichtendienste das vermarkten, was ihr alle heute kostenfrei produziert. Die Weichen dorthin sind schon gestellt, und die meisten von denen, die Meinungsbeiträge zu aktuellen Nachrichten verbreiten, wissen dies sehr wohl.
Sind wir alle Schafe im Schafspelz, dass wir es nicht merken? Mir scheint es so. Ich hole schon mal den Wolfspelz heraus, wenn ich demnächst ausgehe. Das verspreche ich.
Wenn Blogs etwas mit Jouranlismus zu tun haben, wie es os oft behauptet wird, dann müssten sie eigentlich alls Sparten abdecken: Örtliche Geschnisse, Innenpoltik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Kunst und Kultur, Reisen, Genuss und Unterhaltung – oh, beinahe hätte ich Sport vergessen.
Tun wir es? Nun. Wie ich erkenne, werden nun ein paar Hände gehoben: Ja, dieser oder jener schreibt über sein Heimatdorf, seinen Landkreis oder seine Stadt. Wieder ein anderer sagt gelegentlich seine Meinung zur Innenpolitik, so, dass man sie auch später noch vertreten kann. An die eigene Außenpolik wagt man sich nicht, statt dessen versucht man es gerne mit der US-amerikanischen. Europapolitik wird, wenn überhaupt erwähnt, in Misskredit gezogen.
Wirtschaftspolitik? Ach du liebes Lieschen. Die ist nicht Sache der Blogger, nicht wahr? Es sei denn, man berichtet negativ: Entlassungen und Fehlschläge kommen immer gut, und die linken Tröten blasen natürlich stets hinaus, dass der Kommunismus eigentlich die bessere Wirtschafts- und Lebensform ist. Doch ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Wirtschaft? Ich sage ihnen, warum es keine gibt: Weil Blogger zumeist nichts von Wirtschaft verstehen oder sich bereits im Himmel der Wirtschaftsgelehrten befinden – beides ist unproduktiv für die Berichterstattung.
Ja, ich könnte in diesem Stil weiterschreiben, die wenigen positiven Beispiele aufführen und die vielen, vielen Negativen. Doch genau das will ich nicht, sondern dies: endlich (ja, isch schreibe es zum x-ten Male), ja wirklich endlich, zu Synergien zu kommen, damit nicht jede Tippbewegung im Webuniversum von vornherein verpufft.
Nein, liebe Mitblogger, es ist nicht damit getan, sich von Google-Berichten feiern zu lassen, dass man am deutschen Bloggerhimmel eine populäre Schwalbe gesehen hat – wir brauchen einen Sommer. Also: schließt die Sektkorken wieder, es ist noch viel zu früh zum Feiern.
Feiern können wir erst, wenn sich Blogs zusammenschließen: nicht zu Kommunen – das hat etwas von Kindergarten – sondern zu Interessengemeinschaften mit dem Ziel, Blogzeitungen von allgemeinem Interesse herauszugeben - meinetwegen auch für andere Interessen - Hauptsache, wir finden Leser. Wer meint, die Leute von Wikipedia wären schon dran, ist schief gewickelt: das große Online-Lexikon haben die professionellen Verlage verschlafen, weil sie zu elitär waren, doch die Verbreiter von Nachrichten schlafen keiensfalls: sie werkeln schon überall daran, bestehende Blogs anzuzapfen.
Meinetwegen, liebe Blogger, könnt ihr den Dornröschenschlaf fortsetzen und damit zur Belanglosigkeit verkommen. Dann werden eben morgen ein paar neu geschaffene Nachrichtendienste das vermarkten, was ihr alle heute kostenfrei produziert. Die Weichen dorthin sind schon gestellt, und die meisten von denen, die Meinungsbeiträge zu aktuellen Nachrichten verbreiten, wissen dies sehr wohl.
Sind wir alle Schafe im Schafspelz, dass wir es nicht merken? Mir scheint es so. Ich hole schon mal den Wolfspelz heraus, wenn ich demnächst ausgehe. Das verspreche ich.
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Da ich von Huren keine Dienstleistungen in Anspruch nehme, könnte mir die Sache eigentlich egal sein: Siegfried Kauders neuer Gesetzentwurf nämlich. Der besagt, dass der Freier, wenn er „leichtfertig nicht erkenne“, dass die Frau, die ihm den Dienst erweise, eine zum Hurenjob gezwungene Frau sei, in den Knast gehen kann.
Was ist, bitte schön, eine Zwangsprostituierte? Eine ausländische Frau ohne Pass, die den größten Teil ihres Geldes einer Zuhälterorganisation abliefert? Mag sein – aber sehr viele Huren sind Ausländerinnen, und niemand trägt immer seinen Pass bei sich. Auch den Weg des Geldes erkennt der Freier nicht – man bezahlt bekanntlich bei der Frau selbst, und wohin das Geld wandert, kann der Hurenkunde nicht einmal erahnen.
Die Gesellschaftsordnung und der Journalismus sind immer schnell bei der Hand, wenn es darum gehr, mit Worten herumzuschmeißen: Von der „Zwangsprostituierten“ bis zur „Sexsklavin“, doch sind beide Begriffe so unscharf wie das ganze Vokabular, dass die Gesellschaft gegenüber Huren kennt: Im Grund wird die Hure verachtet, was sich schon daran zeigt, dass sich kein Journalist (oder jedenfalls kaum einer) nach deren Meinung zum Gesetz erkundigt. Ginge es um Frauen, die zum Frisieren versklavt werden, würde man natürlich sofort die Friseurinnung anrufen.
Was ist das Gesetz nun eigentlich? Ein Anti-Friedman-Gesetz, ein Gesetz also, das den vermeintlich Kundigen veranlassen sollen, keine russischen Importhuren für Partys zu bestellen? Oder ist es etwa ein Anti-Prolo-Gesetz, das die Bumsbusse nach Tschechien stoppen soll? Siegfried Kauder hat sich zwar klar ausgedrückt, bei welchem Anlass er auf die Gesetzesidee kam, doch spielt der Anlass keine Rolle: Ist es nicht in Wahrheit ein Gesetz, dass die Prostitution generell stoppen soll, weil jeder mit einem Bein im Gefängnis steht, der auch nur Kontakt mit einer Hure aufnimmt?
Ich habe den Verdacht, dass in Wahrheit Letzteres gemeint ist. Der Hurenberuf soll aufs Neue diskriminiert werden, die Ausübung erschwert oder verunmöglicht werden. Man sagt zwar „Freier“ meint aber „Huren“ – Parallelen zu Schweden werden deutlich. Dort findet die Prostitution angeblich plötzlich nicht mehr statt, seit die in der Öffentlichkeit erkennbaren Freier mit Geldstrafen bedroht werden – sagen die Befürworter. Vielleicht glauben sie auch noch an Grimms Märchen, denn wo Freier in der Öffentlichkeit bedroht werden, gehen sie eben in Untergrund-Bordelle – was dort geschehen mag, stellen wir uns lieber nicht vor. Schwedische Doppelmoral eben: Was man nicht sieht, existiert auch nicht.
Ja, man könnte eine Glosse schreiben: Wird es jetzt einen Ausweis als „zertifizierte Qualitätshure“ geben? Muss man sich die Steuernummer geben lassen, um zu beweisen, dass man sich nicht „leichtfertig“ ihrer Dienste bedient hat? Nein, nein, so etwas sollte man gart nicht erst anfangen. Lieber sollte man mal hinhören, was die Huren selber zu dem Thema sagen, doch dass tun angesehene deutsche Parlamentarier natürlich nicht – die Gesetze werden von Leuten eingebracht, die sich in der Kriminalistik auskennen mögen, denen aber die einfachen Alltagsqualitäten fehlen: Hätten sie diese, so würden sie die Frauen auf der Straße und in den Bordellen anhören, bevor solche unsinnigen Gesetze eingebracht würden.
Anstoß war ein Artikel in der TAZ
Was ist, bitte schön, eine Zwangsprostituierte? Eine ausländische Frau ohne Pass, die den größten Teil ihres Geldes einer Zuhälterorganisation abliefert? Mag sein – aber sehr viele Huren sind Ausländerinnen, und niemand trägt immer seinen Pass bei sich. Auch den Weg des Geldes erkennt der Freier nicht – man bezahlt bekanntlich bei der Frau selbst, und wohin das Geld wandert, kann der Hurenkunde nicht einmal erahnen.
Die Gesellschaftsordnung und der Journalismus sind immer schnell bei der Hand, wenn es darum gehr, mit Worten herumzuschmeißen: Von der „Zwangsprostituierten“ bis zur „Sexsklavin“, doch sind beide Begriffe so unscharf wie das ganze Vokabular, dass die Gesellschaft gegenüber Huren kennt: Im Grund wird die Hure verachtet, was sich schon daran zeigt, dass sich kein Journalist (oder jedenfalls kaum einer) nach deren Meinung zum Gesetz erkundigt. Ginge es um Frauen, die zum Frisieren versklavt werden, würde man natürlich sofort die Friseurinnung anrufen.
Was ist das Gesetz nun eigentlich? Ein Anti-Friedman-Gesetz, ein Gesetz also, das den vermeintlich Kundigen veranlassen sollen, keine russischen Importhuren für Partys zu bestellen? Oder ist es etwa ein Anti-Prolo-Gesetz, das die Bumsbusse nach Tschechien stoppen soll? Siegfried Kauder hat sich zwar klar ausgedrückt, bei welchem Anlass er auf die Gesetzesidee kam, doch spielt der Anlass keine Rolle: Ist es nicht in Wahrheit ein Gesetz, dass die Prostitution generell stoppen soll, weil jeder mit einem Bein im Gefängnis steht, der auch nur Kontakt mit einer Hure aufnimmt?
Ich habe den Verdacht, dass in Wahrheit Letzteres gemeint ist. Der Hurenberuf soll aufs Neue diskriminiert werden, die Ausübung erschwert oder verunmöglicht werden. Man sagt zwar „Freier“ meint aber „Huren“ – Parallelen zu Schweden werden deutlich. Dort findet die Prostitution angeblich plötzlich nicht mehr statt, seit die in der Öffentlichkeit erkennbaren Freier mit Geldstrafen bedroht werden – sagen die Befürworter. Vielleicht glauben sie auch noch an Grimms Märchen, denn wo Freier in der Öffentlichkeit bedroht werden, gehen sie eben in Untergrund-Bordelle – was dort geschehen mag, stellen wir uns lieber nicht vor. Schwedische Doppelmoral eben: Was man nicht sieht, existiert auch nicht.
Ja, man könnte eine Glosse schreiben: Wird es jetzt einen Ausweis als „zertifizierte Qualitätshure“ geben? Muss man sich die Steuernummer geben lassen, um zu beweisen, dass man sich nicht „leichtfertig“ ihrer Dienste bedient hat? Nein, nein, so etwas sollte man gart nicht erst anfangen. Lieber sollte man mal hinhören, was die Huren selber zu dem Thema sagen, doch dass tun angesehene deutsche Parlamentarier natürlich nicht – die Gesetze werden von Leuten eingebracht, die sich in der Kriminalistik auskennen mögen, denen aber die einfachen Alltagsqualitäten fehlen: Hätten sie diese, so würden sie die Frauen auf der Straße und in den Bordellen anhören, bevor solche unsinnigen Gesetze eingebracht würden.
Anstoß war ein Artikel in der TAZ
sehpferd - am Sonntag, 30. Januar 2005, 15:15 - Rubrik: deutschland im blick
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen
Nein, ich weiß auch nicht, welche „Kaliber“ die Damen hätten haben sollen. Jedenfalls vermisste der Ex-Boxweltmeister René Weller eben jene weibliche Eigenschaft an den Kandidatinnen zur Miss-Germany-Wahl.
Doch ob ihr nun die dicken Kaliber fehlten oder die Augen so schön sind, wie ein anderes Jurymitglied meinte: Gewonnen hat die Misswahl Antonia Schmitz. Jene ist 19 Jahre jung, und lässt sich gerade zur Hotelfachfrau ausbilden. Breitmundig und blauäugig präsentierte sich die Königin dann den Fotografen und sprach von ihrer liebsten Jahreszeit: dem Winter.
Nun ja, vielleicht findet sie später mal einen Job als Hotelmanagerin in Alaska, da hätte sie einen langen Winter.
Doch ob ihr nun die dicken Kaliber fehlten oder die Augen so schön sind, wie ein anderes Jurymitglied meinte: Gewonnen hat die Misswahl Antonia Schmitz. Jene ist 19 Jahre jung, und lässt sich gerade zur Hotelfachfrau ausbilden. Breitmundig und blauäugig präsentierte sich die Königin dann den Fotografen und sprach von ihrer liebsten Jahreszeit: dem Winter.
Nun ja, vielleicht findet sie später mal einen Job als Hotelmanagerin in Alaska, da hätte sie einen langen Winter.
sehpferd - am Sonntag, 30. Januar 2005, 14:23 - Rubrik: papierkorb nachrichten
noch nichts dazu gesagt - etwas dazu sagen

