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Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – fast immer sonntags

Wenn sie mich in den letzten Monaten jeden Monat einmal zu Blogs befragt hätten, so hätte ich Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit eine immer mehr verfeinerte Meinung geboten und dem Deutschen Blog vielleicht auch noch etwas Zukunft gegeben. Doch in den letzten drei Monaten, insbesondere aber durch das Wahlblog, komme ich immer mehr zu der Meinung, dass Blogs Medien zweiter Wahl sind.

Vielleicht haben sie bei mir gelesen, dass ich durch die Best of Blogs der „Deutschen Welle“ in meiner Meinung bestärkt wurde. Nichts gegen Lyssas Lounge. Ich habe sie auf meinen Feedreader und finde ganz lustig, was sie schreibt – aber „Best of Blogs“? Was ist denn nun so toll an diesem Blog und an den tausend anderen, ähnlichen Blogs? Haben sie eine wirkliche politische oder kulturelle Dimension? Erfahre ich in ihnen etwas, was ich sonst nicht erfahren könnte? Nein. Sie sind „nice to read“, wenn man Zeit totzuschlagen hat. Derzeit beginnen ja die Teenie-Kommunen, die Blogs zu entdecken – eher ein Nachteil für die verbliebenen Blogger, die noch etwas zu sagen haben.

Wichtig sind Blogs fast nur für Firmen, und hier insbesondere für Dienstleister, die mit ihren Kunden in Kontakt, kommen oder bleiben wollen. So haben vor allem die Huren Blogs entdeckt, um interessierte Herrn auf relativ harmlose Weise zu den eigentlich interessanten Seiten zu lenken, auf denen ihre Leistungen und Tarife zu lesen sind. Mir ist klar, dass es auch PR-Blogs anderer Firmen gibt, jedoch ist deren Anteil an der Unternehmes-PR vergleichsweis gering, während eine Hure ihr Blog oft als einziges PR-Mittel nutzt.

Das einzig wirklich Neue, was sich anbahnt, und was in den Vereinigten Staaten von Nordamerika mehr und mehr zum Geschäftsmodell wird, sind Online-Zeitungen, die ausschließlich mit Bloggern arbeiten. Die Kostenersparnis gegenüber angestellten, ausgebildeten Journalisten ist erheblich – schließlich sind die Blogger ja einfach freie Mitarbeiter. Es wird nicht lange dauern, bis dies auch in Deutschland der Fall sein wird. Denken wir einmal an all die so genannten „Fachzeitschriften“, also die Hobbymagazine der PC-Freaks, Fotoamateure oder sonstigen Hobbyreiter, so steht einer „Bloggerisierung“ nichts im Wege – die Qualität der Sprache interessiert in solchen Publikationen ohnehin nicht, Hauptsache die Tatsachen stimmen halbwegs. Genau in der gleichen Weise könnte man natürlich auch eine Boulevardzeitung im Netz herausgeben – Leute, die aus einem Dreizeiler der dpa einen Artikel über zwei Webseiten zusammendichten, gibt es in Hülle und Fülle.

Was ich selber tun werde? Ich weiß es noch nicht. Ich habe das große Glück, mich nicht für oder gegen etwas entscheiden zu müssen. Ab Mitte 2006 bin ich frei, um unentgeltlich für Ideen, Organisationen oder Personen zu arbeiten, bei denen es sich lohnt, mitzuwirken. Das ist, für sich genommen, schon eine fantastische Perspektive, und wer Ideen hat, der mag sich schon jetzt an mich wenden.
Schluppi meinte am 31. Okt, 15:45:
Gerade bei dem Satz "Erfahre ich in ihnen etwas, was ich sonst nicht erfahren könnte?" muss ich direkt wiedersprechen. Das was man in Blogs findet, ist woanders so gut wie gar nicht zu bekommen. Meinungen - und zwar ganz ohne vorgeschaltete Redakteur und ohne zwängende Richtung des jeweiligen Mediums. Vor allem die Viefalt ist doch das Spannende. Blogger, die aus allen Teilen der Welt das berichten, was sie dort wirklich sehen, was dort tatsächlich passiert - ohne Zensur. Ob nun Lyssas-Blog unverzichtbar ist, sei dahingestellt. Das liegt dann doch im Auge des Lesers... 
sehpferd antwortete am 31. Okt, 15:59:
Es kommt sicher ...
darauf an, was Sie suchen. Ich persönlich ziehe Tatsachen vor, nicht Meinungen. Ob "Blogger aus allen Teilen der Welt berichten, was sie dort wirklich sehen" bezweifele ich sehr. Die meisten berichten doch nur darüber, was sie in einem Spiegel sehen, der vor ihnen steht. Und auch dies noch gesagt: Wer schon kein Ego-Blog führt, schreibt meistens von einer Zeitung ab - halten sie das für "wirklich gesehen"?

Ich gehe hier nicht ein auf jene, die unter Einsatz ihrer Freiheit aus Diktaturen berichten - sie gehören zu einer ganz anderen Kategorie. 
 

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