anstoss

  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Nun, wenn es etwas teurer sein darf: Edwardian Style. Rot und teuflisch und natürlich nicht mit Fischbein, wie damals, sondern mit Stahlverstärkung.

Zehn Paare treiben es in einem Gewölbekeller, und jeder, der Eintritt bezahlt, darf zusehen. Doch es ist alles halb so wild: Die Personen sind alle unter zwei Zentimeter groß, denn sie befinden sich auf einer Modellbahnanlage. Entdeckt hat sie der Berliner Kurier.

Bevor ich vergesse, Ihnen dieses zu zeigen: Suchen sie nach NOCH auf dieser Seite.

Die Meldung trägt zwar das Datum vom vierten April, aber da hat sich bei der Technik beim Umweltjournal wohl ein Byte verklemmt: Es geht um Angela Merkel, oder um den ersten April, oder um Joschka Fischer, oder um eine Organisation, deren Name in diesem Blog niemals fällt, und um diesen Text: „Um beim Nacktrennen in Pamplona eine gute Figur zu machen und körperlich und geistig fit zu sein, studiert Angela Merkel laut (der Organisation, deren Namen hier nie fällt) derzeit Joschka Fischers Buch "mein langer Lauf zu mir selbst".

Wie gesagt – das Datum sollte man mal auf den ersten April ändern. Sonst kommt noch jemand auf die Idee, tatsächlich nach Pamplona zu fahren. Nicht am ersten April, sondern am 5. Juli.

Ist Oralsex nun eigentlich Sex oder nicht? Wie, das interessiert sie nicht? Amerikaner allerdings schon, zumal, wenn es dabei um Teenagersex und Jungfräulichkeit geht.

Es gab schon andere Webseiten, die die „intimen Momente“ öffentlich machen wollten, aber so primitiv wie auf dieser englischsprachigen Webseite im Blogformat hat es noch kaum jemand geschafft. Je dümmlicher und dreister, umso besser scheint sich Sex zu verkaufen – Lust auf über 1000 Zugriffe täglich? Also: Zutaten: Zum Abwinken schlechte Texte, irgendwelche pornografische Quellen – und am Ende eine Erwähnung in „Fleshbot“ – dann kommt man sogar auf über 10.000 Zugriffe täglich.

Die schöne neue Bloggerwelt der Zahnspangenträgerinnen kommt nicht überall gut an. Wie jede meiner Leserinnen weiß (selbstverständlich auch jeder meiner Leser), bin ich der Meinung, dass wir inzwischen genügend Produzentinnen und Produzenten von Schwachsinn im Web haben. Auf mehr können wir dankend verzichten.

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, was Helmut Spudich im „Standard“ über Blogs schreibt, wenngleich es klingt wie bereits an die zwei Dutzend Mal wiedergekäut. Aber die Logik ist einmalig: „Wer ein Blog führt, muss damit rechnen, dass es auch gelesen wird“. Na bitte.

Nein, mir ist nicht entgangen, dass hier (also bei twoday) inzwischen einige höchst interessante Bloggerinnen (wegen der Texte, was dachten denn sie?) hinzugekommen sind, aber dennoch, ich möchte erst mal warten, wie lange sie bleiben – zum Beispiel diese Piratin.

Erinnern sie sich an meinen Artikel über die Mitarbeiterin eines Budapester Reisebüros, die behauptete, die Malev flöge nicht nach Oslo und an die Diskussion darüber, ob ich denn nun überhaupt für die angebotenen Freiflüge der Malev in Frage käme?

Also rief ich in Zürich an, wo sich das nächste Malev-Büro befindet. Die Damen dort kennen mich als Dauerkunden der Malev inzwischen und sie sind, wie immer, sehr freundlich. Aber das Angebot? Nein, das kennen sie nicht, dabei ist es ganz einfach:

„Don’t miss this! Two Holidays for the price of one!”. Man kauft also ein Ticket, man muss es zwischen dem 7. März und dem 7. April tun – und dann gibt einem die Malev ein Zweites, absolut frei. Genau so und nicht anders steht es in der Werbung, kleingedrucktes gab es nicht, und die Destination, den Zeitpunkt und überhaupt alles könne man frei wählen.

Also kaufte ich zwei Flüge im März für den Mai. Also bezahle ich sie. Also bekomme ich – die bezahlten Tickets. Aber keine Freiflüge.

Inzwischen war ich ohnehin klüger – denn was die Malev in ihrem „Frequent Flyer Newsletter“ Nr. 2/2005 so vollmundig ankündigte, erwies sich als eine kühne Mischung aus Behauptungen und Wahrheiten (und das ist übermäßig höflich ausgedrückt): Denn zwar gibt es Freitickets, aber diese dürfen nicht in den Sommermonaten angeflogen werden, und auch nicht auf den gleichen Strecken.

Das mag noch alles dahingehen, obgleich schon dies jeder Beschreibung spottet – von den Grundsätzen von Treu und Glauben in der Werbung einmal ganz abgesehen. Aber nun kommt der Clou: Da mir Zürich keine zufrieden stellende Auskunft geben kann, rufe ich also den DUNA-Club bei der Malev an, deren Mitglied ich bin. Eine nette Dame begreift nach mindestens dreimaligem Wiederholen meines Anliegens auf Englisch endlich, was ich wissen will (nein, ich will keinen Prämienflug, kein Upgrade und kein Partnerticket) und flötet mir ins Ohr, dass ich die Tickets dazu in Budapest hätte abholen müssen – aber auch dann hätte ich (wiederum geflötet) leider keinen Anspruch auf die Gutscheine für die freien Tickets, weil man diese leider ab Budapest hätte buchen müssen und nicht ab Zürich.

Ich habe mich heute bei der Geschäftsleitung der Malev beschwert. Und damit eines klar ist, liebe Malev: Ich will meine Freiflüge, auf den Strecken, die ich aussuche, sofort und ohne zusätzliches Herumgerede, genau so, wie ich es schriftlich vorliegen habe.

malev

Nachtrag am 6. März: Die Malev schweigt. Keinerlei Antwort auf meine Email.

Nachtrag vom 9. März

"we are very sorry if it escaped your attention, we are not in a position to offer you any compensation"

Deutsch:

"wie bedauern sehr, dass sie dies übersehen haben, und sind nicht in der Lage, Ihnen einen Schadenersatz zu gewähren" - nur: ich habe nichts übersehen.

Hatte ich Ihnen nicht gesagt, dass ich ein keines rotes Telefon besitze (oder sagen wir besser, dass meine Frau ein kleines rotes Telefon besitzt), dass nicht so recht funktionieren wollte? Nun, die gute Nachricht: Es funktioniert inzwischen tadellos – freilich wurde es Ende Februar, bis ich es wieder in den Händen hielt.

Die Geschichte dieses Handykaufs ist eines der Beispiele dafür, dass Kundenhartnäckigkeit am Ende doch zum Erfolg führt. Am Anfang stand nämlich eine ganz andere Situation: Ein Handy, auf Teneriffa gekauft, ein Kundendienst, der sich für nichts wirklich zuständig fühlte und eine Servicefirma, die ganz offensichtlich keine blasse Ahnung hatte, was man damit anrichten kann, wenn man irgendeinen Schwachsinn auf einen Lieferschein schreibt.

Ich will ihnen, meine Leserinnen und Leser, noch einmal kurz den Verkauf schildern: Ich hatte meiner Frau also sozusagen als Weihnachtsgeschenk auf Teneriffa ein Handy gekauft – so ein wirklich süßes, rotes, schnuckeliges Ding. Das einzige Problem: Man konnte nicht damit telefonieren. Doch wozu gibt es einen Service, eine Hotline des Herstellers gar? Also flugs angerufen und die Auskunft erhalten: „Das schicken sie mal an die Firma (den Namen nenne ich hier lieber nicht) ... und dann bekommen sie es nach etwa drei Tagen repariert zurück.

Nun liebe ich die Abschieberei an Serviceunternehmen schon gar nicht, doch kannte ich dies auch schon von anderen. Also hingeschickt, wiederbekommen, Paket persönlich abgeholt bei der Post, weil die wieder mal keinen Nachbarn finden konnte und ausgepackt: Das Telefon war wieder da. So, wie ich es hingeschickt hatte, nur dass diesmal ein Vermerk dabei stand: Dieses Gerät sei nicht für den deutschen Markt produziert, also bestünde keine Chance, es zu reparieren. Nichts logischer als das.

Erneuter Anruf beim Service, der sich als keine sehr ergiebige Quelle erwies: Nun, wenn das Gerät nicht für den deutschen Markt produziert worden sei, dann sei ja eigentlich klar, dass man es auch nicht reparieren könne – aber ich könne mich ja mal an die spanische Niederlassung von Samsung wenden, wenn ich das Gerät denn in Spanien gekauft hätte.

Nachdem ich beschloss, mich per Mail zu beschweren, erheilt ich die üblichen, nichts sagenden und automatisch erstellten Emails, und erst nach erneuter massiver Reklamation bekam ich dann eine neue Adresse: Da könnte ich es ja mal hinschicken, aber garantieren, dass man es dort reparieren würde, könne man nicht.

Da mir inzwischen die Hutschnur geplatzt war, schrieb ich höflich, aber deutlich an die Geschäftsleitung des Hauses Samsung, was tatsächlich zur Folge hatte, dass ich angerufen wurde: Ja man hätte, ja man würde und nun wäre man ganz sicher, und ich sollte das Handy unbedingt an den Chef des Unternehmens (den Namen könnte ich jetzt ruhig schreiben) schicken und der würde dann alle Hebel in Bewegung setzen, um das Handy zum Leben zu erwecken.

Tatsächlich tat er das Wunder, und das Handy kam repariert zurück, und es funktionierte in Deutschland und in der Schweiz. Vor etwa drei Wochen ist es nach Ungarn gereist und tut daher seinen Dienst im ungarischen Vodafon-Netz ohne jeden Tadel.

Fragt sich nur, warum ich als Kunde erst derart massiv werden musste. Und ich denke besser nicht darüber nach, wie viele Menschen sich mit der lapidaren Auskunft „ihr Gerät wurde nicht für den deutschen Markt produziert“ zufrieden gegeben hätten.

telefon_sam

Vom 06. bis zum 13. April dürfen sie wieder einmal die Hände in den Schoß legen – dann schreibt nämlich sehpferd für ihr Blog. Die Beiträge müssen unter meinem Namen veröffentlicht werden – die Themen aber können Sie frei bestimmen.

Ausgenommen sind wieder alle Weblogs mit links- und rechtextremistischen Inhalten sowie andere Weblogs, deren Inhalte gegen geltende Gesetze verstoßen – und außerdem schreibe ich nur einmal pro Blog.

Da alles einmal ein Ende hat: Insgesamt werden nur höchstens zwölf Schreibaufträge angenommen, und natürlich: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Informationen und Kontakte: sehpferd at sehpferd dot com

Blogger haben nicht nur bessere Informationsquellen als gedacht, sondern sie bevorzugen auch offiziele Presseorgane als Quellen: Jedenfalls, wenn man nach der Anzahl der Verlinkungen geht.

Dies will jedenfalls Nico vom Lumma-Blog nach einer Analyse der Verweise festgestellt haben: nach dem SPIEGEL, Heise-Online, der Tagesschau, der Welt und der FAZ, dem ORF und der FAZ folgt die Wochenzeitung DIE ZEIT – alles respektable Informationsquellen. Heise-Online dürfte, ebenso wie die nächstplatzierte Online-Quelle Golem, vor allem wegen der Berichte über Computertechnologie verlinkt werden.

Sinnvollerweise wird selten zu Blogs verlinkt: der Informationsgehalt ist gegenwärtig einfach noch zu gering. So dürfte auch der Speeblick (Platz 14) eher wegen der von ihm aufgebauschten „Klingelton-Geschichte“ verlinkt worden sein als wegen seines sonstigen, eher dürftigen Inhalts.

Im Grunde ist die Auswertung freilich ein erneutes Zeugnis dafür, dass in Blogs viel zu wenig Originalbeiträge erscheinen. Das Argument, man habe keinen Zugriff darauf, zählt nicht, denn jeder Blogger hat die Möglichkeit, die Tagesereignisse klug zu kommentieren.

Im Zusammenhang mit dem Artikel gab es einen Hinweis auf die so genannte „Zweitverwertungsabgabe“. Zitat: „Es sind alle Webpräsenzen betroffen, bei denen Einnahmen mithilfe nicht-originärer Seiteninhalte erzielt werden“. Fragt sich nur, welcher Blogger erhebliche Werbeeinnahmen erzielt und wo die „Zweitverwertungsabgabe“ überhaupt ansetzt – nämlich dann, wenn es sich tatsächlich um eine Zweitverwertung handelt, und gegenwärtig spricht nicht viel dafür, dass Blogger sich namhaft als „Zweitverwerter“ betätigen. Ob sich die Blogger da nicht wieder einmal maßlos überschätzen?

Einst pflückte sie Blumen und stahl Honig, doch jetzt ist sie in den Fängen des Bösen, der sie in sein Verlies sperrt, um ihr Schicksal zu besiegeln.

Woran man mal wieder sehen kann: Trau keinem Fremden, auch wenn er noch so plüschäugig ist.

Es gibt nichts auf dieser Welt, über das man nicht bloggen könnte – Zugriffszahlen sind bekanntlöich alles. Also, wer kein N24-TV sein eigen nennt oder wie die Papst-Dauer-TV-Station heute heißen mag: Es gibt Blogs. Hier meine Quelle, allerdings muss ich hinzufügen: über Mario Sixtus.

Breakingnewsblog - Papst

Das Papst Blog (englisch)

Und außerdem: hier und hier und offiziell auch hier, beim kath.net (kein Blog).

Was ich beinahe vergessen hätte - eine Wette gefällig?

Nein, heute gibt es keinen Sex. Aber es riecht nach Frau. Hier.


Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – fast immer sonntags


Der Papst ist tot. Theresa Marie Schiavo ist tot. Harald Juhnke ist tot. Sie alle verließen die Welt unter Gebrauch von sehr viel Druckerschwärze – zu viel Druckerschwärze, wie ich meine – und vor allem viel zu viel Filmmaterial.

Ich sage es ihnen allen ehrlich und aus vollem Herzen: Ich hätte mir die Interviewpartner der Nachrichtensender auf dem Petersplatz gerne allesamt weggewünscht, samt Dieter Kronzucker, als für den Papst die letzten Stunden nahten. Nein, ich mache keinen Hehl daraus, diesen Papst nicht gemocht zu haben, aber hat nicht jeder Sterbende, wie auch jeder Trauernde, ein Recht auf Ruhe?

Es scheint, als hätte niemand mehr Ruhe. Nicht einmal im Sterben. Es mag ja sein, dass Theresa Marie Schiavo ein Mensch ist, an dem sich die Moralfrage stellt – aber dann darf, soll und muss sie im Familienkreis erörtert werden, und sei ihr Fall auch noch so kontrovers: Privatheit geht vor Öffentlichkeit. Haben wir das schon vergessen?

Über Harald Juhnke will ich nicht lange schreiben. Er ist ein Opfer jenes Medienzeitalters, in dem man jeden Schwachsinn als Unterhaltung verkaufen kann – und es auch eifrig tut, inklusive der Vermarktung eines Alkoholikers als Alkoholiker. Schönes Vorbild für die Jugend.

Ich möchte noch einmal auf den Tod des Papstes zurückkommen. Ich habe schon geschrieben, wie erbärmlich ich das Verhalten gewisser Fernsehsender finde, die bereits Tage vor seinem Tod den ganzen Tag einen Quasi-Nachruf sendeten – offenbar mit Materialien aus dem Vatikan. Doch ich habe etwas sehr oft gehört, nämlich dies: dass dieser Papst ein Vorbild der Jugend gewesen sei.

Was mich dazu verleitet, über Vorbilder nachzudenken. Als ich jung war, konnte sich zum Leidwesen der Vorgängergeneration niemand mehr für den griechischen Geist noch für den schillerschen Jüngling erwärmen (der lustvolle Goethe stand erst gar nicht zur Debatte). Man versuchte uns Albert Schweitzer zu verkaufen, doch der war weit weg, wo wir uns nicht einmal hindenken konnten. Doch wer sollte es sein: der Dalai Lama? Schwester Theresa? Junggesellen und Junggesellinnen als Vorbilder? Machen wir mal halblang: Ich stamme aus einer Generation, in der die Väter und Großväter nur schwerlich Vorbilder sein konnten, weil sie (wenngleich nicht alle, sondern meist nur die „besseren“ Leute) an den Verbrechen der Nazis wenigstens mittelbar beteiligt waren.

Heute soll nun also der Papst Vorbild sein, aber warum?

Weil er, so Herr Kronzucker in einem der geschwätzigen Interviews der letzten Tage, standhaft sei und heute so und morgen eben auch noch so sage, im Gegensatz zu ihren Eltern, wie es hieß, die ihre Meinung ständig wandelten.

Da haben wir den Salat. Eine Jugend ohne Maßstäbe sucht sich die Messlatten dort, wo ganz andere Dimensionen gelten. Statt dem Großvater, dem Vater oder dem Onkel nachzueifern (die Feministinnen unter ihnen dürfen dies durch Großmutter, Mutter und Tante ersetzen), suchen sie sich Vorbilder, die letztlich keine sind – weil sie nicht erreichbar sind. Vielleicht sollten diese Kids ihren Eltern lieber einmal zuhören, von ihren Erfahrungen profitieren und lernen, dass eine starre Haltung schnurstracks in den Abgrund führt?

Unsere Welt verlangt, dass wir um einen festen weltanschaulichen Kern eine flexible Handlungsweise entwickeln – und zwar, damit sich die an sich recht erfolgreiche Art „Mensch“ auch in Zukunft noch behaupten kann. Ideologie, sei sie weltlich oder geistlich, ist das Letzte, was wir gegenwärtig brauchen können – davon haben wir, zumal in Deutschland, schon viel zu viel.

Habe ich zu viel nachgedacht heute – zu viel Nachdenkliches geschrieben? Vielleicht, meine Leser, sollten sie sich alle wieder daran erinnern, dass es ein schöner Tag ist, voller Licht und Frohsinn, ein Tag der Liebe und Freude, des Frohsinns und der Hoffnung - ein Frühlingstag eben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin einen schönen Sonntag.

Seit in diesen Tagen befürchtet wurde, dass der Papst wohl sterben würde, gab es bereits Auszüge aus den vorfabrizierten Nachrufen – und gestern Vormittag, als der Papst noch nicht verstorben war, hörte es sich auf manchem Nachrichtensender an, als sei er bereits tot: Mehrfach sagten die Sprecher: „Dieser Papst war ...“, und nicht selten hieß es auf einem Sender, „der heilige Vater war“ - der "heilige Vater" ist der Papst aber nur für Katholiken.

Freilich war dieser Papst ein wichtiger Mann – vor allem, weil er eine große Außenwirkung hatte – der Reisepast, der Friedenspapst, der Papst der Jugend, der Versöhner der Religionen. Das alles haben wir ja zur Genüge gesehen als Bildmaterial.

Aber – dieser Papst war auch ein umstrittener Papst. Nach innen war er streng und kompromisslos und vertrat halsstarrig alle Thesen, die den Katholizismus für andere Christen so unerträglich machen: von der Marienverehrung über das Zölibat bis hin zu den Heilig- und Seligsprechungen.

Die katholische Kirche hat einen ehrenwerten Priester, die Menschheit einen versöhnlichen Menschen und die Welt einen Botschafter des Friedens verloren. Für den Katholizismus uns seine Anhänger mag der Tod eines Papstes noch mehr bedeuten – aber ich bin kein Katholik.

Mit der Malev nach Oslo? "Die Malev fliegt nicht nach Oslo", sagt uns die äußerlich wie auch innerlich etwas angejahrte, robust aussehende Dame im Reisebüro.

Freilich hat die Malev gerade Direktflüge nach Oslo angekündigt, und als Malev Duna-Mitglied weiß ich dies längst, aber eben nicht die Dame im Reisebüro. Auch ein Auszug aus dem Internet überzeugt sie nicht: Ihr Computer zeigt keine derartigen Flüge an – kann er auch nicht, wenn sie mit heutigem Datum guckt, denn Flüge gibt es erst ab 2. Mai. Nun will ich aber noch einen kostenlosen Malev-Flug mit der Oslo-Reise kombinieren: Für Duna-Mitglieder angeblich kein Problem, doch die Dame sagt uns deutlich, was sie von uns hält: „Wissen sie, diese Angebote sind für Ungarn gemacht, damit sie preiswert ins Ausland fliegen können“.

Was davon stimmt oder nicht, muss ich demnächst bei der Malev in Zürich herausfinden, und ich bin sicher, dort bekomme ich meine Tickets, wie ich sie gerne hätte, ohne den verdeckten Hinweis: „Warum wollt ihr Ausländer eigentlich mit unserer eigenen ungarischen Fluglinie umsonst fliegen?“

Die Malev fliegt neuerdings übrigens nicht nur von Budapest nach Oslo, sondern auch noch nach Cork, Malaga und Göteborg. Da ich gerade gesehen habe, dass Cork europäische Kulturhauptstadt ist, wird meine Wahl wohl auf die schöne irische Stadt fallen.

Glauben sie nur nicht, dass Antiquitäten in Budapest billig sind – aber es gibt sie in Mengen, sodass man eine sehr schöne Auswahl hat. Jugendstilmöbel, von denen man anderwärts nur träumen kann, Art Deco und was sonst noch gut und teuer ist. Falls sie also mal nach Budapest kommen sollten – versäumen sie nicht, eines der vielen hundert Geschäfte zu besuchen – oder am besten eine ganze Straße voller Antiquitätenläden, zum Beispiel in der Falk Miksa Ut., in der sich die Händler zum Teil auf bestimmte Stilrichtungen spezialisiert haben. Interessant sind auch Gemälde aus dem vorvorigen Jahrhundert – ab ca. 400 Euro bekommt man bereits Gemälde ganz ausgezeichneter Künstler.

Welches Brot ist das? Ich weiß es nicht, wer kennt sich schon aus in ungarischen Broten? Doch die Kassiererin fackelt nicht lange, riecht daran, tippt einen Preis ein. Sehr praktisch. Bevor ich vergesse, dies zu sagen: es war im Supermarkt, die Kassiererin hatte einen Arbeitsplatz, den man auch in Deutschland als einen solchen bezeichnen würde und das Brot steckte in einer Papiertüte.

Drüben, beim Selbstbedienungsbäcker, sitzen die Kassiererinnen auf etwa 40 Zentimeter breiten Holzbrettchen.

Klassische Musik ist für mich erst richtig schön, wenn es sowohl zirpt wie auch dröhnt und kracht. Da ist Tschaikowsky gerade richtig. Gehört habe ich die die vierte Symphonie, gegeben vom Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau im neuen Nationalen Konzertsaal zu Budapest. Die Begeisterung der Musiker schien von innen zu kommen – äußerlich war ihnen kaum anzumerken, dass sie von der Musik beseelt waren – doch wie dem auch sei. Musikalisch war es ein Genuss.

Das Gebäude beeindruckt durch seine Großzügigkeit und das Spiel der Farben und Formen. Die Gänge sind etwas für Augenmenschen: Ständig wechselt der Lichtraum, ändern sich die Größenordnungen – man ist beeindruckt, ohne dass der Blick irgendwo lange haften bleibt. Besonders schön für mich: Die Kombination von rot mit Naturholz, die fast im gesamten Gebäude durchgehalten wurde.

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(Ich bin ein bisschen zurück - es war schon am 27.03.2005)

Es gibt italienische Lokale, in denen Ungarn, Rumänen oder Pakistani Gerichte mit italienischen Namen für deutsche oder englische Touristen kochen und es gibt italienische Lokale, in denen Italiener italienische Speisen zubereiten, die auch wie italienische Speisen schmecken und die auch von Italienern gegessen werden.

Gestern war ich in einem solchen Lokal hier in Budapest. Ich habe dennoch auf die typische italienische Speisenfolge und damit auf das erste Hauptgericht verzichtet, sondern habe sogleich von der Vorspeise zum Fisch gewechselt. Der war wirklich hervorragend – kein Vergleich mit dem Gemüse in Fettpampe, die ich in meiner Straße als „italienisch“ vorgesetzt bekomme – und so gesehen, lohnt sich der Mehrpreis. Billiges Budapest? Wenn sie billig und gut essen wollen, müssen sie heutzutage woanders hinfliegen – aber nicht nach Budapest.

Falls sie Tourist sind: Essen sie entweder gleich bei einer der großen Hotelketten oder in einer der Ladenpassagen, zum Beispiel im Mammut oder Westend. Der Rest der Lokale in Budapest bietet wechselnde Qualitäten zu gesalzenen Preisen, und weder eine Empfehlung im Reiseführer noch eine im Gourmet-Führer bieten die geringste Garantie dafür, dass Preis und Qualität stimmen.

Basel liegt bei mir normalerweise um die Ecke – und wie kommt es, dass ich das Basler Ballett hier in Budapest sehe? Weil jetzt Frühlinsfestival ist, und was ein richtiger Frühling ist, der braucht Erotik: Balletterotik – doch bevor die antanzt, wird noch „der Tod und das Mädchen“ gegeben – wenn man will, natürlich auch eine sehr erotisches Stück Tanztheater. Erst zum Schluss gibt es den sensationellen Bolero von Maurice Ravel in der Choreografie von Richard Wherlock, der alle Tänzerinnen und Tänzer in langen weißen Kleider auftreten lässt, das Liebespaar aber in schwarzem Blazer – und bisweilen sogar ganz ohne diesen, so dass man die schöne Brust der Tänzerin noch zu allen erotischen Bewegungen dazu bekommt – ein unvergessliches Erlebnis, das vom Budapester Publikum begeistert aufgenommen wird.

Drei Anzeigen werben für die Freizeit in Budapest: Eine Striptease-Bar und zwei Escort-Agenturen. Ich darf ihnen aber versichern, dass es durchaus andere Wege gibt, seine Freizeit in Budapest zu verbringen – an lauschigen Frühlingsabenden vor allem in einem der zahllosen Restaurants und Cafés, in denen draußen serviert wird – danach lechzen ohnehin alle: Endlich wieder draußen sitzen zu können.

Wo feiert man als Engländer seinen Junggesellenabschied? Natürlich in Budapest, wo sonst – Easy Jet macht es möglich, und fast eine Handvoll Veranstalter leben davon: Billigflug nach Budapest, preiswertes Hotel, Sportbar mit englischem Fernsehprogramm und als Höhepunkt vor allem Budapester Stripteasebars. Dort wird das Opfer dann an eine Tanzstange gefesselt und die Tänzerin „hält ihm diverse Körperteile ans Gesicht“, wie die Budapester Zeitung berichtete, doch auch die übrigen Jungs kämen auf ihre Kosten, zumal sie reichlich Geld für Tabledance-Einlagen springen lassen würden.

Vier junge Mädchen kommen auf die Bühne, und bis auf eine sind alle so angezogen, als ob sie ihre Bühnengarderobe zu Hause vergessen hätten, oder besser so, als wollten sie beim Altennachmittag als brave Töchter einen guten Eindruck machen – hätten sie auch, wenn die Sachen wenigstens halbwegs gepasst hätten. Dann stellten sie sich auf der Bühne auf als wäre hier im Budapester Urania Filmtheater ein Wettbewerb für Wachsfiguren und schließlich sagen sie dann. Letzteres äußerst erträglich, aber mehr eigentlich auch nicht: Da fehlte der Schwung, fehlte der Witz, fehlte die für einen Bühnenauftritt notwendige Ausstrahlung. Ich habe gelesen, dass sie den Ward Swingle Preis in Graz bekommen haben – nun ja, dort haben sie ja vielleicht etwas anderes gesungen, aber hier in Budapest gab es eher müden Beifall. Die Gruppe hieß "Niniwe". Sollte ich noch sagen, dass es sich um eine deutsche Gruppe handelt? Lieber nicht. Sonst sagen jetzt doch alle gedehnt „ach so“.

Ich wurde entschädigt durch den zweiten Teil, den die ungarischen Bolyki Brothers bestritten. Die vier Brüder, die an ich professionelle Musiker (also keine Sänger) sind, traten als a Cappella Gruppe auf und überzeugten komplett: Da stimmte der Gesang, das Gefühl für den Ensembleklang und nicht zuletzt die Show. Ich gebe zu, selten so gelacht zu haben.

Dies geschah schon am 23.03.2005

Die Abwicklung am Flughafen Zürich geht im Schneckentempo voran: Da zeigt ein etwas überheblich grinsender Jüngling einer offenbar taufrischen jungen Dame, wie man abfertigt – natürlich nach allen Regeln der Kunst mit sämtlichen Schikanen, die man einem Fluggast nur antun kann: Unter anderem damit, jedes Stück Handgepäck und selbstverständlich jeden Kinderrucksack nachzuwiegen und dabei die Vorschriften im Detail zu erläutern. Die reichliche Zeit, die ich glaubte zu haben, schmolz dahin: Satte 20 Minuten brauchen die jungen Leute, um Ausbildung auf Kosten der Fluggäste zu machen – in dieser Zeit fertigen sie ganze 4 Fluggäste, davon allerdings auch eine Familie mit zwei Kindern ab.

Den nonchalanten jungen Mann, der hier offenbar die Ausbildung leitet, scheint das alles nichts anzugehen: Meine Maschine geht in mittlerweile in 25 Minuten – und ich muss noch dieses abscheulich lange Wanderung zum Terminal „E“ machen, auf den Zug warten, mich durch die Sicherheitskontrolle quälen – doch hier ist man, wie immer, ausgemacht höflich – lediglich eine junge Dame vor mir motzt, weil sie ihre nach Meinung der Sicherheitsbeamten zu piepsigen Stiefel ausziehen soll.

Dem Sicherheitspersonal das höchste Lob – aber der Abfertigung am Schweizer Flughafen Zürich mal wieder einen Tadel – die dort seit Jahren praktizierte Arroganz gehört offensichtlich zum Image des Flughafens – und das soll offenbar so bleiben, denn wenn schon die Ausbilder nichts als ein süffisantes Lächeln und dazu noch einen dummen Spruch haben, wird die nächste Generation von Mitarbeitern auch nicht besser werden.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – fast immer sonntags

Nachdem ich mich über Ostern ja schon so reichlich ausgelassen habe und sowohl dem ursprünglichen Sinn des Osterfestes meinen Tribut heftigst gezollt habe (das ist die Sache mit den Hasen, der Fruchtbarkeit und den Hühnereiern) sollte ich eigentlich jetzt sagen: Zurück zur Tagesordnung, schließlich sind heute schon drei Viertel der Feiertage vorbei – ja, ich blubbere einen Tag zu spät.

Könnte mir bitte jemand sagen, was an diesem Ostern eigentlich anders ist als an jedem Ostern? Es waren immer die Hasen und die Eier, die Kinder wie Erwachsene anregten, und natürlich ist es die aufkeimende Liebe, die ja nicht von ungefähr mit dem Hasenfest zusammenfällt. Woher mancher Bischof die Weisheit hat, dass Ostern noch mehr „entchristlicht“ wird als Weihnachten, ist mir schleierhaft, und als Weisheit bleibt mir nur dies zu verkünden: Man kann die Heiden zwar bekehren, aber die Kraft ihrer Bräuche nicht ausradieren – und der kommende Frühling liegt den Menschen nun einmal näher als das Himmelreich, das ja erst für fernere Zeiten versprochen wurde.

Hinzu kommt, dass die Pfarrer offenbar vergessen haben, dass sie Ostern die „Frohe Botschaft“ eigentlich ruhig als frohe Botschaft verkünden könnten – jetzt ist kein Herbst und daher auch nicht die Zeit, in der sich die Menschen in sich verkriechen und über den tieferen Sinn des Lebens nachdenken wollen – dazu bliebt ab November noch genug Muße.

Nachdem ich nun schon seit Wochen über Blogs schreibe, fällt mir dies auf: das gibt es eine so genannte „Szenerie“, die den Blogs eine Bedeutung gibt, die ihnen nicht zukommt: Was immer ich ihn den letzten Wochen aus dem Munde so genannter „Berufener“ gelesen habe, klingt so wie das, was die Fotoamateure dauernd schreiben: Ihre Fotos wären viel besser als die der Profis, nur wolle das niemand wahrhaben, und just deshalb haben sie eigene Webseiten, Foren und was sie sonst ihr eigen nennen. Bei den Fotoamateuren ist die Sache paradox: Sie nützen nämlich in Wahrheit nicht der Kunst, sondern einem Industriezweig, der so gut wie ausschließlich vom Amateurwahn lebt: oder glaubt wirklich jemand, dass ein Amateur eine digitale Spiegelreflexkamera für über 3000 Euro braucht, von einer Studioausrüstung in etwas gleicher Preislage einmal ganz zu schweigen?

Doch zurück zu den Bloggern: Wem nützt der Wahn, wichtiger zu sein als andere Zeitzeugen, eigentlich hier? Und welche Zeitzeugnisse werden eigentlich wirklich gebloggt? Sollen die nachfolgenden Generationen wirklich glauben, dass Herz und Schmerz, Linksgetröte und getürktes Sozialgekuschel die Zeit repräsentiert haben? Oder gar die ausgesprochen wichtige Frage, welches Betriebssystem, welcher Browser und welche Software verwendet werden?

Ich kann es ihnen zufälliger Weise sagen, was die Nachwelt darüber sagen wird: Dass es einmal eine Zeit gab, in der tausende von Menschen versucht haben, andere davon abzuhalten, über die wesentlichen Dinge des Lebens nachzudenken: zum Beispiel, wie man alle Menschen in Arbeit und Brot bringen kann, wie eine liberale Partei wieder zur Verteidigung der Bürgerrechte kommt oder eine rote Partei wieder lernt, ernstlich sozial zu sein und nicht gießkannensozial.

Deutschland ist, in Blogs oder anderwärts, vor allem geschwätzig. Das Volk der Dichter, Denker und wirtschaftlichen Innovatoren ist zum Volk der Schwätzer, Phrasendrescher und selbstgefälligen Nostalgikern geworden. Damit lässt sich freilich kein Pfifferling gewinnen – genau so wenig wir mit Ostern ohne Osterhase. Den will ich zum Schluss noch mal hochleben lassen.

Ich wünsche allen eine frohe Nachosterwoche.

 

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