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Ich weiß nicht, ob deutsche Fotostudios wieder Überstunden machen müssen, um die vielen Aktfoto-Sitzungen zu bewältigen, die alljährlich zu Weihnachten anfallen. Schließlich ist ein Aktfoto eines der schönsten Geschenke, das man seinem Liebhaber, Freund oder Ehemann unter den Christbaum legen kann.

Neu allerdings ist mir, dass es chinesische Studentinnen auch tun. Das Motiv, so schreibt die China Daily, sei vor allem ihre Schönheit für die Ewigkeit festzuhalten. Wie es in der deutschen Übersetzung des Artikels weiter heißt, würde eine Sitzung beim Fotografen "zwischen 1.000 und 5.800 Yuan kosten", (etwa 100 bis 500 Euro), und dies in einer Gegend, in der ein Durchschnittsverdiener nur etwa 80 Euro pro Monat heimtrage.

Mag sein, dass die Studentinnen ein bisschen geflunkert haben, was den Verwendungszweck betrifft. Wer als Studentin den Monatslohn eines Arbeiters sparen kann, wird auch wissen, wie sich die damit erworbenen Aktfotos wieder versilbern lassen – und sollte es denn so sein, so stimmt die Aussage doch noch, dass auf diese Weise die Schönheit für die Ewigkeit festgehalten wird.

Haben Sie einmal überlegt, ob sie vielleicht einmal völlig nackt auf eine Party gehen sollten? Falls sie eine Frau sind, würden sie wahrscheinlich nicht einmal besonders auffallen, falls sie ein wenig Farbe nutzen, um sich etwas Bekleidungsähnliches auf den Körper zu malen. Männer aber haben auffällig hervorragende Teile, die stets für Ärger sorgen, wenn sie nackt auftreten.

Wenn es nach dem serbischen Designer Neven Vrgoc geht, ist die Sache kein Problem: Er bietet eine Krawatte, die nicht um den Hals, sondern ... nun ja, eben als Lindenblattersatz vor dem Penis getragen wird, berichtete Ananova.

Ob das Bekleidungsstück allerdings so zum Einsatz kommt, wie der Designer es sich wünscht, erscheint zweifelhaft: Männer, so sagte er der Presse, sollten es beim ersten Treffen mit einer Dame tragen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Damen hingegen sollten denjenigen Herren, mit deren Körpereinsatz sie besonders zufrieden waren, eine solche Krawatte als ewigen Dank verehren.

Angeblich will der Designer sogar noch ein Qualitätszertifikat mitliefern ... nicht für die Krawatte.

"Anders als im Christentum, ist im Judentum Lust in der Ehe so wichtig wie Liebe. Darum verbietet Gott im neunten Gebot, die Frau unseres Nachbarn zu begehren – es ist die eigene Frau, die wir begehren sollen".

(Zitat von Rabbi Shmuley Boteach, aus „Jewsweek“)

Frage ich mich doch: Warum verbietet derselbe Gott in derselben Schrift den einen, was er den anderen erlaubt? Oder habe ich jetzt etwas falsch verstanden? Um dem Bibel-Clan vorzubeugen: Ich kenne die Briefe der einschlägigen so genannten Apostel.

Es ist natürlich schon alles gesagt. Na klar, aber noch nicht vom jeden, noch nicht in jeder Zeitung und noch nicht zum zwölften Mal. Man muss wirklich nicht mit prophetischen Gaben gesegnet sein, um dies zu prognostizieren:

- Die Lehrer werden stets sagen, es läge nicht an ihnen
- Wenn sie weiter ausholen, werden sie sagen, es läge auch nicht an Eltern und Schülern
- Die rückwärtsorientierten Lehrer werden die deutsche heilige Kuh, das dreigliedrige Schulsystem, schützen – es darf gar nicht falsch sein
- Die Elternvertreter werden sagen, es läge weder an ihnen noch an den Schülern.
- Die Schüler werden sagen, an ihnen könne es schon gar nicht liegen
- Die Landespolitiker werden sagen, es könne nicht am Föderalismus liegen
- Alle, die sagen, dass es nicht an ihnen liegt, und nicht Politiker sind, werden sagen, dass es an der Politik liegt.

Es könnte freilich auch daran liegen, dass Lehrer, Eltern und Schüler seit Jahren weggucken, wenn es Probleme gibt und darauf warten, dass morgen Manna vom Himmel fällt.

Als ich mich vor über 43 Jahren für Jazz zu interessieren begann, da war ich ein Revolutionär in der brodelnden Masse einer unverstandenen Jugend, der mit ganz wenigen alten Knochen („Swingheinis“) eine Gruppe von Abweichlern bildete, die in einem denkwürdigen Buch als „Parasiten des Jazzkellers“ bezeichnet wurde.

Nachdem es revolutionär war, sich für Jazz zu interessieren, wurde es elitär, und schon etwa fünfzehn Jahre später war die Generation der ersten deutschen Nachkriegsjazzer schon über Vierzig und hockte mit Kind und Kegel beim Jazz im Cannstatter Kurgarten: man hatte sich das Leben eher konservativ eingerichtet.

Damals, also vor 43 Jahren und noch früher, war Jazz für junge Deutsche meist nur eine Ideologie, die zufälligerweise auch aus Musik bestand. Sehe ich mir heute bereinigt an, so bleibt der Klang der Sehnsucht, der sich mit der Stimme von Billie Holiday oder dem Saxofonspiel von John Coltrane tief in die Seele eingefressen hat.

Und auch der Schauer bleibt. Jener Schauer, der mir heute noch dort über den Rücken läuft, wo Jazz mehr als Musik ist – nämlich das Zeugnis einer bewegten Zeit.

From „Strange Fruit“ Abel Meeropol (1903-1986)

„Southern trees bear strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black bodies swinging in the southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees”


(Thanks to Lyrics Freak)

Wer nicht wissen sollte, wie man erotisch wirkungsvoll „Händchen hält“, wird darüber in einem japanischen Lehrbuch aufgeklärt.

Das Buch ist vollständig bebilderte und zeigt die Stellungen jedes einzelnen Fingers nackten Fingers überdeutlich. Woran man wieder einmal sieht, welch große Rolle die Finger bei der Liebe spielen können, wenn man sie denn richtig einsetzt.

Dem Blog der schwäbischen Zeitung verdanken wir, dass sich der Urheber der deutschen Bildungsmisere nun endlich geoutet hat. Es ist die Redaktion von SZOn-Blog.

Die Damen und Herrn vom Blog übernahmen die Verantwortung freilich erst, als eine der üblichen Stellungnahmen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Redaktion der Zeitung erreichte. Dort heiß es: „Niemand sollte jetzt auf die Idee kommen, die Schuld bei Lehrern, Eltern oder Schülern zu suchen". Nein, die Schuld nicht. Aber die Ursache.

Bei jeder Aufführung des Theaterstücks „The Graduate“ (Die Reifeprüfung) stellen sich Kritiker, Publikum und Moralisten die bange Frage: Wird Mrs. Robinson nun ihr Handtuch ganz fallen lassen oder nicht?

Die neue Mrs. Robinson, Irene MacDougall, hat bereits verlauten lassen, dass sie in der gegenwärtig im schottischen Edinburgh geprobten Produktion das Handtuch fallen lassen würde: Die Szene sei freilich nicht sehr hell ausgeleuchtet und sie sei nicht lange in diesem Zustand zu sehen.

Doch wie stets wird es durchaus diese Szene sein, die tausende von Schotten ins Theater treiben wird. Den Wind, den die Presse um die Szene macht, hält die Schauspielerin für übertrieben – aber natürlich weiß auch sie, dass viele Zuschauer gerade wegen dieser Szene kommen: nicht nur wegen der Nacktheit, aber eben auch.

Bevor ich vergesse, Ihnen dieses mitzuteilen: Die Menschen in ihrer Stadt Ihre Stadt sind gerade dramatisch gescheitert. Was, glauben Sie nicht? Also, sie werden doch vielleicht eine Eisdiele haben, oder? Eine Italienische, nicht wahr? Und können sie nun immer noch nicht sehen, dass sie gescheitert ist? Und das sie an ihr gescheitert sind? Und das somit das gesamte Zusammenleben gescheitert ist? Nein?

Das bleibt natürlich nicht bei der Eisdiele. Der Türke, der als einziger Händler reifes, frisches Obst in Ihrer Straße verkauft, ist gescheitert, und ihr Grieche an der Ecke bei dem es immer diese leckeren Lammgereichte gibt, der ist auch gescheitert, und mit ihm die Spanier, Portugiesen, Kroaten, Chinesen und Russen, die hier Lokale oder Läden eröffnet haben – alle gescheitert. Wissen sie, die bilden nämlich in Wirklichkeit Parallelgesellschaften und weil die so was machen, kommt dabei nichts raus. Multikulti Mist, Multikulti gescheitert. Verstanden?

Sie verstehe nicht, was ich schreibe? Vielleicht gucken Sie mal auf der Webseite der Fachfrau für solche Fragen. Die hat es nämlich gerade gesagt: „Die Idee einer multikulturellen Gesellschaft (ist) dramatisch gescheitert“.

Hoffentlich darf wenigstens meine türkische Änderungsschneiderin noch an ihren Erfolg glauben: Bei der habe ich nämlich gerade ein paar Hemden zum Ärmelkürzen. Nicht auszudenken, wenn die auch noch scheitert. Aber die gehört ja wahrscheinlich auch nicht zur Kultur.

Ein Geisterschiff ist ein ehemals stolzes Handelsschiff, dessen Besatzung ein schauriges Schicksal erlitt: Irgendwann einmal gab es ein Ereignis, bei dem nach einem Streit der erste Mann über Bord ging, dann wieder einer, dann mehrere, so lange, bis sich nur noch der Steuermann an Bord befand, der sich mit letzter Kraft an das Ruder gebunden hat, um doch noch Kurs auf Einigvaterlandien zu nehmen und wenigstens die Ladung zu retten.

Wie, es waren bislang nur zwei Seeleute, die von Bord gingen? Nun, immerhin waren es Offiziere: Der eine ist ein junger, tollkühner Navigator, der für die Zukunft steht, der andere ein alter, erfahrener Seebär, der notfalls die Säcke auch von unten dichthält. Nein, nein, das waren nicht irgendwelche Leichtmatrosen, die wegen eines Kartenspiels aneinander geraten sind. Das, Frau Kapitänin, waren zwei ihrer besten Seeleute.

Doch die Kapitänin hört nicht auf die Winde noch auf die Sterne, die ihr schon lange sagen sollten, dass sie sich inzwischen auf dem politischen Meer total verfahren hat. Indessen denkt sie wohl, dass sie die Flaute ganz gut überleben könne, in der sie sich gerade befindet. Schon ihr Ziehvater, der olle Kapitän Helmut, hat ja gewusst, dass auf Flauten auch immer wieder Winde folgen und deshalb immer gewartet, bis der Wind den alten Kahn von selber wieder flott macht. Doch heute ist der Wind eigensinnig und lauert schon als neuer Sturm, der nur darauf wartet, ein bisschen Katz-und-Maus zu spielen mit dem alten, maroden, an Rumpf und Takelage bereits reichlich mitgenommenen Unionsschiff.

Die nächsten Wochen werden spannende Fortsetzungen ergeben: Wer wird als nächstes über Bord gehen? Wird der Rest der Mannschaft gegen die Kapitänin meutern? Oder wird gar der Klabautermann persönlich das Schiff in den Strudel des Abgrunds reißen?

Fortsetzung folgt. Aber nicht hier. In der Tageszeitung Ihrer Wahl.

Ich verweise selten auf den hier anwesenden Dichter, weil er recht kompliziert schreibt. Dennoch konnte ich nicht umhin, seinen Beitrag „Initiation“ zu lesen und zu empfehlen - zum Schmunzeln oder zum Entrüsten, je nach Seelenlage.

Vielleicht schweigen ja viele Knaben darüber, wer sie in die Liebe eingeweiht hat, aber ich werde den Verdacht niemals los, dass Tanten und Cousinen bei diesem Prozess eine namhafte Rolle spielen. Oder war das nur früher so? Oder nur in den „besseren Kreisen“? Die entzogen sich damals noch meiner Beobachtung.

Falls Sie ein Liebhaber von Katzencontent sind, ihr Lebenspartner oder ihre Lebenspartnerin aber das weniger Animalische bevorzugt, könnten sie sich treffen, indem sie ein Buch ohne Katzeninhalt mit dennoch vorhandenem Katzeninhalt ohne eigentlichen Katzeninhalt verschenken, etwa eines von diesen:

Dem Liebhaber/der Liebhaberin des nachdenklichen Dialogs:
Lebensansichten des Katers Murr von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

Dem Liebhaber/der Liebhaberin sowohl des Geheimnisvollen wie auch des Wissenschaftlichen:
Schrödingers Katze von Robert Allan Wilson

Dem aufstrebenden Unternehmensberater / und der erfolgshungrigen Unternehmensberaterin:
Die Katze im Sack verkaufen von Bernhard Kuntz.

Der Dichter Ernst Theodor Hoffmann gab sich aus Liebe zu Mozart den zusätzlichen Namen „Amadeus“, und seither erscheinen seine Bücher so: „von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann“. Kein Wunder, dass der gelernte Jurist sich Amadeus nannte, der er glaubte, seine Begabung läge allein in der Musik – ein Trugschluss.

Als ich zu schreiben begann, lange, bevor ich etwas veröffentlichte, war der „Nom de Plume“ schnell gefunden: Gramse. Denn in meinem Leben gab es einen Gramse – jenen Deutschlehrer, der alle meine Aufsätze in der Luft zerriss und (soweit ich mich erinnere) selten einen besser als „4“ zensierte. Irgendjemand musste ihm einmal ein Denkmal setzen, und wer könnte sich berufener fühlen als ich?

Eigentlich sollte Gramse Johann Gotthilf heißen, doch als ich gegen 30 Jahre alt war, lernte ich einen widerlichen Choleriker kennen, offenbar Sohn von Beruf, der mir offenbarte, dass alles, was ich tat (nicht nur, was ich schrieb) „schlechter als Scheiße“ wäre. Ihm zu Ehren und ewigen Angedenken übernahm ich einen seiner Vornamen: Fürchtegott.

So wahr, wie ich nicht Sehpferd bin, sondern nur die Verkörperung eines Zeitzeugen im Internet, so bin ich auch nicht Gramse. Jener Gramse nämlich steht plötzlich neben mir und bedient sich fleißig der Goldbronze, die manch bittere Wahrheit übertüncht. Was ich dazu meine?

Er könnte ruhig öfter Blattgold nehmen, dieser Gramse.

Warum ich dies überhaupt schreibe? Damit sie wissen, dass ich nicht Gramse bin, selbst dann, wenn ich es dennoch sein sollte.

„Sehen wir uns wieder"? „Ich rufe dich an“.

Zwei Menschen gehen auseinander. Sie haben gerade versucht, sich kennen zu lernen. Vielleicht hatten sie das Glück, sich wahrhaftig zu mögen: dann sagen sie nie „ich rufe dich an“, sondern sie sagen „wenn hast du das nächste Mal Zeit?“ oder „ich möchte dich sehr gerne wiedersehen. Wann ist es dir Recht"? Wenn sie weniger Glück haben, fanden sie vielleicht den Abend nett, sagen einander, dass sie sich zwar nicht völlig gleichgültig wären, dass sie aber vielleicht doch nicht die richtigen Partner füreinander wären. Dazu gehört Mut, Zeit und manchmal auch die Geduld, einer langatmige Diskussion darüber standzuhalten, wie schnell man einen Menschen beurteilen kann. So kommt es, dass all jene, die Erläuterungen, Tränen und Wutausbrüche scheuen, sich gerne auf eine Floskel herausreden: Ich rufe dich an.

Jeder denkt von jedem, er verstehe den Satz. Jeder meint, er wisse, dass es nur ein Teilsatz ist. Jeder denkt, der andere würde die Ergänzung kennen: „... falls ich dich noch einmal wiedersehen will“.

Einmal begegnete ich einer dieser Frauen wieder. Sie sah mir ins Gesicht, um dann mit ernster Stimme zu sagen, "was für ein gemeiner Lügner sie sind, sie haben gesagt, sie rufen an ... so machen sie Frauen also Hoffnungen“. Sie war genau diejenige Art Frau, die einen Mann in ein zweites Treffen hineindiskutiert hätte.

Indessen wäre ich einmal beinahe das Opfer dieser eigenartigen Verständigungskunst geworden: eine Dame in Tübingen, ein sehr spannungsgeladenes Treffen. Ich fragte, was sie nun beabsichtige, und sie sagte den Satz. Diesmal griff ich nach dem letzten Fädchen: „Aber ... habe ich Ihnen so wenig gefallen?“ Sie stutzte, schwang sich auf ihr Fahrrad und sagte:" ich habe doch gesagt, dass ich sie anrufe". Es war ihr erstes Blind Date, ganz offensichtlich. Die Geschichte soll nicht enden, ohne dass ich dies sage: Sie hat mich angerufen. Es gab eine spannungsreiche Affäre, die immerhin fast ein drei viertel Jahr dauerte.

Können sie, lieber Leser, sich vorstellen, mit 82 Jahren ihr erstes Buch zu veröffentlichen? Wahrscheinlich können sie es nicht. Doch dieser Mann hat es getan: Samson Schönhaus, genannt Cioma, war der Passfälscher, der weit über tausend Juden in Berlin mithilfe gefälschter Pässe vor dem sicheren Tod bewahrte – und er tat dies mitten unter den Augen der Nazis in einer Mischung aus Fälscherstolz, Tollkühnheit, und Überlebenskunst.

Jetzt liegt sein Buch vor. Wie er sagte, habe er sich dafür komplett in seine Jugend zurückgedacht – sechzig Jahre zurück also. Man fragt sich, was man mehr bewundern soll: den fälschenden, tollkühnen Draufgänger von damals, den Erinnerungskünstler oder aber einen jungen alten Mann, der mit 82 endlich das aufschrieb, was er vor 60 Jahren tat: Sich selbst zu retten, um Menschen zu retten – und umgekehrt. Vielleicht muss auch Heldentum einmal anders gesehen werden dürfen.

Es gab einmal eine Zeit, in der die studierende Jugend nicht nur unbequem und aufrührerisch, sondern auch witzig und zukunftsweisend war. Heute lesen sich die Weblogs der Linken wie die Mitteilungsblätter der Hobby-Geflügelzüchter und sie denken an nichts anderes mehr mehr als an sich selbst.

Doch es gilt das Gleiche wie 1968: Wir brauchen auch in Zukunft gute Ärzte, Rechtsanwälte und Physiker, und sie werden heute an den Hochschulen ausgebildet.

Hoffen wir, dass wenigstens einige von ihnen Humor haben werden.

Ich weiß nicht, ob sie schon einmal erlebt haben, dass sich die Zeiten um sie herum erheblich veränderten, sie selbst aber kaum etwas davon bemerkten. Natürlich hatten sie davon gehört, dass es jetzt etwas anders zuging, aber sie – sie waren ja nie betroffen. Sie luden weiterhin in gute Lokale ein, tranken anschließend Wein und erlaubten sich erst bei der dritten Begegnung (so hatten sie es schließlich gelernt), darauf aufmerksam zu machen, dass für ein Liebespaar auch das Bett ein geeigneter Platz zum Kennenlernen ist.

Ich muss zu der folgenden Geschichte sagen, dass es nicht meine Art war, mich mit Blind Date Damen gleich abends zu einem großen Essen oder zum Wein zu verabreden, sondern bevorzugte, gegen Nachmittag einen Kaffee mit ihnen zu trinken. Die Praxis zeigt: es ist wesentlich einfacher, sich nach einem Kaffee auf eine unverbindliche Floskel herauszureden als nach einem Drei-Gänge-Menü gefolgt von einer Flasche Champagner.

Lachen sie bitte nicht, liebe Leserin – der Vorschlag, beim ersten Kennenlernen opulent zu speisen, stammt nicht selten vom weiblichen Part des Blinddates, der in solchen Fällen zumeist auch schon Pläne für das Frühstück hat. Aber das wusste ich damals noch nicht. Wie ich schon bemerkte: Ich hatte von jenen merkwürdigen Begebenheiten aus dem Munde Dritter gehört, war aber nie betroffen.

Die junge Frau, mit der ich eines Abends aufgrund einer Zeitungsanzeige telefonierte hatte Charme, war schlagfertig und sprach zumindest keinen peinlich breiten Dialekt. Sie argumentierte, nicht mit mir in ein Café gehen zu wollen, man müsse sich ja doch länger unterhalten – da könne man auch gleich zu Abend essen. Es war, wie sich später zeigte, eine der gängigen Ausreden der Frauen, die Kinder erziehen: Mit ihnen kann man sich fast nur abends nach umfangreichen Vorbereitungen verabreden. Nun, das musste ich ja vielleicht nicht gerade wissen.

Wie auch immer: Für derartige Fälle hatte ich ein Stuttgarter Weinlokal im Sinn, eines, das ein so geheimer Geheimtipp ist, dass Zufallsgäste nicht einmal den Eingang finden. Verabredet war, eine Kleinigkeit zu essen, dann ein Glas Wein zu trinken und dabei ein bisschen zu plauschen, ob und wie es mit uns gehen würde, rein theoretisch, selbstverständlich.

Die Dame erwies sich als ziemlich unpassend für diese Art von Lokal und bei näherem Hinhören als ebenso unpassend für mich, doch versuchte ich, zu tun, was ich für solche Fälle gelernt hatte: Höflich bleiben, den Abend zu Ende bringen, um am Ende zu sagen, dass man die Dame anrufen würde. Doch je später der Abend wurde, um so kuscheliger wurde die Dame, was ja nicht grundsätzlich unangenehm war, denn der Körper der Damen war bei weitem erträglicher als die Konversation mit ihr. Indessen überraschte es mich doch, als sie plötzlich sehr direkt fragte: „Du bist nicht mit mir ausgegangen, um mit mir zu reden, oder?“ Zu jener Zeit traute ich mich noch nicht, eine solche Einladung abzulehnen.

In dieser Nacht bin ich erstmals wieder in einem dieser sozialen Wohngettos gelandet, die ich aus meiner Jugend kannte, und aus denen ich inzwischen erfolgreich entflohen war: Mit raumhohen Versandhausschränken und dem Gefühl, eingesperrt zu sein.

Soweit ich mich erinnern kann, bin ich mit einem Taxi nachts um halb drei vor der Dame geflohen. Seither habe ich beschlossen, trotz sexueller Libertinage mindestens weiterhin bis zum dritten Abend zu warten – und mein eigenes Bett als Ort des Geschehens vorzuschlagen.

Als das Weserwehr noch nach Generatoren roch und kaum ein Kahn über einen eigenen Antrieb verfügte, es aber dafür zwischen den Steinen der Badeanstalt noch Flusskrebse gab, ging der kleine Junge gerne an den Fluss, um die Schiffe zu beobachten: Meist waren es eben jene Schleppkähne, doch hin und wieder gab es durchaus schon einen Passagierdampfer.

Der kleine Junge liebte es, sich an einer Stelle zu postieren, die gegenüber der Schleusenausfahrt an der Unterweser auf der Altstadtseite lag. Teils, weil er in einem Alter war, in dem man noch keine weiten Wege alleine ging, und teils, weil er sich fürchtete, allein über die stählernen Pfade der Brücke zu gehen, die in mehreren Abschnitten über das Wehr und die Schleusen hinüberführte.

Als die Schlepper einmal besonders heftig bugsierten, beobachtete er, dass einer der Schlepper längere Zeit rückwärts fuhr. Er wandte sich an die hinter ihm stehende Gestalt, die sich als ein Herr in mittleren Jahren erwies, und fragte ihn, warum der Schlepper wohl rückwärts fahren würde.

Der Herr indessen hatte offenbar keine große Lust, dem kleinen Jungen etwas zu erklären. Vielleicht dachte er auch an den Krieg, die zerbombte Wohnung oder die Arbeitslosigkeit, aber dergleichen hatte den kleinen Jungen noch nie interessiert. Jedenfalls gab der Herr sich widerborstig und sagte: „Was willst du eigentlich, der Schlepper fährt doch vorwärts“.

In der Tat fuhr der Schlepper nun wieder vorwärts, aber der kleine Junge beharrte darauf, dass der Schlepper doch eben noch rückwärts gefahren sei, und dass er, der Herr, dies doch habe sehen müssen, da er schon lange hinter ihm gestanden hätte.

Der Herr reagierte unwirsch und erklärte lauthals, das könne er ja nun wohl besser beurteilen als ein kleiner Junge, und im Übrigen sage er jetzt zum letzten Mal, dass der Schlepper vorwärts gefahren sei.

Der kleine Junge drehte sich um, sah den Herren verachtungsvoll an und sagte mit fester Stimme: „Und ich sage jetzt zum letzten Mal: Der Schlepper ist rückwärts gefahren“.

Der Herr griff darauf hin zu seinem Spazierstock und murmelte etwas Unverständliches. Doch es war offenkundig, dass er sich über den kleinen Jungen ärgerte.

Der kleine Junge hat diese Geschichte später oft erzählt. Beim ersten Mal war der Mann noch ein „Leut“, und die Geschichte endete mit „und dann hat der Leut sich geärgert“. Ja, und nun erzählt er sie wieder – weil sie so typisch wurde für sein Leben, das zu einem großen Teil darin besteht, das angeblich Selbstverständliche zu bezweifeln.

Als der kleine Junge freilich älter wurde und dann noch etwas älter und schließlich so alt, dass er das alte, nach Eisen, Generatoren und Fischen riechende Weserwehr überlebte, setzte er sich eines Tages mit einem großen Glas Rotwein vor eine weiße Wand und wartete, bis der Schlepper wieder vorbei kam. Doch er sah nur das starre Bild, einer Fotografie gleich, denn der Dampfer wollte sich absolut nicht mehr bewegen.

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen - fast immer sonntags

Manchmal denke ich, ich schreibe mir die Finger wund und werde von kaum jemandem gelesen. Dann wieder bemerke ich, dass ich zwar gelesen werde, aber offenbar nur von einem Publikum, das an Titten interessiert ist – jawohl, Titten, nicht etwa schönen Frauenbrüsten.

Meine ständigen Leser werden bemerkt haben: Ich rede kaum noch über meine meist gelesenen Beiträge. Das liegt in erster Linie daran, dass sich dort kaum noch etwas verändert, es sei denn, dass wieder einmal jemand auf dieser Welt seine private Video-Truhe nicht abschließt und die bösen Buben einen dieser Videos stehlen, auf dem die betreffende Dame zufälligerweise gerade beim Geschlechtsakt zu sehen ist, freundlich in die Kamera lächelnd, selbstverständlich. Was soll man eigentlich während eines Geschlechtsaktes sonst tun?

Neu ist freilich das „Nippelchen-Freilegen-Spiel“. Seit ruchbar wurde, dass es eine Masse an Publicity bringt, machen es Stars und Sternchen scheinbar in Serie. Zwar ist Tara Reid noch nicht in meinen Top-25, doch die Zugriffszahlen auf den Artikel belegen, dass es so lange nicht mehr dauern kann, bis sich dieser dahin vorgearbeitet hat.

Witziger finde ich schon, wenn ausgerechnet eine Modemarke bei mir raketenartig an die Spitze steigt: Wicked Weasel, die Marke für „unartige“ Bikinis, hat so viel schöne Kundinnen, dass die Webseite so langsam davon überquillt. Mann sieht, wie einfach es sein kann, mit sehr wenig Stoff sehr viel Geld zu verdienen. Unartig, aber völlig unerotisch: das „eiskalte Händchen“, eine japanische Erfindung für eine sehr komplizierte Form männlicher Autoerotik. Fragen sie mich nicht, warum es ständig auf einem so guten Platz in der Hitliste steht.

Auch auf der Hitliste, und völlig zu Unrecht, weil ich kaum Text dazu geschrieben habe: ein Verweis auf eine Webseite offenbar betrunkener Däninnen, die sich in Diskos und dort in nicht ganz nüchternem Zustand spärlich bekleidet betont sexy ablichten lassen.

Worüber ich mich wirklich freue, ist ein Artikel, der es derzeit auf die Nummer 25 geschafft hat. Er ist schon ungefähr ein Jahr alt und beschreibt, was einer ehrenamtlichen Helferin wiederfuhr, die es wagte, sich für einen guten Zweck dezent zu entkleiden.

Der gute Zweck freilich wurde dadurch nicht nur erreicht, sondern übererfüllt: Der damaligen Einsatzleiterin der „Grünen Damen“ sei deshalb nachträglich noch Dank, dass sie ihre freiwillige Helferin gefeuert hat. (Mehr auch hier).

Ich werde meine Leser in Zukunft ab und an mit alten und neuen Erzählungen erfreuen – oder vielleicht auch langweilen. Sie bestehen aus mehr Wörtern als der schlichte Satz: „Immer finde ich sie ja nicht, die süßen Seiten des Lebens, aber offenbar haben Fischerinnen mehr Glück“. Sie verweisen auch nicht auf nackte Frauenbrüste. Sie sind weder voyeuristisch noch sensationell, sondern einfach – Erzählungen. Wenn sie wahr sind, schreibe ich meinen Namen darunter, wenn sie erfunden sind, ist auch der Schriftsteller erfunden: Johann Fürchtegott Gramse, den ich seit Jahren als Alter Ego gewählt habe. Ich werde ihnen von Alltagsbegegnungen erzählen, die schon vorbei waren, als sie gerade stattgefunden hatten, von Ereignissen, die kaum jemand wahrnahm und von Gedanken, die heute längst vergessen sind.

Sie lächeln? Nein, ich schreibe weder heimlich Bücher noch Groschenromane. Dazu bin ich noch zu jung.

Das hätte ich doch beinahe vergessen zu erzählen: Der wieseligste aller Kalender ist da, nämlich der „Wicked Weasel 2005 Calendar“, kurz 2005 WW Calendar. Was drin ist, ist genau das, was drauf ist – schöne Frauen in knappen Wicked Weasel Bikinis. Eine Vorschau soll auf dieser Webseite sein, doch fehlten bei meinem Besuch einige Bilder. Tipp für Herren: Der Dame ihres Herzens den Bikini bestellten, den Kalender für sich selbst.

Ich hätte beinahe übersehen, welche Möglichkeiten der oralen Lust es gibt – doch dank eines Hinweises weiß ich jetzt: Erst die orale Doppelbefriedigung schafft die wahre Verzückung, wie man am Gesicht des jungen Mannes deutlich erkennen kann.

Wer mehr Lust sucht, findet sie hier.

Die Doppelbedeutung von „Facial“ lässt sich nicht so leicht übersetzen, und deshalb muss ich in diesem Fall einmal auf den englischen Artikel verweisen.: „Vodaphone gives Girls Facial for Christmas“. Doch auch ohne Doppeldeutigkeit ist die Anzeige nicht sonderlich geschmackvoll: jungen Frauen Schneebälle aufs Auge zu hauen, ist nicht gerade ein Beweis der Liebe.

In Österreich muss man die Kaffeekultur verstehen, wenn man halbwegs wie ein Mensch behandelt werden will, und in Finnland ist es die Schweigekultur, für die man besser einen Lehrgang machen sollte. Wer man in London war, weiß, dass man sich unbeliebt macht, wenn man nicht die landesübliche Wartekultur einhält, und in Frankreich fällt man negativ auf, wenn man so gar keine Esskultur an den Tag legt.

Anders in Deutschland. Hier werden Ausländer bedroht, sie möchten sich bitte schleunigst an die „Deutsche Leitkultur“ halten.

Vielleicht erklären mir die Herren politischen Großsprecherinnen und Großsprecher doch bitte einmal, was denn eine „Leitkultur“ ist (vielleicht im Unterschied zu den Richtlinien zur Hundehaltung), und falls sie dies zustande bringen (woran ich sehr zweifele), dann bitte ich doch noch sehr höflich darum, in Erfahrung zu bringen, was denn wohl eine „deutsche“ Leitkultur ist.

Nur mal so nebenbei: Meine Damen und Herren Intellektuellen, dazu haben sie natürlich wieder nichts zu sagen, nicht wahr? Dachte ich es mir doch.

Beim Unterhalt wird, wie die meisten Geschiedenen wissen, mit Klauen und Zähnen gekämpft. Doch was ist eigentlich, wenn eine ledige Dame ein Kind bekommt, erfolgreich auf Unterhalt klagt und sich dann dennoch alsbald einen neuen Ehehafen ansteuert?

Nun, die Stuttgarter Richter beim Oberlandesgericht waren sich absolut klar, dass der Kindesvater auch dann weiter zahlen muss, doch der Bundesgerichtshof belehrte sie eines Anderen: Die Unterhaltsansprüche lediger Mütter gegenüber dem Kindesvater enden mit ihrer Heirat. Dies berichtete dieser Tage unter anderem der Tagesspiegel.

Für mich bleibt freilich eine Frage offen: Wie viel Unverfrorenheit muss eigentlich eine Frau besitzen, die vom Kindesvater weiterhin Unterhalt fordert, obwohl sie längst in einer anderen Beziehung lebt? Gerichte hin, Gerichte her - unmoralisch ist es allemal, vom Geld eines Mannes zu leben, während man bereits von einem anderen Mann finanziell unterstützt wird – ob man nun verheiratet ist oder nicht.

Ich muss ja nicht alles verstehen, aber ich glaube, dies gelesen zu haben: Frisch geschiedene Frauen wollen vor allem Körper im Bett, während irgendwelche anderen (als möglicherweise nicht die frisch geschiedenen) Männer bevorzugen, die noch nach einem Liter (oder so ähnlich) Weißburgunder aus dem Kulturteil der „FAZ“ zitieren können.

Den Kulturteil der FAZ halte ich, mit Verlaub, für überhaupt nur nach einem Liter Wein erträglich, aber das mag persönliche Gründe haben, weil dieser eine Liter just jene Marke ist, an deren Grenze ich üblicherweise einschlafe.

Ach ja, und noch eines habe ich nicht begriffen: Was passiert eigentlich mit einer Dame, die streichfähig ist? Ist die zum Frischverzehr freigegeben oder für den Papierkorb gedacht?

Nichts für ungut, liebe „Kurier“-Kolumnistin Gabriele Kuhn. Ich frage ja nur.

Ich denke, ich guck nicht richtig. Da gibt es also das Weblog eines „Freizeit Kuriers“ in Österreich, und was bietet dieses Log unter anderem an? Ein Sex-in-der-Freizeit-Weblog. Ein wichtiger Link verweist auf das Verhütungsmuseum, ebenfalls in Österreich. Also schön, liebe Freizeit-Kurier-At-Redakteure, nur eure Auflösung ist unter aller Kanone. Merke: Nicht auf 19-Zöllern entwickeln. Es gibt Menschen, die haben tatsächlich Notebook Computer.

Auch das älteste Thema gelangt noch in die Presse, wenn wieder jemand behauptet, daran geforscht zu haben: der Hass der Menschen auf diese widerlichen Dinger, die man gemeinhin „Computer“ nennt.

Natürlich ist es eine Soziologin, und natürlich hat sie Fragebögen verschickt, und siehe – sie hat ein Ergebnis bekommen: Zwei Drittel der Mitmenschen werden gelegentlich verbal unwirsch gegenüber ihrem Computer.

Der Spiegel frozzelte denn auch, manchmal bedürfe es eben akademischer Sammel- und Forschungswut, um Alltagswissen zu verifizieren.

Wobei mir doch gleich noch dies einfiel: Neulich, in einem Budapester Laden für allerlei Schnickschnack, fand ich einen Heiligen, den man auf den Computer stellen kann. Da ich nicht katholisch bin, kann ich mir die Namen dieser Heiligen nicht merken, aber dies weiß ich noch: Er soll gegen die bösen Kräfte des Absturzes helfen.

Und natürlich hätte mich auch die Frau Sozialwissenschaftlerin erwischt: Ich rede mit meinem Computer bisweilen wie mit einem kranken Pferd. Das nützt freilich nichts. Ich weiß es, und der Computer weiß es auch.

Nein, ganz so vielleicht doch nicht. Doch RTL Kolumnist Gerhard Hofmann wagt den bibischen Vergleich: der bayrische Herr Stoiber, so meint er, haben sein bestes Pferd, nämlich den Herrn Seehofer, für ein Linsengericht verkauft – Pardon, für den faulen Gesundheitskompromiss.

Fragt sich nur, für wie plemplem der Herr Stoiber eigentlich das Wahlvolk hält. Das weiß nämlich genau, dass Herr Seehofer recht hat und dass Herr Stoiber jetzt ganz schön in der Pampe sitzt. Der RTL-Kolumnist brachte die Sache freilich noch auf einen anderen Nenner: Er nannte das Gesundheitsgewusel, dass die CDU/CSU verabschiedete, einen „schwachsinnigen Kompromiss“. Dem wäre nun wirklich nichts hinzuzufügen.

Wie schön, dass die bürgerliche Presse inzwischen den kulturellen Wandel entdeckt hat, der vom Internet ausgeht. Genauer gesagt: von den Kennenlernmöglichkeiten, die sich dort inzwischen ergeben haben.

Die Erfahrungsberichte kann man hier nachlesen, doch möchte ich eines erwähnen: Frauen scheinen zu glauben, dass ihnen die guten Männer ein Leben lang in den Schoß fallen, wenn sie Paarungsbereitschaft zeigen.

Wer Männer über 50 kennt, weiß vor allem dies: Sie haben Erfahrungen und sie suchen Qualität – möglichst bis zum Lebensende. Zwar gibt es die 50-jährigen, die sich auf dem Partnermarkt für eine 25-jährige entscheiden, doch ich kenne wenige, die damit wirklich glücklich wurden: Meist wird die adäquate Partnerin mit passendem Beruf gesucht, und meist soll sie höchstens fünf Jahre Jünger sein.

Für die meisten Männer, die sich spät entscheiden, ist Sex bei weitem nicht so ausschlaggebend, wie Frauen glauben. Der Grund ist einfach: Wer einmal so alt geworden ist, hat nicht nur viele Spielarten der Liebe kennen gelernt, sondern weiß auch, dass Sex keine Lebenserfüllung ist. Der Mann über 50 wählt danach, mit welcher Frau ihm der Rest seines Daseins lebenswert erscheint. Da fallen Kleiderständer, Zicken und heiße Miezen meist aus dem Raster, während selbstbewusste, feminine und zukunftsorientierte Frauen vorgezogen werden.

Viele dieser Männer haben sich bereits einmal, manche auch mehrfach, in Beziehungen die Pfoten verbrannt. Sie suchen deshalb nun Qualität, und zwar das Beste, was am Markt zu haben ist: Neben Zuverlässigkeit, und einem eigenen Einkommen wird meist auch der Wunsch honoriert, gemeinsam noch einmal etwas Neues zu beginnen. Dabei ist den meisten dieser Männer inzwischen hinderlich, wenn die Frau noch Kinder großzieht: Während der 40-jährige vielleicht noch einmal heiratet, um eine zweite Familie zu haben, und deswegen auch vorhandene Kinder gerne in Kauf nimmt, beginnen sie dem über 50-jährigen lästig zu werden: In einem Alter, in dem man vielleicht gerne Enkel hätte, will man keine Teenager aus erster Ehe mehr.

Dies wäre nun alles kaum möglich, wenn diese Männer nicht die Wahl hätten – aber die haben sie nun einmal. Der Partnermarkt regagiert ausgesprochen sensibel auf Über- wie auf Unterangebote, und während Frauen bis etwa 35 mit einem reichlichen Angebot an Männern rechnen können, kommen solche zwischen 35 und 50 nur noch an den Mann, wenn die Persönlichkeitsmerkmale angenommen werden – und über 50 sind es dann die Männer, die sich aussuchen könne, was der Markt hergibt.

Offenbar schadet eine DDR-Vergangenheit manchmal doch. Der Weg hinaus aus der Ideologie ist nämlich nicht allein der Weg hindurch, er ist vielmehr ein Weg, auf dem sich eine freie und demokratische Geisteshaltung erst bilden muss. Leider hinkt dieser Prozess bei vielen Osdeutschen.

In dieses Land wandern viele Menschen ein. Keinesfalls sind sie alle Christen, und sie sind auch nicht alle Muslime. Als sie nach Deutschland kamen, bildeten sie alle, ob sie Italiener, Griechen oder Spanier waren, ihre „Parallelgesellschaften“ – aber damals war eine gewisse Angela Merkel ja in der DDR. Wäre sie in Stuttgart gewesen, sie wüsste es besser.

„Parallelgesellschaften“ entstehen zwangsläufig, wenn eine Gruppe von Menschen in einem anderen Land lebt, zu deren Wohnbevölkerung sie nicht gehört. In Budapest gibt es selbstverständlich eine deutschsprachige „Parallelgesellschaft“, die deswegen aber doch auf dem Boden der dortigen Gesetze steht, und in der deutschen Kirche wird selbstverständlich deutsch gepredigt. Dies alles ist im Ausland ganz normal, und niemand glaubt, dass man daran Schaden nimmt.

Das Problem der Deutschen (und auch Frau Merkels Problem) scheint zu sein, dass sie noch nicht in Europa angekommen sind, ja eigentlich noch nicht einmal in Deutschland. Wer einmal in England war, weiß, dass es dort ganze Straßenzüge gibt, in denen kein Wort Englisch gesprochen wird und in der die englische Kultur völlig unbekannt ist: Diese Straßenzüge werden von Indern und Pakistani beherrscht, während andere Stadtteile ganz in der Hand der Chinesen sind. Ob die Integration dieser „Einwanderer noch nicht gelungen“ ist, interessiert keinen Menschen: Die Stadt stellt Straßenschilder in indischer Sprache auf, damit sich niemand verläuft.

Vielleicht sollten Frau Merkel und ihresgleichen auch einmal nach Südafrika gehen. Ich gebe zu, das ist ein bisschen weit. Aber hier kann man sehen, wie Christen, Juden, Moslems und Hindus zusammenleben – und doch getrennt. Jeder in seiner Parallelgesellschaft und dennoch alle gemeinsam in einem Regenbogenstaat. Dieser Staat zeigt auch deutlich, dass Toleranz eben keine Einbahnstraße ist – wenn man die Kultur von vornherein mehrbahnig anlegt.

Und auch dies mutet merkwürdig an: Deutschsprachige Kultur ist zu einem großen Teil auch deutsch-jüdische Kultur. Früher hat die Christenunion immer noch von den christlich-jüdischen Wurzeln dieses Landes gesprochen: Jetzt sind davon gerade noch einmal die christlich-abendländischen übrig geblieben.

Man könnte auf die Idee kommen, dass es Frau Merkel und all den anderen gar nicht um Kultur geht, sondern darum, eine trutzige deutschchristliche Kampfhaltung an den Tag zu legen. Man wird als Bürger scharf beobachten müssen, was aus dieser Ideologie noch entsteht.

Sehpferd liegt auf der Nase. Irgendein Erkältungsinfekt hat ihn am Dienstag heimgesucht, am Mittwoch sehr beschäftigt und am Donnerstag auf die Bretter gelegt. Da liegt er nun und schreibt nichts. Na ja, fast nichts.

 

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