anstoss

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Ein Voodoo-Puppenhaus hatte uns gerade noch gefehlt, nicht wahr? Jetzt hat jemand eines ins Netz gestellt. Sieht ein bisschen aus wie „I shot Myself“ und andere einschlägige Webseiten, die hauptsächlich mit nackten Schönheiten in verführerischen Posen spielen.

Nur dass diese jungen Frauen keine Schönheiten sind. Do you Voodoo? Dann nichts wie hin. Man sollte ziemlich unempfindlich gegen Fleischmassen sein, wenn man die Seite betritt.

voodoo dollhouse link

© 2004 by hateflesh.com / voodoodollhouse.com

Jane empfiehlt nicht jeden Tag ein Blog. Aber diesmal tut sie es: Eine junge Dame hat sich ein Blog eingerichtet, in dem sie eigene erotische Zeichnungen veröffentlicht.

Sie sind schon sehr erotisch, sodass zuvor das Alter abgefragt wird. Deshalb geht der Link auch nicht direkt auf das Blog, sondern auf die Startseite. Oh, das ganze Blog ist in französischer Sprache – die Bilder natürlich nicht.

Von einer gewissen Elin Grindemyr wird behauptet, sie sei ein Modell. Darüber konnte ich im Internet keine Auskunft finden – internationale Agenturen führen sie jedenfalls nicht, nur hier taucht sie etwas dürftig beschrieben auf.

Doch die Dame ist so schwedisch, dass sie eben gar nichts anderes sein könnte als eben eine Schwedin: ein bisschen zu Blond, ein bisschen zu pausbäckig, ein bisschen zu nichts sagend. Aber Männer scheinen sie zu lieben: Sie sei die „schönste Frau der Welt“, meinte gerade einer der vielen schwedischen Männer, die Bilder von ihr ins Internet stellen. Möglich, dass jenen Herren die zwei hervorstechendsten Argumente für sie besonders gefallen.

Sie war die Schöne des Tages, während andere die Schönen der Nacht waren, deshalb nannte sie die Madame „Belle de Jour“. Inzwischen gibt es ein paar Bloggerinnen, die sich „Belle de Jour“ nennen (für den Namen scheint es keinen Schutz zu geben), und ein Sammler, der sich der weiblichen Schönheit verschrieben hat, sammelt sie, die Schönen des Tages und zeigt uns eine für jeden Tag. Sie sind zu meiner Überraschung sogar überwiegend sehenswert.

via fleshbot

Vor nicht allzu langer Zeit hat ein japanischer Professor die Damen in fünf Kategorien eingeteilt – nach den Schamhaaren. Da fragen wir uns doch: wonach den eigentlich sonst. Der 70-jährige, der sogar ein Buch darüber veröffentlich hat, will auch wissen, dass eine bestimmte Art, das Schamhaar zu tragen, „eine gute Ehefrau am Tag und eine ebenso gute Hure bei Nacht“ geben würde.

Nun hat jemand die Sache aufgegriffen und die Ansichten des Professors humorvoll lächerlich gemacht. Eine Dame, die es auch wissen musste, schreib einmal, dass eine stilvolle Hure die Schamhaare stets in der gleichen Weise pflegen solle wie ihre Kopfhaare – und die sehr sorgfältig. Ich mag hinzufügen: Das sollte vielleicht nicht nur für Huren gelten.

Früher sagten Frauen untereinander gerne, dass „der Type da drüben schon wieder Plüschaugen“ bekommen würde. Sie sagten nicht „den fickgeilen Blick“, obwohl gerade jener gemeint war. So bin ich denn erstaunt, wenn heute eine Frau schreibt, sie sei mit dem „Fick-mich-Blick“ im Gepäck (oder eben doch im Auge?) ausgegangen.

Wahrscheinlich bin ich alt geworden, ich sehe es ja ein. Vor etwa einem Jahr habe ich über die „Hyänen des Chats“ geschrieben, Frauen, die alles abwildern, was ihnen an Männern unter die Zähne kommt. Ich habe (nicht hier, aber anderwärts) daraufhin wütende Proteste bekommen. Mittlerweile erwarte ich solche Proteste nicht mehr: Tigerinnen jagen, Hyäninnen reißen sich um das übrig gebliebene Männermaterial.

Merkwürdig dabei ist dies: Wirklich zukunftsgeeignete Männer scheinen ebenso rar zu sein wie es zukunftsträchtige Frauen sind. Aber der Dschungel, der scheint zu funktionieren.

Bin ich ein „alter Sack“? Möglich. Dann will ich auch eine Geschichte erzählen, die nur „alte Säcke“ erzählen können.

Ich erinnere mich zum Beispiel noch sehr deutlich an eine Zeit, in der man in Deutschland wirklich arm war. Frisches Obst war teuer, und so fuhr mein Vater im Herbst regelmäßig mit dem Fahrrad auf die Apfelchaussee. Nicht, um Äpfel zu pflücken, denn das war verboten – und der Feldschütz wachte eisern darüber. Nein, es ging um Brombeeren, um den Winter über Säfte und Konfitüre zu haben. Meist brachte er doch noch ein paar Äpfel mit – sorgsam unter den Brombeeren versteckt. Häufig brachte er auch noch die begehrten Holunderbeeren, aus denen man einen Saft gegen Fieber kochen konnte.

Ich bin gerade durch eine Gegend, nicht weit von meiner Wohnung gegangen. Die Brombeeren hängen noch an ihren Sträuchern, vertrocknet. Es gab sie dieses Jahr in Massen, doch niemand hat sie gepflückt. Die Apfelbäume hängen prall voll, und die Zwetschgenbäume auch. Noch könnte man sie pflücken, doch wird es niemand tun - das geht nun schon seit Jahren so.

Was ich damit sagen will? Dass es sich die Armen heute offensichtlich leisten können, die Früchte an den Wegesrändern stehen zu lassen.

Ach ja: Fall sie, liebe Leserin oder sie, lieber Leser, meinen, damals sei „alles viel billiger“ gewesen: Ein Pfund Bohnenkaffee, ungemahlen, kostete etwa 12 D-Mark – den Lohn von etwa 10 Stunden Arbeit.

Nun wissen wir alles auch das – Frauen haben Sex mit Männern oft nur aus „Höflichkeit“ – behauptet eine amerikanische Studie. Der Artikel soll in der „Petra“ erschienen sein, die Morgenpost berichtete. Allerdings heißt es darin auch, die Männer täten „es“ oftmals gegen ihre Überzeugung: Auf ihnen laste, so die Studie, das Vorurteil, immer bereit zu sein.

Soll man dies alles nun glauben oder nicht glauben? Klar ist: Es gibt sehr viele Frauen, die den Geschlechtsverkehr bei Begegnungen („Blind Dates“) von vornherein mit einkalkulieren und ihn mit dem Partner auch dann ausüben, wenn er nicht gerade ihr Traummann ist – besonders natürlich dann, wenn der Alkoholpegel schon über der „Tu-es-lieber-nicht-Marke“ steht. Vielleicht gehört sie auch zu den Frauen, die so handeln wie eine ehemalige Bekannte. Sie pflegte zu sagen, dass die Männer es doch so gerne hääten – warum solle sie es dann eigentlich nicht tun? Auch eine Logik.

Bei Männern habe ich den Verdacht, dass die öffentlich breit geredete und grell geprahlte Potenz die aktive lebensnahe Potenz bei weitem übertrifft. Meine Frage an Sexprotze unter den Männern: „wenn ich deine Frau (Verlobte, Freundin) über deine Potenz fragen würde, was würde sie mir wohl sagen“?

Kaum schreibe ich über die Konkurrenz der Sexblogger, da flattert schon eine neue Sexbloggerin ins Haus: "Kitten" weiß offenbar, wovon sie redet, und was erotisch ist, muss sie wohl auch wissen ... sie sagt das zumindest durch die Blume.

Gemeint ist natürlich nicht die sinngemäße Blume, sondern das Bild auf ihrer Webseite.

Ein alter Händlerspruch wird wieder wahr: Konkurrenz belebt das Geschäft. Seit es nämlich recht viele Bloggerinnen und Blogger gibt, deren Tagebücher sexuelle Themen, eigene Sexerlebnisse und erotische Lüste beinhalten, denkt man beim Lesen nicht nur an Sex, sondern auch an Qualität.

Bestes Beispiel: der Schmuddelblogger. Eigentlich schrieb er nie schmuddelig, sondern nur konsequent, aber mir scheint, dass er noch wesentlich besser geworden ist, sei so viele Mitbewerber um die Lesergunst aufgetreten sind.

Wer meint, Erotik sei plakativ, wenn sie öffentlich dargeboten würde, sollte sich die Damen (und Herren, selbstverständlich) der strippenden Branche mal näher ansehen. Im Tanz liegt eben viel Erotik, gleich, ob man (oder frau) sich dabei auszieht oder nicht.

erotischer strip messe weil am rhien

© Bild und Text 2004 by sehpferd
Bild vom 01.10.2004 Erotik-Messe, Weil am Rhein

Erotikmessen haben derzeit reichlich Zulauf – und zu meiner Freude hat sich manches gewandelt. Das Äußere zunächst: Man präsentiert luftiger, übersichtlicher. Man zeigt mehr Kleider, und dort auch bessere Qualitäten. Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind offener und kompetenter geworden.

Die Gäste sodann: Außer den üblichen Gruppen von männlichen Jugendlichen, die mit roten Gesichtern vor allem jene Plätze aufsuchen, an denen Damen gerade ihre intimen Seiten zeigen, gibt es außerordentlich viele weibliche Besucher: Gelegentlich Einzelne, einige zu zweit oder in Gruppen, aber eben auch sehr sehr viele, die ganz deutlich als erotisch ausgerichtetes Paar auftreten: Sie will etwas von der Messe, und er auch. Sie ist nicht „nur mitgegangen“. Ganz offensichtlich nicht.

Dort, bei dem Stand, an dem die Dildoschwemme herrscht, nimmt eine Dame gerade einen Karton in die Hand – sofort ist der Verkäufer da, packt das Gerät (ein großes mit Kaninchenohren) aus und fragt sie, ob er Batterien hineintun soll. Er tut es, sie nimmt das Gerät in die Hand, schaltet es an, und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Entscheiden will sie sich noch nicht. Auch an anderen Ständen werden bereitwillig Batterien in Vibratoren eingelegt, die Funktionsweise genau erläutert. Die Damen kaufen, tragen selbstsicher den eigenen schwarzen oder grünen Beutel mit den Sexklamotten und den Spielsachen.

Chainmail (Kettenhemden) werden viel bestaunt, und nach wie vor Leder und Latex. Gekauft werden aber auch Dessous: Ein ganzer Stand hängt von oben bis unten voll mit Dingen, die man teils auch im Miederwarengeschäft erwerben kann – doch es gibt eben auch die anderen Dinge.

Der Sexfilmhandel, der das Video nun ganz aufgegeben hat und nur noch DVDs verkauft, ist trotz vieler großer Stände schlecht sortiert – aber auch hier hat man Frauen als Kundenkreis erschlossen: „DVDs, die auch Frauen lieben“, heißt es dann, „alle mit echter Handlung“. Diese sind natürlich nicht billig, während der übliche Schund schon ab 5 Euro zu haben ist – Restposten, billig gedreht, unverkäuflich. Wer schon „alles gesehen“ hat, sucht nicht mehr nach Sensationen, sondern nach Qualität. Da übersehen die Damen einfach mal, dass auf dem Bildschirm ein Video mit einer der üblichen Spermaorgien läuft. Frau genießt, was sie will, und sieht weg, wo sie früher empört gewesen wäre.

Was wäre eine Erotikmesse ohne die Show? Auch hier hat sich die Qualität deutlich gebessert. Frauen und Männer stehen am Rand der Bühne, und immer mehr Frauen bringen auch ihre Digitalkameras mit. Die Damen auf der Bühne sind schön, gut geschminkt und frisiert und verstehen es, sich in Pose zu setzen – nichts Ordinäres, eine Show eben. Man kann immer wieder feststellen, dass auch Frauen sinnliche Augen bekommen, wenn sie sehen, wie sich die Stripperinnen auf der Bühne bewegen – schön ist eben schön – das ist bei einer Frau nicht anders als bei einem Gemälde.

Doch die Augen sollen noch größer werden: beim Men-Strip. Die Männer mit gut gebauten Körpern und sind nicht übertrieben muskulös, aber dafür ihrer Erscheinung sehr bewusst, wissen genau, dass sie vor allem für das weibliche Publikum tanzen, gehen nahe an die lüsternen blauen und grünen Augen heran, zeigen das, was noch schicklich ist in der Öffentlichkeit. Der strippende Herr lächelt, die Damen lächeln zurück. Nein, hier gibt es keinen Hühnerstall, kein hysterisches Kreischen. Wir sind auf einer Erotikmesse – da applaudiert Frau und Mann gepflegt.

sexmesse weil zusammenfassung

© Bild und Text 2004 by sehpferd

Ich ahnte, dass irgendwann die Sexstimulation vermittels USB-Anschluss im Dialog kommen würde. Es ist aber offenbar sehr schwer zu vermitteln, was da geschieht, denn ruft man die Seite des Vertreibers auf, wird automatisch übersetzt: Jabberwoky, nämlich genau dieses:

Cybersex ist schließlich hier! Das Sinulator ist ein drahtloses Geschlechtspielzeug, das über dem Internet durch jedermann mit einem Internet-Anschluß kontrolliert sein kann. Zu verwenden bringt in Minuten an und ist einfach. Jedermann kann es tun! It's Radioapparat also Sie können in Bett, auf die Couch oder gerade ungefähr überall legen! Telefongeschlecht und -schwätzchen sind nie dieselben!

Aller, den Sie benötigen, ist ein Computer, der Windows (98, 2000, XP) und einen Internet-Anschluß laufen läßt. Kein Netznocken erfordert, aber, wenn you've erhielt ein... WIMMERN!

Sobald you've einstellte, kann es herauf Sie ließ sofort jedermann Sie Steuerung wünschen Ihr Spielzeug! Alles, das sie tun müssen, soll sinulate.com besuchen und das spitzname eintragen Sie zur Verfügung stellten, als Sie Ihr Sinulator anbrachten.

Die Person, die das Spielzeug steuert, kann von allem so tun, das ein web browser einschließlich PC, Mac, WebTV, Palme, Flughafen Kiosk, UNIX, Linux, die neueren Spielkonsolen und einige Netztelefone laufen lassen kann.


© by The Uebesetzungstool das gebrauchte ist von Sinulator

Früher, da gab es ein „Notopfer Berlin“, ein Portozuschlag von 2 Pfennigen für jeden Brief, der damals (so weit ich mich erinnere) 20 Pfennige kostete, von den unsäglichen Slogans gar nicht zu reden: „Kaufst du was, denk an Berlin!“

Ich fühle mich daran erinnert, wenn ich die Brüderle-Kampagne ansehe. Nichts gegen den launigen, allzeit optimistischen Liberalen Politiker – aber etwas gegen den lächerlichen Populismus, den ich ihm eigentlich nicht zugetraut hätte.

Brüderle also will ein „Notopfer Handel“, das er „Notpaket“ nennt. Das interessante dabei: Vom Einzelhandel bräuchten nach seiner Meinung überhaupt keine Signale zu kommen, alles muss vom Staat kommen.

Diese Meinung kommt verdächtig nahe an die Ansichten der linken und rechten Hartz-IV-Gegner heran: Staat muss leisten, Gesellschaft soll leisten und der Einzelne könnte vielleicht auch etwas leisten, wenn er höflichst darum gebeten werden sollte.

Was Brüderle will, ist kaum plausibel. Zwar stimme ich mit ihm überein, dass der Ladenschluß flexibler werden muss – ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: er muss ganz aufgehoben werden, außer an den hohen Feiertagen der Christen, Juden und Muslime sowie am Staatsfeiertag. Nur: Das bringt kurzfristig nichts, sondern bestenfalls mittelfristig.

Zum zweiten will er, dass Staatsschecks aus Steuersenkungen im Vorfeld an die Bürger ausgehändigt werden – und zwar solche, die man beim Krämer einlösen kann. In den USA, so will er wissen, habe dies ein Konsumwunder bewirkt. Deutsche, da bin ich sicher, würden dies Schecks zur Bank tragen und über die Behörden fluchen, die ihnen dies zumuten. Ich im Übrigen auch.

Na, und dann will er das Dosenpfand natürlich abschaffen. Wieso das zu einer Belebung des Handels führen soll, wird er nur selber wissen – oder andere Hintergründe für seine Forderung haben.

Nein, nein, der Handel muss nichts tun - wo kämen wir denn da hin, wenn sich der Handel in Deutschland auch noch um Kunden bemühen müsste? Ich höre schon die Händler wettern: „Also, so weit kommt es noch, dass sich der Handel dem Kunden anpassen muss und nicht der Kunde dem Handel (hier können Sie selbstverständlich noch einige Ver.di-Sprüche einfügen)“. Tja, wenn wir mal so weit kämen – dann wäre Deutschland wieder ein Einkaufsparadies, und zwar sehr, sehr schnell.

Kiki de Montparnasse, bürgerlich Alice Prin, lebte und arbeitete in Paris – in „ihrem“ Paris. Sie wird gerne als Malermodell, Schauspielerin und Sängerin beschrieben, doch gelebt hat sie von ihrer Fähigkeit, Männer zu faszinieren – darunter berühmte Namen wie Hemingway, Kisling, Foujita, Cocteau und nicht zuletzt Man Ray. Vor allem letzterer verhalf ihr zu ewigem Ruhm: Seine Bilder von Kiki, unter ihnen die berühmten Solarisationen, werden heute noch in jedem Plakatshop gehandelt.

Von Kindheit an gewohnt, die einfachen Dinge auch einfach zu sehen, lebte sie in den Tag: Was sie brauche, so sagte sie, seien ein paar Zwiebeln, Brot und Rotwein – und sie würde jeden Tag jemanden finden, der ihr das bieten könne. Kein Wunder: Ihre Schule des Lebens war das Leben – die Schule der Bürgerkinder hat sie ganze zwei Jahre besucht.

Die Faszination, die von ihr ausging, ist durch Fotos kaum zu erklären: Man Ray hat sie in seinen berühmten Bildern immer etwas idealisiert - doch auf den eher etwas privaten Bildern sehen wir eine leicht ordinär wirkende Frau, die man kaum als Schönheit ansehen würde.

Nur wenige wissen, dass sie auch selbst gemalt hat: Naive Malerei, würde man wohl sagen. Kiki ist als Malerin und als Modell in dieser Galerie zu sehen.

Viel mehr Informationen und vor allem zahllose Fotos aus ihrem Leben und dem Leben der Künstlerkolonie in Paris sind in diesem Buch zu finden.

Stundelang durch Harrods in London schlendern, die Blicke mal auf die schönen Gegenstände gerichtet, die liebevoll aufgeräumt in den Regalen glitzern, das andere mal und eher verstohlene Blicke auf die schönen Prinzessinnen aus Arabien werfen – das ist für mich ein Teil des Lebens, den ich nicht missen will.

Es muss nicht London sein. In Stuttgart lädt das Kaufhaus Breuninger ein, das heute auch längst zum Warenhaus mutiert ist: Mit einem Pianisten im Foyer und einem Mineralbad auf dem Dach, in Kopenhagen ist es Illums, das fasziniert, nicht nur wegen des Wienerbrots, das ich dort regelmäßig im Restaurant esse, und selbst in Helsinki geht kein Weg an Stockmanns vorbei – meist mit einem Blick in die inzwischen integrierte „akademische Buchhandlung“.

Freilich – es gibt sie auch, die grauen Häuser mit miefiger Luft, zu engen Gängen, unfreundlichem Verkaufspersonal und lieblos voll gestellten Regalen. Durchschnittliche Waren, durchschnittliche Preise, durchschnittlicher Service. Kein Wunder, wenn diese Häuser untergehen. Die Eigentümer haben nichts Besseres verdient – das Personal allerdings schon.

Sie wohnte nicht weit von meinem gegenwärtigen Wohnort: Von hier ist es ein Katzensprung nach Steinen. Aber eigentlich gilt sie als Baslerin, Schweizerin, Weltbürgerin: Meret Oppenheim. Am bekanntesten wurde sie durch die Tasse und Untertasse mit Pelzbesatz, am schönsten ist sie auf einem Foto von Man Ray, und in der Stadt Steinen ist sie seit Jahrzehnten ein Zankapfel.

Mal Hand aufs Herz – wer kennt Meret Oppenheim?

Wer sie kennt, mag vielleicht meine Frage beantworten: Wie beurteilen meine Leser die Bedeutung von Künstlerinnen und Künstlern, die eher ein bescheidenes Lebenswerk hinerließen, aber große Bedeutung für ihre Zeit hatten?

Ich bin auf diese Frage anlässlich meines Beitrags über Yoko Ono gekommen.

Die Seite, auf die ich verweise, ist etwas lokalpatriotisch, aber Steinen ist ja nun auch eine sehr kleine Stadt. Als Hintergrundinformation muss man noch wissen, dass dort vor einiger Zeit ein ekelhafter Provinzlerstreit um Frau Oppenheim tobte – so dumm, volkstümelnd und letztendlich deutsch, dass man sich schämen muss, in der Region um Steinen zu leben. Ich habe (am Rande) davon geschrieben.

Yoko Ono gerät gerade in die Schlagzeilen der britischen Presse: Der Grund ist eine Arbeit zum Thema „Meine Mutter war so schön“. Dabei zeigt die 71-jährige Künstlerin den nackten weiblichen Schoß ebenso sowie schöne, frauliche Brüste.

Zu sehen ist es überall in der Stadt Liverpool, vor allem aber auf dem „John Lennon Flughafen“. Dumm fragenden Journalisten verpasst sie schon mal die richtige Antwort. „Wer ist die Frau auf dem Bild?“ fragte sie ein britischer Berichterstatter, und Yoko antwortete: „Es ist deine Mutter“.

Diese Antwort hatte Chris Brown von der Daily Post nun allerdings nicht erwartet. Er muckt denn auch auf, dass „der Preis für die Publicity (für Liverpool) für manche viel zu hoch sei“. Na denn – nackte Brüste müssen ja schrecklich gefährlich sein.

Wie Fleshbot berichtete, soll der US-amerikanische „Playboy“ diese Woche ein Interview mit Rachel Perry veröffentlicht haben – gesehen oder gelesen habe ich davon noch nichts. Freilich ist die Dame sehr schön, sodass man sie auch schon recht freizügig sehen konnte, zum Beispiel im Maxim. Dort gibt es vier Freifotos – die restlichen Dreizehn sind für Mitglieder reserviert.

Auch Stuff zeigt die Moderatorin einer Fernsehsendung („All Access“) leicht bekleidet. Wer die bei Fleshbot erwähnten kleinen Vögelchen sucht, die sich auf der Haut der Schönheit tummeln sollen, muss lange suchen. Doch hier wird er fündig – sie stürzen auf ihr Nest zu, wie es scheint.

Am Anfang habe ich gelächelt, dann wollte ich eine Satire schreiben und jetzt platzt mir einfach die Hutschnur: Die Interviews der grünen Abgeordneten Antje Vollmer, ihres Zeichens sogar Bundestagsvizepräsidentin, kam einer Lobbyistenveranstaltung für die deutsche Musikbranche verdächtig nahe. Wer sich so tief herablässt, muss sich einiges gefallen lassen: Schnulzen-Antje outete sich sogar noch als Zuschauerin von „Deutschland sucht den Superstar“. „Superschtar“ soll sie gesagt haben. Nun ja, nicht jeder hat sprachliche Kompetenz.

Wie man denn überhaupt dies sagen muss: Natürlich gehört die Popmusik irgendwie zur Kultur, aber sie gehört eben in erster Linie zur Wirtschaft: Den so genannten „Künstlern“ dort geht es nämlich nicht eben schlecht – wesentlich besser als jungen Dichtern, Malern und Bildhauern zusammengenommen. Was bitte maßen sich diese elendiglichen Wichtigtuer eigentlich an? Wollen sie uns etwa erzählen, sie hätten irgendein Kulturerbe im Sack, dass für die Ewigkeit erhaltenswert wäre? Welche künstlerischen Werte bringen sie überhaupt hervor, und vor allem: Wie lange halten Schnulzen eigentlich? Tage? Wochen? Nur einige wenige Schlager erleben doch das nächste Jahr, und „Evergreens“ gibt es ganz wenige. Doch auch, wenn sie halten, die Schlager und Schnulzen, so bleiben sie eben doch zumeist nur Trällerlliedchen für den Tagesgebrauch: Ex-und Hopp-Musik.

Zudem: Die Franzosen haben eine Chansonkultur, die Skandinavier lieben ihre singenden Kleingruppen, und die Südländer haben außer Touristenfolklore auch noch häufig eine echte innere Verbindung zum eigenen Liedgut. Doch was haben die Deutschen? Irgendwie mal gehört, dass Herr Lindenberg eine Verbindung zum deutschen Volkslied hat? Das ist längst durch die lästigen Volksliedersendungen im Fernsehen zu Kitschschlagern verkommen.

Wenn die deutschen Musikerinnen, Musiker, Sängerinnen und Sänger meinen, nicht anzukommen, sollen sie doch bitte Undergroundlabels gründen, Internetradios eröffnen, sich um Sendelizenzen bemühen oder gar einen digitalen Fernsehkanal mieten: Einige von denen, die da so laut nach Quoten geschrien haben, besitzen doch wohl die nötige Kohle, um das Risikokapital beizusteuern.

Das machen sie natürlich nicht. Würde ja Aufwand bedeuten. Müsste man ja auch mal die Wahrheit gelten lassen. Da ist es schon besser, den Gesetzgeber zu bedrängen. Was ich dazu zu sagen habe: Pfui Teufel, Deutschquotenmusiker - ihr seid auf dem besten Wege, ein Kulturärgernis zu werden.

Dazu gelesen: Tagesspiegel.

Neulich habe ich einmal sehr intensiv zugehört – als es um Gymnasien ging. Genauer gesagt, um den Mathematik-, Physik- und Chemieunterricht an denselben. Ich darf zunächst versichern, dass alle anwesenden tätige Experten waren (außer mir).

Verblüffend: Es gibt offenbar keine Menschen mehr, die naturwissenschaftliche Fächer unterrichten wollen. Man müsse, so die Aussage, sie nun von überall holen: Menschen ohne pädagogische Ausbildung, oft solche, die anderwärts gescheitert seien. Nichts gegen das Scheitern – jeder verdient eine zweite Chance. Aber warum, bitte, sorgen Staat und Gesellschaft nicht wenigstens dafür, dass unsere Schulen die besten Voraussetzungen für zukünftige Naturwissenschaftler und Ingenieure schaffen? Davon lebt Deutschland schließlich.

Szenenwechsel: Eine etwas ältere Diskussion, Gymnasiallehrer. Norbert Wiener? Unbekannt Konrad Zuse? Unbekannt. Kybernetik? Unbekannt. Sogar Paul Watzlawick war weitgehend unbekannt, doch dann erinnerte sich jemand, dass der doch dieses witzige „positive Ermunterungsbuch“ geschrieben hat. Ja, hat er. Aber eben auch „Menschliche Kommunikation“.

Wird das Gymnasium eine Vergeistigungsschule? Ach ja, wir sind ja das „Volk der Dichter und Denker“. Die sehen wir dann nach dem Absolvieren des humanistischen Gymnasiums und eines ausgedehnten Studiums als Taxifahrer wieder. Nein, nicht alle – aber viel zu viele.

Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen, als die Kulturpäpste bei weitem selbstherrlicher Waren als sie es heute sind: Musik wurde scharf getrennt in E-Musik („Ernste Musik“, gewöhnlich auch als „klassische Musik“ bezeichnet (auch dann, wenn sie gar nicht klassisch war) und U-Musik (Unterhaltungsmusik), gewöhnlich als „Schlager“ bezeichnet, was auch nicht ganz zutrifft. Dazwischen tummelten sich irgendwo die Jazz-, Blues-, Folk- und sonstigen Musikliebhaber, die dem U-Sektor zugeschlagen wurden.

Kultur? Na ja. Vom hochberühmten Mozart wissen wir, dass er für ein fragwürdiges Amüsiertheater geschrieben hat, und Verdis Arien waren einst typische Gassenhauer. Als der Jazz aufkam, wurde er erst verdammt und dann glorifiziert – beides war ein bisschen daneben, denn ursprünglich war alles nur auf „jagend“ gespielter Instrumenten-Ragtime, „Chass“ eben. Erst die Schallplattenbranche brachte das neue „allamerikanische“ Produkt unter dem Markennahmen „Jazz“ heraus. Den Beboppern hing zuletzt zum Hals heraus, was die Musikbranche daraus gemacht hatte: Swing, und sie führten alles wieder ein bisschen zurück. Seither hat Jazz Kultstatus – vor allem in Japan und Europa. In den USA müssen selbst Spitzenjazzer ihren Lebensunterhalt als Barpianisten bestreiten.

Kultur? Das Kind von Cowboyschnulzen und Boogie, Rockmusik genannt, wurde zunächst von allen bekämpft, dann aber begann sein beispielloser Siegeszug: Die neue Weltmusik „Rock“ löste die alte Weltmusik „Jazz“ ab. Rock wurde Kult, und Kult wurde Kultur. Mittlerweile ist wirklich etwas dran: Rockmusiker komponieren, texten und interpretieren. Das verdient den Namen „Kultur“ dann schon.

Apropos verdienen: Bei der Diskussion um die „Quoten“ für deutsche Schlager (ja, was sind sie denn sonst?) haben sich lauter Interpreten in die Frontlinien gestellt. Die verdienen aber (vor allem am Anfang ihrer Karrieren) kaum Geld. Richtig verdient wird bei den Produzenten und Vertreibern, und recht gut stehen auch die Komponisten und Texter da.

Quoten für Schlager? Sie würden dazu führen, dass noch mehr miserable Schnulzen erzeugt würden: Die könnten professionelle Texter und Komponisten kurzfristig in Massen produzieren, und siehe: diese würden damit kräftig absahnen. Hatten wir schon einmal, bei der „Conny und Peter“-Welle: von „Ich möchte’ mit dir träu-äu-men …“ bis zum "Schugger-Schugger-baibieh“ … na ja. Vielleicht gehört das inzwischen auch zur Kultur.

Communityübergreifende Kommunikation soll gelegentlich Früchte tragen: Jedenfalls scheinen fry und fragmente hoch zufrieden mit dem zu sein, was sie voneinander erfahren haben: Herr Fry, besser als Schmuddelblogger bekannt, soll jedenfalls die nackte Brust von Frau Fragmente gesehen haben. (Zitat: „Frau Fragmente hat klasse Titten“).

Wie man unschwer bemerkt, zahlt es sich aus, ab und zu auf einem Berliner Hinterhof seine Brüste zu zeigen. Oder habe ich alles falsch verstanden?

Ich gehe davon aus, dass Damen über die Möglichkeit, Busen, Brezen und Bierkrüge gleichzusetzen und noch hinzuzufügen, dass diese nun alle "Dinge zum Anfassen" wären, nicht begeistert sein könnten.

So schreibe ich denn vorsichtshalber, dass diese Aussagen nicht meiner Feder entstammen, sondern jener der offensichtlich norddeutschen Kolumnistin der WELT, Kristin Rübesamen. Getitelt hat sie dann aber vorsichtshalber doch: "Nur gucken, nicht anfassen". Diesmal war der Busen gemeint, nicht die Brezen und auch nicht die Bierkrüge.

Dass es freilich auch mit dem Hingucken so eine Sache ist, wusste die BILD-Zeitung, und nun beginnt das Weltbild der Hingucker doch zu schwanken: BILD warnt nämlich nach einem Hinweis der Polizei vor der Busen-Bande. Die macht das, was sie tut, nur mit dem Busen und ohne Brezen und Bierkrug, dafür aber mit drei A’s: Anmachen, abknutschen und abkassieren, wobei für die ersten beiden Begriffe Damen im Einsatz sind, während der Letztere von Herren mit flinken Händen besetzt wird.

Mit anderen Worten: Ist der biergedünstete Kopf einmal zwischen die Brüste geklemmt, wird das Bargeld den Hosentaschen entnommen – oder so ähnlich. BILD meinte jedenfalls, einer der alkoholumwehten Herren Opfer sei in der „Reiterstellung“ abgeknutscht worden und zeigt auch Bilder davon – aufgenommen mit der Überwachungskamera des Bierzeltes, hinter dem es passiert ist.

Fragt sich nur, wie die Busenbeklau-Nachricht (via Nerve) ins SantaBanta kommt.

Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog ... so beginnt das 11-Punkte „Blogma“ dieses Bloggers, und er fährt fort „ein Blog ist weder die Klagemauer, noch eine U-Bahn, noch eine Markthalle, sondern in erster Linie ein Internet-Gedanken-Post-It* seines Schöpfers und Betreibers. Nicht mehr und nicht weniger“.

Besonders interessant fand ich Punkt 6 des Manifests – denn mag ein Blog auch ein Blog sein und eben keine U-Bahn, so ist eine Community eben keine Community – sondern eine eher zufällige Zusammenstellung von Menschen, die sich für einen Blogbetreiber entschieden haben.

Was mir ständig im Kopf herumgeht: Wenn man die Kräfte, die von Blogs ausgehen, ein bisschen mehr bündeln würde – welche Energie würde dann frei werden? Ich denke, wir könnten ganze Bereiche des Webs in helles Flutlicht tauchen, wenn wir alle ein bisschen mehr zusammenarbeiten würden – Wikipedia macht es vor.

Wie auch immer - diesen Beitrag muss man lesen - und dies nicht nur wegen der elf Punkte, von denen sogar ich mindestens vier Fünftel akzeptieren kann. (Ich erwarte nicht, dass jeder nun im Geiste vier Fünftel von elf errechnet).

* By the way: "post-It" sind diese kleinen gelben Zettelchen, die vergessliche Leute an ihren Bildschirm kleben.

Manchmal habe ich die Vermutung, Menschen hinterlassen Kommentare auf meiner Webseite, damit ich sie wahrnehmen soll. Dieser hier schläft sich, wie es scheint, so durchs Leben und scheint Blut zu lieben.

Doch mit manchen anderer Vorlieben hat er es, wie es scheint, nicht so: er sieht den Damenwäscheträger auf 20six als „krank“ an und will auch nichts von der „Strengen Lady Sandra“ (ebenfalls auf 20six) wissen, die er traurig findet, auch wenn sie noch gar nichts gepostet hat.

Na ja, vielleicht findet er sich noch? Soll ja lange Dauern, so ein Prozess.

Der Mann, der 1000 Huren hatte, schreibt – nicht irgendwo, sondern im „Guardian“. Sein erstes Mal? Mit einer Hure, natürlich. Zwanzig Pfund hat sie gekostet – damals viel Geld, denn immerhin war der heute 41-jährige Hurenliebhaber damals gerade 16.

Seither schlief er „mit allen Nationalitäten in jeder Position in aller Herren Länder“ – vom Fleischmarkt (15 GBP) bis zur Klassedame (1000 GBP), und als Durchschnittspreis rechnete er 100 Pfund – eine ganz nette Summe kommt da bei 1000 Begegnungen zusammen. Das Geld reue ihn nicht – Sex sei doch das Schönste und Natürlichste, was man für Geld kaufen könne.

Der Mann schreibt, er bedauere nichts – Huren seien seine Passion. Ja, und illegal sollte es bleiben, das Geschäft – sonst müssten die Damen Steuern bezahlen, und das sei gar nicht gut: Durch das Steuersystem, so meinte er, würden mehr Menschen zu Lügnern als durch die Prostitution.

Man sollte gar nicht mehr darüber berichten: Die Szenerie ist langsam zum Abgähnen. Als ob einmal nicht genug wäre, wird also der Hotelerbin Paris Hilton erneut ein Video gestohlen, vielleicht auch eine ganze Reihe von Videos – wir wissen es nicht.

Allerdings wissen wir so viel: Paris Hilton lässt sich reichlich oft in Situationen filmen, in denen andere Menschen sehr selten gefilmt werden, und bei ihr wird reichlich viel Videomaterial gemaust. Was schließen wir daraus? Die Dame ist leichtsinnig. Bliebe vielleicht noch zu fragen, warum sich so viele Menschen für eine Frau interessieren, die offenbar nicht viel mehre im Kopf hat als Partys und "Fun".

Wofür sich eine Bundestagsvizepräsidentin alles hergibt, durften wir heute aus dem SPIEGEL erfahren: Antje Vollmer will die deutsche Musikindustrie mit staatlicher Gewalt in die Medien zurückpuschen und scheut dabei auch vor einem Vokabular nicht zurück, das an die Adenauer-Ära erinnert: Den Sendern, die sich nicht an die von ihr vorgeschlagenen nationalen Quoten halten, sollen Sanktionen bis hin zum „Entzug der Sendelizenz“ drohen. Schön, dass Frau Vollmer einmal ihr wahres Gesicht zeigt. So sieht sie also aus, die Freiheit der Grünen. Die TAZ titelte inzwischen schon gegen Grün: „Die Quote des Grauens“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Der Kulturausschuss des deutschen Bundestages wird sich heute mit einem Thema beschäftigen, dass wieder einmal so überflüssig wie ein Kropf ist und so deutsch, dass einem die Haare zu Berge stehen: Deutsche sollen mehr Deutsche Musik zu hören bekommen – man erwägt, die Sender zu einem Quotensystem zu verdonnern. Hintergrund: Die deutschen Musikproduzenten maulen, weil sie nicht genug vom Gema-Kuchen absahnen können und wollen praktisch ein Gesetz zum Schutz der einheimischen Schnulzenkultur, und, zugegebenermaßen auch einiger kleiner deutscher Musikproduktionen.

Die „Badische Zeitung“ bringt dazu „pro“ und „kontra“ – und einen Hinweis: In Frankreich sei das auch so, und alle seinen nichts als glücklich darüber. Wie schön für die Franzosen. Aber das Gesetz stammt aus dem Jahre 1986. Damals gab es Musik weder aus dem Internet noch aus der Satellitenschüssel, und auch die Musiksender im Fernsehen waren noch lange nicht so populär wie heute.

Ein Gesetz für die paar Verbliebenen, die FM im Autoradio hören? Die spinnen ja, die Deutschen.

Gelegentlich erhalte ich spöttische, ab und an auch aggressive Bemerkungen über die Beurteilung von Weblogs: Wer gibt Ihnen, Herr Sehpferd, eigentlich das Recht, darüber zu urteilen?

Nun, es gehört zunächst zum Leben des Erwachsenen dazu, zu urteilen: Viele meiner Leser werden dies wissen, da sie ständig beruflich etwas beurteilen müssen. Dazu muss man nicht Journalist oder Finanzchef sein, es reicht völlig, irgendwo an einer Hotline zu sitzen.

Die Lebenserfahrung sagt uns, dass wir auch dann ständig beurteilt werden, wenn wir nichts davon erfahren. Mancher hat dies schon schmerzlich erlebt, wenn ihm nach langer Zeit von seinem Team oder seinem Partner der Spiegel vorgehalten wird: Siehe, ich sehe dich ganz anders als du glaubst, dass ich dich sehe. Das ist umso bitterer, je verblendeter man zuvor war. Man kann nur raten, sich vor allem vor falschen Freunden zu schützen: Gegner sind in der Regel ehrlicher.

Diejenigen, die ein Urteil über sich lesen, sollten also froh sein. Sie erfahren dann etwas, was man ihnen sonst vielleicht vorenthalten hätte. Weblogs beurteilen? Selbstverständlich. Schließlich beurteilt die schreibende Zunft auch die Politik, die Literatur und gelegentlich sogar andere Presseerzeugnisse.

Da lese ich doch in „Nerve“ einen angeblich nagelneuen Artikel, der auf „Ananova“ verweist und schließlich lande ich auf der deutschen Webseite von Kader Loth.

So berühmt kann man also werden, wenn man sich so weit erniedrigt in Kuhmist getaucht zu werden und sich von Ziegen lecken zu lassen, doch Frau Loth relativiert: „Wenn einen Ziegen ablecken, ist das nicht fein. Aber entscheidend ist, wo einen die Ziegen ablecken.“

Aha. Darauf kommt es also an. Nun ja, Ziegen sollen ja raue Zungen haben, da kann man sich schon vorstellen, dass dergleichen nicht überall angenehm ist. Die Geschichte, die heute in „Nerve“ steht, ist im Übrigen uralt – sie datiert vom 19. Juli 2004. da soll sich ein Tierschützer-Präsident namens Wolfgang Apel zur Ziege geäußert haben – in der BILD-Zeitung natürlich, wo sonst sollte man sich schließlich auch zu Ziegen äußern.

Frau Loth hat im Übrigen eine Webseite mit sehr schönen Fotos von ihr – vielleicht sollte man sie deswegen einmal besuchen. Nicht wegen der Ziege.

In meiner Jugend saß in der nämlichen Bar, in der ich mich damals viel zu häufig aufhielt, eine Dame, die auf den schönen Namen „Buschbaby“ hörte – wie sie wirklich hieß, ist mir entfallen. Sie wurde wohl so genannt, weil sie große, dunkle Augen hatte, die mich dann gleich wieder an die Lemuren erinnerten, sodass ich mich genötigt fühlte, über Sex und Lemuren zu schreiben.

Ermahnt, dass ich eigentlich Haustiercontent hervorbringen sollte, wurde ich gewahr, dass die einzigen Haustiere, die lange Zeit eine meiner Wohnungen beherrschten, Lebensmittelmotten waren. Da diese Tiere sehr lästig sind, besonders, wenn sie in Massen auftreten, fasste ich den kühnen Entschluss, sie in Sexfallen zu locken und sie dort kläglich verenden zu lassen.

Es waren nicht sieben auf einen Streich, sondern mindestens deren vier Dutzend.

Die Moral: Eine übersteigerte sexuelle Begierde kann dazu führen, dass man am blindlings in eine Liebesfalle tappt – und das soll nicht nur für Lebensmittelmotten gelten.

Österreicher haben es gut: Sie können sich eine spärlich bekleidete einheimische Jungbäuerin an die Wand hängen – und bei Bedarf auch einen Jungbauern. Denn auch 2005 gibt es ihn wieder, den Jungbauernkalender, der immer nur Jungbauernkalender heißt, auch wenn sich drinnen die Bäurinnen knapp geschürzt zeigen – dann heißt er eben „Girls Edition“. Für die Girls gibt es praktischerweise eine „Men Edition“ und zu haben ist er, wie immer von Jungbauern.at. Fotografiert hat diesmal Elfie Semotan, und der „Standard“ veröffentlichte gar ein Video zum Thema.

Übrigens kann man sich die Damen und Herren auch außerhalb Österreichs an die Wand hängen – Naturschönheiten sind eben oft sinnlicher als marzipanschweinchenrosa gefärbte Profimodelle.

Der Kalender 2004 wurde von Sehpferd hier besprochen.

Nachdem bereits der Playboy seine Nachwuchsschönheiten immer häufiger in der Provinz rekrutiert, hat nun auch das Magazin Matador zugeschlagen und seine Nacktschönheit aus Oberelchingen geholt.

Die schöne junge Frau vom Lande entkleidete sich für das Magazin buchstäblich bis auf die Haut - immerhin schon in der Ausgabe Juli/August. Die Lokalpresse hat es allerdings jetzt erst bemerkt und bringt das schöne Landeskind jetzt noch einmal groß heraus.

Wer Ihre Schönheit bewundern wollte, war hier einmal gut aufgehoben. Jetzt ist's ein toter Link.

Mit Magazin-Frauen ist es wie mit Äpfeln: Wenn alle perfekt aussehen, haben sie meist keinen charakteristischen Geschmack mehr. Diese „Hometown Hotties“ sehen alle perfekt aus – angezogen und moderat entkleidet – man wird doch nicht etwa Nippel zeigen? Nein, zeigt man nicht. Natürlich nicht.

Nicht mehr als sechs Dildos dürfen Frauen im amerikanischen Bundesstaat Texas besitzen, während der Besitz von mehr als sechs Gewehren legal ist. Die amerikanische Kolumnistin Ailee Slater greift damit den Fall der 43-jährigen Joanne Webb auf, deren Vergehen darin bestand, Dildos auf Damenparties zu verkaufen – zwei davon verkaufte sie an Undercover-Drogenfahnder, die sie dann schnell vor den Kadi brachten.

Es scheint, so der Tenor des Artikels, als ob die Texaner ihren Frauen immer noch keine eigenständige Sexualität zubilligen würden: Sexuelles Vergnügen sei für Männer da, und Frauen seien eben Subjekte männlicher Lust – jedenfalls in Texas.

Noch ist es ja nicht Dezember, und schon gar nicht Bundestagswahl, aber die „Berliner Zeitung“ will erfahren haben, dass die CDU die „Rechte von Arbeitnehmern abbauen“ will. Außerdem soll die Wochenarbeitszeiten erhöht werden.

Damit dürfte das neue Herbstgegacker auf dem politischen Hühnerhof eingeläutet sein. Man darf viel Spaß wünschen – mit den Gewerkschaften einerseits, die wieder ihren Wunschgegner haben und der CSU und der CDA andererseits – denn bei der CDU stimmt gegenwärtig eher das Feindbild als das Freundbild.

Konsequenzen dürften die schrillen Töne vorläufig nicht haben: Die Wochenarbeitszeit steht derzeit bei allen Arbeitsmarktdiskussionen auf dem Menüzettel, und eine Änderung des Kündigungsschutzes wird ebenfalls schon seit Monaten diskutiert.

Wahr ist: ältere Arbeitnehmer finden bei der gegenwärtigen Rechtslage kaum noch einen Arbeitsplatz, aber ob sie bei einer Änderung besser dran sind, kommt gegenwärtig dem Blick in die Schusterkugel gleich.

 

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