anstoss

  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Mit meinem heutigen Beitrag zum Sonntag endet mein Interesse an all dem, was die ideologisch motivierte Diskussion um Blogs angeht. Ich nutze die Form, distanziere mich aber deutlich von allem Menschen, die im Blog Religionsresatz, Ideologie oder Lebensinhalt sehen. Es macht mich gelegentlich ein wenig traurig, wenn ich sehe, wie man im Web verkommen kann - und ich will nicht mit der Welle der Belanglosigkeit an den Strand der Blogzombies gespült werden. Nein, ihr Bokors und Mambos – ich entziehe mich eurem schädlichen Einfluss und bin nur noch ich – eine freie Seele mit einem frischen Geist in einer schönen Welt und mit einer wundervollen Zukunft.

Dayaneera hat den Blogschlaf überwunden, bezeichnet sich jetzt als blogabhängig und denkt darüber nach, wer sie eigentlich ist.

Das fragte die Raupe auch die kleine Alice, und sie antwortete: „ ... wer ich war, heute früh beim Aufstehen, das weiß ich schon, aber ich muss seither mehrere Male vertauscht worden sein". Nun, ich auch: Beim Aufstehen bin ich immer ich, und dann im Laufe des Tages, werde ich manchmal Sehpferd. Die Raupe würde das nicht wundern. Am Ende würde sie verächtlich sagen: „Du, wer bist denn schon du?"

Zitate aus „Alice im Wunderland“ by Lewis Carroll

Gramse hat mir gerade gestanden, dass er, Gramse, dabei sei, neue unerotische Geschichten zu schreiben – darunter auch solche, in der er, Gramse, persönlich gar keine Rolle spiele. Er sagte, dass er erwägen würde, insgesamt ein Dutzend derartiger Geschichten zu verfassen, die allesamt erstunken und erlogen wären, zu denen er keinerlei innerlichen Bezug habe und die, wenn ich sie nicht veröffentlichen würde, im Papierkorb landen würden.

Was soll ich nur damit anfangen? Ich habe schon einmal mit einer dieser voreilig veröffentlichten Gramse-Geschichten schrecklich Schiffbruch erlitten. Und nun, da sie das kritische Publikum vielleicht gar unter den Aspekten guter Kommunikation sieht? Sie beinhalten – wie könnte es bei Gramse anders sein – lauter miserable Dialoge, die alle irgendwie in der Hose landen – mal in seiner, mal in ihrer.

Was also raten Sie mir?

Da bei mir immer noch nach der Dame Laila gesucht wird, den die armen Legionär küsst und quält, sollte ich vielleicht einmal sagen, dass ich den Text gefunden habe.

Zur Erinnerung (oder für die Nachgeborenen als Information): Es war ein blöd simples Liedchen, dass den "Regento Stars" mit dem Sänger Bruno Majecherék 1961 einen unglaublichen Ruhm brachte: 42 lange Wochen soll es an der Spitze der Hitparade gestanden haben - und dies allein wegen der Vorstellung, von einer Dame, die einen Mann "küssen und quälen" soll. Ansonsten war nicht viel mehr dran als an Freddy Quinns Edelschnulze vom brennend heißen Wüstendsand.

Laila

(Auszug) - hier der komplette Text

In der magisch hellen Tropennacht
Vor dem Frauenhaus in Algier
Hat ein dunkles Auge angelacht
Den armen bleichen Legionär
Und das Auge hat ihn toll gemacht
Vor dem Frauenhaus in Algier
Und es klingt ein heisses Liebeslied
Sterbenmüd und weich

Laila, heute Nacht muss ich Dich wiederseh'n
Laila, deine schlanken braunen Glieder seh'n
Oh, Laila, nur die einen Nacht erwähle mich
Küsse mich und quäle mich
Denn ich liebe nur Dich
Oh, Laila

Oh Laila, nur die einen Nacht erwähle mich
Küsse mich und quäle mich
Denn ich liebe nur Dich
Oh, Laila


Für diejenigen, die nicht richtig buchstabieren: Im Internet auch als "Leila", "Leyla" oder "Layla"

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen – meist sonntags

Mehr und mehr glaube ich zu erkennen, dass Blogs und andere „neue“ Medien eine praktische Verwendung finden – schließlich tue ich selbst nichts anderes, als meine Webseite mit Blogs zu kombinieren – das tun mittlerweile sehr viele Leute – und ich denke, damit sind wir alle gut beraten. Selbst Jane Duval, die persönlich eher zurückhaltende Rezensentin von Erotikseiten, hat es jetzt getan – und erweist sich dabei durchaus als Moralistin. Ich denke, im Grunde sind viele der Leute, die sich mit Erotik beschäftigen, in Wahrheit Moralisten, während die vorgeblichen Moralisten eher Ignoranten sind, die nichts wirklich verstanden haben. Ich denke, ich werde bald einmal darüber schreiben.

Apropos Erotik: Die absolut extremen Webseiten der Partnerbranche haben den Wert der Blogs längst erkannt * – und sie unterscheiden sich in fast gar nichts von den Blogs anderer Menschen. Was sehr interessant ist: Frauen sind auf Seiten, in denen Extermerotik angeboten wird, zwar in der Minderzahl, doch sie scheinen häufiger zum Bloggriffel zu greifen - jedenfalls außerhalb Deutschlands. Offensichtlich zahlt es sich aus: Das kann bei vielen Damen, die an solchen Orten inserieren, wohl wortwörtlich genommen werden. Schon seit Langem macht es ja Escortblog vor, wie es in der Branche der offenkundig selbstständigen Dienstleisterinnen geht.

Auf der anderen Seite erleben wir völlig fruchtlose – und gelegentlich absolut hirnlose – Diskussionen um solchen Unfug wie „Web 2.0“ oder die „Bloggosphäre“. Das sind kleinliche Scharmützel, um sich in einer „virtuellen Anderswelt“ zu behaupten und den großen Macker herauszukehren (große Zicken konnte ich nicht in erwähnenswerter Anzahl entdecken). Wie ich schon anderwärts schrieb: Sie können Beziehungen zwar über das Internet anbahnen, aber wenn es zum „Natursprung“ oder zu einer anderen „Trau-Schau-Wem“-Situation kommt, ist das persönliche Beschnüffeln unerlässlich – von anderen Lebensäußerungen einmal abgesehen, oder ganz trivial: Pinkeln können sie virtuell auch nicht.

Inzwischen haben sich die Vorzeigefiguren der Bloggerei wohl damit abgefunden, unter sich zu sein, Interviews zu geben und sich gegen ein paar Talerchen nebst Buffet vorführen zu lassen wie die Zirkuselefanten. Das alles hat mit dem Medium schon gar nichts mehr zu tun – eher schon mit einer neuen künstlichen Wichtigkeit – so ungefähr, wie dies bei manchen Promis der Fall ist. Fehlen nur noch die heimlich aufgenommenen Aktfotos – aber dem steht ja nichts im Wege.

Ja, ich weiß – Sie betreiben ein Blog aus Freude am Schreiben, Gutmenschensinn, Selbsterfahrung oder missionarischem Eifer. Dann trifft das, was ich geschrieben habe, auf Sie ja nicht zu. Und in diesem Sinne dann – einen schönen Sonntag.

* Anmerkung: Ich verlinke nicht zu Seiten, bei denen offenkundig ist, dass extreme pornografische Fotos zwar verboten sind, aber dennoch genutzt werden, um Kunden anzulocken

Irre ich mich oder gibt es in letzter Zeit auf Twoday mehr und mehr Weblogs von Menschen, die sowohl denken als auch schreiben können? Nein, ich meine nicht die Lauten, ich denke eher an die Stillen. Vor allem aber sehr ich mehr und mehr dieser netten kleinen Magazine, die wirklich authentische Inhalte haben, und die keine Replikate von Poesiealben sind.

Merkwürdig – irgendwie ergibt sich nun für mich die gleiche Frage wie bei den Erotikblogs – es sind zu viele und sie sind zu unterschiedlich – und letztendlich ist schon manches Blog nach guten Anfängen in Trivialität versandet.

Findelerotik, völlig unkommentiert, aber leider vergänglich.

DWie kommt man bundesweit in die Presse? Sehr einfach: Man stellt am Ortseingang Schilder auf, auf denen Tschüss“ freie Zone steht. Es gälte nur für Bayern, soll der Bayer Hans Triebel gesagt haben, der nach Verlautbarungen zu Gotzingen einen Gasthof betreibt.

Ja, was sagen wir denn dazu? Als ich nach Schwaben kam, hätte ich mir intensiv gewünscht, wenigstens ein „grüßgottfreies“ Gasthaus zu finden, oder ein „adelefreies“, wenn es um den Abschied geht – und nicht nur das – ich hätte mir gewünscht, dass die Menschen dort wenigstens in Anwesenheit von Fremden Deutsch sprechen. Tun sie aber verbissen nicht, genauso wenig wie hier in Baden, wo man zwar eine Sprache spricht, die auch in der Deutschschweiz und im Elsass verstanden wird, aber eben kein Deutsch ist – und das teils ebenso verbissen, vor allem, wenn man z’Nüni eingeladen wird.

Ja, ich weiß, der Dialekt ist die Sprache des Herzens – meinen die Leute, weil sie in ihren Familien so ein Zeug babbeln – und das können sie meinetwegen auch beibehalten. Ich jedenfalls habe mir angewöhnt, in Geschäften, in denen notorisch Alemannisch gesprochen wird, einfach nicht mehr einzukaufen.

Die Schilder des Herrn Wirtes aus dem Bayrischen sind wieder verschwunden. Das Landratsamt Miesbach hatte nach einem Bericht der „Frankfurter Neuen Presse“ nicht den Humor, sie wenigstens über Fasching dranzulassen, was der Wirt mit „Des is a Saubande“ kommentiert haben soll. Na dann, Robin Hood der Sprache: Ich sag dir zum Abschied leise Servus ... oder „habe die Ehre“, denn euer „Pfiad di“ kriege ich nicht über die Lippen. Es heißt im Übrigen auf Hochdeutsch und vollständig „behüte dich Gott“ – also so in etwa das Gleiche, was auch „tschüss“ ausdrückt – eine Verballhornung des französischen Wortes „adieu“, ursprünglich aus dem Lateinischen „ad deum“, - und dies wiederum: Gottbefohlen.

Und bevor ich vergesse, Ihnen dies zu sagen: Außer dem von den Katholiken eingeführten „Grüß Gott“ und anderen derartigen Empfehlungen gibt es auch bürgerliche Begrüßungen und Abschiede.

Ach sachen sie mal, watt war denn der Tschaikowsky fü einen Mensch? Nä, nicht der Scheisskoffsky, der wo mein Arbeitskollege is, näh. Der, wo da so Sachen komprimniert hat mit so Geigen und sonne Sachen. Wie? Falsch geschrieben? Čajkovskij? Auch Čajs doch drauf. Ich will doch nur wissen, watten Mensch der war, oder?

Nein, nein, ich bin nicht volltrunken. Ich denke nur gerade "von Mangerisch" und anaylsiere meine Verweise.

Wenn Sie glauben, ich hätte wenig geschrieben in letzter Zeit, dann haben Sie vielleicht recht. Aber ich musste erst einmal einen Besen nehmen und ein bisschen auskehren. Was herausgekommen ist? Eine neue Seite für „sehpferd.de“ (sehpferd.com wird ab nächste Woche überarbeitet), die komplette Seite vom „wortwechsler.de“ und mindestens eine kleine Überarbeitung von „lechzen.de“, eine Seite, mit der ich gerade etwas hadere. Dabei bin ich auf das „Changes“-Blog inzwischen ausgesprochen stolz. Was meinen Sie?

Riskieren Sie doch mal einen Blick – es ist mindestens alles frisch gestrichen.

Links ist, wo der Daumen rechts sitzt und ungekehrt

Zum Beispiel hier:

„Durch weitere Zuwanderung aus dem Ausland sind die Sozialausgaben enorm gestiegen ... der Deutsche muss also mal wieder zahlen und hat nichts davon.“.

Der Bloginhaber führt, soweit ich es erkennen kann, kein Impressum – da kann man natürlich herumkrakeelen, wie es einem gefällt: Hauptsache "anti", wenn es um Amerika, Israel und die Wirtschaft geht. Hauptsache "pro", wenn Deutschland mal wieder den Deutschen gehören soll. Ich höre schon, wie die Hacken zusammenschlagen: "Jawoll, Herr Orwell" - denn so nennt er sich nun mal, der Blogger.

Gentlemen, eine neue Marke. Bitte Taschen ausleeren und ganz viel in die Geliebte investieren.

ealingerie

Bild: (c) 2005 by EA lingerie, Spain
Modellserie: Seduction

Laut „Telepolis“ machen Blogger tatsächlich Fortschritte: Sie diskutieren zum Beispiel nicht mehr über „Blogs versus Journalismus“, sondern gehen brav zu Autorenlesungen – gegen Kohle, Kost und Logis, wie man las.

Ich glaube, dies schenkt mir eine Geschäftsidee: Ich mache mir ein Schild: „Blogger bloggt alles für Sie gegen Kohle, Kost und Logis“. Ich hoffe nur, ich muss dazu nicht nach Düsseldorf fliegen. Oder zahlt das Handelsblatt so etwas auch?

fifi

Bevor ich vergesse, Ihnen dies zu erzählen: Meine Wohnungen sind noch unverkauft. Inzwischen hatte ich bereits zwei wild entschlossene Kaufinteressenten – die Sache hatte aber beide Male den selben Haken: bei beiden ist inzwischen die Finanzierung geplatzt.

Interessant fand ich, dass beide mit mir bis zur Schmerzgrenze verhandelt haben – nur die Rechnung mit der Bank zu machen, das hatten sie offenbar vergessen.

Zunächst einmal: NLP heißt Neuro-Linguistische Programmierung – die drei Wörter bedeuten zwar einzeln etwas, im Zusammenhang aber leider nichts. Denn „Neuro“ steht für die Nerven, die bei NLP gar nicht zur Debatte stehen, „linguistisch“ heißt „vermittels der Sprache“ und „Programmierung“ wird als Synonym für Verhaltensmodifikation genutzt.

Die Sache ist weder neu, noch sensationell, noch hat sie irgendetwas, das andere nicht schon längst hätten: Bereits Ronald D. Laing und Paul Watzlawick haben darauf hingewiesen, dass Menschen auf die subjektive Abbildung der Realität reagieren und nicht unbedingt auf die Realität selbst – was freilich nicht bedeutet, dass Menschen in vielen Situationen auch durchaus gemeinsam auf „die“ Realität reagieren. Das Argument der NLP-Leute, dies sei eine neue Erkenntnis, erweist sich als Makulatur. Je mehr man das System entblättert, umso mehr zeigt sich, dass alles ein bisschen Pappmaché ist, das nur durch einen Kleister zusammenhält, und der heißt: Glaubenssätze.

Manche von ihnen sind so lächerlich trivial, dass man mit den Leuten von der NLP beinahe Mitleid haben kann., zum Beispiel die, dass sich Geist und Körper wechselseitig kybernetisch beeinflussen. Lässt man einmal das „kybernetisch“ weg, weil bei wechselseitiger Beeinflussung immer kybernetische Effekte vermutet werden können, so bleibt nicht als die triviale Feststellung:; Körper und Geist beeinflussen einander. Das allerdings wussten wir auch schon vorher – schließlich ist der Geist an den Körper gebunden - er schwirrt also nicht um unser Gehirn herum wie ein Vögelchen.

Selbst das angeblich so ungewöhnliche Rezept „Rapport herstellen“ (NLP verwendet, ähnlich wie Scientology, ein paar Dutzend solcher inhaltsloser Neusprech-Begriffe) ist nicht im Geringsten neu. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als sich an den Kommunikationspartner anzugleichen. Das haben schon die alten Kaufleute gewusst, die daheim durchaus Hochdeutsch redeten, mit dem „Kaptein“ aber eben auf Niederdeutsch – und in einem völlig anderen Tonfall. Jeder, der nicht total mit dem Dummbeutel geschlagen ist, kann ähnliche Erfahrungen machen: Für einen Norddeutschen empfiehlt es sich, in Süddeutschland wesentlich langsamer zu reden, und wenn der Fabrikinhaber bei seinem Vorarbeiter etwas erreichen will, dann kommt er besser an die Werkbank als dass man sich " auf'm Kontor" zu unterhalten versucht. Zwischen diesen kleinen Anpassungen und Woody Allans „Zelig“ liegt das weite Feld der Angleichung – stets ein gutes Mittel, um miteinander ins Gespräch zu kommen, aber keine neue psychologische Idee.

Auch die angeblichen Quellen, auf die sich NLP beruft, sind auf dem Treibsand der Psychologie zusammengebastelt. Denn Milton Erickson, Virginia Satir* und Fritz Perls haben weder namhafte Kommunikationsmodelle entwickelt, noch ist ihre Bedeutung unumstritten- und schließlich finden wir in der NLP, wenn überhaupt, nur noch Spuren der drei Lehren wieder, die, ich sagte es bereits, schon jede für sich ausgesprochen schwach begründet ist. Insbesondere Kenner der Ericksonschen Hypnosetherapie wie auch der Perlsschen Gestalttherapie verweisen immer wieder darauf, dass die charismatische Wirkung der Gründer mehr Gewicht hatte als die Therapie selbst – oder mit anderen Worten: Ein heutiger Hypnose- oder Gestalttherapeut ist in keiner Weise wirksamer als irgendein anderer Therapeut. Die Grundannahme der NLP-Begründer, dass die genannten drei Therapien die „Effektivsten“ wären, gehört allein ins Reich der Fantasie.

Was bleibt? Vor allem die Heilserwartung. Sie versetzt bekanntlich Berge. Und wo NLP angeblich geholfen hat, hätte früher vielleicht der Glaube an Gott geholfen – oder eben der Glaube an die tägliche Zuckerpille, die vorgeblich einen neuen Wunderstoff gegen den Kopfschmerz enthielt. Wenn Sie mich nun fragen, warum NLP kommerziell so erfolgreich ist, dann kann ich Ihnen die Antwort geben: Die Leute wollen eine Psychologie, bei der ein Magier bunte Tücher aus dem Hut zieht – und das tut NLP allemal.

* Das "Kommunikationsmodell" von Virginia Satir hat nur in der Familientherapie Bedeutung und ist ansonsten völlig alltagsuntauglich.

Falls Sie mal in Basel sind: Das Museum Tinguely zeigt gegenwärtig Werke von Eva Aeppli – überwiegend eigene, aber auch solche, die gemeinsam mit Jean Tinguely entstanden. Sehenswert – noch bis zum 30. April 2006 – die Werke von Jean Tinguely sind natürlich ganzjährig zu sehen.

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Die Welt ist voller Geschichten über Katzen und Mäuse, wie Sie als häufiger Fluggast sicher wissen werden – auf meinen Flügen werden jedenfalls immer wieder die alten Filme von Kater Tom und Maus Jerry gezeigt. Doch als Kenner des intimen Inneren mancher Webseiten werden sie sicherlich auch schon einmal von der Möglichkeit des Computermäusemissbrauchs gehört haben.

Aber hatten sie schon einmal von einem Gerät gehört, dass eine Computermaus durch genitale Beckenbewegungen über den Bildschirm treibt? Nein? Eine Frau Kiko Wu will solch ein Gerät besitzen – und was sie von der Funktion zeigt, bleibt besser hinter verschlossenen Türen verborgen.

Gelesen bei Asian Sirens.

65.300 Einträge verzeichnet Google für die Wortkombination „Soziale Software". Schauen wir in das deutsche Onlinelexikon Wikipedia, so stellen wir schnell einige Kardinalfehler des deutschen Denkens fest (es ist nicht unbedingt der Fehler des Autors von „Wikipedia“, wie ich anmerken will):

„Als Soziale Software (englisch Social Software) werden (Software-)Systeme bezeichnet, die die menschliche Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit unterstützen.“

Erstens fällt auf, dass „Social Software“ völlig sprachblind mit „soziale Software“ übersetzt wird. Als „Sozial“ gelten aber in diesem Land nur Einrichtungen und Organisationen und Systeme, die sich dem Wohl der Allgemeinheit widmen – und natürlich widmet sich eine Software nicht dem Wohl der Allgemeinheit. Richtigerweise müsste es heißen: „gemeinschaftlich nutzbare Software“. Aber die kleinen Trickser, die das Wort im Mund führen, wissen genau, warum sie falsch übersetzen: Sie wollen den Glorienschein des Wortes „sozial“ für sich nutzen, der in den deutschen Köpfen eingeprägt ist.

Zweitens ist eine Software ein Gegenstand, und der ist nicht sozial, so wenig wie eine Kirche oder eine Veranstaltungshalle sozial ist. Alle sind bestenfalls sozial nutzbar, aber nicht selber sozial.

Drittens kann eine Software zwar die Interaktion (das gemeinschaftliche Handeln) und die Zusammenarbeit unterstützen, nicht aber „die menschliche Kommunikation“, sondern bestenfalls einen Teil davon, nämlich den schriftlichen Gedankenaustausch, und auch er wird nicht „unterstützt“, sondern bekommt lediglich ein neues Vehikel verpasst, das ihn möglicherweise beschleunigen kann und das vielleicht auch weiter reicht. Dass dabei auch jede Art von Schwachsinn „unterstützt“ wird, sei nur am Rande erwähnt.

Wie ich bereits sagte, ist dies keine Kritik an Wikipedia, sonder an den Leuten, die solche Begriffe anderweitig ungefragt in die Welt hinausposaunen, bevor sie in ihrem Gehirn den „EIN“-Schalter gefunden haben. Sie müssten sich nämlich darüber klar sein, dass „soziales Handeln“ zwar auf vielen Ebenen stattfinden kann – dass aber andererseits nur die Ebene persönlicher Anwesenheit und Verantwortung eine gewisse Garantie für Effektivität bietet. Wenn sie die großen Worte für 5 Cent haben wollen: Ich kann monatelang Foren dazu nutzen, ob ich meinen (Stief-)Enkeln ein Plüschtier schenken soll, aber ich kann es nur einmal wirklich tun – und meine (Stief)-Enkel interessiert nur dieser Moment.

Natürlich – wir haben von Anfang an bemerkt, dass es bei den Autorinnen und Autoren, die in „sozialer“ Software schreiben, mit der Fähigkeit zur (sozialen) Verantwortung nicht weit her ist: Allzu viele von ihnen verstecken sich (trotz Impressumspflicht) feige hinter der Anonymität. Dass sie etwas Soziales im Sinne haben, klingt wie ein Hohn, denn, was sie schreiben, reicht ausgesprochen nach Selbstgefälligkeit. Gemeinsame Ziele? Den meisten ist piepschnurzegal, wie es mit Deutschland und seiner Wirtschaft weitergeht. Wertvolle Initiativen wie „Du bist Deutschland“ werden vom Bloggern von vornherein in infamer Weise ausgebuht, ohne dass man sie überhaupt begriffen hat. Initiativen für soziales Handeln werden, wenn überhaupt, nur dann unterstützt, wenn dahinter ein Sozialistenverein steht – und wenn man schon gemeinschaftlich handelt, dann ist man anti und hetzt gegen Personen, wie jüngst gegen Jean-Remy von Matt.

Was ich von euch halte, die ihr so denkt? Dass ihr kleine Schelme seid. Und deswegen könnt euer Gedöns nennen, wie ihr wollt, könnt damit erbauen und niedermachen, was ihr wollt – und meinetwegen auch eine neue Webwelt erlügen, in der ihr die Realität mit ein paar Bits verbiegt. Nennt es meinetwegen „Club der weißen Online-Ritter“ - aber nennt es nicht „soziale Software“ – ihr macht damit höchstens noch den Begriff „sozial“ kaputt.

Nicht erst seit gestern und nicht erst durch Herrn Ramirer hat mich dies nachdenklich gemacht: Die Windmühlenflügel sind wirklich Windmühlenflügel, und die dazugehörigen Müller produzieren kein Mehl (und auch nichts Wertbeständiges im sozialen Bereich). Nein, weit und breit keine Riesen zu sehen.

Bei näherem Nachdenken: Ich habe gar keine Windmühlenflügel im Visier, sondern Windmaschinenbetreiber, Windeierwerfer und Windhunde.

Wer behauptet eigentlich, Blogs seien nichts wert? Ich jedenfalls nicht. Ich nutze den Wert, den sie mir bieten. Das ist vorläufig einmal alles. Aber ich habe etwas gegen Leute, die dünnhäutige Luftballons so lange ausblasen, bis der Inhalt nicht mehr zu verbergen ist: heiße Luft - oder eben "Web 2.0".

Der Herr Drogist, dem die „Stuttgarter Zeitung“ einst schon überflüssigerweise viel Platz im Blatt einräumte (der Beitrag existiert im Web inzwischen nicht mehr), darf nun heute in der „Badischen Zeitung“ erneut sagen, dass der Staat ganz viel Kohle rausrücken soll um es wie Manna auf die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger regnen zu lassen.

Der Herr Drogist ist nicht irgendein Vorstadthändler, sondern der Boss einer leibhaftigen Drogeriekette, doch inzwischen – und hier merken wir auf – hat er seine ursprünglichen Sandkastenspiele wohl wegen Unpopularität wieder aufgegeben:

„1300 bis 1500 Euro Bürgergeld" forderte dieser Mann nämlich in jenem legendären Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“: Gegenfinanzierung: "Mehrwertsteuer bis zu 48 Prozent.“

Nun spricht er nur noch von der Befriedigung der „Grundbedürfnisse und kulturellen Bedürfnisse“ – und die Mehrwertsteuererhöhung hat er mal ganz aus dem Konzept genommen und spricht davon, dass die „direkten und indirekten“ Kosten der Arbeitslosigkeit ein Bürgergeld irgendeiner unbestimmbaren Höhe auch heute schon finanzierbar machten.

Na schön, werter Herr Drogerieboss. Sie haben Recht, dass manche Menschen krank werden, die keine Arbeit haben. Nur: wer das Bürgergeld einführt, wird noch mehr Menschen vorfinden, die Mangels sinnvoller Beschäftigung in Depressionen verfallen oder sich dem Suff ergeben. Und die „Badische Zeitung“ darf man wohl mal fragen: Muss man Leuten wie diesem Drogeriemann eigentlich eine halbe Seite im Wirtschaftsteil einräumen?

Einer schreibt’s vom anderen ab: Social Software. Es macht sich besonders gut, wenn man Fremdwort an Fremdwort reiht und Behauptung an Behauptung.

Es handelt sich bei ihnen also um „social software“ par excellence, die auf ganz eigene Weise öffentliche (weil potenziell netzweit verfügbare) und interpersonale Kommunikation in sozialen Netzwerken unterschiedlicher Reichweite miteinander verbindet“.

Bei anderen Religionsgemeinschaften als dem Bloggertum würde man am Schluss solcher Sätze „Amen“ sagen

Die Stänkerer wissen natürlich genau, was sie wollen: Keine Studiengebühren – ja, da nehmen sie die Mäuler voll und reden von Bildungs- und Menschenrechten. Können sie ja – sie sind ja durchgekommen durch die Maschen.

Muss uns wirklich erst die Uno sagen, dass unser Schulsystem auf den Müll der Geschichte gehört? Dreigliedriges Schulsystem mit einer Elite an der Spitze, die in Wahrheit gar keine ist? Bildungshoheit der Bundesländer? Beamte in den Schulklassen? Kindergärten als Eiapopeia-Schulen?

Es wäre wirklich an der Zeit, sich von den totgebrabbelten Theorien zu trennen und endlich wahrzunehmen, dass wir für die Zukunft bessere ausbilden müssen, und dass wir damit schon ein bisschen spät dran sind. Ohne dreigliederiges Schulsystem, aber mit echten Eliten. Ohne Bildungshoheit der Länder – aber mit Integration und Förderung - und vor allem auch: Ohne das Beamtenlehrertum.

Die Menschenrechte? Ach, wenn sie Ihnen denn am Herzen liegen: fangen sie doch bitte bei der Schule an.

Da wurde der Graben also aufgerissen: Angeblich geht es den einen um die Kunstfreiheit, den anderen um die Pressefreiheit – und in Wahrheit geht es einmal mehr darum, dass wir den Glorienschleier von zwei Institutionen nehmen müssen: Dem Kunstbetrieb einerseits und dem Feuilleton andererseits.

Künstler machen etwas, weil sie es machen müssen. Kritiker reagieren darauf, weil sie glauben, von der Sache etwas zu verstehen. Nun sagen sie bitte nicht, ein gelernter Journalist, der zudem Germanist ist, wie dieser Herr Gerhard Stadelmaier müsste ja nun wohl ausreichend kompetent sein. Man wird in der Kunst nie kompetent. Das Beste, was einem dort passieren kann, ist neugierig zu bleiben.

Was ist das Feuilleton wert? Es versucht, uns eine sehr enge, in sich ziemlich abgeschlossene Welt zu interpretieren, an der manche Zeitungsleser tatsächlich interessiert sind: Überwiegend Bildungsbürger. Der Liebhaber der Kunst fragt gar nicht danach – er sieht oder hört und genießt oder stutzt – und dann geht er entweder wieder zu „seinem“ Künstler oder er bleibt weg.

Das Feuilleton ist der Ort für kunstvolles Geschreibsel, ein Platz, an dem man sich einmal formulierend austoben darf - lass sie es doch tun, die Kritiker. Wir lesen gerne, was sie schreiben. Wir empören uns, wenn sie über etwas Gutes etwas Schlechtes schreiben, und amüsieren uns, wenn sie dem Schlechten zu viel Gutes abgewinnen. Nur manchmal, wenn sie die Kulturgötzen von ihren Sockeln reißen, dann feixen wir ins Fäustchen: „Aber ich weiß sehr gut, was Kritik ist – je schlechter sie ist, um so mehr freuen sich die Leut’“, dichtete und sang einst Herr Kreisler über den Musikkritiker. Na sehen Sie mal – und populär werden die Kritisierten ohnehin – völlig gleichgültig, ob die Kritik nun gut oder schlecht war.

Ach, die andere Seite? Ich sagte schon, Künstler machen etwas, weil sie müssen. Theaterleute sind eine Besonderheit – sie nehmen sich unglaublich wichtig, denn das ist ihr Beruf. Schließlich müssen sie jeden Tag von irgendwelchen Podesten fremde Sprüche glaubwürdig an ein Publikum vermitteln, von dem sie nicht so genau wissen, warum es seine Zeit eigentlich ausgerechnet dort absitzt.

Herr Stadelmaier hat gerade kundgetan, dass ihm, dem Herrn Stadelmaier, das Frankfurter Theater überhaupt gar nicht mehr schmeckt und macht für den größten Teil der Misere, oder besser seiner Misere, die Intendantin verantwortlich. Fragt sich: Warum kündigt der Mann nicht einfach? Warum geht er nicht Fischen, statt über das Theater zu schreiben? Oder wäre in der Sportredaktion nicht noch ein Platz für ihn? Ich meine: Wer sich schon so wichtig tun muss, um ausgerechnet über das Theater zu schreiben, der darf auch als Kritiker abtreten, wenn ihm das Theater nun so gar nicht mehr gefällt.

 

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