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  sehpferdvs sehpferds magazin für anstöße und anstößiges
Felix Ruckert ist Choreograf und bekommt als solcher für seine Compagnie eine Unterstützung von der Stadt Berlin – eigentlich sehr lobenswert. Jan-Nicolas Steinpilz ist Rechtsanwalt und mag das gar nicht. Florentine Anders nun ist Springer-Journalist und schreibt: „Im Extremfall könne das Geld zurückgefordert oder Anschlussförderungen gestrichen werden“.

Klar, Herr Anders: immer hart an der Volksmoral, gell? Damit können Sie Leser in der Gutmenschenschaft gewinnen.

Sollen Männer und Frauen Sex haben, bevor sie in Olympia zum Wettkampf um etwas anderes antreten. Nun, die BBC sprach mit Casey Stengel, und der meinte „Being with a woman all night never hurt no professional baseball player“.

All night? Oh dear. Ich begreife nach und nach, was „professionell“ bedeutet.

Ticklefight ist irgendwie aus der Versenkung wieder aufgetaucht – und verweist (wie könnt es anders sein) auf einen Hintern. Nicht den eignen. Einen, den die Nachrichtenagentur Reuters um die Welt schickt. Zur Eröffnung der Olympiade.

Nachdem die Gewerkschaften in den vergangenen Woche eher eine zwielichtige Rolle bei den Montagsdemos gespielt haben, ist Vernunft nun zurückgekehrt: DGB-Chef Sommer warnte vor „Rattenfängern“ und „Missbrauch“. Es gibt also, wie es scheint, doch ein Licht am Ende des Gewerkschaftstunnels.

Wobei ich meine, dass die Rattenfänger sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite lauern – und sogar in Organisationen, die sich gerne das Kleidchen der Bessermenschen anziehen.

Gelesen in der Netzzeitung.

Ein Blog ist sehr praktisch: Man kann schreiben, ohne sich um Technik, Verwaltung oder den intern verwendeten Code zu kümmern. Das Medium ist nicht die Botschaft. Die Botschaft ist die Botschaft, das Medium spielt fast keine Rolle.

Die virtuellen sozialen Phänomene, die dabei scheinbar entstehen werden mit der Zeit verschwinden, weil sie letztlich keinerlei Synergie erzeugen. Stattdessen werden professionell und kommerziell genutzte Blogs in den Vordergrund treten.

Das ist freilich nur eine Hypothese. Aber eine, auf die ich mich festnageln lasse.

Das Wort „Dirnenpension“ habe ich in der Presse seit langer Zeit nicht mehr gelesen. Berichterstatter Peter Wark von der Backnanger Kreiszeitung muss offenbar seiner schwäbischen Leserschaft umschreiben, dass man jetzt in Backnang einen Puff hat.

Wie Leute dahin gehen können, ist ihm ebenfalls unerfindlich: Die Räume hätten den „Charme eines x-beliebigen unpersönlichen Hotelzimmers der unteren Preiskategorie“. Das ist eigentlich schade, aber wir sind im Schwabenland: Da ist man sparsam, gell?

Was passiert, wenn man eine „Bäckerei Schrammel“ mit Österreichs Google im Internet sucht und die Anführungszeichen vergisst? Etwas Schreckliches. Man landet auf Sehpferds Sinnlichen Seiten. Also, liebe Wienerin, lieber Wiener, der du die Bäckerei Schrammel suchst, hier ist sie.

Ich kann nicht umhin, Doloresse zu danken, die wiederum dem Spanking Blog dankt, der eigentlich extremerestraints dankbar sein sollte. Wofür? Für ein Spielzeug, das ich hier besser nicht zeige – und auch nicht überall hin verlinke. Außer zu Doloresse, versteht sich.

Wenn jemand umzieht, merkt man es ja nicht immer gleich: Also, Belle de Jour, die Deutsche, ist umgezogen. Zu Antville, wo sie fröhlich weiterplappert.

Warum verwenden Jugendschützer „Sex und Gewalt“ eigentlich immer in einem Satz? Sex, liebe Mitmenschen, ist (zumeist) etwas Wunderschönes, und Gewalt (im Sinne von Brutalität) ist etwas ganz Schlechtes. Noch Fragen? Vielleicht weiß Frau Familienministerin darauf ja eine Antwort. Der Link für ganz Unerschrockene ist hier.

Was die Süddeutsche Zeitung getrieben haben mag, eine derartig geistlose Polemik wie die des Herrn Robert Menasse ins Feuilleton zu bringen, wird wohl auf ewig ein Redaktionsrätsel bleiben. Was bitte, sollen solche dümmlich dreisten Sätze:

„Ich will in meiner Sprache leben – aber ohne das Korsett von Rassismus, Neoliberalismus und groteske Rückwärtsgewandtheit. Ich spreche und schreibe Deutsch. Das große, weite und tiefe Deutsch, das die Reformer nicht verstehen. Und nicht ertragen.“

Ich sprech und schreibe euch Deutsch. Aber im Gegensatz zu den Herren Schriftstellern, die allhier in den Kultursparten geifern, begehe ich nicht diesen Kardinalfehler: Die Sprache mit der Schrift zu verwechseln.

Schafft erst mal eine neue deutsche Literatur, die den Tag am Schlafittchen packt, ihr deutschsprachigen Edelliteraten – und mir ist herzlich egal, welche Schreibung ihr dafür verwendet.

Der Kondomhersteller Trojan hat jetzt den zweiten Teil seiner umstrittenen Werbekampagne gestartet: Das besondere daran: Wenn Kondome schon beim Sex benutzt werden, dann soll man auch Menschen beim Sex zeigen. Tipp: Auf die Webseite gehen, dann „current adverising“ drücken und bei „TV“ die Filme abspielen.

Durch eine anonyme Spende von 22.000 GBP hat der Erlös der „Mutter aller Nackt-Kalender“ für die Wohlfahrt auf eine Million Pfund erhöht (etwa 1,5 Millionen Euro). Der Kalender wurde vor acht Jahren herausgebracht. Bekannt wurde er vor allem durch den Film „Calendar Girls“.

Ich nehme dies zum Anlass, für einen anderen, nämlich diesen Kalender zu werben. Möge er wenigstens 100.000 Pfund einbringen – es muss doch zu machen sein?

Der Oldenburger Sportsoziologe Thomas Alkemeyer weiß, dass viele Sportler an der „Spektakulisierungsschraube“ drehen, und auch dies sagte der Schlaumeier: „Die Fähigkeit, sich nackt gut zu präsentieren sei längst nicht jedem Sportler gegeben.“ Danke schön, Herr Alkemeyer, das hätten wir ohne ihren geistvollen Beitrag nie herausgefunden. Aber bitte verraten sie uns noch, was eine Spektakulisierungsschraube ist.

Deutsche sind nicht nur sexuell aktiv, sondern auch noch mutig – und sie erweisen sich als gleichberechtigt beim Sex. Dies will die Trendforscherin Marian Salzman in einem internationalen Vergleich festgestellt haben.

Bleibt hinzuzufügen: Wenn die Deutschen wirtschaftlich ebenso freizügig und mutig wären, dann gäbe es endlich wieder einen wunderbaren Aufschwung und nicht täglich neue Dackelfalten im Gesicht.

Dieser Sommerlochfüller stand im Express.

Noch steht man ganz am Anfang mit knappen einer Millionen Euro Umsatz, aber schon in diesem Jahr erwarte man zwei Millionen. Das meinte Herr Wu Wie, Teilhaber eines Unternehmens für Erotikprodukte. Auf der "Messe für Erwachsene 2004" herrschte denn auch allgemein Optimismus: Chinesen, so orakelte man, gäbe es viele, und wo es viele Menschen mit einem bescheidenen Wohlstand gäbe, da würde eine Bereicherung des Sexlebens durch käufliche Hilfsmittel einfach ganz normal sein, schrieb RP-Online.

Als ich einst einen leitenden Mitarbeiter eines großen deutschen Kondomherstellers fragte, ob er denn keinen Einbruch seines Marktes befürchte, sagte er nur einen Satz: „Gebumst wird immer“.

Doch auch die Freude an der Lust nimmt nicht ab: Der Beate Uhse Konzern schwelgt nur so in Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Nur im erotischen „Entertainment“ habe man nicht so viel Erfreuliches zu berichten, verlautete vom Konzern. Sollte etwa der Stöhnlaut „Ruf mich an!“ häufiger überhört werden?

Eine Wirtschaftsredaktion berichtet natürlich seriöser.

Das Priesterseminar in St. Pölten wird ab sofort geschlossen. Nach Lage der Dinge scheint dies keine „politische“ Entscheidung des Vatikans gewesen zu sein, sondern der Griff zur Notbremse in letzter Minute. Freilich hat die katholische Kirche sich damit allein noch keinen guten Dienst erwiesen: Diese Kirche muss an Haupt und Gliedern erneuert werden, wenn sie für die Menschen auf der Welt, die sich nach dem Glauben aus katholischer Sicht sehen, glaubwürdig bleiben soll.

Gelesen bei: Swissinfo.

Was nicht falsch ist, muss nicht unbedingt richtig sein – nach dieser Maxime und mit dem Seitenblick auf neugierige Leser titelte gerade die Wochenzeitung DIE ZEIT etwas reißerisch „Nur die Reichen werden reicher“. Im Text freilich – dies muss man der ZEIT zugute halten, wird dieser Hohlspruch wieder relativiert. „Reicher“ sind nämlich vor allem die wohlhabenden Haushalte im Osten geworden, wo das Vermögen des „reichsten Viertels“ sich seit 1993 fast verdoppelt hat. So wächst denn auch die „Kluft“ zwischen Arm und „Reich“ nur im Vergleich – die Anzahl der so genannten „reichen Haushalte“ mit mehr als 150 Prozent des Durchschnittseinkommens wuchs mal gerade von 12,3 auf 12,4 Prozent – kein Grund also, in Deutschland eine Neiddiskussion anzufangen –das tut die ZEIT auch nicht, denn bis auf die Überschrift stimmt alles.

Mich wundert, dass Bezieher von mehr als 150 Prozent des Durchschnittseinkommens in Deutschland bereits als „reich“ gelten, während die Armutsgrenze bereits bei 50 Prozent beginnt. Das sind immerhin noch 1177 Euro – kein fürstliches Einkommen, aber immer noch mehr als das Dreifache dessen, was einem durchschnittlichen ungarischen Bürger übrig bleibt.

Korrektur nach Neuberechnung.

Letztes ermiiteltes Durchscnittseinkommen in Ungarn: 84.000 HUF (etwa 340 Euro) entspricht weniger als einem Drittel des deutschen "Armeneinkommens".

Bahnhofshallenatmosphäre, fehlende Serviceeinrichtungen, weit und breit kein akzeptables Restaurant, dazu eine absolut miserable Verkehrsanbindung – das ist der angebliche Traditionsflughafen Berlin-Tempelhof.

Er ist überflüssig wie ein Kropf, und je eher Reisende von dem Übel, in Tempelhof ein- und auschecken zu müssen, befreit werden, umso besser. Warum einzelne Fluggesellschaften darauf bestehen, dort zu starten und zu landen, ist mir ein Rätsel.

Sozial ist, wenn alle Menschen Wohnungen haben. Sehr sozial ist, wenn diese Wohnungen noch preiswert sind, weil kaufmännisch gut gerechnet wurde, denn dann kann sich der Mieter für die eingesparten Beträge noch etwas Schönes für sich und seine Familie kaufen.

Im Osten sitzen die Wohnungsbaugesellschaften auf ihren Wohnungsbergen aus ehemaligen Plattenbauten und geben mit den Preisen nach, nur um Mieter anzuziehen oder zu behalten. Das ist die freie Marktwirtschaft, doch würden viele diese Preise nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten bereits als „Dumpingpreise“ bezeichnen, die sich eben nur die großen Nachlassverwalter des Sozialismus leisten können. Freilich können auch sie dies nur für begrenzte Zeit. Dann muss „rückgebaut“ werden – zu Deutsch: Abgerissen.

Derweil sitzen die privaten Vermieter auf den Bankkrediten, die sie für ihre Elternhäuser aufnehmen mussten. Vermieten? Nicht zu Kostenmieten, und nicht einmal ein Viertel darunter – oft bleiben private Wohnungen leer stehen, weil sie unvermietbar sind. Die Folgen? Man treibt die kleinen privaten Vermieter, die mithalfen, unsere ostdeutschen Städte vor dem Verfall zu retten, ins Elend - einige von ihnen jedenfalls. Zwangsversteigerungen sind nicht mehr ungewöhnlich. Das ist nicht sozial.

Ich, für meinen Teil, habe die Nase voll von der Hochpreispolitik unserer „namhaften“ nationalen Fluggesellschaften, bei denen sich die Flugbegleiterinnen das Lächeln hinter stark geschminkten Fassaden abquälen, weil der „Fluggast“ ja heute ohnehin nur noch so eine Art Ballast ist, ohne den man ja leider nicht fliegen kann: Alle schon erlebt, auch bei den namhaften deutschsprachigen Fluggesellschaften.

Was mache ich also? Ich fliege Easy Jet. Niedrige Tarife, keinen Ärger mit dem Handgepäck, kompetente, lockere Flugbegleiter(innen), bezahlbare Snacks (Sandwich 5 Euro, kaum mehr als am Boden) und meist reibungslose Abwicklung nach dem Motto: Wer zuerst eincheckt, bekommt die besten Sitze.

Das alles ist aber noch nicht alles: Das Flugmagazin ist frech, greift auch Tabuthemen auf (Homosexualität, und das sehr witzig) und zeigt solche Bilder. Da lacht das Herz.

Wer diese Bilder gerne hätte: Art Cars oder Wild Wheels.

easyjet

(c) 2004 Harrod Blank

„Er stinkt, sie ist hässlich und beide sind sie glücklich.“ Wenn sie unbedingt wissen wollen, was ein gewisser Michael Saltinger über den Sex des Hausmeisterehepaares weiß: Bitte schön. Unter Kultur (wo sonst?), in den Rosenheimer Nachrichten.

Die Bundesregierung bekämpfe die „Nachfrageseite“ bei der Prostitution zu wenig, behauptet der Leiter der Abteilung für den Kampf gegen Menschenhandel im US-Außenministerium, John R. Miller – jedenfalls nach der Lesart der „WELT“. Hintergrund ist der Menschenhandel, der mittlerweile wohl zum drittgrößten illegalen Wirtschaftszweig geworden ist.

Fragt sich, ob die Aufklärung der „Nachfrageseite“ lohnend ist, wenn es sich um eine Horde sturztrunkener Fußballfans handelt, die nach dem Spiel den Puff besucht. Oder hatte man doch mehr den Bedarf der Schickeria gedacht? Die lässt sich bekanntlich durch gar nichts beeindrucken. Bleiben noch die Gutmenschen. Aber die gehen ja nichts ins Bordell – sagen sie jedenfalls.

Der FAZ-Kolumnist Heinz-Joachim Fischer bezeichnet das Thema „Sexualität und Kirche“ in einem heute erschienenen Artikel als Tragikkomödie „Sex in the Church“ und geht zwar behutsam, aber deutlich mit Rom ins Gericht: Das Zölibat muss überdacht werden.

Wer eine Bar besucht, sollte gefälligst trinken und seine Zeit nicht auf der Toilette totschlagen – meint nach einem Pressebericht jedenfalls der Barbetreiber Brannigans.

Bei ihm werden deshalb jetzt Zeitschalter in die Toilettentüren eingebaut (es ist nur von den Toiletten der Damen die Rede), die jetzt nach einer Minute wieder aufspringen – was natürlich nicht sonderlich angenehm ist.

Die Barkette soll diesen „Service“ eingeführt haben, nachdem das Anstehen an der Toilette als eines der beiden größten Probleme der weiblichen Besucher bezeichnet wurde.

„Jedermann muss wohl etwas glauben, damit er in Frieden Leben kann“ sagte Dr. Igor Knyazkin, einem Journalisten. Bei der Frage ging es um die neue Sitte, das in seinem Museum befindliche Schauglas mit Rasputins Penis mit der Hand zu berühren, um auf bessere Potenz und Fruchtbarkeit zu hoffen.

Kann man von der Presse eigentlich nichts Besseres mehr erwarten? Da schreibt doch die „WELT“ heute, dass „seit der Einführung der Praxisgebühr Krankheiten verschleppt“ würden. Natürlich in der Überschrift – wo sonst. Der gesamte Artikel beruht auf Meinungen: Statistisch, so berichtet die WELT so ganz nebenbei, lasse sich dergleichen natürlich nicht belegen.

Hoffentlich macht dieser Blubberjournalismus nicht Schule. Klar versuchen Herzpatienten und Diabetiker, um nur mal bei diesen zu bleiben, „ein Quartal zu überspringen“. Statt am 01.07. lassen sie sich ihre Medikamente, die ohnehin seit Jahr und Tag feststehen, nun eben am 30.06. verschreiben, und dann wieder am 01.10. Das kann man wohl nicht als „Verschleppen von Krankheiten“ bezeichnen.

"Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär’, wär’ mein Vater Millionär ", krähten einst die Gassenjungen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet anders herum: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’, wären bald die Kassen leer. Irgendwie musste die KBV ja mal wieder in die Presse, und natürlich lamentieren. Was bringen Deutsche auch anderes zustanden in dieser Zeit?

So genannte "Brautimporte" aus den osteuropäischen Staaten, besonders aber aus Russland, beunruhigen die norwegischen Behörden offenbar immer mehr. Die Vermittler, die sich als Partneragenturen ausgeben, werden von den Behörden mehr und mehr als Menschenhändler betrachtet.

Die „Import-Bräute“ kommen zumeist mit einem 3-Monats-Visum nach Norwegen, um geheiratet zu werden. Wie es scheint, denken aber viele Norweger gar nicht an Heirat: Sie schicken die Braut nach drei Monaten als ungeeignet wieder zurück und „bestellen“ eine neue. Die Behörden haben dafür bereits einen Namen: Sie nennen diese Männer „Serienimporteure“.

Ein Rechtsprofessor erklärte nun der Zeitschrift „Aftenposten“, dass die Männer damit gegen geltendes norwegisches Recht verstoßen würden: Ein einschlägiger Paragraf des Rechtssystems, der ursprünglich auf die Verhinderung von Zwangsprostitution abzielte, könnte auch für die Serienbräutigame gelten.

Siehe, da betätigt sich ein SZ-Redakteur als Wortschöpfer und erfindet die Unangezogenheit als Äquivalent für die Nacktheit. Nun geht es aber um eine „gewisse Unangezogenheit“, wobei richtig vermerkt wird, dass „Unangezogen“ weder “halb nackt“ noch „halb bekleidet“ bedeutet. Die „gewisse Unangezogenheit“ steht also für einen nicht näher bezeichneten Zustand, indem der Mensch zwar nicht mehr bekleidet, aber auch noch nicht nackt ist. Aber eben auch nicht halb nackt, aber ebenso wenig halb angezogen.

Was Menschen nicht alles sein können – halb nackt, halb angezogen, halb ausgezogen? Wie war es noch mit dem Kammerjäger Emanuel Pips? Trug der mehr als drei Zentimeter Rips? Und war er dann halb nackt? Oder „dreiviertels“, wie hier der Schwab schnell einflechten würde?

Das Sommerloch verführt zu manchen Betrachtungen: Nackt sein, das Geburtstagskleid tragen, einen Tropfen Parfüm tragen. Bestimmt findet jemand noch einen weiteren Beitrag, der die wichtigste aller deutschen Fragen des Sommerlochs nun endlich beantwortet: Wie nackt, bitte, ist halb nackt? Oder sollte ich fragen: Welche Maß an Unangezogenheit betrachtet man in der deutschen Sprache als Halbnacktheit? Lieber Nicht.

Über die Schwierigkeiten eines Journalisten mit der neuen Rechtschreibung amüsiert sich SZ-Redakteur Jens-Uwe Sommerschuh. Der Mann hat eigentlich recht, weil er ein paar Korrekturen anmahnt, aber nicht deswegen schreibe ich dies, sondern vor allem, weil die Sache humorig ist – und gerade Humor fehlt uns ja manchmal bei dieser Diskussion. Zitat: „Aus „halbnackt“ wird „halb nackt“, obwohl es nicht um fünfzigprozentige Nackigkeit geht, sondern nur um eine gewisse Unangezogenheit.“

So weit die guten Nachrichten. Hier die Schlechten: Es scheint, als würden wir „Sprache“ inzwischen mit „Schreiben“ gleich setzen, und damit „richtige“ Sprache mit „Rechtschreibung“. Was sind wir nun eigentlich? Ein Volk von kühnen Denkern, die auch schreiben oder ein Volk von schreibenden Schulmeistern, die auch denken?

Das wöchentliche Geblubber aus den Algen (an sich jeden Sonntag)

Kein Geblubber am Sonntag? Nein, Sehpferd ist nicht krank, keinesfalls. Ich habe mich aber tatsächlich einmal nach Neufünfland getraut, sozusagen in privater Angelegenheit, und musste zuvor einen Schwur tun, nicht zu Computern (das beginnt bereits mit dem Einschalten).

Ich habe dort viel gelernt und manches Vorurteil überwurden, doch dies wurde bestätigt: Die PDS versucht dort gerade, so genannte „Montagsdemonstrationen“ für sich zu vereinnahmen. Irgendwie muss jeder, der da mitgeht, sich vorwerfen lassen, nicht begriffen zu haben, was die alten Montagsdemonstrationen waren. Jedenfalls ist interessant, wie ein paar Aufhetzer es in Deutschland immer wieder schaffen, die politisch dummen Massen zu mobilisieren – die PDS lacht sich ins Fäustchen.

Was mir gefallen hat: Die Menschen, die ich fragte, interessierten sich alle lebhaft für die Wessie-Diskussion um die Rechtschreibreform. Einheitlicher Kommentar: Natürlich behalten wir sie. Und ein weiterer Kommentar, fast wichtiger: Habt ihr eigentlich keine anderen Sorgen?

Nein, offenbar nicht. Das Bauarbeiter-Blatt BILD solidarisiert sich mit den Klugschwätzern vom „SPIEGEL“ – eine noch miesere Allianz hätten wir uns in Deutschland wahrhaftig nicht vorstellen können. Was die Lehrerrinnen und Lehrer dazu bei Schulbeginn den Schülern sagen sollen, interessiert diese Leute offenbar einen feuchten Kehricht, oder noch klarer: Ein großer Teil arroganter deutscher Pressezaren treibt eine ganze Schülergeneration in die Rechtschreibmisere. Hoffen wir mal, dass es dieser unheiligen Allianz nicht gelingt, sich durchzusetzen: Landgraf, werde hart.

Mein Weblog wächst, blüht und gedeiht und ist weiterhin berühmt und erfolgreich. Ein Artikel brachte es immerhin auf 25.000 Zugriffe – das kann sich schon sehen lassen. Mag auch Lilo Wanders aufgeben – Sehpferd macht weiter. Wie immer an dieser Stelle, mal liebevoll, mal scharfzüngig, und wie immer distanziert. Das ist nämlich die wichtigste Eigenschaft für glaubwürdiges Blogging, auch wenn mir hier Leute das Gegenteil erzählen wollen.

Ach ja, noch etwas: Meine Beiträge werden auch ohne Kommentare gelesen. Wer Fehler findet oder anderer Meinung ist, darf gerne dennoch kommentieren. Alle anderen mögen aber bitte die Maus vom Kommentarfeld nehmen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, gelöscht zu werden.

Japanerinnen können jetzt jede Nacht einen besonderen Liebhaber mit ins Bett nehmen, der völlig pflegelicht ist und ohne mechanische Teile auskommt: Es ist ein Kissen in der Form eines männlichen Oberkörpers. Angeblich reißen sich die Japanerinnen um das Kissen, sodass an einen Export vorläufig noch nicht zu denken ist.

Die Original-Meldung mit Foto befindet sich hier.

Was man so am Rande erfährt: Seit der Öffnung der EU nach Osten hat sich nach einem Fernsehbericht die Zahl der Gewerbenahmeldungen in der Stadt Berlin versechsfacht. Die Mehrzahl der Gewerbeneulinge sind danach polnische EU-Bürger.

Es ist also möglich, hier ganz neu anzufangen und eine Existenz zu gründen. Sollte man vielleicht mal den Deutschen sagen.

„Bitte recht freundlich“ sollen die Fotografen zu Zeiten meines Großvaters gesagt haben – ich selbst habe es nie gehört. Indessen bin ich beim Fotografen immer schrecklich ernst, so dass man mein wunderschönes Lächeln dort erst herbeizaubern muss – kein Wunder, dass ich Fotografinnen bevorzuge.

Für ein englisches Passfoto neuer Art würde ich mein Fotografiergesicht jetzt nicht mehr verändern müssen: Der Erbst der Situation fordert ernste Gesichter: „Was, sie lachen noch angesichts des weltweiten Terrorismus?“, wäre wohl eine Möglichkeit, den künftigen englischen Fotografenkunden zur Räson zu bringen. Der englische „Passport Service“ (UKPS) will nämlich in Zukunft nur noch Pässe mit ernsten Gesichtern ausstellen.

Die Verleger der „FAZ“, die Springer-Gruppe und der „Spiegel“ haben beschlossen, der Sprache Gewalt anzutun – doch während es die „FAZ“ hinter dem Vorwand der Sprachpflege in der Vergangenheit einfach schick fand, anders zu sein, haben die neuen Denkbrüder Mathias Döpfner und Stefan Aust schlicht erklärt, die neue Sprachregelung sei eine “kultusbürokratische Überregulierung“. Deswegen werden sie, so eine Presseverlautbarung, zur „alten“ Rechtschreibung zurückkehren.

Wie es scheint, wollen sie aber nicht nur dies, sondern sie beanspruchen die Herrschaft der Schrift für sich alleine. Zitat „Auf der Basis der alten Rechtschreibung könne darüber nachgedacht werden, welche Vorschläge der Reformer schrittweise übernommen werden könnten“. So etwas nennt man die Arroganz der Macht.

Wenn das der neue Stil des SPIEGELS sein sollte, dann gute Nacht für ihre Publikation, Herr Aust – von Herrn Döpfner haben wir nichts anderes erwartet.

Wenn Gewerkschaften von dem sich inzwischen festigenden Ruf wegkommen wollen, den Polit-Nörglern in Deutschland eine Heimat zu bieten, dann müssten sie all ihre Intelligenz aufbieten, um sich positiv, aktiv und mit gewerkschaftlichem Biss an einer Erneuerung Deutschland zu beteiligen.

Tun sie aber nicht. Gerade hat IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt in einer zwar nicht gerade höflichen, aber zutreffenden Weise in die Diskussion um die Erneuerung des Sozialsystems eingegriffen und manche Kräfte im DGB als „Populisten“ bezeichnet und geschrieben: „Eine gewerkschaftliche Strategie, die vor allem auf Blockieren setzt, ist zum Scheitern verurteilt“.

Die Retourkutsche der IG Metall, vertreten durch Jürgen Peters: IG BCE stelle sich „an den Rand des politischen Spektrums“. Das politische „Spektrum“ des Herrn Peters muss sehr schmalbandig sein: Irgendwo zischen Knallrot und Dunkelrot.

Mutter Natur bestimmt die Liebe mehr als manchem Menschen Lieb ist – und die Erklärungsversuche philosophischer und psychologischer Art hinken hinterher.

Das Gehirn, der chemisch gesteuerte Computer, den wir oft nur mit Mühe bei Verstand halten, reagiert weitaus mehr auf chemische Botenstoffe als auf unsere bewusste sinnliche Steuerung.

Wer es genau wissen will wie die Chemie der Liebe in Theorie und Praxis aussieht, kann dies jetzt in einem Buch nachlesen:

Lust und Liebe - alles nur Chemie? Von Gabriele und Rolf Froböse

 

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